Muskeln: Aufbau, Arten und Bewegung verstehen
Muskeln erzeugen Kraft, indem sich ihre Zellen zusammenziehen. Skelettmuskeln übertragen diese Kraft meist über Sehnen auf Knochen. Weil ein Muskel aktiv ziehen, aber nicht drücken kann, arbeiten bei vielen Bewegungen Spieler und Gegenspieler zusammen.
Auf dieser Seite lernst du außerdem, wie ein Muskel aufgebaut ist und wie Aktin, Myosin, Calcium und ATP an seiner Kontraktion beteiligt sind.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Drei Muskelarten erfüllen verschiedene Aufgaben
Nicht alle Muskeln lassen sich bewusst anspannen. Beim Menschen unterscheidet man drei Muskelarten.
Skelettmuskulatur
Skelettmuskeln bewegen den Körper und halten ihn aufrecht. Sie sind quergestreift, meist über Sehnen mit Knochen verbunden und größtenteils willentlich steuerbar.
Unter dem Mikroskop zeigen ihre regelmäßig angeordneten Bestandteile helle und dunkle Querstreifen. Daher stammt die Bezeichnung quergestreift.
Glatte Muskulatur
Glatte Muskulatur liegt vor allem in den Wänden von Hohlorganen und Blutgefäßen. Sie arbeitet unwillkürlich, meist langsamer als Skelettmuskulatur. Im Magen-Darm-Trakt bewegt und durchmischt sie beispielsweise den Nahrungsbrei.
Herzmuskulatur
Die Herzmuskulatur bildet den größten Teil des Herzens. Sie arbeitet unwillkürlich und ist wie die Skelettmuskulatur quergestreift. Ihre Zellen sind jedoch verzweigt und bilden eine besondere, auf rhythmisches Pumpen ausgerichtete Muskulatur.
Skelettmuskel: quergestreift und größtenteils bewusst steuerbar. Glatte Muskulatur: nicht quergestreift und unwillkürlich. Herzmuskel: quergestreift, aber unwillkürlich.
Vom Muskel bis zu den Filamenten
Ein Skelettmuskel besteht nicht aus einem einzigen festen Strang. Seine Bauteile sind stufenweise gebündelt:
- Der gesamte Muskel ist von festigendem Bindegewebe umgeben.
- Im Muskel liegen Muskelfaserbündel.
- Jedes Bündel enthält zahlreiche Muskelfasern. Das sind lange Muskelzellen.
- In jeder Muskelfaser liegen viele Myofibrillen.
- Eine Myofibrille besteht aus hintereinanderliegenden Sarkomeren.
- In den Sarkomeren liegen dünne Aktinfilamente und dickere Myosinfilamente.
Sarkomer
Ein Sarkomer ist der Abschnitt zwischen zwei Z-Scheiben und die kleinste regelmäßig wiederkehrende Kontraktionseinheit einer Myofibrille.
Am Muskelbauch setzt sich das umgebende Bindegewebe an den Enden häufig als Sehne fort. Die Sehne überträgt den Zug des Muskels auf den Knochen. Blutgefäße versorgen das Gewebe; Nerven übermitteln Signale an die Muskelfasern.
Ordne die Strukturen vom Größten zum Kleinsten:
Muskelfaser – Sarkomer – Muskel – Myofibrille – Muskelfaserbündel
Der vollständige Weg lautet:
Muskel → Muskelfaserbündel → Muskelfaser → Myofibrille → Sarkomer
Aktin und Myosin liegen innerhalb der Sarkomere.
Beuger und Strecker arbeiten als Gegenspieler
Ein Muskel kann sich aktiv zusammenziehen und dadurch Zug erzeugen. Für eine Bewegung in die Gegenrichtung muss ein anderer Muskel ziehen. Solche Muskeln heißen Gegenspieler oder Antagonisten.
Beim Beugen des Unterarms zieht sich der Bizeps an der Vorderseite des Oberarms zusammen. Er wird kürzer und zieht über seine Sehne am Knochen. Gleichzeitig entspannt sich der Trizeps an der Rückseite.
Beim Strecken wechseln die Rollen: Der Trizeps kontrahiert, während der Bizeps entspannt.
