Chemie

Zwischenmolekulare Kräfte einfach erklärt

Zwischenmolekulare Kräfte einfach erklärt
Zwischenmolekulare Kräfte einfach erklärt
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Zwischenmolekulare Kräfte ziehen bereits vorhandene Moleküle an. Sie erklären unter anderem, warum manche Stoffe leicht verdampfen, andere hohe Siedetemperaturen besitzen und sich bestimmte Flüssigkeiten mischen. Entscheidend sind London-Dispersionskräfte, Dipol-Dipol-Wechselwirkungen und Wasserstoffbrücken.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Bindung oder zwischenmolekulare Kraft?

Eine chemische Bindung hält Atome innerhalb eines Moleküls zusammen. Zwischenmolekulare Kräfte wirken dagegen zwischen verschiedenen Molekülen. In Strukturzeichnungen werden Bindungen meist als durchgezogene und Wechselwirkungen häufig als gestrichelte Linien dargestellt.

Definition

Zwischenmolekulare Kräfte

Zwischenmolekulare Kräfte sind elektrostatische Anziehungen zwischen Teilbereichen verschiedener Moleküle. Sie verändern die Elektronenverteilung oder richten vorhandene Teilladungen zueinander aus, ohne die Atome zu neuen Molekülen zu verbinden.

Beim Verdampfen von Wasser werden die H₂O-Moleküle voneinander getrennt. Die O–H-Bindungen innerhalb der Moleküle bleiben erhalten. Die zugeführte Energie überwindet also zwischenmolekulare Kräfte und zerlegt nicht jedes Wassermolekül in seine Atome.

Merke

Beim Schmelzen oder Verdampfen wachsen die Abstände zwischen den Teilchen. Die Moleküle selbst bleiben normalerweise erhalten.

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Frage 1 von 1LeichtWas wird beim Verdampfen von Wasser überwunden?
Lösung: Die Anziehung zwischen verschiedenen H₂O-Molekülen — Ein Phasenübergang trennt Teilchen voneinander. Er spaltet nicht automatisch die chemischen Bindungen innerhalb der Moleküle.
London-Kräfte wirken zwischen allen Teilchen

Elektronen bewegen sich fortwährend. Dadurch kann die Elektronendichte eines Teilchens für einen kurzen Moment ungleich verteilt sein. Es entsteht ein temporärer Dipol mit einer etwas negativeren und einer etwas positiveren Seite.

Dieser temporäre Dipol verschiebt die Elektronendichte eines Nachbarteilchens. Dort entsteht ein induzierter Dipol. Entgegengesetzte Seiten ziehen sich kurzzeitig an.

Definition

London-Dispersionskräfte

London-Dispersionskräfte entstehen zwischen temporären und dadurch induzierten Dipolen. Sie wirken grundsätzlich zwischen allen Atomen und Molekülen – auch zwischen unpolaren Molekülen.

Ihre Stärke nimmt im Allgemeinen zu, wenn

  • mehr Elektronen vorhanden sind,
  • die Elektronenhülle leichter verformbar, also stärker polarisierbar ist,
  • Moleküle eine große wirksame Kontaktfläche besitzen.

Bei ähnlich großen Molekülen können unverzweigte Formen oft enger aneinanderliegen als stark verzweigte Formen. Die größere Kontaktfläche begünstigt dann stärkere London-Kräfte.

Beispiel

Pentan (C₅H₁₂) und Octan (C₈H₁₈) sind unpolar. Zwischen ihren Molekülen wirken dennoch London-Kräfte.

StoffSiedetemperatur
Pentan36 °C
Octan126 °C

Octan besitzt das größere Molekül mit mehr Elektronen und einer größeren Kontaktfläche. Seine Moleküle ziehen sich insgesamt stärker an. Für ihre Trennung wird mehr Energie benötigt, daher siedet Octan höher.

