Wasserstoffbrückenbindung einfach erklärt
Wasserstoffbrücken sind gerichtete Anziehungen zwischen einem stark positiv polarisierten Wasserstoffatom und einem freien Elektronenpaar. Du kannst sie mit einem Donor-Akzeptor-Test erkennen und damit wichtige Stoffeigenschaften erklären.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie entsteht eine Wasserstoffbrücke?
Eine Wasserstoffbrücke entsteht in zwei Schritten. Zuerst zieht ein stark elektronegatives Atom wie Sauerstoff, Stickstoff oder Fluor die Elektronen einer Bindung zu Wasserstoff besonders stark an. Dadurch trägt das gebundene Wasserstoffatom eine positive Partialladung $\delta^+$, das elektronegative Atom eine negative Partialladung $\delta^-$.
Kommt das positiv polarisierte H-Atom in die Nähe eines freien Elektronenpaars an O, N oder F, ziehen sich beide Bereiche elektrostatisch an. Diese gerichtete Anziehung ist die Wasserstoffbrücke.
Wasserstoffbrücke
Eine Wasserstoffbrücke ist eine nichtkovalente Wechselwirkung zwischen einem positiv polarisierten, gebundenen H-Atom und einem freien Elektronenpaar an einem stark elektronegativen Atom.
In der Schreibweise O–H···O steht der durchgezogene Strich für die kovalente O–H-Bindung. Die Punkte kennzeichnen die Wasserstoffbrücke zum zweiten O-Atom.
Bei zwei Wassermolekülen zieht der Sauerstoff die Bindungselektronen stärker an als der Wasserstoff. Ein H-Atom des ersten Moleküls trägt deshalb $\delta^+$. Es wird von einem freien Elektronenpaar am $\delta^-$-polarisierten O-Atom des zweiten Moleküls angezogen.
Für eine Wasserstoffbrücke brauchst du ein geeignet gebundenes H-Atom und ein erreichbares freies Elektronenpaar. Die bloße Anwesenheit von Wasserstoff reicht nicht aus.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Das positiv polarisierte H-Atom ist an gebunden. Der zweite Partner stellt ein bereit. Zwischen beiden wirkt eine .
Donor und Akzeptor sicher erkennen
Der Donor stellt das positiv polarisierte H-Atom bereit. Typische Donorgruppen sind O–H, N–H und F–H.
Der Akzeptor stellt ein freies Elektronenpaar bereit. Häufig sitzt es an O, N oder F. Ein Teilchen kann Donor, Akzeptor oder beides sein.
Gehe in dieser Reihenfolge vor:
- Suche nach einer O–H-, N–H- oder F–H-Gruppe. Sie kann als Donor wirken.
- Suche nach einem freien Elektronenpaar an O, N oder F. Dieser Bereich kann als Akzeptor wirken.
- Prüfe, ob Donor und Akzeptor räumlich nahe genug kommen können.
Eine polare Bindung allein genügt nicht. Aceton besitzt zwar eine polare Carbonylgruppe mit einem O-Atom, aber kein O–H- oder N–H-Wasserstoffatom. Es kann daher Wasserstoffbrücken annehmen, unter Acetonmolekülen jedoch keine spenden.
Bindung und Wechselwirkung unterscheiden
Die Bezeichnung „Wasserstoffbrückenbindung“ kann täuschen. Innerhalb eines Wassermoleküls verbinden kovalente O–H-Bindungen die Atome. Die Wasserstoffbrücke wirkt dagegen zwischen einem Donor und einem Akzeptor, ohne ein neues gemeinsames Elektronenpaar zu bilden.
In der schulischen Einordnung sind Wasserstoffbrücken meist stärker als gewöhnliche Dipol-Dipol- und London-Wechselwirkungen, aber deutlich schwächer als kovalente oder ionische Bindungen. Deshalb können viele Wasserstoffbrücken gemeinsam stabilisieren und trotzdem wieder gelöst werden.
Man unterscheidet zwei Fälle:
- intermolekular: Die Wasserstoffbrücke wirkt zwischen verschiedenen Molekülen, etwa zwischen zwei Wassermolekülen.
