Chemie

Löslichkeitsprodukt: Berechnen und Fällung prüfen

Löslichkeitsprodukt: Berechnen und Fällung prüfen
Löslichkeitsprodukt: Berechnen und Fällung prüfen
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Das Löslichkeitsprodukt $K_L$ beschreibt das Gleichgewicht zwischen einem schwer löslichen Salz und seinen gelösten Ionen. Du stellst es aus der Auflösungsreaktion auf. Mit dem aktuellen Ionenprodukt $Q$ entscheidest du anschließend, ob noch Salz gelöst werden kann oder ein Niederschlag entsteht.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was geschieht in einer gesättigten Lösung?

Gibst du ein schwer lösliches Salz in Wasser, lösen sich einige Ionen aus dem Kristall. Gleichzeitig lagern sich gelöste Ionen wieder am Feststoff an. In einer gesättigten Lösung laufen beide Vorgänge gleich schnell ab: Es herrscht ein dynamisches Gleichgewicht.

Für Silberchlorid lautet die Auflösungsreaktion:

$$\mathrm{AgCl(s) \rightleftharpoons Ag^+(aq) + Cl^-(aq)}$$

Die Kürzel bedeuten: $(s)$ steht für den festen Stoff, $(aq)$ für ein in Wasser gelöstes Teilchen. Obwohl sich auf Teilchenebene ständig etwas verändert, bleiben die messbaren Ionenkonzentrationen im Gleichgewicht konstant.

Definition

Löslichkeitsprodukt

Das Löslichkeitsprodukt $K_L$ ist die Gleichgewichtskonstante der Auflösung eines schwer löslichen Salzes. Fachlich exakt ist es das Produkt der Ionenaktivitäten, jeweils potenziert mit dem stöchiometrischen Koeffizienten. In verdünnten Lösungen rechnet man in der Schule näherungsweise mit Stoffmengenkonzentrationen.

Merke

Der reine Feststoff gehört nicht in den Ausdruck für $K_L$. Seine Aktivität ist konstant und bereits in der Gleichgewichtskonstante enthalten. Auch mehr Bodensatz ändert die Gleichgewichtskonzentrationen nicht, solange Feststoff und gesättigte Lösung vorhanden sind und die Temperatur gleich bleibt.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Beschreibung trifft eine gesättigte Salzlösung mit Bodensatz?
Lösung: Auflösen und Abscheiden laufen gleich schnell ab. — Im dynamischen Gleichgewicht sind die Hin- und Rückreaktion gleich schnell. Deshalb bleiben die Konzentrationen makroskopisch konstant.
Wie stellst du den Ausdruck für K_L auf?

Gehe immer von der ausgeglichenen Auflösungsreaktion aus. Für ein Salz $\mathrm{A_aB_b}$ gilt allgemein:

$$\mathrm{A_aB_b(s) \rightleftharpoons a\,A(aq) + b\,B(aq)}$$

Im Konzentrationsmodell folgt:

$$K_L \approx c(\mathrm A)^a \cdot c(\mathrm B)^b$$

Die Koeffizienten $a$ und $b$ werden zu Exponenten. Sie erscheinen nicht zusätzlich als Faktoren vor den Konzentrationen.

Beispiel

Für Calciumfluorid gilt:

$$\mathrm{CaF_2(s) \rightleftharpoons Ca^{2+}(aq) + 2\,F^-(aq)}$$

Deshalb lautet der Ausdruck:

$$K_L \approx c(\mathrm{Ca^{2+}})\cdot c(\mathrm{F^-})^2$$

Der Feststoff $\mathrm{CaF_2(s)}$ fehlt im Ausdruck. Die Zahl 2 vor dem Fluoridion wird zum Exponenten 2.

