Sexualität: Körper, Vielfalt und Fortpflanzung
Sexualität umfasst mehr als Fortpflanzung. Dazu gehören körperliche Vorgänge, Gefühle, Lust, Nähe, Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung und der respektvolle Umgang mit Grenzen. Diese Bereiche hängen teilweise zusammen, bedeuten aber nicht dasselbe.
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Was gehört zur Sexualität?
In der Biologie bezeichnet Sexualität Vorgänge und Merkmale, die mit Geschlechtlichkeit und geschlechtlicher Fortpflanzung verbunden sind. Beim Menschen gehören außerdem Gefühle, Lust, Nähe, Beziehungen und persönliche Identität dazu.
Bei der geschlechtlichen Fortpflanzung vereinigen sich eine Eizelle und ein Spermium. Dabei wird das Erbgut zweier Elternteile neu kombiniert. So entstehen genetisch unterschiedliche Nachkommen.
Sexualität kann auch ohne Fortpflanzung erlebt werden. Sie kann Nähe, Lust sowie Partnerbindung ausdrücken. Ob und wie ein Mensch Sexualität leben möchte, ist eine persönliche Entscheidung.
Sexualität, Fortpflanzung und Geschlecht hängen zusammen, sind aber keine austauschbaren Begriffe.
Was verändert sich in der Pubertät?
Die Pubertät ist eine mehrere Jahre dauernde Entwicklungsphase. Hormone lösen körperliche Veränderungen aus und tragen dazu bei, dass die Fortpflanzungsorgane funktionsfähig werden. Auch Gefühle und das Erleben des eigenen Körpers können sich verändern.
Hormon
Ein Hormon ist ein körpereigener Botenstoff. Es wird an einem Ort gebildet, übermittelt ein Signal und wirkt nur an Zellen mit passenden Bindungsstellen.
Das lässt sich mit einem Schlüssel und einem Schloss vergleichen: Ein Hormon kann nur dort ein Signal auslösen, wo eine passende Zielstruktur vorhanden ist.
Primäre Geschlechtsmerkmale sind Geschlechtsorgane, die unmittelbar an der Fortpflanzung beteiligt sind; sie sind bereits vor der Geburt angelegt. Sekundäre Geschlechtsmerkmale entwickeln sich verstärkt während der Pubertät. Dazu können beispielsweise Brustentwicklung, Bartwuchs, eine tiefere Stimme, breitere Schultern, ein breiteres Becken sowie Achsel- und Schambehaarung gehören.
Nicht alle Veränderungen beginnen zur gleichen Zeit oder verlaufen gleich stark. Aus körperlichen Merkmalen lässt sich außerdem nicht ableiten, welche Interessen, Eigenschaften oder gesellschaftlichen Rollen ein Mensch haben sollte.
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Hormone sind körpereigene . Geschlechtsorgane, die unmittelbar an der Fortpflanzung beteiligt sind, zählen zu den Geschlechtsmerkmalen. Merkmale, die sich verstärkt in der Pubertät entwickeln, heißen Geschlechtsmerkmale.
Wie arbeiten Fortpflanzungsorgane und Keimzellen zusammen?
Menschen besitzen unterschiedliche Kombinationen von Fortpflanzungsorganen. Diese körperliche Ausstattung ist nicht dasselbe wie die Geschlechtsidentität einer Person.
Zu den Organen, die Eizellen und eine mögliche Schwangerschaft ermöglichen, gehören:
- Eierstöcke: In ihnen reifen Eizellen; außerdem bilden sie Geschlechtshormone.
- Eileiter: Sie transportieren eine reife Eizelle in Richtung Gebärmutter. Hier kann eine Befruchtung stattfinden.
- Gebärmutter: Ihre Schleimhaut kann einen frühen Keim aufnehmen.
- Scheide oder Vagina: Sie verbindet innere und äußere Geschlechtsorgane.
- Klitoris und Schamlippen: Sie gehören zu den äußeren Geschlechtsorganen; die Klitoris ist besonders berührungsempfindlich.
Zu den Organen, die Spermien bilden und transportieren, gehören:
- Hoden: Sie bilden Spermien und Geschlechtshormone.
- Nebenhoden: Hier reifen Spermien.
- Samenleiter: Sie transportieren Spermien weiter.
- Prostata und Bläschendrüse: Sie geben Flüssigkeiten hinzu; zusammen mit den Spermien entsteht Sperma.
- Penis: Durch seine Harnröhre kann Sperma bei der Ejakulation nach außen gelangen.
Keimzellen
Eizelle und Spermium sind Keimzellen. Die Eizelle ist groß und unbeweglich. Das Spermium ist klein und beweglich. Bei einer Befruchtung vereinigen sich beide Zellen.
