Biologie

Zellatmung: Ablauf, ATP-Bildung und Bilanz

Zellatmung: Ablauf, ATP-Bildung und Bilanz
Zellatmung: Ablauf, ATP-Bildung und Bilanz
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Bei der Zellatmung bauen Zellen Glucose schrittweise ab. Dabei übertragen sie einen Teil der frei werdenden Energie auf ATP, den unmittelbar nutzbaren Energieträger der Zelle. Sauerstoff wird benötigt; Kohlenstoffdioxid und Wasser entstehen.

Du lernst den Weg der Glucose durch vier Teilprozesse kennen. Danach kannst du Stoffe, Reaktionsorte und Energieübertragungen zuordnen sowie Zellatmung und Gärung vergleichen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was bei der Zellatmung umgewandelt wird

Die Zellatmung gehört zum katabolen Stoffwechsel. Katabol bedeutet: Ein energiereicher Stoff wird in kleinere Stoffe abgebaut. Menschen und Tiere erhalten Glucose unter anderem aus Kohlenhydraten der Nahrung. Pflanzen können Glucose durch Fotosynthese herstellen, nutzen sie aber ebenfalls zur Zellatmung.

Definition

Zellatmung

Zellatmung ist der schrittweise Abbau von Glucose mit Sauerstoff. Dabei entstehen Kohlenstoffdioxid und Wasser. Ein Teil der frei werdenden Energie wird in ATP übertragen.

Die vereinfachte Gesamtgleichung lautet:

$$\mathrm{C_6H_{12}O_6 + 6\ O_2 \rightarrow 6\ CO_2 + 6\ H_2O + Energie}$$

In Worten:

Glucose + Sauerstoff → Kohlenstoffdioxid + Wasser + nutzbare Energie und Wärme

Definition

ATP

ATP steht für Adenosintriphosphat. Es überträgt Energie auf Vorgänge wie Stofftransport, Bewegung und den Aufbau zelleigener Stoffe. Wird eine Phosphatgruppe abgespalten, entstehen ADP und freies Phosphat; dabei wird Energie für Zellvorgänge verfügbar.

Glucose wird nicht einfach „in ATP verwandelt“. Ihre Atome enden überwiegend in Kohlenstoffdioxid und Wasser. ATP nimmt nur einen Teil der beim Abbau frei werdenden Energie auf.

Auch äußere Atmung und Zellatmung sind nicht dasselbe: Die äußere Atmung beschreibt den Gasaustausch, etwa in der Lunge. Die Zellatmung ist die chemische Energiegewinnung innerhalb von Zellen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt die Zellatmung richtig?
Lösung: Glucose wird mit Sauerstoff abgebaut; dabei entstehen Kohlenstoffdioxid, Wasser und nutzbare Energie. — Die Zellatmung baut Glucose ab. Sauerstoff nimmt am Ende Elektronen auf; die frei werdende Energie wird teilweise in ATP gespeichert.
Frage 2 von 2MittelEine Pflanzenzelle betreibt Zellatmung. Welche Aussage stimmt?
Lösung: Auch Pflanzenzellen bauen Glucose zur ATP-Gewinnung ab. — Fotosynthese speichert Energie in Glucose. Zellatmung macht einen Teil dieser gespeicherten Energie als ATP nutzbar.
Vier Schritte führen von Glucose zu ATP

Zellatmung ist kein einzelner Reaktionssprung. Viele enzymatisch gesteuerte Reaktionen teilen den Abbau in vier Abschnitte. Bei eukaryotischen Zellen liegen diese Abschnitte im Zellplasma oder in verschiedenen Bereichen des Mitochondriums.

TeilprozessReaktionsortWichtigste Ergebnisse pro Glucose
GlykolyseZellplasma2 Pyruvat, 2 ATP netto, 2 NADH
Oxidative DecarboxylierungMitochondrienmatrix2 Acetyl-CoA, 2 CO₂, 2 NADH
CitratzyklusMitochondrienmatrix4 CO₂, 6 NADH, 2 FADH₂, 2 GTP
Atmungskette und Chemiosmoseinnere MitochondrienmembranWasser und der größte Teil des ATP

Glykolyse: Glucose wird gespalten

Bei der Glykolyse wird ein Glucosemolekül mit sechs Kohlenstoffatomen in zwei Pyruvatmoleküle mit jeweils drei Kohlenstoffatomen zerlegt. Zunächst werden 2 ATP investiert. Später entstehen 4 ATP.