Für Magnesiumhydroxid funktioniert derselbe Gedanke:

$$\mathrm{Mg(OH)_2(s) \rightleftharpoons Mg^{2+}(aq) + 2\,OH^-(aq)}$$

$$K_L \approx c(\mathrm{Mg^{2+}})\cdot c(\mathrm{OH^-})^2$$

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Frage 1 von 1LeichtWelcher Ausdruck gehört zu $\mathrm{Bi_2S_3(s) \rightleftharpoons 2\,Bi^{3+}(aq)+3\,S^{2-}(aq)}$?
Lösung: $K_L \approx c(\mathrm{Bi^{3+}})^2\cdot c(\mathrm{S^{2-}})^3$ — Übernimm die Koeffizienten der gelösten Ionen als Exponenten: 2 für $\mathrm{Bi^{3+}}$ und 3 für $\mathrm{S^{2-}}$. Der Feststoff wird weggelassen.
Wie wird aus K_L die molare Löslichkeit?

Die molare Löslichkeit $s$ gibt an, wie viele Mol Salz sich pro Liter bis zum Gleichgewicht lösen. Sie ist nicht dasselbe wie $K_L$. Der Zusammenhang hängt von der Stöchiometrie der Auflösungsreaktion ab.

Für ein 1:1-Salz wie AgCl entstehen aus jedem gelösten Mol Salz je ein Mol Kationen und Anionen. In reinem Wasser gilt daher:

$$c(\mathrm{Ag^+})=s \qquad c(\mathrm{Cl^-})=s$$

$$K_L=s\cdot s=s^2$$

Für Calciumfluorid entstehen dagegen ein Mol Calciumionen und zwei Mol Fluoridionen:

$$c(\mathrm{Ca^{2+}})=s \qquad c(\mathrm{F^-})=2s$$

Damit folgt:

$$K_L=s\cdot(2s)^2=4s^3$$

Beispiel

Für Calciumfluorid ist bei $25\,^\circ\mathrm C$ der Tabellenwert $K_L=3{,}9\cdot10^{-11}$ gegeben. Gesucht ist die molare Löslichkeit in reinem Wasser.

  1. Auflösungsreaktion: $\mathrm{CaF_2(s)\rightleftharpoons Ca^{2+}(aq)+2\,F^-(aq)}$
  2. Konzentrationen: $c(\mathrm{Ca^{2+}})=s$ und $c(\mathrm{F^-})=2s$
  3. Einsetzen: $3{,}9\cdot10^{-11}=s\cdot(2s)^2=4s^3$
  4. Nach $s$ auflösen:

$$s=\sqrt[3]{\frac{3{,}9\cdot10^{-11}}{4}}\approx2{,}14\cdot10^{-4}\,\mathrm{mol/L}$$

Damit gilt $c(\mathrm{Ca^{2+}})\approx2{,}14\cdot10^{-4}\,\mathrm{mol/L}$ und $c(\mathrm{F^-})\approx4{,}27\cdot10^{-4}\,\mathrm{mol/L}$. Die Fluoridionenkonzentration ist doppelt so groß wie die molare Löslichkeit des Salzes.

Möchtest du die Massenlöslichkeit in $\mathrm{g/L}$ bestimmen, multiplizierst du erst danach mit der molaren Masse $M$:

$$\beta=s\cdot M$$

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Frage 1 von 1MittelEin Salz $\mathrm{A_2B}$ löst sich in reinem Wasser zu $2\,\mathrm{A}$ und $\mathrm B$. Welche Beziehungen sind richtig?
Lösung: $c(\mathrm A)=2s$, $c(\mathrm B)=s$ und $K_L=4s^3$ — Setze $c(\mathrm A)=2s$ und $c(\mathrm B)=s$ in $K_L=c(\mathrm A)^2c(\mathrm B)$ ein: $(2s)^2s=4s^3$.
Wie sagt das Ionenprodukt eine Fällung voraus?

$K_L$ beschreibt den Gleichgewichtszustand bei einer bestimmten Temperatur. Das Ionenprodukt $Q$ hat dieselbe mathematische Form, wird aber mit den gerade vorliegenden Ionenkonzentrationen berechnet. Es muss noch kein Gleichgewicht herrschen.