Der Gegenspieler ist also nicht grundsätzlich untätig. Bei der Gegenbewegung wird er selbst zum Spieler.
Eine fließende Gelenkbewegung entsteht durch abgestimmtes Anspannen und Entspannen. Beugen: Bizeps zieht, Trizeps entspannt. Strecken: Trizeps zieht, Bizeps entspannt.
So verkürzt sich ein Sarkomer
Eine willentliche Bewegung beginnt mit einem Signal des Nervensystems. Im Inneren der Muskelfaser löst dieses Signal die Freisetzung von Calciumionen aus.
Die Kontraktion lässt sich als Kette beschreiben:
- Calcium bindet an das Protein Troponin am Aktinfilament.
- Troponin verändert seine Form und verschiebt Tropomyosin.
- Dadurch werden Bindungsstellen am Aktin frei.
- Myosinköpfe können nun an Aktin binden.
- Die Myosinköpfe ziehen die Aktinfilamente an den Myosinfilamenten vorbei.
- ATP ermöglicht, dass sich die Verbindung wieder löst und der Myosinkopf für einen neuen Zug vorbereitet wird.
- Viele Wiederholungen lassen die Filamente weiter aneinander vorbeigleiten. Die Z-Scheiben nähern sich und das Sarkomer wird kürzer.
ATP ist ein Stoff, der Zellen nutzbare Energie bereitstellt. Beim Querbrückenzyklus wird ATP benötigt, damit Myosinköpfe ihre Bindung lösen, zurückgesetzt werden und erneut arbeiten können.
Aktin- und Myosinfilamente gleiten aneinander vorbei. Die Verkürzungen vieler Sarkomere addieren sich: Erst verkürzt sich die Myofibrille, dann die Muskelfaser und schließlich der Muskel.
Verfolge den Weg vom Signal bis zur sichtbaren Bewegung:
Nervensignal → Calcium wird freigesetzt → Bindungsstellen am Aktin werden zugänglich → Myosin zieht Aktin → Sarkomere verkürzen sich → Muskelfaser kontrahiert → Sehne zieht am Knochen → Gelenk bewegt sich
Jeder Pfeil verbindet eine Ursache mit dem nächsten Schritt. Eine Sehne allein erzeugt beispielsweise keine Kraft; sie überträgt die im Muskel entstandene Kraft.
Vom Zellvorgang zur Körperbewegung
Eine sichtbare Bewegung verbindet Vorgänge auf mehreren Ebenen:
- Das Nervensystem aktiviert Muskelfasern.
- In den Sarkomeren gleiten Aktin und Myosin aneinander vorbei.
- Viele verkürzte Sarkomere verkürzen die Muskelfaser.
- Der gesamte Muskel entwickelt Zugkraft.
- Eine Sehne überträgt den Zug auf einen Knochen.
- Der Knochen bewegt sich im Gelenk.
- Ein Gegenspieler ermöglicht die Gegenbewegung.
Du hebst einen Gegenstand an, indem du den Unterarm beugst. Das Nervensystem aktiviert den Bizeps. Seine Sarkomere verkürzen sich, der Muskel zieht über die Sehne am Unterarmknochen und der Unterarm bewegt sich im Ellenbogengelenk. Der Trizeps entspannt sich passend dazu.
Zum kontrollierten Absetzen reicht die Aussage „Der Bizeps arbeitet allein“ nicht aus. Die Bewegung muss durch das abgestimmte Zusammenspiel der beteiligten Muskeln gesteuert werden.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Muskeln erzeugen Zugkraft
- Muskelarten: Skelettmuskulatur, glatte Muskulatur, Herzmuskulatur
- Aufbau: Muskel, Bündel, Muskelfaser, Myofibrille, Sarkomer
- Kontraktion: Calcium, Aktin, Myosin, ATP
- Kraftübertragung: Muskel, Sehne, Knochen, Gelenk
- Gegenbewegung: Spieler und Gegenspieler
Abschluss-Check
Wenn du Muskelart, Aufbau, Kontraktion und Kraftübertragung zu einer Erklärung verbinden kannst, hast du den entscheidenden Lernweg verstanden: Ein Nervensignal aktiviert den Muskel, Sarkomere verkürzen sich, die Sehne überträgt Zug und abgestimmte Gegenspieler steuern die Bewegung.
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