Chemie

Löslichkeit verstehen: Sättigung und Einflussfaktoren

Löslichkeit verstehen: Sättigung und Einflussfaktoren
Löslichkeit verstehen: Sättigung und Einflussfaktoren
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Löslichkeit beschreibt, wie viel von einem bestimmten Stoff sich in einem bestimmten Lösungsmittel bei festgelegten Bedingungen lösen kann. Sie ist nicht dasselbe wie die Geschwindigkeit des Lösens: Ein Stoff kann sich langsam lösen und trotzdem eine hohe Löslichkeit besitzen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was bedeutet Löslichkeit?

Gibst du einen Stoff in eine Flüssigkeit, kann eine gleichmäßig aussehende Mischung entstehen. Die Flüssigkeit heißt Lösungsmittel, der hineingegebene Stoff gelöster Stoff und die homogene Mischung Lösung.

Definition

Löslichkeit

Die Löslichkeit ist die Zusammensetzung einer gesättigten Lösung. Sie gibt an, wie viel eines bestimmten Stoffes sich in einem bestimmten Lösungsmittel bei festgelegter Temperatur und festgelegtem Druck im Gleichgewicht lösen kann.

Man kann Löslichkeit auf zwei Arten beschreiben:

  • qualitativ: Ein Stoff ist beispielsweise gut, wenig oder praktisch nicht löslich.
  • quantitativ: Eine Zahl mit Einheit nennt die Löslichkeitsgrenze, zum Beispiel in Gramm Stoff pro 100 Gramm Lösungsmittel.

„Unlöslich“ bedeutet im Schulalltag meist: Die gelöste Menge ist so klein, dass sie für die betrachtete Anwendung keine Rolle spielt. Es bedeutet nicht zwingend, dass sich überhaupt kein einziges Teilchen löst.

Beispiel

Öl und Wasser bilden nach dem Schütteln wieder getrennte Schichten. Das zeigt, dass die beiden Stoffe unter diesen Bedingungen nur begrenzt miteinander mischbar sind. Dagegen ergibt eine passende Menge Zucker in Wasser eine homogene Lösung: Die gelösten Teilchen sind verteilt, auch wenn du sie nicht mehr siehst.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt eine quantitative Löslichkeitsangabe?
Lösung: 18 g Stoff pro 100 g Wasser bei 20 °C — Eine quantitative Angabe braucht einen Zahlenwert, eine Bezugsmenge und die Bedingungen.
Was passiert beim Lösen?

In einem Feststoff halten Anziehungskräfte die Teilchen zusammen. Auch zwischen Lösungsmittelteilchen und den Teilchen des gelösten Stoffes wirken Kräfte. Beim Lösen werden Teilchen aus ihrem Verband getrennt, von Lösungsmittelteilchen umgeben und in der Lösung verteilt.

Bei einem Salz in Wasser werden Ionen aus dem Ionengitter gelöst und von Wassermolekülen umgeben. Bei Zucker bleiben die Zuckermoleküle dagegen als Moleküle erhalten. Lösen ist daher nicht dasselbe wie Verschwinden und auch nicht automatisch eine chemische Reaktion.

Merke

Ob sich ein Stoff gut löst, hängt davon ab, wie günstig die Wechselwirkungen im Ausgangsstoff, im Lösungsmittel und zwischen beiden sind.

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Frage 1 von 1MittelSalz ist nach dem Lösen nicht mehr sichtbar. Was folgt daraus?
Lösung: Die Salzteilchen sind in der Lösung verteilt und einzeln nicht sichtbar. — Beim Lösen werden Teilchen verteilt. Aus dem fehlenden sichtbaren Salzkorn darfst du nicht auf das Verschwinden des Stoffes schließen.
Wann ist eine Lösung gesättigt?

Bei unveränderten Bedingungen kann ein Lösungsmittel nur eine begrenzte Menge eines Stoffes aufnehmen.