  • $Q\lt K_L$: Die Lösung ist ungesättigt. Es fällt kein Salz aus; vorhandener Feststoff kann sich weiter lösen.
  • $Q=K_L$: Die Lösung ist gesättigt und befindet sich im Gleichgewicht.
  • $Q\gt K_L$: Die Lösung ist übersättigt. Fällung ist thermodynamisch begünstigt, bis wieder Gleichgewicht erreicht wird.
Beispiel

Für eine Aufgabe ist bei $25\,^\circ\mathrm C$ $K_L(\mathrm{AgCl})=2{,}0\cdot10^{-10}$ gegeben. In einer Lösung liegen $c(\mathrm{Ag^+})=0{,}020\,\mathrm{mol/L}$ und $c(\mathrm{Cl^-})=0{,}010\,\mathrm{mol/L}$ vor.

$$Q=c(\mathrm{Ag^+})\cdot c(\mathrm{Cl^-})$$

$$Q=0{,}020\cdot0{,}010=2{,}0\cdot10^{-4}$$

Da $Q\gt K_L$ gilt, ist die Lösung übersättigt. AgCl fällt aus. Dabei sinken die gelösten Ionenkonzentrationen, bis im Gleichgewicht wieder $Q=K_L$ gilt.

Merke

Vergleiche nie nur einzelne Ionenkonzentrationen mit $K_L$. Berechne zuerst $Q$ mit allen Konzentrationen und den richtigen Exponenten.

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Frage 1 von 1MittelFür ein Salz gilt $Q=5\cdot10^{-12}$ und $K_L=2\cdot10^{-10}$. Was folgt?
Lösung: Die Lösung ist ungesättigt; es setzt keine Fällung ein. — Hier ist $Q\lt K_L$. Das aktuelle Ionenprodukt liegt unter der Sättigungsgrenze.
Was bewirkt ein gemeinsames Ion?

Ein gemeinsames Ion ist eine Ionenart, die sowohl aus dem schwer löslichen Salz als auch aus einem zugesetzten, gut löslichen Stoff stammt. Gibst du zum Beispiel Chloridionen zu einem AgCl-Gleichgewicht, steigt zunächst $c(\mathrm{Cl^-})$.

$$\mathrm{AgCl(s) \rightleftharpoons Ag^+(aq)+Cl^-(aq)}$$

Dadurch kann $Q=c(\mathrm{Ag^+})c(\mathrm{Cl^-})$ größer als $K_L$ werden. AgCl fällt aus, bis das Gleichgewicht wiederhergestellt ist. In der neuen Gleichgewichtslösung ist weniger AgCl gelöst: Die molare Löslichkeit sinkt.

Merke

Bei fester Temperatur ändert ein gemeinsames Ion die Löslichkeit, aber nicht das thermodynamische $K_L$ des Salzes. Es verändert die Gleichgewichtskonzentrationen, die gemeinsam wieder den konstanten Gleichgewichtswert ergeben.

Für eine zugesetzte Chloridkonzentration $c_0$ und eine zusätzliche molare AgCl-Löslichkeit $s$ lautet der Konzentrationsansatz:

$$K_L\approx s(c_0+s)$$

Ist $s$ gegenüber $c_0$ sehr klein, darf man nach begründeter Prüfung näherungsweise $c_0+s\approx c_0$ setzen. Ohne diese Prüfung wäre die Vereinfachung nicht zuverlässig.

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Frage 1 von 1MittelWas geschieht, wenn du einer gesättigten AgCl-Lösung bei gleichbleibender Temperatur Chloridionen zufügst?
Lösung: Die molare Löslichkeit von AgCl sinkt, während $K_L$ gleich bleibt. — Das zusätzliche gemeinsame Ion erhöht zunächst $Q$. Fällung senkt die Menge des gelösten AgCl, bis der Gleichgewichtswert wieder erreicht ist.
Wo liegen die Grenzen des einfachen Modells?

Die Konzentrationsrechnung ist ein nützliches Schulmodell, aber sie benötigt klare Bedingungen.