Die Nettobilanz beträgt deshalb:

$$4\ \mathrm{ATP} - 2\ \mathrm{ATP} = 2\ \mathrm{ATP}$$

Zusätzlich entstehen 2 NADH. Die Glykolyse verbraucht unmittelbar keinen Sauerstoff.

Oxidative Decarboxylierung: Pyruvat wird vorbereitet

Jedes Pyruvat wird in der Mitochondrienmatrix zu Acetyl-CoA umgebaut. Dabei wird ein Kohlenstoffatom als CO₂ abgespalten und NADH gebildet. Aus zwei Pyruvat entstehen daher 2 Acetyl-CoA, 2 CO₂ und 2 NADH.

Citratzyklus: Acetyl-CoA wird weiter abgebaut

Die C2-Gruppe des Acetyl-CoA verbindet sich zunächst mit einem C4-Körper. Es entsteht der C6-Körper Citrat. In mehreren Reaktionen werden zwei CO₂ abgespalten und der C4-Ausgangskörper wiederhergestellt. Deshalb kann der Ablauf erneut beginnen.

Der Citratzyklus läuft pro Glucose zweimal. Insgesamt entstehen 4 CO₂, 6 NADH, 2 FADH₂ und 2 GTP. GTP kann energetisch ungefähr wie ATP behandelt werden.

Merke

Der Kohlenstoffweg lässt sich prüfen: Aus einer C6-Glucose entstehen zwei C3-Pyruvate. Beim Übergang zu zwei C2-Acetyl-CoA werden 2 CO₂ frei; im Citratzyklus folgen weitere 4 CO₂. Damit sind alle sechs Kohlenstoffatome der Glucose erfasst.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Die Glykolyse findet im statt und liefert zwei Moleküle . Die oxidative Decarboxylierung bildet daraus . Im Citratzyklus entstehen unter anderem NADH und .

Lösungen: Lücke 1: Zellplasma; Lücke 2: Pyruvat; Lücke 3: Acetyl-CoA; Lücke 4: FADH₂. Verfolge zuerst den Stoffweg: Glucose wird im Zellplasma zu Pyruvat. In der Mitochondrienmatrix folgen Acetyl-CoA und Citratzyklus; NADH und FADH₂ bringen Elektronen zur Atmungskette.
Ein Beispiel verbindet Stoff- und Energieweg

Stell dir eine Zelle vor, die ein Glucosemolekül vollständig aerob abbaut.

Beispiel

1. Glucose spalten: In der Glykolyse entstehen aus der C6-Glucose zwei C3-Pyruvate. Die Zelle gewinnt 2 ATP netto und bildet 2 NADH.

2. Pyruvat vorbereiten: Beide Pyruvate werden zu zwei C2-Acetyl-CoA umgebaut. Dabei entstehen 2 CO₂ und 2 weitere NADH.

3. Kohlenstoff vollständig abbauen: Beide Acetylgruppen durchlaufen den Citratzyklus. Dabei entstehen 4 CO₂, 6 NADH, 2 FADH₂ und 2 GTP.

4. Elektronen nutzen: Insgesamt erreichen 10 NADH und 2 FADH₂ die Atmungskette. Ihre Elektronen liefern Energie für den Aufbau eines Protonengradienten.

5. ATP bilden: Der Protonenrückfluss durch die ATP-Synthase erzeugt den größten ATP-Anteil. Sauerstoff nimmt am Ende Elektronen auf; zusammen mit Protonen entsteht Wasser.

Kontrolle: Die sechs Kohlenstoffatome der Glucose erscheinen in insgesamt 6 CO₂. Die direkt gebildeten 2 ATP und 2 GTP sind nur ein kleiner Teil der gesamten ATP-Ausbeute.

Der Abbau erfolgt schrittweise, damit die Zelle Energie kontrolliert auf Elektronenträger und ATP übertragen kann. Bei einer einzigen unkontrollierten Reaktion würde ein größerer Anteil unmittelbar als Wärme frei.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWarum ist die schrittweise Energieübertragung für die Zelle nützlich?
Lösung: Energie kann in mehreren Reaktionen kontrolliert auf Elektronenträger und ATP übertragen werden. — Enzyme teilen den Abbau in viele Reaktionen. Dadurch lässt sich frei werdende Energie abschnittsweise für NADH, FADH₂ und ATP nutzen.
Frage 2 von 2SchwerNach der Glykolyse liegen zwei C3-Pyruvate vor. Wo befinden sich die sechs Kohlenstoffatome am Ende des vollständigen aeroben Abbaus?
Lösung: In sechs Molekülen Kohlenstoffdioxid. — Bei der Pyruvatoxidation entstehen 2 CO₂, im zweimal durchlaufenen Citratzyklus weitere 4 CO₂.
Vertiefung: Wie die Atmungskette ATP bildet

NADH und FADH₂ sind Elektronenträger. Sie nehmen bei vorherigen Reaktionen energiereiche Elektronen auf und geben sie an Proteinkomplexe der inneren Mitochondrienmembran ab.