Definition

Sättigungszustände

  • Ungesättigt: Die Lösung enthält weniger gelösten Stoff als der Gleichgewichtslöslichkeit entspricht. Weiterer Stoff kann sich noch lösen.
  • Gesättigt: Die Lösung hat die Gleichgewichtslöslichkeit erreicht.
  • Übersättigt: Die Lösung enthält vorübergehend mehr gelösten Stoff, als im Gleichgewicht stabil wäre. Dieser Zustand ist metastabil: Eine kleine Störung oder ein Kristallkeim kann Kristallisation auslösen.

Ist in einer gesättigten Lösung zusätzlich ungelöster Feststoff vorhanden, herrscht an seiner Oberfläche ein dynamisches Gleichgewicht: Pro Zeit gehen ebenso viele Teilchen in Lösung, wie sich wieder am Feststoff anlagern. Die gelöste Menge bleibt dabei im Mittel konstant, obwohl auf Teilchenebene weiter Stoff ausgetauscht wird.

Ein Bodensatz kann auf Sättigung hindeuten, wenn ausreichend Zeit zum Einstellen des Gleichgewichts vergangen ist. Er beweist sie nicht in jedem Fall: Ein Stoff könnte sich auch nur sehr langsam lösen.

Beispiel

Eine bei höherer Temperatur gesättigte Lösung wird ruhig abgekühlt. Sinkt die Gleichgewichtslöslichkeit beim Abkühlen, kann zunächst eine übersättigte Lösung entstehen. Beginnt die Kristallisation, scheidet sich Stoff ab, bis wieder ein stabiler Zustand erreicht ist.

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Frage 1 von 2LeichtIn welcher Lösung kann sich bei gleichen Bedingungen sicher noch weiterer Stoff lösen?
Lösung: In einer ungesättigten Lösung — Ungesättigt bedeutet: Die gelöste Menge liegt unter der Gleichgewichtslöslichkeit.
Frage 2 von 2MittelEine klare Lösung kristallisiert nach Zugabe eines kleinen Kristalls plötzlich aus. Welcher Zustand lag vorher wahrscheinlich vor?
Lösung: Die Lösung war übersättigt. — Ein Kristall kann in einer metastabilen übersättigten Lösung die Kristallbildung anstoßen.
Wovon hängt Löslichkeit ab?

Eine Löslichkeitsangabe ist nur sinnvoll, wenn du Stoff, Lösungsmittel und Bedingungen kennst.

Stoffart und Polarität

Die Faustregel „Ähnliches löst sich eher in Ähnlichem“ hilft bei einer ersten Vermutung:

  • Polare oder geladene Stoffe lösen sich oft besser in polaren Lösungsmitteln wie Wasser.
  • Unpolare Stoffe lösen sich oft besser in unpolaren Lösungsmitteln.

Diese Regel ist nur eine Heuristik, kein Naturgesetz. Die Stärke aller beteiligten Wechselwirkungen, die Teilchengröße und bei ionisierbaren Stoffen auch der pH-Wert können das Ergebnis verändern. Für eine sichere Aussage brauchst du Messdaten für genau das betrachtete Stoffpaar.

Temperatur

Bei vielen festen Stoffen in Flüssigkeiten steigt die Löslichkeit mit der Temperatur. Es gibt aber Ausnahmen; manche Stoffe zeigen nur geringe oder sogar die entgegengesetzte Änderung. Gase lösen sich in Flüssigkeiten bei höherer Temperatur häufig schlechter. Deshalb darfst du keine allgemeine Regel auf jeden Stoff übertragen.

