Chemie

Fällungsreaktion: Niederschlag und Ionengleichung

Fällungsreaktion: Niederschlag und Ionengleichung
Fällungsreaktion: Niederschlag und Ionengleichung
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Bei einer Fällungsreaktion entsteht aus gelösten Ionen ein schwerlöslicher Feststoff. Die Lösung wird dadurch meist trüb; später kann sich der Feststoff als Bodenkörper absetzen. Dieser Feststoff heißt Niederschlag.

Du lernst, Beobachtungen zu deuten, eine gekürzte Ionengleichung aufzustellen und mit Ionenprodukt und Löslichkeitsprodukt zu entscheiden, ob eine Fällung einsetzt.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Einen Niederschlag sicher erkennen

In einer homogenen Lösung sind die gelösten Teilchen gleichmäßig verteilt und nicht einzeln sichtbar. Treffen passende Ionen aufeinander, können sie ein Salz bilden, das sich nur sehr wenig in Wasser löst.

Definition

Fällungsreaktion

Eine Fällungsreaktion ist eine chemische Reaktion gelöster Stoffe, bei der mindestens ein schwerlösliches Produkt als Feststoff entsteht.

Der frisch gebildete Feststoff ist zunächst oft fein verteilt. Dadurch entsteht eine Suspension, die trüb erscheint. Mit der Zeit können die Teilchen absinken und einen Bodenkörper bilden.

Eine Trübung allein beweist jedoch noch keine Fällungsreaktion. Entscheidend ist, dass durch die Reaktion ein neuer schwerlöslicher Stoff entstanden ist. Ungelöstes Ausgangsmaterial wäre kein Reaktionsprodukt.

In Reaktionsgleichungen wird ein Niederschlag mit (s) für fest oder mit einem Abwärtspfeil gekennzeichnet. (aq) bedeutet, dass ein Stoff in Wasser gelöst vorliegt.

Beispiel

Werden Natriumchloridlösung und Silbernitratlösung zusammengegeben, entsteht weißes Silberchlorid:

NaCl(aq) + AgNO₃(aq) → NaNO₃(aq) + AgCl(s)

Die sichtbare Trübung stammt von Silberchlorid, nicht von Silbernitrat. Silbernitrat liefert die gelösten Silber-Ionen.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Beobachtung passt am besten zu einer Fällungsreaktion?
Lösung: Aus zwei klaren Lösungen entsteht eine Trübung, die sich später absetzen kann. — Bei einer Fällung bildet sich aus gelösten Teilchen ein neuer schwerlöslicher Feststoff.
Von gelösten Ionen zur Ionengleichung

Salzlösungen enthalten frei bewegliche Ionen. In Natriumchloridlösung liegen Natrium-Ionen Na⁺ und Chlorid-Ionen Cl⁻ vor. Silbernitratlösung enthält Silber-Ionen Ag⁺ und Nitrat-Ionen NO₃⁻.

Die vollständige Ionengleichung lautet:

Na⁺(aq) + Cl⁻(aq) + Ag⁺(aq) + NO₃⁻(aq) → Na⁺(aq) + NO₃⁻(aq) + AgCl(s)

Na⁺ und NO₃⁻ sind vor und nach der Reaktion unverändert gelöst. Solche Ionen heißen Zuschauerionen. Du kannst sie auf beiden Seiten kürzen:

Ag⁺(aq) + Cl⁻(aq) → AgCl(s)

Das ist die gekürzte Ionengleichung. Sie zeigt nur die Teilchen, die den Niederschlag bilden.

Merke

Streiche beim Kürzen nur Ionen, die auf beiden Seiten in derselben Form und mit demselben Aggregatzustand vorkommen.

Die Verhältnisformel des Salzes muss insgesamt elektrisch neutral sein:

  • Ag⁺ und Cl⁻ verbinden sich im Verhältnis 1 : 1 zu AgCl.
  • Ba²⁺ und SO₄²⁻ verbinden sich im Verhältnis 1 : 1 zu BaSO₄.
  • Ein Mg²⁺-Ion benötigt zwei OH⁻-Ionen; es entsteht Mg(OH)₂.
Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei der Silberchloridfällung reagieren mit . Natrium- und Nitrat-Ionen sind .