Die ATP-Bildung folgt einer Wirkungskette:

  1. Elektronen werden entlang mehrerer Membranproteine weitergereicht.
  2. Die dabei frei werdende Energie treibt den Transport von Protonen aus der Matrix in den Intermembranraum an.
  3. Es entsteht ein elektrochemischer Protonengradient: Auf beiden Seiten der Membran unterscheiden sich Protonenkonzentration und Ladung.
  4. Protonen strömen durch die ATP-Synthase zurück in die Matrix.
  5. Die ATP-Synthase koppelt diesen Rückfluss an die Bildung von ATP aus ADP und Phosphat.

Diese Kopplung heißt Chemiosmose.

Definition

Finaler Elektronenakzeptor

Sauerstoff nimmt am Ende der Atmungskette Elektronen auf. Zusammen mit Protonen entsteht Wasser. Fehlt Sauerstoff, kann der aerobe Elektronentransport nicht dauerhaft weiterlaufen.

Sauerstoff setzt also nicht selbst Kohlenstoffdioxid frei. Das CO₂ entsteht zuvor bei der oxidativen Decarboxylierung und im Citratzyklus.

Warum werden ungefähr 30 bis 32 ATP angegeben?

Pro Glucose entstehen insgesamt:

  • 10 NADH: 2 aus der Glykolyse, 2 aus der oxidativen Decarboxylierung und 6 aus dem Citratzyklus;
  • 2 FADH₂ aus dem Citratzyklus;
  • 2 ATP netto aus der Glykolyse;
  • 2 GTP, entsprechend ungefähr 2 ATP, aus dem Citratzyklus.

Mit den Näherungswerten 2,5 ATP pro mitochondrialem NADH und 1,5 ATP pro FADH₂ ergeben die Elektronenträger rechnerisch bis zu:

$$10 \cdot 2{,}5\ \mathrm{ATP} + 2 \cdot 1{,}5\ \mathrm{ATP} = 28\ \mathrm{ATP}$$

Zusammen mit 2 ATP aus der Glykolyse und ungefähr 2 ATP aus GTP ergibt das im oberen Modell:

$$28\ \mathrm{ATP} + 2\ \mathrm{ATP} + 2\ \mathrm{ATP} = 32\ \mathrm{ATP}$$

Die beiden NADH aus der Glykolyse entstehen außerhalb des Mitochondriums. Ihre Elektronen können über unterschiedliche Transportsysteme eingeschleust werden. Je nach verwendetem Modell beträgt die Gesamtbilanz deshalb ungefähr 30 oder 32 ATP pro Glucose.

Gut zu wissen

ATP-Zahlen sind Modellwerte, keine für jede Zelle feste Ausbeute. Manche Darstellungen nennen 32 bis 38 ATP, obwohl ihre sichtbaren Teilbilanzen diese obere Grenze nicht erklären. Für die hier gezeigte Bilanz ist deshalb die nachvollziehbare Angabe von ungefähr 30 bis 32 ATP sinnvoll.

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Frage 1 von 2MittelWas treibt die ATP-Synthase bei der Zellatmung unmittelbar an?
Lösung: Der Rückfluss von Protonen entlang ihres elektrochemischen Gradienten. — Die Atmungskette baut den Protonengradienten auf. Der Rückfluss der Protonen durch die ATP-Synthase wird an die ATP-Bildung gekoppelt.
Frage 2 von 2SchwerEin Stoff macht die innere Mitochondrienmembran frei für Protonen durchlässig. Welche Folge ist am wahrscheinlichsten?
Lösung: Der Protonengradient bricht zusammen und die ATP-Synthase kann weniger ATP bilden. — Ohne ausreichend getrennte Protonenkonzentrationen fehlt der ATP-Synthase der gerichtete Protonenrückfluss als Antrieb.
Zellatmung oder Gärung?

Die Glykolyse kann zunächst ohne unmittelbaren Sauerstoffverbrauch ablaufen. Sie liefert jedoch nur 2 ATP netto pro Glucose. Für die hohe ATP-Ausbeute müssen die Elektronenträger über die Atmungskette weiterverarbeitet werden; dafür ist Sauerstoff als finaler Elektronenakzeptor nötig.