Druck

Der Druck ist besonders für Gase wichtig: Bei gleicher Temperatur nimmt die Gleichgewichtskonzentration eines Gases in einer Flüssigkeit im üblichen verdünnten Bereich mit seinem Partialdruck, also seinem Anteil am Gesamtdruck, zu. Für feste und flüssige gelöste Stoffe ist der Druckeinfluss unter gewöhnlichen Bedingungen meist deutlich kleiner. Bei hohen Drücken oder chemischen Reaktionen sind einfache Näherungen nicht ausreichend.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage zur Faustregel „Ähnliches löst sich eher in Ähnlichem“ ist richtig?
Lösung: Sie liefert eine erste Vermutung, muss aber durch stoffspezifische Daten geprüft werden. — Polarität ist wichtig, aber nicht der einzige Einflussfaktor. Die Faustregel ersetzt keine Messung.
Frage 2 von 2MittelEine geschlossene Wasserflasche enthält ein Gas über der Flüssigkeit. Was erhöht bei gleicher Temperatur typischerweise dessen Gleichgewichtskonzentration im Wasser?
Lösung: Ein höherer Partialdruck dieses Gases — Für Gase ist der Partialdruck eine wichtige Bedingung der Gleichgewichtslöslichkeit.
Warum schneller lösen nicht mehr lösen heißt

Die Lösungsgeschwindigkeit sagt, wie schnell sich eine bestimmte Menge löst. Die Gleichgewichtslöslichkeit sagt, welche Zusammensetzung die gesättigte Lösung nach Einstellung des Gleichgewichts besitzt. Das sind verschiedene Größen.

  • Rühren transportiert frisches Lösungsmittel an die Oberfläche und gelöste Teilchen weg.
  • Zerkleinern vergrößert die Kontaktfläche.
  • Erwärmen erhöht häufig die Teilchenbewegung und kann das Lösen beschleunigen.

Rühren und Zerkleinern verändern bei sonst gleichen Gleichgewichtsbedingungen gewöhnlich nur die Geschwindigkeit, nicht die am Ende lösbare Menge. Erwärmen kann beides verändern: die Geschwindigkeit und – stoffabhängig – auch die Gleichgewichtslöslichkeit. Nach einer Temperaturänderung vergleichst du daher zwei verschiedene Bedingungen.

Beispiel

Zwei gleich große Zuckermengen kommen in gleich viel Wasser bei gleicher Temperatur. Die fein gemahlene Probe wird gerührt, die andere besteht aus groben Kristallen und bleibt stehen. Die erste Probe löst sich schneller. Wenn beide Ansätze später dasselbe Gleichgewicht erreichen, ist ihre Gleichgewichtslöslichkeit dennoch gleich.

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Frage 1 von 2MittelEine feste Probe wird fein gemahlen und gerührt. Was lässt sich bei unveränderter Temperatur am sichersten erwarten?
Lösung: Sie erreicht den Gleichgewichtszustand schneller. — Trenne stets den Weg zum Gleichgewicht von der Zusammensetzung im Gleichgewicht.
Frage 2 von 2SchwerZwei Proben lösen sich unterschiedlich schnell. Welche zusätzliche Information brauchst du, um ihre Gleichgewichtslöslichkeiten zu vergleichen?
Lösung: Messwerte nach Einstellung des Gleichgewichts bei denselben festgelegten Bedingungen — Ein fairer Vergleich hält Stoff, Lösungsmittel, Temperatur und Druck gleich und wartet auf das Gleichgewicht.
Wie liest du eine Löslichkeitsangabe?

Eine Zahl allein reicht nicht. Prüfe immer:

  1. Welcher Stoff und welches Lösungsmittel sind gemeint?
  2. Bezieht sich die Angabe auf die Masse des Lösungsmittels oder der gesamten Lösung?
  3. Welche Einheit wird verwendet?
  4. Bei welcher Temperatur und welchem Druck gilt der Wert?
Beispiel

Ein Übungsdatenblatt gibt bei festgelegten Bedingungen eine Löslichkeit von 20 g Stoff pro 100 g Wasser an. Für 75 g Wasser rechnest du proportional:

$$m = \frac{20\,\mathrm{g}}{100\,\mathrm{g}} \cdot 75\,\mathrm{g} = 15\,\mathrm{g}$$

Unter den angegebenen Bedingungen können also höchstens 15 g dieses Stoffes in 75 g Wasser eine gesättigte Lösung bilden. Werden 18 g zugegeben und das Gleichgewicht stellt sich ein, bleiben 3 g als eigene Phase zurück – sofern keine Übersättigung bestehen bleibt und keine chemische Reaktion stattfindet.

