Löslichkeitsprodukt: Berechnen und Fällung prüfen
Das Löslichkeitsprodukt $K_L$ beschreibt das Gleichgewicht zwischen einem schwer löslichen Salz und seinen gelösten Ionen. Du stellst es aus der Auflösungsreaktion auf. Mit dem aktuellen Ionenprodukt $Q$ entscheidest du anschließend, ob noch Salz gelöst werden kann oder ein Niederschlag entsteht.
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Was geschieht in einer gesättigten Lösung?
Gibst du ein schwer lösliches Salz in Wasser, lösen sich einige Ionen aus dem Kristall. Gleichzeitig lagern sich gelöste Ionen wieder am Feststoff an. In einer gesättigten Lösung laufen beide Vorgänge gleich schnell ab: Es herrscht ein dynamisches Gleichgewicht.
Für Silberchlorid lautet die Auflösungsreaktion:
$$\mathrm{AgCl(s) \rightleftharpoons Ag^+(aq) + Cl^-(aq)}$$
Die Kürzel bedeuten: $(s)$ steht für den festen Stoff, $(aq)$ für ein in Wasser gelöstes Teilchen. Obwohl sich auf Teilchenebene ständig etwas verändert, bleiben die messbaren Ionenkonzentrationen im Gleichgewicht konstant.
Löslichkeitsprodukt
Das Löslichkeitsprodukt $K_L$ ist die Gleichgewichtskonstante der Auflösung eines schwer löslichen Salzes. Fachlich exakt ist es das Produkt der Ionenaktivitäten, jeweils potenziert mit dem stöchiometrischen Koeffizienten. In verdünnten Lösungen rechnet man in der Schule näherungsweise mit Stoffmengenkonzentrationen.
Der reine Feststoff gehört nicht in den Ausdruck für $K_L$. Seine Aktivität ist konstant und bereits in der Gleichgewichtskonstante enthalten. Auch mehr Bodensatz ändert die Gleichgewichtskonzentrationen nicht, solange Feststoff und gesättigte Lösung vorhanden sind und die Temperatur gleich bleibt.
Wie stellst du den Ausdruck für K_L auf?
Gehe immer von der ausgeglichenen Auflösungsreaktion aus. Für ein Salz $\mathrm{A_aB_b}$ gilt allgemein:
$$\mathrm{A_aB_b(s) \rightleftharpoons a\,A(aq) + b\,B(aq)}$$
Im Konzentrationsmodell folgt:
$$K_L \approx c(\mathrm A)^a \cdot c(\mathrm B)^b$$
Die Koeffizienten $a$ und $b$ werden zu Exponenten. Sie erscheinen nicht zusätzlich als Faktoren vor den Konzentrationen.
Für Calciumfluorid gilt:
$$\mathrm{CaF_2(s) \rightleftharpoons Ca^{2+}(aq) + 2\,F^-(aq)}$$
Deshalb lautet der Ausdruck:
$$K_L \approx c(\mathrm{Ca^{2+}})\cdot c(\mathrm{F^-})^2$$
Der Feststoff $\mathrm{CaF_2(s)}$ fehlt im Ausdruck. Die Zahl 2 vor dem Fluoridion wird zum Exponenten 2.
Für Magnesiumhydroxid funktioniert derselbe Gedanke:
$$\mathrm{Mg(OH)_2(s) \rightleftharpoons Mg^{2+}(aq) + 2\,OH^-(aq)}$$
$$K_L \approx c(\mathrm{Mg^{2+}})\cdot c(\mathrm{OH^-})^2$$
Wie wird aus K_L die molare Löslichkeit?
Die molare Löslichkeit $s$ gibt an, wie viele Mol Salz sich pro Liter bis zum Gleichgewicht lösen. Sie ist nicht dasselbe wie $K_L$. Der Zusammenhang hängt von der Stöchiometrie der Auflösungsreaktion ab.