- intramolekular: Sie wirkt zwischen geeigneten Bereichen desselben großen Moleküls und beeinflusst dessen räumliche Form.
Welche Stoffe bilden Wasserstoffbrücken?
Wasser ist Donor und Akzeptor: Seine H-Atome können gespendet werden, und der Sauerstoff besitzt freie Elektronenpaare.
Ethanol ist ebenfalls beides. Seine OH-Gruppe kann Wasserstoffbrücken zu anderen Ethanolmolekülen und zu Wasser bilden. Das unterstützt die gute Mischbarkeit von Ethanol und Wasser.
Ammoniak besitzt N–H-Bindungen und ein freies Elektronenpaar am Stickstoff. Es kann daher ebenfalls spenden und annehmen.
Ein Keton wie Aceton ist nur Akzeptor. Sein Carbonyl-O besitzt freie Elektronenpaare, aber das Molekül enthält kein geeignetes O–H- oder N–H-Wasserstoffatom.
Methan besitzt nur C–H-Bindungen. Nach dem schulischen Donor-Akzeptor-Test bildet es keine Wasserstoffbrücken.
Treffen Wasser und Aceton aufeinander, spendet Wasser ein positiv polarisiertes H seiner O–H-Gruppe. Das Carbonyl-O des Acetons nimmt die Wasserstoffbrücke mit einem freien Elektronenpaar an. Aceton kann also Wasserstoffbrücken mit Wasser bilden, obwohl es untereinander keine bildet.
Warum verhält sich Wasser so besonders?
Zwischen Wassermolekülen bildet sich ein ständig wechselndes Netzwerk aus Wasserstoffbrücken. Um Wasser zu verdampfen, müssen viele dieser Anziehungen überwunden werden. Das kostet zusätzliche Energie und trägt zum für ein so kleines Molekül ungewöhnlich hohen Siedepunkt bei.
Wasserstoffbrücken erhöhen außerdem den Zusammenhalt der Moleküle an der Oberfläche. Dadurch tragen sie zur hohen Oberflächenspannung bei.
Beim Gefrieren entsteht eine gerichtete, offene Eisstruktur. Darin liegen die Wassermoleküle im Mittel weiter auseinander als in flüssigem Wasser. Eis besitzt deshalb eine geringere Dichte und schwimmt.
Ein Eiswürfel sinkt nicht auf den Boden eines Wasserglases. Seine offene, durch Wasserstoffbrücken geordnete Struktur benötigt mehr Raum als dieselbe Stoffmenge flüssigen Wassers. Das Volumen ist größer und die Dichte geringer.
Mehr Anziehung zwischen Teilchen bedeutet: Für ihre Trennung wird mehr Energie benötigt. Eine offene Festkörperstruktur kann zugleich zu einer geringeren Dichte führen.
Wie stabilisieren Wasserstoffbrücken Biomoleküle?
Viele einzeln lösbare Wasserstoffbrücken können zusammen eine große Struktur stabilisieren. Das ist besonders wichtig, wenn ein Molekül fest genug für seine Aufgabe, aber zugleich veränderbar bleiben muss.
In Proteinen entstehen Wasserstoffbrücken zwischen geeigneten Gruppen der Polypeptidkette. Sie tragen zur Ausbildung von Helices und Faltblättern bei und stabilisieren zusammen mit weiteren Wechselwirkungen die räumliche Proteinstruktur.
In der DNA verbinden Wasserstoffbrücken die komplementären Basen der beiden Stränge. Adenin und Thymin bilden zwei, Guanin und Cytosin drei Wasserstoffbrücken. Die vielen Brücken stabilisieren die Doppelhelix, können aber beim Ablesen oder Kopieren der Erbinformation getrennt werden.
Karteikasten
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Alles auf einen Blick
- Wasserstoffbrückenbindung
- Voraussetzung: positiv polarisiertes H an O, N oder F
- Partner: freies Elektronenpaar an O, N oder F
- Erkennung: Donor und Akzeptor prüfen
- Einordnung: nichtkovalente, gerichtete Wechselwirkung
- Stoffeigenschaften: Siedetemperatur und Oberflächenspannung
- Eis: offene Struktur und geringere Dichte
- Biomoleküle: Stabilisierung von Proteinen und DNA
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