Fehlt Sauerstoff, kann eine Zelle Glucose anaerob, also ohne Sauerstoff, verwerten. Bei der Milchsäuregärung kann dabei Laktat entstehen. Die Energieausbeute bleibt mit 2 ATP pro Glucose deutlich geringer als bei der aeroben Zellatmung.

MerkmalAerobe ZellatmungMilchsäuregärung
Sauerstofferforderlich für die Atmungskettenicht erforderlich
Abbau der Glucosevollständig bis CO₂ und Wassernicht vollständig; Laktat kann entstehen
ATP-Ausbeuteungefähr 30–32 ATP pro Glucose2 ATP pro Glucose
Hauptnutzenhohe Energieausbeutegeringe Energiebereitstellung ohne Sauerstoff
Merke

Mit Sauerstoff kann die Zelle die in Glucose gespeicherte Energie wesentlich vollständiger nutzen. Ohne Sauerstoff bleibt die Ausbeute der Glykolyse von 2 ATP pro Glucose.

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Frage 1 von 2MittelEine Zelle erhält Glucose, aber vorübergehend keinen Sauerstoff. Welche Aussage passt am besten?
Lösung: Über die Glykolyse sind 2 ATP netto pro Glucose möglich; die aerobe Atmungskette kann nicht normal weiterlaufen. — Die Glykolyse benötigt unmittelbar keinen Sauerstoff. Die hohe ATP-Ausbeute der Atmungskette hängt dagegen von Sauerstoff ab.
Frage 2 von 2SchwerZwei Zellproben verbrauchen gleich viel Glucose. Probe A besitzt ausreichend Sauerstoff, Probe B gewinnt Energie über Milchsäuregärung. Welche Vorhersage ist begründet?
Lösung: Probe A kann pro Glucose deutlich mehr ATP gewinnen als Probe B. — Aerobe Zellatmung liefert ungefähr 30 bis 32 ATP pro Glucose, die anaerobe Glykolyse mit anschließender Milchsäuregärung nur 2 ATP.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Zellatmung
    • Stoffweg
      • Glucose → Pyruvat → Acetyl-CoA → CO₂
    • Elektronenweg
      • NADH und FADH₂ → Atmungskette → Sauerstoff
    • Energieweg
      • Protonengradient → ATP-Synthase → ATP
    • Reaktionsorte
      • Zellplasma → Mitochondrienmatrix → innere Membran
    • Ohne Sauerstoff
      • Glykolyse → Milchsäuregärung → geringe ATP-Ausbeute

Die Zellatmung verbindet drei Wege: Kohlenstoff aus Glucose endet als CO₂, Elektronen gelangen über NADH und FADH₂ zu Sauerstoff, und die dabei frei werdende Energie ermöglicht über einen Protonengradienten die ATP-Bildung.

Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelcher Teilprozess findet im Zellplasma statt?
Lösung: Glykolyse — Bei der Glykolyse wird Glucose im Zellplasma zu zwei Pyruvat gespalten.
Frage 2 von 4MittelWarum entstehen aus 4 gebildeten ATP der Glykolyse nur 2 ATP netto?
Lösung: Zu Beginn werden 2 ATP investiert. — Nettogewinn bedeutet Ertrag minus Einsatz: 4 ATP minus 2 ATP ergeben 2 ATP netto.
Frage 3 von 4MittelWelche Reihenfolge beschreibt den Elektronen- und Energieweg richtig?
Lösung: NADH und FADH₂ → Atmungskette → Protonengradient → ATP-Synthase → ATP — Elektronenträger liefern Elektronen an die Atmungskette. Diese baut den Protonengradienten auf, dessen Rückfluss die ATP-Synthase antreibt.
Frage 4 von 4SchwerEine Zelle bildet weiterhin Pyruvat, aber ihre ATP-Synthase liefert kaum ATP. Welcher Befund erklärt das am direktesten?
Lösung: Der Protonengradient an der inneren Mitochondrienmembran ist zusammengebrochen. — Die ATP-Synthase benötigt den gerichteten Rückfluss von Protonen. Ohne Protonengradient kann sie trotz laufender Glykolyse nur wenig ATP bilden.

Prüfe deine Erklärung zum Schluss mit drei Fragen: Kannst du den Weg der sechs Kohlenstoffatome verfolgen? Kannst du den Weg der Elektronen bis zum Sauerstoff beschreiben? Kannst du erklären, warum der Protonengradient für den größten Teil der ATP-Bildung entscheidend ist?

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