Chemie

Molekülgeometrie mit dem EPA-Modell bestimmen

Molekülgeometrie mit dem EPA-Modell bestimmen
Molekülgeometrie mit dem EPA-Modell bestimmen
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Die Molekülgeometrie beschreibt, wie die Atome eines Moleküls räumlich angeordnet sind. Mit dem EPA-Modell leitest du diese Gestalt aus der Valenzstrichformel ab: Elektronenbereiche am Zentralatom stoßen einander ab und ordnen sich mit möglichst großem Abstand an.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum die Valenzstrichformel nicht genügt

Eine Valenzstrichformel zeigt, welche Atome miteinander verbunden sind und wo freie Elektronenpaare liegen. Sie ist aber eine zweidimensionale Zeichnung. Moleküle sind räumlich: Drei Atome können zum Beispiel auf einer Geraden liegen oder einen Winkel bilden.

Definition

Molekülgeometrie

Die Molekülgeometrie ist die räumliche Anordnung der gebundenen Atome eines Moleküls. Freie Elektronenpaare sind keine Atome, beeinflussen diese Anordnung aber.

Die räumliche Gestalt ist wichtig, weil sie unter anderem Polarität, Reaktivität und Stoffeigenschaften beeinflussen kann. Sie allein entscheidet jedoch nicht über diese Eigenschaften; zum Beispiel muss man für die Polarität zusätzlich die Bindungspolarität betrachten.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWas zeigt eine Valenzstrichformel nicht unmittelbar?
Lösung: Die dreidimensionale Anordnung der Atome — Die Formel liefert Bindungsverhältnisse, aber die räumliche Gestalt musst du erst aus den Elektronenbereichen ableiten.
So funktioniert das EPA-Modell

EPA steht für Elektronenpaar-Abstoßungs-Modell; VSEPR ist die englische Abkürzung. Das Modell betrachtet Elektronenbereiche in der Valenzschale des Zentralatoms. Weil sie negativ geladen sind, stoßen sie einander ab. Eine Anordnung mit möglichst großem gegenseitigem Abstand ist energetisch günstig.

Definition

Elektronenbereich

Ein Elektronenbereich am Zentralatom ist entweder eine Bindung zu einem anderen Atom oder ein freies Elektronenpaar. Eine Einfach-, Doppel- oder Dreifachbindung zählt für die Grundgeometrie jeweils als ein Bindungsbereich.

Gehe in vier Schritten vor:

  1. Zeichne die Valenzstrichformel mit allen freien Elektronenpaaren.
  2. Bestimme das Zentralatom und zähle dort die Bindungsbereiche und freien Elektronenpaare.
  3. Addiere beide Zahlen und ordne die Elektronengeometrie zu.
  4. Denke für die Benennung der Molekülgeometrie die freien Elektronenpaare weg. Ihre abstoßende Wirkung bleibt trotzdem erhalten.
Merke

Gezählt wird am Zentralatom, nicht im gesamten Molekül. Mehrfachbindungen zählen bei der Grundform als ein Bereich.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelAm zentralen Kohlenstoffatom von CO₂ liegen zwei Doppelbindungen und keine freien Elektronenpaare. Wie viele Elektronenbereiche werden gezählt?
Lösung: Zwei — Jede der beiden C=O-Doppelbindungen bildet einen Bindungsbereich am Zentralatom.
Welche Grundformen entstehen

Für zwei bis vier Elektronenbereiche gelten diese Idealformen:

Zahl der ElektronenbereicheElektronengeometrieidealer Winkel
2linear$180^\circ$
3trigonal-planar$120^\circ$
4tetraedrisch$109{,}5^\circ$

Trigonal-planar bedeutet: Drei Bereiche liegen in einer Ebene an den Ecken eines Dreiecks. Tetraedrisch bedeutet: Vier Bereiche zeigen zu den Ecken eines Tetraeders, also eines räumlichen Körpers mit vier dreieckigen Flächen.

Beispiel

CO₂: Am Kohlenstoffatom liegen zwei Bindungsbereiche und kein freies Elektronenpaar. Zwei Bereiche erreichen den größten Abstand in entgegengesetzter Richtung. Elektronen- und Molekülgeometrie sind linear; der Winkel beträgt $180^\circ$.

CH₄: Am Kohlenstoffatom liegen vier Bindungsbereiche und kein freies Elektronenpaar. Die Bereiche ordnen sich tetraedrisch an. Auch die Molekülgeometrie ist tetraedrisch; der ideale Winkel beträgt $109{,}5^\circ$.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Drei Elektronenbereiche ergeben eine Elektronengeometrie. Vier Bereiche ergeben eine Elektronengeometrie. Bei CO₂ zählt jede Doppelbindung als .

Lösungen: Lücke 1: trigonal-planare; Lücke 2: tetraedrische; Lücke 3: ein Bereich. Entscheidend ist die Gesamtzahl der Elektronenbereiche am Zentralatom. Die Bindungsordnung ändert im Grundschema nicht die Zahl der Bereiche.
Wie freie Elektronenpaare die Form verändern

Die Elektronengeometrie berücksichtigt alle Bindungsbereiche und freien Elektronenpaare. Die Molekülgeometrie beschreibt dagegen nur die Positionen der gebundenen Atome. Deshalb können beide Namen verschieden sein.