Verwechsle die Löslichkeit nicht mit der Konzentration einer beliebigen Lösung. Eine ungesättigte Lösung besitzt bereits eine Konzentration, liegt aber noch unter der Löslichkeitsgrenze. Auch die Dichte ist etwas anderes: Sie setzt die Masse eines Stoffes oder einer Lösung zu deren Volumen ins Verhältnis.

Gut zu wissen

Bei unbekannten Stoffen führst du keine Geschmacksprobe durch. Nutze nur gekennzeichnete Stoffe, geeignete Schutzmaßnahmen und die Versuchsanweisung. Löslichkeitsangaben aus Tabellen gelten nur für die dort genannten Bedingungen.

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Frage 1 von 2MittelEin Datenblatt nennt 20 g Stoff pro 100 g Wasser. Wie viel kann sich proportional in 50 g Wasser lösen?
Lösung: 10 g — $20/100 \cdot 50 = 10$. Die Einheit und die Bezugsmenge gehören zur Rechnung.
Frage 2 von 2SchwerEine Lösung enthält 8 g Stoff in 100 g Wasser; die Löslichkeit beträgt bei denselben Bedingungen 20 g pro 100 g Wasser. Wie ist sie einzuordnen?
Lösung: ungesättigt — Weil die gelöste Menge kleiner als die Löslichkeitsgrenze ist, kann sich noch weiterer Stoff lösen.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Löslichkeit
    • Bedeutung: Gleichgewichtszusammensetzung
    • Stoffsystem: gelöster Stoff und Lösungsmittel
    • Zustände: ungesättigt, gesättigt oder übersättigt
    • Wechselwirkungen: Stoffart und Polarität
    • Bedingungen: Temperatur und Druck
    • Abgrenzung: Lösungsgeschwindigkeit
    • Abgrenzung: Konzentration und Dichte
    • Angabe prüfen: Einheit und Bezugsmenge
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche drei Angaben gehören mindestens zu einer eindeutigen Aussage über Löslichkeit?
Lösung: gelöster Stoff, Lösungsmittel und festgelegte Bedingungen — Löslichkeit gilt immer für ein bestimmtes Stoffpaar bei angegebenen Bedingungen wie Temperatur und Druck.
Frage 2 von 4MittelEine warme gesättigte Feststofflösung wird abgekühlt, und ihre Löslichkeit sinkt. Was kann vor der Kristallisation entstehen?
Lösung: eine übersättigte Lösung — Liegt die vorhandene gelöste Menge über der neuen Gleichgewichtslöslichkeit, ist die Lösung vorübergehend übersättigt.
Frage 3 von 4MittelWarum beweist schnelles Lösen keine hohe Löslichkeit?
Lösung: Geschwindigkeit beschreibt den Weg zum Gleichgewicht, Löslichkeit dessen Grenzzusammensetzung. — Ein Stoff kann das Gleichgewicht schnell erreichen und dabei nur wenig löslich sein – oder langsam lösen und am Ende eine größere Menge aufnehmen.
Frage 4 von 4SchwerEin Schüler sagt: „Durch langes Rühren passt immer mehr Salz ins Wasser.“ Welche Beurteilung ist fachlich richtig?
Lösung: Rühren kann das Gleichgewicht schneller einstellen, erhöht bei gleichen Bedingungen aber nicht automatisch die Gleichgewichtslöslichkeit. — Entscheidend für die Gleichgewichtslöslichkeit sind Stoffsystem und Bedingungen. Rühren betrifft vor allem die Lösungsgeschwindigkeit.

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