Chemie

Polare Bindung: EN-Differenz und Dipol verstehen

Polare Bindung: EN-Differenz und Dipol verstehen
Polare Bindung: EN-Differenz und Dipol verstehen
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Bei einer polaren Bindung ziehen zwei Atome das gemeinsame Elektronenpaar unterschiedlich stark an. Dadurch entstehen eine partiell negative und eine partiell positive Seite. Ob das gesamte Molekül ein Dipol ist, hängt zusätzlich von seiner räumlichen Form ab.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie entsteht eine polare Bindung?

Eine Atombindung beruht auf mindestens einem gemeinsamen Elektronenpaar. Beide gebundenen Atome ziehen dieses Elektronenpaar an.

Definition

Elektronegativität

Die Elektronegativität, kurz EN, beschreibt, wie stark ein Atom die Elektronen einer Bindung anzieht. Ein größerer EN-Wert bedeutet eine stärkere Anziehung.

Ziehen beide Atome gleich stark, ist das Elektronenpaar gleichmäßig verteilt. Die Bindung ist unpolar. Das gilt beispielsweise für H–H oder Cl–Cl.

Bei verschiedenen EN-Werten liegt das Elektronenpaar näher am elektronegativeren Atom. Die Bindung ist dann unterschiedlich stark polarisiert.

Beispiel

In HCl zieht Chlor die Bindungselektronen stärker an als Wasserstoff. Deshalb erhält Chlor eine negative Partialladung und Wasserstoff eine positive Partialladung:

$H^{δ+}–Cl^{δ-}$

Das HCl-Molekül bleibt insgesamt elektrisch neutral. Nur seine Ladungsverteilung ist ungleichmäßig.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt eine polare Atombindung richtig?
Lösung: Die Bindungselektronen sind zum elektronegativeren Atom verschoben. — Bei einer polaren Atombindung bleibt das Elektronenpaar gemeinsam, ist aber ungleich verteilt.
Wie berechnest du die EN-Differenz?

Für eine Bindung ziehst du den kleineren EN-Wert vom größeren ab:

$$ΔEN = EN_{groß} - EN_{klein}$$

Das Ergebnis ist nicht negativ. Je größer die Differenz ist, desto stärker ist die Bindung im einfachen EN-Modell polarisiert.

Beispiel

Für HCl gelten die Werte $EN(Cl)=3{,}16$ und $EN(H)=2{,}20$.

$$ΔEN = 3{,}16 - 2{,}20 = 0{,}96$$

Da Chlor den größeren Wert besitzt, trägt es $δ-$; Wasserstoff trägt $δ+$.

Bei einem Molekül mit mehreren Bindungen untersuchst du jedes gebundene Atompaar einzeln.

Beispiel

In HOCl gibt es zwei verschiedene Bindungen:

  • O–H: $ΔEN = 3{,}44 - 2{,}20 = 1{,}24$
  • O–Cl: $ΔEN = 3{,}44 - 3{,}16 = 0{,}28$

Damit ist die O–H-Bindung im EN-Modell stärker polarisiert als die O–Cl-Bindung.

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Frage 1 von 1MittelWelche Bindung in HOCl ist nach den angegebenen Werten stärker polarisiert?
Lösung: O–H, weil ihre EN-Differenz 1,24 beträgt. — Vergleiche die Beträge: 1,24 ist größer als 0,28. Deshalb ist O–H stärker polarisiert.
Was bedeuten Partialladungen?
Definition

Partialladung

Eine Partialladung ist eine Teilladung, die durch die ungleiche Verteilung der Bindungselektronen entsteht. Sie wird mit $δ+$ oder $δ-$ gekennzeichnet und ist kleiner als eine volle Ionenladung.

So ordnest du die Zeichen zu:

  1. Vergleiche die EN-Werte der gebundenen Atome.
  2. Setze $δ-$ an das Atom mit dem größeren EN-Wert.
  3. Setze $δ+$ an das Atom mit dem kleineren EN-Wert.
Merke

Größere EN → stärkere Anziehung der Bindungselektronen → $δ-$.

Ein häufiger Fehler ist, Partialladungen mit Ionenladungen gleichzusetzen. Bei einer polaren Atombindung teilen sich die Atome weiterhin ein Elektronenpaar. Die Zeichen zeigen nur, zu welcher Seite die Elektronendichte verschoben ist.

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Frage 1 von 1MittelFluor besitzt in HF den größeren EN-Wert. Welche Zuordnung ist richtig?
Lösung: $H^{δ+}–F^{δ-}$ — Fluor zieht das gemeinsame Elektronenpaar stärker an. Deshalb trägt F die negative und H die positive Partialladung.
Wann ist das ganze Molekül ein Dipol?

Eine polare Bindung und ein polares Molekül sind nicht dasselbe.

Definition

Dipolmolekül

Ein Molekül ist ein Dipol, wenn sein positiver und sein negativer Ladungsschwerpunkt räumlich voneinander getrennt sind.