Gut zu wissen

Der Ausdruck „Van-der-Waals-Kräfte“ wird nicht überall gleich verwendet. Auf dieser Seite bezeichnet er die London-Dispersionskräfte. In weiter gefasster Fachsprache kann er auch als Oberbegriff für mehrere schwache Wechselwirkungen dienen.

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Frage 1 von 1MittelZwei unpolare Moleküle unterscheiden sich deutlich in Größe und Elektronenzahl. Welches besitzt gewöhnlich stärkere London-Kräfte?
Lösung: Das größere, elektronenreichere Molekül — Auch unpolare Moleküle bilden kurzzeitig Dipole. Größere, leichter polarisierbare Elektronenhüllen führen gewöhnlich zu stärkeren London-Kräften.
Permanente Dipole an Struktur und Form erkennen

Eine Bindung ist polar, wenn ein Atom die Bindungselektronen stärker anzieht als das andere. Am stärker anziehenden Atom entsteht eine negative Partialladung δ−, am anderen eine positive Partialladung δ+.

Eine polare Bindung macht jedoch nicht automatisch das ganze Molekül zum Dipol. Zusätzlich kommt es auf die räumliche Anordnung der Bindungen an.

Definition

Permanenter Dipol

Ein Molekül ist ein permanenter Dipol, wenn es polare Bindungen besitzt und die Schwerpunkte seiner positiven und negativen Partialladungen räumlich nicht zusammenfallen.

Gehe in vier Schritten vor:

  1. Bestimme die räumliche Molekülform.
  2. Markiere polare Bindungen und ihre Partialladungen.
  3. Prüfe, ob sich die Wirkungen der Bindungspolaritäten durch Symmetrie aufheben.
  4. Bleiben getrennte Ladungsschwerpunkte, ist das Molekül ein Dipol.
Beispiel

CO₂: Jede C=O-Bindung ist polar. Das Molekül ist aber linear und symmetrisch. Die beiden Bindungspolaritäten wirken in entgegengesetzte Richtungen und heben sich auf. CO₂ ist deshalb kein permanenter Dipol.

H₂O: Die O–H-Bindungen sind polar. Das Molekül ist gewinkelt, daher heben sich die Bindungspolaritäten nicht auf. Die negative Seite liegt beim O-Atom, die positive Seite bei den H-Atomen. H₂O ist ein permanenter Dipol.

Zwischen permanenten Dipolen richten sich entgegengesetzte Pole benachbarter Moleküle zueinander aus. Diese Anziehung heißt Dipol-Dipol-Wechselwirkung. London-Kräfte wirken dabei weiterhin zusätzlich.

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Frage 1 von 2LeichtWarum ist CO₂ trotz seiner polaren Bindungen kein permanenter Dipol?
Lösung: Seine lineare, symmetrische Form lässt die Bindungspolaritäten einander aufheben. — Für den Dipolcharakter brauchst du zwei Prüfungen: Sind Bindungen polar, und bleibt wegen der Molekülform eine räumliche Ladungstrennung übrig?
Frage 2 von 2MittelWelche Aussage über ein gewinkeltes H₂O-Molekül ist richtig?
Lösung: Die polaren O–H-Bindungen ergeben wegen der gewinkelten Form einen permanenten Dipol. — Die O–H-Bindungen erzeugen Partialladungen. Wegen der gewinkelten Form fallen die positiven und negativen Ladungsschwerpunkte nicht zusammen.
Wasserstoffbrücken gezielt bestimmen

Wasserstoffbrücken sind besonders starke, gerichtete zwischenmolekulare Wechselwirkungen. Im hier verwendeten Schulmodell sind zwei Partner nötig:

  • Ein Donor besitzt eine O–H-, N–H- oder F–H-Bindung. Sein stark positiv polarisiertes H-Atom wird für die Brücke bereitgestellt.
  • Ein Akzeptor ist ein O-, N- oder F-Atom mit einem verfügbaren freien Elektronenpaar.
Definition

Wasserstoffbrücke

Eine Wasserstoffbrücke ist die Anziehung zwischen einem stark positiv polarisierten H-Atom einer O–H-, N–H- oder F–H-Gruppe und einem freien Elektronenpaar an O, N oder F eines anderen Teilchens.