Bindungsbereichefreie PaareElektronengeometrieMolekülgeometrie
30trigonal-planartrigonal-planar
21trigonal-planargewinkelt
40tetraedrischtetraedrisch
31tetraedrischtrigonal-pyramidal
22tetraedrischgewinkelt
Beispiel

NH₃: Drei N–H-Bindungen und ein freies Elektronenpaar ergeben vier Elektronenbereiche. Die Elektronengeometrie ist tetraedrisch. Für die Molekülform wird das freie Paar weggedacht: Die drei Wasserstoffatome bilden mit dem Stickstoff eine trigonal-pyramidale Form.

H₂O: Zwei O–H-Bindungen und zwei freie Elektronenpaare ergeben ebenfalls vier Bereiche und damit eine tetraedrische Elektronengeometrie. Nach dem Wegdenken der freien Paare bleiben zwei Bindungen: Das Molekül ist gewinkelt.

Freie Elektronenpaare werden nur von einem Atomkern angezogen und beanspruchen mehr Raum als bindende Bereiche zwischen zwei Kernen. In Wasser drücken sie die O–H-Bindungen deshalb zusammen. Der H–O–H-Winkel beträgt etwa $104{,}5^\circ$ statt des idealen Tetraederwinkels von $109{,}5^\circ$.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin Zentralatom besitzt drei Bindungsbereiche und ein freies Elektronenpaar. Welche Aussage stimmt?
Lösung: Die Elektronengeometrie ist tetraedrisch, die Molekülgeometrie trigonal-pyramidal. — Vier Elektronenbereiche ordnen sich tetraedrisch an. Für die Molekülgeometrie wird das freie Paar bei der Benennung weggedacht.
Das Verfahren anwenden und seine Grenzen erkennen

Bestimme die Geometrie von Methanal am zentralen Kohlenstoffatom. Es ist mit zwei Wasserstoffatomen durch Einfachbindungen und mit einem Sauerstoffatom durch eine Doppelbindung verbunden. Am Kohlenstoff liegt kein freies Elektronenpaar.

Beispiel

Lösung: Die zwei C–H-Bindungen und die C=O-Doppelbindung sind zusammen drei Bindungsbereiche. Es gibt kein freies Paar am Kohlenstoff. Drei Bereiche ergeben eine trigonal-planare Elektronengeometrie. Weil nur Atome die drei Positionen besetzen, ist auch die Molekülgeometrie trigonal-planar. Die idealen Winkel betragen $120^\circ$.

Das EPA-Modell ist ein Vorhersagemodell für einfache kovalente Moleküle, besonders für Moleküle mit einem klaren Zentralatom. Es ist nicht auf Ionenverbindungen anwendbar und auf Komplexverbindungen nur eingeschränkt. Elektronenmangelbindungen und stark delokalisierte Bindungssysteme können eine genauere Beschreibung verlangen.

Idealwinkel sind Näherungen. Freie Paare, Mehrfachbindungen und unterschiedliche Elektronegativitäten der gebundenen Atome können den Raumbedarf der Bereiche verändern. Das Grundschema liefert dann weiterhin eine Form, aber nicht zwingend den exakten Winkel.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerBei einem Molekül sagt das EPA-Modell eine tetraedrische Grundanordnung voraus. Gemessen wird ein kleinerer Bindungswinkel. Welche Erklärung passt am besten?
Lösung: Ein freies Elektronenpaar beansprucht mehr Raum und drückt Bindungsbereiche zusammen. — Die tetraedrische Grundanordnung hat den Idealwinkel $109{,}5^\circ$. Freie Paare können Bindungswinkel verkleinern, wie bei H₂O.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Molekülgeometrie mit EPA
    • Ausgangspunkt: Valenzstrichformel mit freien Elektronenpaaren
    • Zählen: Bindungsbereiche und freie Paare am Zentralatom
    • Elektronengeometrie: linear, trigonal-planar oder tetraedrisch
    • Molekülgeometrie: nur Positionen der gebundenen Atome benennen
    • Abweichungen: freie Paare, Mehrfachbindungen und unterschiedliche Elektronegativität
    • Grenzen: einfache kovalente Moleküle werden modelliert
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Geometrie gehört zu drei Elektronenbereichen?
Lösung: trigonal-planar — Drei Bereiche erreichen in einer Ebene mit idealen Winkeln von $120^\circ$ großen gegenseitigen Abstand.
Frage 2 von 3MittelEin Zentralatom hat zwei Bindungsbereiche und zwei freie Elektronenpaare. Welche Molekülgeometrie folgt?
Lösung: gewinkelt — Vier Bereiche ergeben eine tetraedrische Elektronengeometrie. Nach dem Wegdenken der beiden freien Paare bleibt eine gewinkelte Molekülform.
Frage 3 von 3SchwerZwei Moleküle haben jeweils vier Elektronenbereiche am Zentralatom. Eines besitzt vier Bindungsbereiche, das andere drei Bindungsbereiche und ein freies Paar. Was lässt sich sicher folgern?
Lösung: Beide haben tetraedrische Elektronengeometrie, aber unterschiedliche Molekülgeometrien. — Vier Bereiche bestimmen in beiden Fällen die tetraedrische Elektronengeometrie. Vier gebundene Atome ergeben eine tetraedrische, drei gebundene Atome eine trigonal-pyramidale Molekülgeometrie.

Passend dazu