Für ein 1:1-Salz wie AgCl entstehen aus jedem gelösten Mol Salz je ein Mol Kationen und Anionen. In reinem Wasser gilt daher:
$$c(\mathrm{Ag^+})=s \qquad c(\mathrm{Cl^-})=s$$
$$K_L=s\cdot s=s^2$$
Für Calciumfluorid entstehen dagegen ein Mol Calciumionen und zwei Mol Fluoridionen:
$$c(\mathrm{Ca^{2+}})=s \qquad c(\mathrm{F^-})=2s$$
Damit folgt:
$$K_L=s\cdot(2s)^2=4s^3$$
Für Calciumfluorid ist bei $25\,^\circ\mathrm C$ der Tabellenwert $K_L=3{,}9\cdot10^{-11}$ gegeben. Gesucht ist die molare Löslichkeit in reinem Wasser.
- Auflösungsreaktion: $\mathrm{CaF_2(s)\rightleftharpoons Ca^{2+}(aq)+2\,F^-(aq)}$
- Konzentrationen: $c(\mathrm{Ca^{2+}})=s$ und $c(\mathrm{F^-})=2s$
- Einsetzen: $3{,}9\cdot10^{-11}=s\cdot(2s)^2=4s^3$
- Nach $s$ auflösen:
$$s=\sqrt[3]{\frac{3{,}9\cdot10^{-11}}{4}}\approx2{,}14\cdot10^{-4}\,\mathrm{mol/L}$$
Damit gilt $c(\mathrm{Ca^{2+}})\approx2{,}14\cdot10^{-4}\,\mathrm{mol/L}$ und $c(\mathrm{F^-})\approx4{,}27\cdot10^{-4}\,\mathrm{mol/L}$. Die Fluoridionenkonzentration ist doppelt so groß wie die molare Löslichkeit des Salzes.
Möchtest du die Massenlöslichkeit in $\mathrm{g/L}$ bestimmen, multiplizierst du erst danach mit der molaren Masse $M$:
$$\beta=s\cdot M$$
Wie sagt das Ionenprodukt eine Fällung voraus?
$K_L$ beschreibt den Gleichgewichtszustand bei einer bestimmten Temperatur. Das Ionenprodukt $Q$ hat dieselbe mathematische Form, wird aber mit den gerade vorliegenden Ionenkonzentrationen berechnet. Es muss noch kein Gleichgewicht herrschen.
- $Q\lt K_L$: Die Lösung ist ungesättigt. Es fällt kein Salz aus; vorhandener Feststoff kann sich weiter lösen.
- $Q=K_L$: Die Lösung ist gesättigt und befindet sich im Gleichgewicht.
- $Q\gt K_L$: Die Lösung ist übersättigt. Fällung ist thermodynamisch begünstigt, bis wieder Gleichgewicht erreicht wird.
Für eine Aufgabe ist bei $25\,^\circ\mathrm C$ $K_L(\mathrm{AgCl})=2{,}0\cdot10^{-10}$ gegeben. In einer Lösung liegen $c(\mathrm{Ag^+})=0{,}020\,\mathrm{mol/L}$ und $c(\mathrm{Cl^-})=0{,}010\,\mathrm{mol/L}$ vor.
$$Q=c(\mathrm{Ag^+})\cdot c(\mathrm{Cl^-})$$
$$Q=0{,}020\cdot0{,}010=2{,}0\cdot10^{-4}$$
Da $Q\gt K_L$ gilt, ist die Lösung übersättigt. AgCl fällt aus. Dabei sinken die gelösten Ionenkonzentrationen, bis im Gleichgewicht wieder $Q=K_L$ gilt.
Vergleiche nie nur einzelne Ionenkonzentrationen mit $K_L$. Berechne zuerst $Q$ mit allen Konzentrationen und den richtigen Exponenten.
Was bewirkt ein gemeinsames Ion?