Beispiel

Ein Wassermolekül besitzt O–H-Gruppen als Donoren und freie Elektronenpaare am Sauerstoff als Akzeptoren. Daher können sich viele H₂O-Moleküle durch Wasserstoffbrücken miteinander verbinden.

Ethanol besitzt ebenfalls eine O–H-Gruppe und ein O-Atom mit freien Elektronenpaaren. Zwischen Ethanol- und Wassermolekülen sind deshalb Wasserstoffbrücken möglich.

Ein Sauerstoffatom allein genügt nicht immer für Wasserstoffbrücken zwischen gleichen Molekülen. Dimethylether besitzt zwar ein O-Atom als Akzeptor, aber keine O–H-Gruppe als Donor. Reine Dimethylether-Moleküle können daher untereinander keine Wasserstoffbrücken bilden. Mit Wasser kann der Ether-Sauerstoff dagegen eine Brücke aufnehmen.

Merke

Prüfe Wasserstoffbrücken nie nur durch die Suche nach O, N oder F. Suche getrennt nach einem Donor und einem Akzeptor.

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Frage 1 von 2MittelWelche Wechselwirkungen wirken zwischen H₂O-Molekülen?
Lösung: London-Kräfte, Dipol-Dipol-Wechselwirkungen und Wasserstoffbrücken — Mehrere Kraftarten können gleichzeitig wirken. Bei H₂O sind alle drei behandelten Arten möglich.
Frage 2 von 2SchwerWarum bildet Dimethylether untereinander keine Wasserstoffbrücken, kann sie mit Wasser aber aufnehmen?
Lösung: Er besitzt einen Akzeptor, aber keine O–H-, N–H- oder F–H-Gruppe als Donor. — Für eine Wasserstoffbrücke müssen Donor und Akzeptor zusammenkommen. Wasser liefert den fehlenden Donor, Dimethylether den Akzeptor.
Siedetemperatur und Mischbarkeit erklären

Beim Sieden müssen Moleküle weit voneinander getrennt werden. Je stärker ihre gesamte Anziehung ist, desto mehr Energie wird gewöhnlich benötigt und desto höher liegt bei vergleichbaren Bedingungen die Siedetemperatur.

Eine häufig verwendete Orientierung lautet:

Wasserstoffbrücken stärker als Dipol-Dipol-Wechselwirkungen stärker als einzelne London-Kräfte.

Diese Reihenfolge ist keine automatische Rangliste ganzer Stoffe. Größe, Elektronenzahl, Kontaktfläche und die Anzahl aller Kontakte können den Gesamtvergleich verändern.

Beispiel

Aceton ist polar und besitzt Dipol-Dipol-Wechselwirkungen. Heptan ist unpolar, aber deutlich größer. Seine stärkeren London-Kräfte führen zu einer höheren Siedetemperatur: Heptan siedet bei 98 °C, Aceton bei 56 °C.

Das Gegenbeispiel zeigt: „polar“ bedeutet nicht automatisch „höher siedend“.

Auch die Mischbarkeit hängt von Wechselwirkungen ab. Beim Mischen werden Kontakte zwischen gleichen Teilchen teilweise getrennt und neue Kontakte zwischen unterschiedlichen Teilchen gebildet.

Die Faustregel „Ähnliches löst sich in Ähnlichem“ meint deshalb ähnliche Wechselwirkungsmöglichkeiten:

  • Wasser und Ethanol können miteinander Wasserstoffbrücken sowie weitere Wechselwirkungen bilden und sind gut mischbar.
  • Wasser bildet untereinander ein starkes Netzwerk aus Wasserstoffbrücken. Heptan kann diese Kontakte nicht durch ähnlich starke Wasser-Heptan-Kontakte ersetzen. Beide Flüssigkeiten mischen sich schlecht.