Lösungen: Lücke 1: Silber-Ionen; Lücke 2: Chlorid-Ionen; Lücke 3: Zuschauerionen. Prüfe, welche Ionen im schwerlöslichen Produkt AgCl enthalten sind. Die übrigen Ionen bleiben unverändert in Lösung.
Fällungen als Ionennachweis nutzen

Ein Fällungsmittel liefert Ionen, die mit den gesuchten Ionen einen schwerlöslichen Stoff bilden. Entsteht der erwartete Niederschlag, ist die Reaktion ein Hinweis auf die gesuchte Ionensorte.

Beim Chloridnachweis liefert Silbernitratlösung die Silber-Ionen:

Ag⁺(aq) + Cl⁻(aq) → AgCl(s)

Die weiße Silberchloridtrübung zeigt, dass Chlorid-Ionen in der Probe vorhanden sein können. Die Beobachtung muss immer zusammen mit dem verwendeten Fällungsmittel und der erwarteten Reaktion gedeutet werden.

Auch Barium- und Sulfat-Ionen bilden ein schwerlösliches Salz:

Ba²⁺(aq) + SO₄²⁻(aq) → BaSO₄(s)

Fällungen können nicht nur qualitative Nachweise liefern. Wird ein Niederschlag vollständig abgetrennt und gewogen, lässt sich damit auch die Menge eines Stoffes bestimmen. In technischen Verfahren können Fällungen außerdem gelöste Stoffe aus Abwasser entfernen.

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Frage 1 von 1MittelWelche gekürzte Ionengleichung beschreibt die Bildung von Bariumsulfat?
Lösung: Ba²⁺(aq) + SO₄²⁻(aq) → BaSO₄(s) — Die richtige Antwort ist die gekürzte Ionengleichung. Die dritte Option ist eine Stoffgleichung und enthält auch die Zuschauerionen.
Mit dem Löslichkeitsprodukt entscheiden

Auch ein schwerlösliches Salz löst sich in sehr geringem Maß. In einer gesättigten Lösung mit Bodenkörper laufen zwei Vorgänge gleichzeitig ab: Ionen verlassen den Feststoff, und gelöste Ionen lagern sich wieder an. Das ist ein dynamisches Gleichgewicht.

Definition

Löslichkeitsprodukt

Das Löslichkeitsprodukt $K_L$ ist der Gleichgewichtswert des Produkts der beteiligten Ionenkonzentrationen. Die Exponenten entsprechen den Zahlenverhältnissen in der Salzformel.

Für Silberchlorid gilt:

$$K_L = c(Ag^+) \cdot c(Cl^-)$$

Für Magnesiumhydroxid gilt wegen der zwei Hydroxid-Ionen:

$$K_L = c(Mg^{2+}) \cdot c(OH^-)^2$$

Das entsprechend gebildete Produkt der aktuell vorliegenden Ionenkonzentrationen heißt Ionenprodukt.

  • Ionenprodukt kleiner als $K_L$: Die Lösung ist untersättigt; keine Fällung setzt ein.
  • Ionenprodukt gleich $K_L$: Die Lösung ist gesättigt; mit Bodenkörper besteht ein Gleichgewicht.
  • Ionenprodukt größer als $K_L$: Eine Fällung setzt ein, bis das Gleichgewicht wieder erreicht ist.
Beispiel

Je 10 mL zweier Lösungen werden gemischt:

  • $c(Ag^+) = 0{,}010\,mol/L$
  • $c(Cl^-) = 0{,}00010\,mol/L$
  • $K_L(AgCl) = 1{,}7 \cdot 10^{-10}\,mol^2/L^2$

Das Gesamtvolumen beträgt danach 20 mL. Weil sich jede Lösung auf das doppelte Volumen verteilt, halbieren sich beide Konzentrationen:

$$c(Ag^+) = 5{,}0 \cdot 10^{-3}\,mol/L$$

$$c(Cl^-) = 5{,}0 \cdot 10^{-5}\,mol/L$$

Nun wird das Ionenprodukt berechnet:

$$5{,}0 \cdot 10^{-3} \cdot 5{,}0 \cdot 10^{-5} = 2{,}5 \cdot 10^{-7}\,mol^2/L^2$$

Es gilt:

$$2{,}5 \cdot 10^{-7} > 1{,}7 \cdot 10^{-10}$$

Das Ionenprodukt ist größer als das Löslichkeitsprodukt. Deshalb fällt Silberchlorid aus.