  • Temperatur: Ein Tabellenwert gilt nur für die angegebene Temperatur und die definierten Bedingungen.
  • Aktivitäten: Thermodynamisch wird $K_L$ aus Aktivitäten gebildet. Nur in hinreichend verdünnten Lösungen lassen sich diese oft näherungsweise durch Konzentrationen ersetzen.
  • Folgereaktionen: Säure-Base-Reaktionen oder Komplexbildung können freie Ionen binden. Dadurch kann sich mehr Feststoff lösen, als ein einfacher Konzentrationsansatz erwarten lässt.
  • Kinetik: Aus $Q\gt K_L$ folgt, dass Fällung begünstigt ist. Der sichtbare Niederschlag kann dennoch verzögert entstehen, etwa wenn die Kristallkeimbildung langsam ist.
  • Vergleich verschiedener Salze: Ein kleineres $K_L$ bedeutet nicht automatisch eine kleinere molare Löslichkeit, wenn sich die Salze in unterschiedlich viele Ionen aufspalten. Rechne jeweils $s$ aus.
Gut zu wissen

In der fachlich exakten Aktivitätsform ist eine Gleichgewichtskonstante dimensionslos. In Schulaufgaben wird $K_L$ häufig mit Konzentrationen notiert; dann werden je nach Summe der Exponenten auch formale Einheiten angegeben. Folge bei Zahlenaufgaben der verwendeten Definition und mische keine Tabellenwerte aus unterschiedlichen Modellen oder Bedingungen.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei einer festen Temperatur beschreibt den Gleichgewichtswert. Das aktuelle Produkt berechnest du als . Für $\mathrm{CaF_2}$ gilt im Konzentrationsmodell $K_L=c(\mathrm{Ca^{2+}})\cdot{*c(\mathrm{F^-})^2|2c(\mathrm{F^-})|c(\mathrm{CaF_2})}$. Ein gemeinsames Ion verringert meist die , nicht aber $K_L$ bei gleichbleibender Temperatur.

Lösungen: Lücke 1: K_L; Lücke 2: Q; Lücke 3: molare Löslichkeit. Halte die Rollen auseinander: $K_L$ ist der Gleichgewichtswert, $Q$ beschreibt den aktuellen Zustand, und $s$ ist die gelöste Salzmenge pro Liter.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Löslichkeitsprodukt
    • Auflösungsreaktion
      • Feststoff weglassen
      • Koeffizienten als Exponenten
    • Drei verschiedene Größen
      • $K_L$: Gleichgewichtswert
      • $Q$: aktueller Zustand
      • $s$: molare Löslichkeit
    • Fällungsentscheidung
      • $Q\lt K_L$: ungesättigt
      • $Q=K_L$: gesättigt
      • $Q\gt K_L$: Fällung begünstigt
    • Einflüsse und Grenzen
      • gemeinsames Ion senkt meist $s$
      • Temperatur und Aktivitäten beachten
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelcher Bestandteil fehlt immer im Löslichkeitsprodukt-Ausdruck eines reinen schwer löslichen Salzes?
Lösung: Der reine Feststoff — Die konstante Aktivität des reinen Feststoffs ist bereits in $K_L$ enthalten. Gelöste Ionen bleiben im Ausdruck.
Frage 2 von 3MittelFür $\mathrm{Mg(OH)_2(s)\rightleftharpoons Mg^{2+}(aq)+2\,OH^-(aq)}$ werden $c(\mathrm{Mg^{2+}})=0{,}010\,\mathrm{mol/L}$ und $c(\mathrm{OH^-})=0{,}020\,\mathrm{mol/L}$ gemessen. Wie lautet $Q$?
Lösung: $Q=4{,}0\cdot10^{-6}$ — Setze die Konzentrationen mit dem stöchiometrischen Exponenten ein: $Q=0{,}010\cdot(0{,}020)^2=4{,}0\cdot10^{-6}$.
Frage 3 von 3SchwerFür ein schwer lösliches 1:1-Salz gilt bei fester Temperatur zunächst $Q\lt K_L$. Danach wird ein gut lösliches Salz mit einem gemeinsamen Anion zugegeben, sodass $Q\gt K_L$ wird. Welche Vorhersage ist vollständig richtig?
Lösung: Das schwer lösliche Salz fällt aus, bis wieder Gleichgewicht erreicht ist; seine Löslichkeit ist geringer, $K_L$ bleibt gleich. — Das gemeinsame Ion hebt $Q$ zunächst über $K_L$. Die folgende Fällung senkt die gelösten Konzentrationen, bis $Q=K_L$ gilt. Dabei sinkt die molare Löslichkeit, nicht die Gleichgewichtskonstante.

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