Fortpflanzung: geschlechtlich und ungeschlechtlich
Durch Fortpflanzung entstehen neue, eigenständige Lebewesen. Dabei wird genetische Information an die nächste Generation weitergegeben. Das kann ungeschlechtlich aus einem Elternorganismus oder geschlechtlich durch die Vereinigung von Geschlechtszellen geschehen.
Auf dieser Seite lernst du, beide Formen zu unterscheiden und die Abläufe bei Menschen, Tieren und Samenpflanzen einzuordnen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum pflanzen sich Lebewesen fort?
Ein einzelnes Lebewesen lebt nur begrenzte Zeit. Durch Fortpflanzung entstehen Nachkommen, an die genetische Information weitergegeben wird. So bleibt biologisches Leben über Generationen erhalten.
Fortpflanzung
Fortpflanzung ist die Erzeugung neuer, eigenständiger Individuen. Ihre Grundlage sind Zellteilungen; bei der geschlechtlichen Fortpflanzung kommt die Vereinigung von Geschlechtszellen hinzu.
Fortpflanzung und Vermehrung bedeuten nicht genau dasselbe. Vermehrung bezeichnet eine Zunahme der Individuenzahl. Fortpflanzung führt häufig dazu, aber nicht zwingend: Wenn aus zwei beteiligten Einzellern Geschlechtszellen hervorgehen, die zu nur einem neuen Individuum verschmelzen, steigt die Zahl der Individuen nicht.
Fortpflanzung beschreibt die Entstehung neuer Individuen. Vermehrung beschreibt eine Zunahme ihrer Anzahl.
Wie funktioniert ungeschlechtliche Fortpflanzung?
Bei der ungeschlechtlichen Fortpflanzung entsteht ein Nachkomme aus einem Elternorganismus, einer Zelle oder einem abgetrennten Teil. Geschlechtszellen verschmelzen dabei nicht miteinander.
Die Nachkommen besitzen grundsätzlich dieselben erblichen Anlagen wie der Elternorganismus. Solche genetisch übereinstimmenden Nachkommen nennt man Klone.
Eine Erdbeerpflanze bildet einen langen Spross, einen sogenannten Ausläufer. An ihm wächst eine Tochterpflanze heran und bildet eigene Wurzeln. Sie ist ohne Bestäubung, Befruchtung und Samenbildung entstanden. Deshalb handelt es sich um ungeschlechtliche beziehungsweise vegetative Fortpflanzung.
Ungeschlechtliche Fortpflanzung kann unterschiedlich ablaufen:
- Bei der Zweiteilung teilt sich eine Zelle in zwei neue Individuen.
- Bei der Sprossung oder Knospung wächst am Elternorganismus ein neuer Teil heran und löst sich später ab.
- Bei der Fragmentation entstehen aus abgetrennten Teilstücken neue Individuen.
- Pflanzen können sich unter anderem durch Ausläufer, Absenker oder Stecklinge vegetativ vermehren.
Beim Steckling bildet beispielsweise ein abgetrennter Spross neue Wurzeln. Pflanzliche Zellen können dabei die für das neue Gewebe benötigte Entwicklung einschlagen. Diese weitreichende Entwicklungsfähigkeit wird Totipotenz genannt.
Ungeschlechtlich bedeutet: ein Elternorganismus, keine Verschmelzung von Geschlechtszellen und grundsätzlich genetisch übereinstimmende Nachkommen.
Wie funktioniert geschlechtliche Fortpflanzung?
Bei der geschlechtlichen Fortpflanzung vereinigen sich Geschlechtszellen. Diese Zellen heißen auch Keimzellen oder Gameten.
Bei Menschen und vielen Tieren ist die große, unbewegliche weibliche Geschlechtszelle die Eizelle. Die männliche Geschlechtszelle heißt Samenzelle oder Spermium und kann sich mithilfe ihres Schwanzteils fortbewegen.
Der grundlegende Ablauf besteht aus drei Schritten:
- Geschlechtszellen werden gebildet.
- Die Geschlechtszellen werden übertragen oder begegnen einander.
- Bei der Befruchtung verschmelzen ihre Zellkerne.
Befruchtung
Befruchtung ist die Vereinigung einer männlichen und einer weiblichen Geschlechtszelle einschließlich der Verschmelzung ihrer Zellkerne.
Die befruchtete Eizelle heißt Zygote. Sie enthält genetische Information beider beteiligter Geschlechtszellen. Aus ihr kann sich durch weitere Zellteilungen ein neues Lebewesen entwickeln.
Eine Eizelle und ein Spermium begegnen einander. Ein Spermium dringt in die Eizelle ein, anschließend verschmelzen die Zellkerne. Damit ist die Zygote entstanden. Erst die Verschmelzung ist die Befruchtung – die vorherige Annäherung allein noch nicht.
Wo findet die Befruchtung bei Menschen und Tieren statt?