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Frage 1 von 2MittelWarum werden im Beispiel beide Anfangskonzentrationen halbiert?
Lösung: Jede Lösung verteilt sich nach dem Mischen auf das doppelte Volumen. — Gleiche Volumina ergeben zusammen das doppelte Einzelvolumen. Vor der Beurteilung der Fällung müssen deshalb die Konzentrationen im Gemisch bestimmt werden.
Frage 2 von 2SchwerDas berechnete Ionenprodukt liegt unter $K_L$. Welche Folgerung ist richtig?
Lösung: Unter diesen Bedingungen setzt keine Fällung ein. — Ein Ionenprodukt unter $K_L$ kennzeichnet eine untersättigte Lösung.
Bedingungen und Grenzen einer Vorhersage

Das Löslichkeitsprodukt gilt für festgelegte Bedingungen und ist temperaturabhängig. Ohne passende Daten darfst du daher nicht allgemein behaupten, Erwärmen oder Abkühlen fördere immer die Fällung.

Auch der pH-Wert kann entscheidend sein. Für Magnesiumhydroxid geht die Konzentration der Hydroxid-Ionen sogar quadratisch in das Ionenprodukt ein:

$$c(Mg^{2+}) \cdot c(OH^-)^2$$

Sinkt die Hydroxid-Ionen-Konzentration, kann sich Magnesiumhydroxid wieder lösen. Umgekehrt kann eine genügend hohe Hydroxid-Ionen-Konzentration seine Fällung begünstigen.

Ein Niederschlag kann außerdem verschwinden, wenn eines seiner Ionen einen gut löslichen Komplex bildet. Silberchlorid lässt sich beispielsweise durch verdünnte Ammoniaklösung lösen, weil ein löslicher Silberkomplex entsteht.

Gut zu wissen

Tabellierte Löslichkeitsprodukte ermöglichen ein vereinfachtes Gleichgewichtsmodell. Bei konzentrierten Lösungen können zusätzliche Wechselwirkungen eine genauere Betrachtung erfordern.

Für eine zuverlässige Vorhersage gehst du so vor:

  1. Bestimme die Ionen des möglichen Niederschlags.
  2. Stelle die neutrale Salzformel und den Ausdruck für $K_L$ auf.
  3. Berechne nach dem Mischen die Ionenkonzentrationen.
  4. Bilde das Ionenprodukt mit den richtigen Exponenten.
  5. Vergleiche es mit $K_L$ und formuliere die Aussage im Sachzusammenhang.
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Frage 1 von 1SchwerEine Rechnung zu Mg(OH)₂ verwendet $c(Mg^{2+}) \cdot c(OH^-)$. Was ist daran falsch?
Lösung: Die Hydroxid-Ionen-Konzentration muss quadriert werden. — Aus Mg(OH)₂ folgt $K_L = c(Mg^{2+}) \cdot c(OH^-)^2$.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Fällungsreaktion
    • Beobachtung: Trübung, Suspension und möglicher Bodenkörper
    • Teilchenebene: gelöste Ionen bilden ein schwerlösliches Salz
    • Reaktionsschreibweise: Feststoff mit (s) oder Abwärtspfeil
    • Ionengleichung: Zuschauerionen werden gekürzt
    • Qualitativer Nachweis: Niederschlag weist auf bestimmte Ionen hin
    • Quantitative Vorhersage: Ionenprodukt wird mit K_L verglichen
    • Einflussgrößen: Konzentration, pH-Wert, Temperatur und Komplexbildung
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelches Teilchen wird bei der Silberchloridfällung tatsächlich ausgefällt?
Lösung: Silberchlorid — Der Feststoff in der Gleichung Ag⁺(aq) + Cl⁻(aq) → AgCl(s) ist Silberchlorid.
Frage 2 von 3MittelWelche Ionen sind in der vollständigen Gleichung der Silberchloridfällung Zuschauerionen?
Lösung: Na⁺ und NO₃⁻ — Zuschauerionen stehen auf beiden Seiten unverändert in wässriger Lösung.
Frage 3 von 3SchwerNach dem Mischen ist das Ionenprodukt eines Salzes größer als sein Löslichkeitsprodukt. Was folgt daraus?
Lösung: Das Salz fällt aus, bis das Gleichgewicht wieder erreicht ist. — Das Überschreiten von $K_L$ zeigt den Beginn der Fällung an; es bedeutet nicht, dass zwangsläufig sämtliche Ionen ausfallen.

Prüfe dich zum Schluss ohne Rechnung: Kannst du vom sichtbaren Niederschlag über die gekürzte Ionengleichung bis zur Entscheidung mit Ionenprodukt und $K_L$ erklären, warum eine Fällung einsetzt?

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