Chemie

Elektronegativität: Trends und Bindungen erklären

Elektronegativität: Trends und Bindungen erklären
Elektronegativität: Trends und Bindungen erklären
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Elektronegativität beschreibt, wie stark ein Atom in einer Bindung die gemeinsamen Bindungselektronen anzieht. Je größer der Unterschied zwischen zwei Bindungspartnern ist, desto ungleicher ist die Elektronendichte verteilt.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was Elektronegativität bedeutet

Stell dir eine Bindung wie ein Tauziehen um ein gemeinsames Elektronenpaar vor. Ziehen beide Atome gleich stark, bleibt die Elektronendichte gleichmäßig verteilt. Zieht ein Atom stärker, liegt mehr Elektronendichte bei diesem Atom.

Definition

Elektronegativität

Die Elektronegativität, kurz EN und auch mit dem Zeichen χ bezeichnet, ist ein relatives Maß dafür, wie stark ein Atom in einer chemischen Bindung die Bindungselektronen anzieht. Ein hoher EN-Wert bedeutet eine starke Anziehung.

„Relativ“ bedeutet: Der Zahlenwert ist nur im Vergleich mit einem anderen Atom sinnvoll. Außerdem können Werte je nach EN-Skala und Rundung etwas voneinander abweichen.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt Elektronegativität richtig?
Lösung: Sie vergleicht, wie stark ein Atom in einer Bindung die Bindungselektronen anzieht. — Entscheidend sind die gemeinsamen Bindungselektronen und die Stärke ihrer Anziehung.
Wie du den Trend im Periodensystem erkennst

Im Periodensystem nimmt die EN im Allgemeinen von links nach rechts zu und von oben nach unten ab. Hohe Werte findest du deshalb rechts oben. Fluor besitzt den höchsten EN-Wert.

Innerhalb einer Periode steigt die Protonenzahl. Die zusätzlichen Elektronen kommen in dieselbe Schale, während keine neue innere Schale hinzukommt. Dadurch wächst die wirksame Anziehung des Kerns auf die äußeren Elektronen. Diese Anziehung unter Berücksichtigung der Abschirmung heißt effektive Kernladung.

Innerhalb einer Hauptgruppe kommen von oben nach unten weitere Elektronenschalen hinzu. Der Abstand zum Kern und die Abschirmung durch innere Elektronen wachsen. Die Bindungselektronen werden schwächer angezogen, daher sinkt die EN.

Merke

Im Periodensystem steigt die EN nach rechts und nach oben. Als Denkweg gilt: Stärkere wirksame Kernanziehung und kleinerer Abstand führen meist zu höherer EN.

Bei Nebengruppenelementen gibt es Abweichungen. Auch für Edelgase fehlen EN-Werte in vielen Tabellen, weil sie nur selten Bindungen bilden und sich ihre Werte daher schwer sinnvoll bestimmen lassen.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Innerhalb einer Periode nimmt die EN von links nach rechts . Innerhalb einer Hauptgruppe nimmt sie von oben nach unten , weil Zahl der Schalen und Abschirmung . Hohe EN-Werte liegen im Periodensystem im Allgemeinen .

Lösungen: Lücke 1: zu; Lücke 2: ab; Lücke 3: zunehmen; Lücke 4: rechts oben. Prüfe beide Bewegungsrichtungen getrennt: Nach rechts steigt die wirksame Kernanziehung, nach unten wachsen Abstand und Abschirmung.
Wie Partialladungen entstehen

Das Atom mit der höheren EN zieht die Bindungselektronen stärker zu sich. Dort entsteht eine negative Partialladung δ−. Am Partner mit der niedrigeren EN entsteht eine positive Partialladung δ+.

Definition

Partialladung

Eine Partialladung ist eine Teilladung durch ungleich verteilte Elektronendichte. Sie ist keine vollständige Ladung wie bei einem Kation oder Anion.

Beispiel

Bei Fluorwasserstoff HF gilt näherungsweise: EN(H) = 2,1 und EN(F) = 4,0. Fluor zieht stärker. Deshalb trägt F die Partialladung δ− und H die Partialladung δ+. Die H–F-Bindung ist polar.

Eine polare Bindung besitzt zwei unterschiedlich polarisierte Enden. Je größer die EN-Differenz ist, desto stärker ist im Allgemeinen die Verschiebung der Elektronendichte.