Bei der inneren Befruchtung vereinigen sich die Geschlechtszellen im Körper eines Tieres beziehungsweise Menschen. Beim Menschen entstehen Eizellen in den Eierstöcken und Spermien in den Hoden. Nach der Übertragung können Spermien durch die Gebärmutter bis in einen Eileiter gelangen. Dort kann eine Eizelle befruchtet werden.
Bei der äußeren Befruchtung werden Geschlechtszellen in die Umgebung abgegeben und vereinigen sich außerhalb des Körpers. Das kommt bei vielen Wassertieren vor. Sie geben zahlreiche Eizellen und Spermien ins Wasser ab, damit Geschlechtszellen aufeinandertreffen können.
| Form | Ort der Befruchtung | Beispielhafter Zusammenhang |
|---|---|---|
| Innere Befruchtung | im Körper | Mensch und viele Landtiere |
| Äußere Befruchtung | außerhalb des Körpers | viele Wassertiere, etwa Fische oder Amphibien |
Der Lebensraum allein entscheidet nicht immer über die Befruchtungsform. Deshalb sind „viele Wassertiere“ und „viele Landtiere“ genauer als Aussagen über ausnahmslos alle Tiere einer Gruppe.
Was geschieht bei Samenpflanzen?
Auch Samenpflanzen können sich geschlechtlich fortpflanzen. Die männlichen Geschlechtszellen werden mit dem Pollen transportiert. Die Eizelle liegt in einer Samenanlage.
Zwei Vorgänge müssen klar getrennt werden:
Bestäubung
Bestäubung ist die Übertragung von Pollen zum weiblichen Teil einer Blüte beziehungsweise direkt zur Samenanlage. Sie kann zum Beispiel durch Wind oder Insekten erfolgen.
Befruchtung bei Samenpflanzen
Bei der Befruchtung erreicht eine männliche Geschlechtszelle die Eizelle in der Samenanlage und vereinigt sich mit ihr.
Bei einem Bedecktsamer läuft der Weg vereinfacht so ab:
- Pollen gelangt auf die Narbe: Das ist die Bestäubung.
- Ein Pollenschlauch wächst in Richtung Samenanlage.
- Eine männliche Geschlechtszelle gelangt durch den Pollenschlauch zur Eizelle.
- Die Geschlechtszellen vereinigen sich: Das ist die Befruchtung.
Eine Biene überträgt Pollen auf die Narbe einer Blüte. Zu diesem Zeitpunkt ist die Blüte bestäubt, aber noch nicht befruchtet. Erst wenn eine männliche Geschlechtszelle durch den Pollenschlauch zur Eizelle gelangt und sich mit ihr vereinigt, hat die Befruchtung stattgefunden.
Bestäubung transportiert Pollen. Befruchtung vereinigt Geschlechtszellen. Bestäubung kommt zuerst.
Wie vergleichst du beide Fortpflanzungsformen?
Die entscheidende Frage lautet: Verschmelzen Geschlechtszellen?
| Merkmal | Ungeschlechtliche Fortpflanzung | Geschlechtliche Fortpflanzung |
|---|---|---|
| Ausgangspunkt | ein Elternorganismus, eine Zelle oder ein Körperteil | Geschlechtszellen |
| Befruchtung | nein | ja |
| Erbliche Anlagen der Nachkommen | grundsätzlich mit dem Elternorganismus übereinstimmend | aus beiden Geschlechtszellen neu kombiniert |
| Beispiele | Zweiteilung, Fragmentation, Ausläufer, Steckling | Befruchtung bei Menschen, Tieren und Samenpflanzen |
Fall A: Ein Maiglöckchen wächst aus einem abgetrennten Pflanzenteil weiter. Geschlechtszellen sind nicht beteiligt. Der Vorgang ist ungeschlechtlich.
Fall B: Pollen gelangt auf eine Narbe. Später vereinigt sich eine männliche Geschlechtszelle mit der Eizelle in der Samenanlage. Der Vorgang ist geschlechtlich.
Der Unterschied liegt nicht darin, ob eine Pflanze beteiligt ist. Pflanzen können beide Fortpflanzungsformen nutzen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Fortpflanzung
- erhält biologische Kontinuität durch Weitergabe genetischer Information
- ungeschlechtlich: ohne Befruchtung, grundsätzlich klonale Nachkommen
- geschlechtlich: Geschlechtszellen vereinigen sich zur Zygote
- innere Befruchtung: Vereinigung im Körper
- äußere Befruchtung: Vereinigung außerhalb des Körpers
- Samenpflanzen: Bestäubung vor Befruchtung in der Samenanlage
Abschluss-Check
Du kannst Fortpflanzungsformen nun mit einer Leitfrage bestimmen: Verschmelzen Geschlechtszellen? Lautet die Antwort nein, ist der Vorgang ungeschlechtlich. Lautet sie ja, ist er geschlechtlich.
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