Chemie

Polymerisation: Ablauf, Mechanismen und Beispiele

Polymerisation: Ablauf, Mechanismen und Beispiele
Polymerisation: Ablauf, Mechanismen und Beispiele
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Bei einer Polymerisation verbinden sich viele ungesättigte Monomere zu langen Polymerketten. Dabei reagieren ihre Doppelbindungen, ohne dass kleine Nebenprodukte abgespalten werden. Du lernst hier, wie du ein Polymerisationsschema entwickelst und den radikalischen Mechanismus erklärst.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Vom Monomer zur langen Kette
Definition

Monomer

Ein Monomer ist ein kleines Molekül, das als Baustein einer größeren Kette dienen kann. Für die hier behandelte Polymerisation besitzt es gewöhnlich eine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung.

Bei der Reaktion wird ein Teil der Doppelbindung genutzt, um neue Bindungen zwischen den Monomeren zu bilden. Aus vielen Bausteinen entsteht ein sehr großes Molekül: ein Makromolekül oder Polymer. Das Reaktionsprodukt heißt auch Polymerisat.

Ein Kunststoff ist dagegen ein Werkstoff. Er enthält ein Polymer, kann aber zusätzlich Farbstoffe, Weichmacher, Füllstoffe oder andere Zusätze enthalten. Deshalb sind Polymer und Kunststoff keine gleichbedeutenden Begriffe.

Das Grundschema für Ethen lautet in vereinfachter Schreibweise:

n CH₂=CH₂ → [–CH₂–CH₂–]ₙ

Die Klammer enthält die Wiederholungseinheit. Der Polymerisationsgrad n gibt an, wie oft diese Einheit in der Kette vorkommt. Er steht nicht für eine bestimmte, bei jeder Kette gleiche Zahl.

Merke

Bei der Polymerisation werden viele Monomere über ihre reaktionsfähigen Doppelbindungen zu einer Kette verknüpft. Es werden dabei keine kleinen Moleküle wie Wasser abgespalten.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage unterscheidet Monomer und Polymer richtig?
Lösung: Ein Monomer ist ein einzelner Baustein; ein Polymer besteht aus vielen verknüpften Bausteinen. — Entscheidend ist die Zahl der verknüpften Bausteine, nicht der Aggregatzustand.
Frage 2 von 2MittelWelche Wiederholungseinheit entsteht aus Ethen?
Lösung: –CH₂–CH₂– — Aus CH₂=CH₂ wird durch Verknüpfung mit den Nachbarbausteinen die Einheit –CH₂–CH₂–.
So läuft die radikalische Polymerisation ab

Ein Radikal ist ein reaktionsfähiges Teilchen mit einem ungepaarten Elektron. Häufig entsteht es aus einem Initiator, dessen Bindung durch Wärme oder Licht gleichmäßig gespalten wird:

R–R → 2 R•

Die radikalische Polymerisation besteht aus drei Hauptphasen.

  1. Kettenstart: Ein Initiatorradikal greift die Doppelbindung eines Monomers an. Es entsteht eine neue Bindung, und am anderen Ende des angegriffenen Monomers bleibt ein Radikalzentrum zurück.
  2. Kettenwachstum: Das Radikalzentrum reagiert mit der Doppelbindung des nächsten Monomers. Nach jeder Anlagerung sitzt das aktive Zentrum wieder am Ende der verlängerten Kette.
  3. Kettenabbruch: Das aktive Zentrum verschwindet. Die betreffende Kette kann danach nicht weiterwachsen.
Beispiel

Ein Initiatorradikal R• reagiert mit einem Monomer M. Vereinfacht entsteht zunächst R–M•. Dieses Kettenradikal nimmt weitere Monomere auf:

R• + M → R–M•

R–M• + M → R–M–M•

Der entscheidende Gedanke: Das ungepaarte Elektron verschwindet beim Wachstum nicht, sondern befindet sich anschließend am neuen Kettenende.

Die Kettenreaktion ähnelt einer Reihe fallender Dominosteine: Der Start benötigt einen Anstoß, danach löst jeder Reaktionsschritt den nächsten aus. Die Analogie erklärt den Ablauf, bedeutet aber nicht, dass Temperatur und Wärmeabfuhr unwichtig wären.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Reihenfolge ist richtig?
Lösung: Initiatorbildung – Kettenstart – Kettenwachstum – Kettenabbruch — Zuerst entsteht das Radikal. Es startet eine Kette, die wächst und schließlich abgebrochen wird.
Frage 2 von 2MittelWarum kann sich nach einem Wachstumsschritt ein weiteres Monomer anlagern?
Lösung: Das ungepaarte Elektron befindet sich weiterhin am Ende der verlängerten Kette. — Beim Wachstum wandert das aktive Radikalzentrum gewissermaßen mit dem Kettenende weiter.
Ein Polymerisationsschema entwickeln

So leitest du das Polymer aus einem einfachen Alken ab:

  1. Finde die Doppelbindung. Sie kennzeichnet die reaktionsfähige Stelle.
  2. Öffne einen Bindungsanteil der Doppelbindung. Zwischen den beiden Kohlenstoffatomen bleibt eine Einfachbindung.
  3. Verbinde die freien Bindungsstellen mit den Nachbareinheiten. Dadurch entsteht eine Kette.
  4. Setze die Wiederholungseinheit in Klammern. Schreibe n an die Klammer.
Beispiel

Aus Ethen CH₂=CH₂ entsteht Polyethen.