Gut zu wissen

Die Polarität einer einzelnen Bindung entscheidet noch nicht allein, ob ein ganzes Molekül ein Dipol ist. Dafür muss zusätzlich die räumliche Anordnung aller polaren Bindungen betrachtet werden.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin Atom A hat EN = 3,4, ein gebundenes Atom B EN = 2,2. Welche Zuordnung stimmt?
Lösung: A trägt δ− und B trägt δ+. — A zieht die Bindungselektronen stärker an. Deshalb liegt bei A mehr Elektronendichte und damit δ−.
Wie du die EN-Differenz berechnest und einordnest

Berechne immer den Betrag der Differenz:

$$ΔEN = |EN₁ - EN₂|$$

Der Betrag sorgt dafür, dass das Ergebnis nicht negativ wird. Du kannst also auch „größerer Wert minus kleinerer Wert“ rechnen.

Beispiel

Für eine O–H-Bindung gelten EN(O) = 3,44 und EN(H) = 2,20.

$$ΔEN = 3,44 - 2,20 = 1,24$$

Die Differenz liegt im Bereich einer polaren Atombindung. Sauerstoff besitzt die höhere EN und trägt deshalb δ−; Wasserstoff trägt δ+.

Für eine vereinfachte schulische Einordnung werden häufig diese Richtwerte verwendet:

EN-DifferenzVereinfachte Einordnung
unter dem verwendeten Richtwert von 0,4 oder 0,5unpolare Atombindung
vom verwendeten Richtwert bis etwa 1,7polare Atombindung
größer als etwa 1,7stark ionischer Charakter; bei Metall und Nichtmetall meist Ionenbindung

Die Grenzen sind nicht scharf. Verschiedene Lehrwerke setzen die Grenze zwischen unpolar und polar bei 0,4 oder ungefähr 0,5. Auch der Übergang zwischen polarer Atombindung und Ionenbindung ist fließend. Nutze die Werte daher als Richtwerte, nicht als Naturgrenzen.

Beispiel

Bei Lithiumoxid gelten EN(Li) = 1,00 und EN(O) = 3,44.

$$ΔEN = 3,44 - 1,00 = 2,44$$

Die Differenz ist größer als 1,7. Zusammen mit der Kombination aus Metall und Nichtmetall spricht das für eine Ionenbindung.

Zum Vergleich: In Br₂ haben beide Atome denselben EN-Wert. Daher ist $ΔEN = 0$ und die Bindung unpolar.

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Frage 1 von 2MittelFür Iodfluorid gelten EN(F) = 3,98 und EN(I) = 2,66. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: ΔEN = 1,32; F trägt δ− und die Bindung ist polar. — Rechne den Betrag: 3,98 − 2,66 = 1,32. Der Wert liegt im polaren Bereich, und Fluor zieht stärker.
Frage 2 von 2SchwerZwei Tabellen nennen für dieselbe Bindung leicht verschiedene EN-Werte. Wie gehst du sinnvoll vor?
Lösung: Du rechnest mit den Werten einer einheitlichen Skala und behandelst Grenzwerte als Richtwerte. — EN ist modellabhängig. Eine konsistente Wertetabelle und eine begründete Einordnung sind wichtiger als scheinbare Scheingenauigkeit.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Elektronegativität
    • Bedeutung: Anziehung gemeinsamer Bindungselektronen
    • Periodentrend: höher nach rechts und oben
    • Ursache: Kernladung, Abstand und Abschirmung
    • Bindungsfolge: Elektronenverschiebung und Partialladungen
    • Rechnung: Betrag der EN-Differenz
    • Einordnung: unpolar, polar oder stark ionisch
    • Grenze: Werte und Schwellen hängen von Modell und Rundung ab
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtIn welche Richtung nimmt die EN innerhalb einer Hauptgruppe im Allgemeinen ab?
Lösung: Von oben nach unten — Nach unten wachsen Atomradius und Abschirmung. Dadurch werden Bindungselektronen schwächer angezogen.
Frage 2 von 3MittelFür eine H–S-Bindung gelten EN(H) = 2,2 und EN(S) = 2,5. Welche Einordnung passt zur 0,4-Richtwertregel?
Lösung: ΔEN = 0,3; die Bindung wird als unpolar eingeordnet. — $|2,5 - 2,2| = 0,3$. Dieser Wert liegt unter 0,4 und damit im vereinfachten unpolaren Bereich.
Frage 3 von 3SchwerEine Bindung hat ΔEN = 1,6. Darf man daraus sicher schließen, dass das ganze Molekül ein Dipol ist?
Lösung: Nein. Die Bindung ist nach dem Richtwert polar; für den Moleküldipol muss zusätzlich die räumliche Anordnung betrachtet werden. — EN beschreibt zunächst die Polarität einer Bindung. Der Dipolcharakter des gesamten Moleküls erfordert zusätzlich die Molekülgeometrie.

Du beherrschst den Kernweg, wenn du den Periodentrend begründen, bei einer Bindung δ+ und δ− zuordnen und eine EN-Differenz mit ihren Grenzen einordnen kannst.

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