Rutherford-Atommodell: Streuversuch erklärt
Das Rutherford-Atommodell erklärt Atome als Verbindung aus einem winzigen, positiv geladenen Kern und einer viel größeren, weitgehend leeren Elektronenhülle. Diese Vorstellung entstand aus den überraschenden Beobachtungen beim Goldfolienversuch.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie war der Streuversuch aufgebaut?
Eine sehr dünne Metallfolie, zum Beispiel eine Goldfolie, wurde mit Alpha-Teilchen beschossen. Alpha-Teilchen sind zweifach positiv geladene Heliumkerne. Sie besitzen eine hohe Bewegungsenergie.
Um die Folie herum befand sich ein Leucht- oder Szintillationsschirm. Ein auftreffendes Alpha-Teilchen erzeugte dort einen Lichtblitz. So ließ sich erkennen, in welche Richtung das unsichtbare Teilchen nach dem Durchgang durch die Folie weiterflog.
Der Leuchtschirm lenkt die Alpha-Teilchen nicht gezielt. Er dient als Nachweisgerät: Die Position eines Lichtblitzes zeigt an, wo ein Teilchen aufgetroffen ist.
Was erwartete man nach dem Thomson-Modell?
Im älteren Thomson-Modell, auch Rosinenkuchenmodell genannt, waren die positive Ladung und die Masse über das gesamte Atom verteilt. Die negativen Elektronen waren darin eingebettet.
Eine großflächig verteilte positive Ladung sollte ein schnelles Alpha-Teilchen höchstens schwach beeinflussen. Deshalb erwartete man, dass die Teilchen die dünne Folie nahezu geradlinig durchqueren.
Ein Experiment prüft ein Modell, indem seine Beobachtungen mit den Vorhersagen des Modells verglichen werden.
Was wurde tatsächlich beobachtet?
Auf dem Leuchtschirm zeigte sich ein klares Muster:
- Die meisten Alpha-Teilchen durchdrangen die Folie nahezu unabgelenkt.
- Einige Teilchen wurden leicht zur Seite abgelenkt.
- Sehr wenige Teilchen wurden stark abgelenkt oder sogar zur Einfallsseite zurückgestreut.
Das sind zunächst nur Beobachtungen. Sie beschreiben, was gemessen wurde. Aussagen über den inneren Aufbau der Atome sind dagegen Deutungen dieser Beobachtungen.
Beobachtung
Eine Beobachtung beschreibt ein festgestelltes Ergebnis, beispielsweise einen Lichtblitz in einer bestimmten Richtung. Sie erklärt noch nicht, warum das Ergebnis auftrat.
„Einige Alpha-Teilchen wurden zurückgestreut“ ist eine Beobachtung.
„Die positive Ladung befindet sich in einem kleinen Kern“ ist eine daraus entwickelte Deutung.
Wie führen die Beobachtungen zum Kern-Hülle-Modell?
Rutherford musste alle drei Beobachtungen mit einem gemeinsamen Modell erklären.
Warum fliegen die meisten Teilchen geradeaus?
Wenn die meisten Alpha-Teilchen die Folie fast ungehindert passieren, muss im Atom sehr viel Raum ohne stark ablenkende Materie liegen. Die Elektronenhülle ist daher weitgehend leer und besitzt im Vergleich zum Kern nahezu keine Masse.
Warum werden einige Teilchen leicht abgelenkt?
Ein Alpha-Teilchen ist positiv geladen. Fliegt es in geringer Entfernung an einem ebenfalls positiven Kern vorbei, stoßen sich die gleichnamigen Ladungen elektrisch ab. Dadurch ändert sich die Flugrichtung seitlich.
Warum kommen sehr wenige Teilchen zurück?
Nähert sich ein Alpha-Teilchen dem Kern nahezu frontal, kann die elektrische Abstoßung besonders stark wirken. Die seltene Rückstreuung spricht deshalb für einen sehr kleinen Bereich, in dem die positive Ladung und fast die gesamte Atommasse konzentriert sind.
Großer Abstand zum Kern: kaum Ablenkung. Geringer Abstand: seitliche Ablenkung. Nahezu frontale Annäherung: starke Ablenkung oder Rückstreuung möglich.
Was besagt das Rutherford-Atommodell?
Rutherford-Atommodell
Ein Atom besitzt einen sehr kleinen, positiv geladenen Kern und eine viel größere Elektronenhülle. Im Kern befindet sich fast die gesamte Atommasse. Die Hülle enthält die negativen Elektronen und ist überwiegend leer.
Die Elektronen schirmen die positive Kernladung nach außen ab. Bei einem neutralen Atom gleichen sich positive und negative Ladungen insgesamt aus.
Das Modell ersetzte die Vorstellung, positive Ladung und Masse seien gleichmäßig im Atom verteilt. Sein entscheidender Erfolg ist der Kern-Hülle-Aufbau.
Warum muss der Kern viel kleiner als die Hülle sein?
- Die meisten Alpha-Teilchen durchquerten die Folie ohne starke Ablenkung.
- Sie kamen also an keinem Kern sehr nahe vorbei.
- Nahe Begegnungen mit einem Kern müssen deshalb selten sein.
- Der Kern nimmt folglich nur einen sehr kleinen Teil des Atomraums ein.
Was kann das Modell nicht erklären?
Das Rutherford-Modell beschreibt die Kern-Hülle-Grundstruktur, lässt aber wichtige Fragen offen:
- Wie sind die Elektronen innerhalb der Hülle verteilt?
- Wie verhalten oder bewegen sich die Elektronen dort genau?
- Warum ist das Atom stabil und fallen die negativen Elektronen nicht in den positiven Kern?
- Wie entstehen die diskreten Spektrallinien verschiedener Gase?
Eine klassische Vorstellung von Elektronen auf Kreisbahnen löst das Stabilitätsproblem nicht. Eine Kreisbewegung ist eine beschleunigte Bewegung. Nach der klassischen Elektrodynamik würde ein beschleunigtes geladenes Teilchen Energie abstrahlen. Das Elektron müsste dadurch Energie verlieren und schließlich in den Kern stürzen. Stabile Atome wären so nicht erklärbar.
Ein gutes Modell muss nicht jede Frage beantworten. Es ist nützlich, solange es bestimmte Beobachtungen zuverlässig erklärt. Spätere Atommodelle übernehmen den Kern-Hülle-Aufbau und beschreiben die Elektronen genauer.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Rutherford-Atommodell
- Streuversuch mit Goldfolie, Alpha-Teilchen und Leuchtschirm
- Beobachtung: meist gerader Durchgang, einige Ablenkungen, sehr selten Rückstreuung
- Deutung: große weitgehend leere Hülle und kleiner positiver massereicher Kern
- Erfolg: Erklärung des Kern-Hülle-Aufbaus
- Grenze: Elektronenverteilung und Stabilität bleiben ungeklärt
Mit Google fortfahren