Ein gemeinsames Ion ist eine Ionenart, die sowohl aus dem schwer löslichen Salz als auch aus einem zugesetzten, gut löslichen Stoff stammt. Gibst du zum Beispiel Chloridionen zu einem AgCl-Gleichgewicht, steigt zunächst $c(\mathrm{Cl^-})$.
$$\mathrm{AgCl(s) \rightleftharpoons Ag^+(aq)+Cl^-(aq)}$$
Dadurch kann $Q=c(\mathrm{Ag^+})c(\mathrm{Cl^-})$ größer als $K_L$ werden. AgCl fällt aus, bis das Gleichgewicht wiederhergestellt ist. In der neuen Gleichgewichtslösung ist weniger AgCl gelöst: Die molare Löslichkeit sinkt.
Bei fester Temperatur ändert ein gemeinsames Ion die Löslichkeit, aber nicht das thermodynamische $K_L$ des Salzes. Es verändert die Gleichgewichtskonzentrationen, die gemeinsam wieder den konstanten Gleichgewichtswert ergeben.
Für eine zugesetzte Chloridkonzentration $c_0$ und eine zusätzliche molare AgCl-Löslichkeit $s$ lautet der Konzentrationsansatz:
$$K_L\approx s(c_0+s)$$
Ist $s$ gegenüber $c_0$ sehr klein, darf man nach begründeter Prüfung näherungsweise $c_0+s\approx c_0$ setzen. Ohne diese Prüfung wäre die Vereinfachung nicht zuverlässig.
Wo liegen die Grenzen des einfachen Modells?
Die Konzentrationsrechnung ist ein nützliches Schulmodell, aber sie benötigt klare Bedingungen.
- Temperatur: Ein Tabellenwert gilt nur für die angegebene Temperatur und die definierten Bedingungen.
- Aktivitäten: Thermodynamisch wird $K_L$ aus Aktivitäten gebildet. Nur in hinreichend verdünnten Lösungen lassen sich diese oft näherungsweise durch Konzentrationen ersetzen.
- Folgereaktionen: Säure-Base-Reaktionen oder Komplexbildung können freie Ionen binden. Dadurch kann sich mehr Feststoff lösen, als ein einfacher Konzentrationsansatz erwarten lässt.
- Kinetik: Aus $Q\gt K_L$ folgt, dass Fällung begünstigt ist. Der sichtbare Niederschlag kann dennoch verzögert entstehen, etwa wenn die Kristallkeimbildung langsam ist.
- Vergleich verschiedener Salze: Ein kleineres $K_L$ bedeutet nicht automatisch eine kleinere molare Löslichkeit, wenn sich die Salze in unterschiedlich viele Ionen aufspalten. Rechne jeweils $s$ aus.
In der fachlich exakten Aktivitätsform ist eine Gleichgewichtskonstante dimensionslos. In Schulaufgaben wird $K_L$ häufig mit Konzentrationen notiert; dann werden je nach Summe der Exponenten auch formale Einheiten angegeben. Folge bei Zahlenaufgaben der verwendeten Definition und mische keine Tabellenwerte aus unterschiedlichen Modellen oder Bedingungen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Bei einer festen Temperatur beschreibt den Gleichgewichtswert. Das aktuelle Produkt berechnest du als . Für $\mathrm{CaF_2}$ gilt im Konzentrationsmodell $K_L=c(\mathrm{Ca^{2+}})\cdot{*c(\mathrm{F^-})^2|2c(\mathrm{F^-})|c(\mathrm{CaF_2})}$. Ein gemeinsames Ion verringert meist die , nicht aber $K_L$ bei gleichbleibender Temperatur.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Löslichkeitsprodukt
- Auflösungsreaktion
- Feststoff weglassen
- Koeffizienten als Exponenten
- Drei verschiedene Größen
- $K_L$: Gleichgewichtswert
- $Q$: aktueller Zustand
- $s$: molare Löslichkeit
- Fällungsentscheidung
- $Q\lt K_L$: ungesättigt
- $Q=K_L$: gesättigt
- $Q\gt K_L$: Fällung begünstigt
- Einflüsse und Grenzen
- gemeinsames Ion senkt meist $s$
- Temperatur und Aktivitäten beachten
- Auflösungsreaktion
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