Monomer: CH₂=CH₂

Wiederholungseinheit: –CH₂–CH₂–

Gesamtschema: n CH₂=CH₂ → [–CH₂–CH₂–]ₙ

Die Atome des Monomers bleiben erhalten. Geändert wird ihre Bindungssituation: Die Doppelbindung wird durch eine Einfachbindung innerhalb der Einheit und durch Bindungen zu den beiden Nachbareinheiten ersetzt.

Bei Styrol funktioniert dasselbe Grundprinzip. AIBN kann durch Erwärmung Radikale bilden, die eine Styrolkette starten. Die entstehende Kette ist Polystyrol.

Bei unsymmetrisch substituierten Monomeren wie CH₂=CHR sind verschiedene Verknüpfungsrichtungen denkbar. Häufig entsteht eine Kopf-Schwanz-Verknüpfung, bei der substituierte und nicht substituierte Kohlenstoffatome regelmäßig aufeinanderfolgen.

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Frage 1 von 1MittelEine Schülerin zeichnet bei Polyethen in jeder Wiederholungseinheit weiterhin eine C=C-Doppelbindung. Was muss sie ändern?
Lösung: Sie ersetzt die Doppelbindung durch eine Einfachbindung und ergänzt die Bindungen zu den Nachbareinheiten. — Die Atome bleiben erhalten, aber ein Bindungsanteil der Doppelbindung dient zur Verknüpfung der Monomere.
Wie Kettenwachstum endet und gesteuert wird

Der Abbruch erfolgt nicht bei allen Ketten gleichzeitig. Deshalb enthält ein Polymerisat gewöhnlich Makromoleküle unterschiedlicher Kettenlänge.

Zwei wichtige Abbrucharten sind:

  • Rekombination: Zwei Kettenradikale bilden miteinander eine kovalente Bindung. Aus zwei aktiven Ketten wird eine nicht mehr radikalische Kette.
  • Disproportionierung: Ein Kettenradikal überträgt ein Wasserstoffatom auf ein anderes. Dabei entstehen zwei nicht mehr radikalische Kettenenden, eines mit Einfach- und eines mit Doppelbindung.

Bei einer Kettenübertragung gibt ein wachsendes Radikalzentrum seine Reaktivität an ein anderes Teilchen weiter. Die bisherige Kette endet, während ein neues Radikal eine weitere Kette starten kann. Entsteht das neue Radikalzentrum innerhalb einer Polymerkette, können Verzweigungen wachsen.

Regler wie Thiole fördern eine solche Übertragung und können die mittlere Kettenlänge begrenzen. Inhibitoren fangen Radikale ab und hemmen oder stoppen dadurch das Wachstum.

Mehr Initiatorradikale oder eine höhere Temperatur können die Reaktion beschleunigen, führen aber häufig zu kürzeren Ketten. Die tatsächliche Kettenlänge hängt außerdem von Wachstum, Abbruch und Übertragung ab.

Gut zu wissen

Die Polymerisation ist stark exotherm: Sie setzt Wärme frei. Wenn eine zähflüssiger werdende Reaktionsmischung Wärme schlecht abführt, kann sie sich selbst beschleunigen. Solche Reaktionen gehören deshalb nur in fachgerecht überwachte Versuchsanordnungen.

Vertiefung: Gel- und Glaseffekt

Bei fortgeschrittenem Umsatz werden große Kettenradikale weniger beweglich. Treffen sie seltener aufeinander, gibt es weniger Abbrüche, während das Wachstum weiterlaufen kann. Diese Selbstbeschleunigung heißt Gel- oder Norrish-Trommsdorff-Effekt.

Später kann die Mischung so unbeweglich werden, dass auch das Wachstum stark nachlässt. Beim Glaseffekt bleiben deshalb Monomere im erstarrenden Gemisch eingeschlossen.