Ein Spermium gelangt bis in einen Eileiter und trifft dort auf eine reife Eizelle. Verschmelzen beide Keimzellen, entsteht eine befruchtete Eizelle. Sie beginnt sich zu teilen und kann später in die Gebärmutterschleimhaut aufgenommen werden.
Der entscheidende Gedanke: Die Befruchtung findet normalerweise im Eileiter statt, die mögliche Einnistung dagegen in der Gebärmutter.
Wie steuern Hormone den Körper?
Eine gemeinsame Steuerkette beginnt im Gehirn:
- Der Hypothalamus setzt das Hormon GnRH frei.
- GnRH regt die Hypophyse an.
- Die Hypophyse gibt FSH und LH ins Blut ab.
- FSH und LH wirken an Eierstöcken oder Hoden.
In den Hoden fördert FSH die Bildung und Reifung von Spermien. LH regt die Bildung von Androgenen an. Das bekannteste genannte Androgen ist Testosteron. Es wirkt an der Entwicklung mehrerer sekundärer Geschlechtsmerkmale mit.
In den Eierstöcken unterstützt FSH die Reifung eines Follikels mit einer Eizelle. Der reifende Follikel bildet Östrogene, besonders Östradiol. Diese Hormone fördern unter anderem den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut.
Ein starker LH-Anstieg löst den Eisprung aus. Der geleerte Follikel wird danach zum Gelbkörper. Dieser bildet vor allem Progesteron, das die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Einnistung vorbereitet und FSH sowie LH hemmt.
Bleibt die Befruchtung aus, bildet sich der Gelbkörper zurück. Der Progesteronspiegel sinkt, und die Gebärmutterschleimhaut wird bei der Menstruation abgestoßen. Der Ablauf und seine Dauer können von Mensch zu Mensch und von Zyklus zu Zyklus variieren.
FSH unterstützt die Reifung von Keimzellen. LH fördert im Eierstock den Eisprung und im Hoden die Bildung von Androgenen.
Wie lassen sich Geschlecht, Identität und Orientierung unterscheiden?
Mehrere Begriffe beschreiben verschiedene Seiten eines Menschen. Sie dürfen nicht gleichgesetzt werden.
Körperliche Geschlechtsmerkmale
Dazu gehören unter anderem Chromosomen, Keimdrüsen, Hormone, innere und äußere Geschlechtsorgane sowie sekundäre Geschlechtsmerkmale. Diese Merkmale können unterschiedlich kombiniert sein.
XX und XY sind häufige Kombinationen von Geschlechtschromosomen. Daneben kommen weitere Kombinationen und Entwicklungsvarianten vor. Wenn körperliche Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig in die üblichen Kategorien männlich oder weiblich passen, spricht man von intergeschlechtlichen Varianten.
Die Geschlechtsidentität beschreibt, welchem Geschlecht sich ein Mensch selbst zuordnet. Bei trans Menschen unterscheidet sie sich von dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.
Das soziale Geschlecht betrifft gesellschaftliche Rollen und Erwartungen. Solche Rollen sind keine zwingende Folge von Organen, Chromosomen oder Hormonen.
Die sexuelle Orientierung beschreibt, zu wem sich ein Mensch sexuell hingezogen fühlt oder ob eine solche Anziehung kaum beziehungsweise nicht erlebt wird. Zu den genannten Orientierungen gehören Heterosexualität, Homosexualität, Bisexualität und Asexualität.
Körperliche Merkmale bestimmen nicht automatisch Geschlechtsidentität, Rollenverhalten oder sexuelle Orientierung.
Respektvolle Sexualität setzt Selbstbestimmung voraus. Persönliche Grenzen gelten unabhängig von Beziehung, Identität oder Orientierung. Einvernehmlich ist eine Handlung nur, wenn die beteiligten Personen freiwillig zustimmen und ihre Zustimmung auch zurücknehmen können.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Sexualität
- Körper und Pubertät
- Hormone und Geschlechtsmerkmale
- Fortpflanzungsorgane und Keimzellen
- Fortpflanzung
- Befruchtung im Eileiter
- mögliche Einnistung in der Gebärmutter
- Persönliche und soziale Dimensionen
- Geschlechtsidentität und Rollen
- sexuelle Orientierung und Selbstbestimmung
- Körper und Pubertät
Abschluss-Check
Du hast den Kern verstanden, wenn du Organe und hormonelle Abläufe sachlich erklären kannst und zugleich erkennst: Körperliche Vielfalt, Identität, Orientierung und soziale Rollen sind unterschiedliche Dimensionen von Sexualität.
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