So beurteilst du einen Stoffvergleich:

  1. Bestimme für beide Teilchensorten die möglichen Kraftarten.
  2. Berücksichtige bei London-Kräften Größe, Polarisierbarkeit und Kontaktfläche.
  3. Prüfe bei polaren Molekülen die räumliche Ladungsverteilung.
  4. Suche bei Wasserstoffbrücken getrennt nach Donoren und Akzeptoren.
  5. Vergleiche die Summe der Wechselwirkungen – nicht nur die nominell stärkste Art.
  6. Formuliere daraus vorsichtig eine Erwartung für Siedetemperatur oder Mischbarkeit.
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Frage 1 von 2MittelWarum mischen sich Wasser und Heptan schlecht?
Lösung: Neue Wasser-Heptan-Kontakte ersetzen die starken Wasser-Wasser-Wechselwirkungen nicht ausreichend. — Gute Mischbarkeit wird begünstigt, wenn die neuen gemischten Kontakte die getrennten Reinstoffkontakte ausreichend ersetzen können.
Frage 2 von 2SchwerStoff A ist polar, Stoff B unpolar und größer. Welche Aussage über ihre Siedetemperaturen ist fachlich sinnvoll?
Lösung: Man muss alle Wechselwirkungen und die Molekülgröße vergleichen; die Polarität allein entscheidet nicht. — Eine Stoffeigenschaft hängt von der gesamten Anziehung ab. Einzelne Etiketten wie „polar“ oder „unpolar“ reichen für eine sichere Rangfolge nicht aus.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Zwischenmolekulare Kräfte
    • London-Kräfte: temporäre und induzierte Dipole bei allen Teilchen
    • Dipol-Dipol-Kräfte: Anziehung permanenter Moleküldipole
    • Wasserstoffbrücken: Donor-H trifft auf Akzeptor mit freiem Elektronenpaar
    • Molekülstruktur: Bindungspolarität und räumliche Form bestimmen den Dipolcharakter
    • Siedetemperatur: stärkere Gesamtanziehung erfordert meist mehr Trennenergie
    • Mischbarkeit: neue gemischte Kontakte müssen getrennte Reinstoffkontakte ersetzen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Kraftart wirkt auch zwischen zwei unpolaren Molekülen?
Lösung: London-Dispersionskraft — Kurzzeitige Verschiebungen der Elektronendichte ermöglichen London-Kräfte bei polaren und unpolaren Teilchen.
Frage 2 von 3MittelEin Molekül besitzt polare Bindungen. Welche zusätzliche Information brauchst du, um seinen Dipolcharakter zu beurteilen?
Lösung: Seine räumliche Form und die Anordnung der Bindungspolaritäten — Erst die Geometrie zeigt, ob die positiven und negativen Ladungsschwerpunkte getrennt bleiben oder durch Symmetrie zusammenfallen.
Frage 3 von 3SchwerEin unbekannter polarer Stoff siedet niedriger als ein größerer unpolarer Stoff. Welche Erklärung passt?
Lösung: Die stärkeren summierten London-Kräfte des größeren Stoffes können dessen Gesamtkraft bestimmen. — Vergleiche stets alle vorhandenen Kräfte, ihre Anzahl und die Eigenschaften der Elektronenhülle. Die nominell stärkste Kraftart allein entscheidet nicht über den ganzen Stoff.

Du kannst einen neuen Fall nun systematisch untersuchen: erst Molekülgröße und London-Kräfte, dann Bindungspolarität und Geometrie, danach mögliche Wasserstoffbrücken – und zuletzt die gesamte Anziehung mit der beobachteten Stoffeigenschaft verbinden.

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