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Frage 1 von 2MittelWarum entstehen bei einer radikalischen Polymerisation unterschiedlich lange Ketten?
Lösung: Wachstum und Abbruch treffen die einzelnen Ketten zu unterschiedlichen Zeitpunkten. — Vor allem die statistischen Abbruch- und Übertragungsreaktionen erzeugen eine Verteilung verschiedener Kettenlängen.
Frage 2 von 2SchwerEin zugesetzter Stoff bildet mit Radikalen sehr stabile, kaum reaktive Teilchen. Welche Wirkung ist zu erwarten?
Lösung: Er wirkt als Inhibitor und bremst das Kettenwachstum. — Kann das abgefangene Radikal kein Monomer mehr addieren, wird die Kettenreaktion gehemmt.
Weitere Mechanismen und Polymerstrukturen

Nicht jede Polymerisation wird durch Radikale getragen. Das aktive Kettenende kann auch geladen oder an ein Metallzentrum gebunden sein.

  • Bei der kationischen Polymerisation ist das aktive Zentrum positiv geladen. Ein Proton kann sich an eine Doppelbindung anlagern und ein Carbokation erzeugen, das weitere Monomere bindet.
  • Bei der anionischen Polymerisation ist das aktive Zentrum negativ geladen. Wasser oder Alkohole können durch Protonenübertragung einen Abbruch auslösen. Fehlen solche Protonenlieferanten, können die Ketten lange reaktiv bleiben. Man spricht dann von lebenden Polymeren.
  • Bei der Koordinationspolymerisation bindet ein Metallkomplex Monomer und wachsende Kette. Er steuert, wie das Monomer in die Kette eingeschoben wird.

Werden verschiedene Monomerarten gemeinsam eingebaut, entsteht ein Copolymer. Bei einem Blockcopolymer folgen längere Abschnitte verschiedener Monomerarten aufeinander. Lebende anionische Ketten eignen sich dazu, solche Blöcke nacheinander aufzubauen.

Die räumliche Anordnung von Seitengruppen entlang einer Polymerkette heißt Taktizität:

  • isotaktisch: Die Seitengruppen besitzen eine regelmäßige gleichartige Anordnung.
  • syndiotaktisch: Ihre Anordnung wechselt regelmäßig.
  • ataktisch: Sie sind unregelmäßig angeordnet.

Metallkomplex-Katalysatoren können den Einbau räumlich steuern. Die Taktizität beeinflusst deshalb die Eigenschaften des Polymermaterials.

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Frage 1 von 3LeichtWelches aktive Zentrum kennzeichnet die anionische Polymerisation?
Lösung: Ein negativ geladenes Kettenende — Anionisch bedeutet, dass die wachsende Kette ein negativ geladenes aktives Zentrum besitzt.
Frage 2 von 3MittelWozu kann ein Metallkomplex bei der Polymerisation dienen?
Lösung: Er kann die Orientierung des Monomers und damit die Taktizität steuern. — Durch Koordination können Monomer und Kette so ausgerichtet werden, dass ein räumlich geordneter Einbau entsteht.
Frage 3 von 3SchwerEine reaktive anionische Kette erhält zuerst Monomer A und anschließend Monomer B. Welches Produkt ist zu erwarten?
Lösung: Ein Blockcopolymer mit einem A- und einem B-Abschnitt — Werden verschiedene Monomere nacheinander an dieselbe lebende Kette angebaut, entstehen unterscheidbare Polymerblöcke.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Polymerisation
    • Monomere mit reaktionsfähiger Doppelbindung
    • Wiederholungseinheiten bilden Polymerketten
    • Radikalisch: Start, Wachstum und Abbruch
    • Ionisch: kationisches oder anionisches Kettenende
    • Koordinativ: gesteuerter Einbau am Metallkomplex
    • Struktursteuerung durch Kettenlänge, Copolymere und Taktizität
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas bleibt während des radikalischen Kettenwachstums erhalten?
Lösung: Ein Radikalzentrum am jeweils neuen Kettenende — Nach jeder Addition befindet sich das ungepaarte Elektron am verlängerten Kettenende und ermöglicht den nächsten Wachstumsschritt.
Frage 2 von 3MittelAus dem Monomer Ethen soll die Wiederholungseinheit abgeleitet werden. Welcher Denkweg ist richtig?
Lösung: Doppelbindung erkennen, einen Bindungsanteil für die Verknüpfung nutzen und –CH₂–CH₂– in Klammern setzen — Die Atome des Ethens bleiben erhalten. Geändert werden die Bindungen, sodass eine durchgehende Kohlenstoffkette entsteht.
Frage 3 von 3SchwerZwei Ansätze enthalten gleichartige Monomere. Im zweiten Ansatz werden mehr Startradikale erzeugt. Welche begründete Erwartung passt zum dargestellten Modell?
Lösung: Der zweite Ansatz reagiert schneller und liefert häufig kürzere Ketten, weil mehr Ketten gleichzeitig starten. — Die Zahl der Startzentren beeinflusst, wie viele Ketten gleichzeitig wachsen. Kettenlänge und Reaktionsgeschwindigkeit hängen zusätzlich von Abbruch und Übertragung ab.

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