Für die Entscheidung brauchst du zwei Prüfungen:

  1. Besitzt das Molekül polare Bindungen?
  2. Heben sich deren Ladungsverschiebungen aufgrund der räumlichen Anordnung auf?
Beispiel

Im Wassermolekül H₂O beträgt die EN-Differenz der O–H-Bindung $3{,}44-2{,}20=1{,}24$. Sauerstoff trägt $δ-$, die Wasserstoffatome tragen $δ+$.

Wasser ist gewinkelt; der Bindungswinkel beträgt ungefähr 104,5°. Deshalb heben sich die beiden Ladungsverschiebungen nicht auf. Die Ladungsschwerpunkte bleiben getrennt: H₂O ist ein Dipolmolekül.

Beispiel

Im Kohlenstoffdioxid CO₂ sind beide C–O-Bindungen polar. Das Molekül ist jedoch linear und symmetrisch aufgebaut: O=C=O.

Die beiden gleich starken Ladungsverschiebungen zeigen in entgegengesetzte Richtungen und heben sich auf. CO₂ ist daher kein permanentes Dipolmolekül.

Merke

Polare Bindungen können zu einem Dipolmolekül führen, reichen aber nicht aus: Erst ihre räumliche Anordnung entscheidet, ob die Ladungsschwerpunkte getrennt bleiben.

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Frage 1 von 1SchwerWarum ist CO₂ trotz polarer C–O-Bindungen kein Dipolmolekül?
Lösung: Seine lineare, symmetrische Form führt zur gegenseitigen Aufhebung der Ladungsverschiebungen. — Unterscheide die Ebenen: Die Bindungen sind polar, aber das symmetrische Gesamtmolekül besitzt keine getrennten Ladungsschwerpunkte.
Warum sind EN-Grenzwerte nur Richtwerte?

Bindungsarten gehen fließend ineinander über. Häufig wird $ΔEN>1{,}7$ als schulischer Richtwert für eine ionische Beschreibung verwendet. Dieser Wert ist keine scharfe Naturgrenze.

Beispiel

Für HF ergeben die Werte $EN(F)=4{,}0$ und $EN(H)=2{,}2$:

$$ΔEN = 4{,}0 - 2{,}2 = 1{,}8$$

Trotz dieses Werts lässt sich HF als polar kovalentes Molekül beschreiben. Das Beispiel zeigt, warum eine einzelne Grenzzahl keine sichere Klassifikation liefert.

Auch Atomgrößen und strukturelle Bedingungen können für das passende Bindungsmodell wichtig sein. Nutze eine EN-Grenze deshalb als Orientierung und beachte zusätzliche Informationen zur Verbindung.

Gut zu wissen

Exakt gleiche EN-Werte ergeben im Modell eine unpolare Bindung. Bei kleinen, aber von null verschiedenen Differenzen kann eine Bindung sehr schwach polar sein.

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Frage 1 von 1SchwerEine Bindung besitzt $ΔEN=1{,}8$. Was darfst du daraus sicher folgern?
Lösung: Die EN-Differenz ist groß; für die Bindungsart müssen trotzdem weitere Informationen beachtet werden. — Die EN-Differenz beschreibt zunächst die ungleiche Anziehung in einer Bindung. Weder Bindungsart noch Moleküldipol folgen zuverlässig aus einer starren Zahl allein.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Polare Bindung
    • unterschiedliche Elektronegativität
    • ungleiche Elektronenverteilung
    • Partialladungen δ+ und δ-
    • EN-Differenz als Modellhilfe
    • Molekülgeometrie entscheidet über Dipolcharakter
    • Grenzwerte nur als Richtwerte
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelches Atom erhält in einer polaren Bindung $δ-$?
Lösung: Das Atom mit dem größeren EN-Wert — Das elektronegativere Atom zieht die Bindungselektronen stärker an und trägt deshalb $δ-$.
Frage 2 von 3MittelFür HI gelten $EN(I)=2{,}66$ und $EN(H)=2{,}22$. Welche Rechnung und Deutung passen zusammen?
Lösung: $ΔEN=0{,}44$; I trägt $δ-$ und H trägt $δ+$. — $2{,}66-2{,}22=0{,}44$. Iod hat den größeren EN-Wert und erhält daher $δ-$.
Frage 3 von 3SchwerEin Molekül besitzt zwei gleich stark polare Bindungen. Welche weitere Information brauchst du, um seinen Dipolcharakter zu bestimmen?
Lösung: Die räumliche Anordnung der Bindungen — Erst die Molekülgeometrie zeigt, ob sich die Wirkungen der polaren Bindungen aufheben oder getrennte Ladungsschwerpunkte erzeugen.

Du kannst eine polare Bindung nun in drei Schritten untersuchen: EN-Werte vergleichen, Partialladungen zuordnen und anschließend die Molekülgeometrie berücksichtigen. Dabei bleiben EN-Grenzwerte Modellhilfen, keine starren Naturgesetze.

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