Chemie

Wasser in der Chemie: Aufbau und Eigenschaften

Wasser in der Chemie: Aufbau und Eigenschaften
Wasser in der Chemie: Aufbau und Eigenschaften
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Ein Wassermolekül besteht aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom: H₂O. Weil das Molekül gewinkelt ist und Sauerstoff die Bindungselektronen stärker anzieht, besitzt es eine leicht negative und eine leicht positive Seite. Dieser Dipolcharakter und die Wasserstoffbrücken zwischen den Molekülen erklären viele auffällige Eigenschaften des Wassers.

Auf dieser Seite lernst du, vom Molekülbau auf Löslichkeit, Oberflächenspannung, Wärmespeicherung und Dichteanomalie zu schließen. Außerdem unterscheidest du reines Wasser von natürlichen Wasserproben.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Vom H₂O-Molekül zum Dipol

Warum kann Wasser geladene Teilchen anziehen, obwohl ein Wassermolekül insgesamt ungeladen ist? Entscheidend ist die Verteilung der Ladung.

Ein Wassermolekül enthält zwei Wasserstoffatome und ein Sauerstoffatom. Die Atome sind durch stabile kovalente O–H-Bindungen verbunden. Dabei teilen sie Bindungselektronen.

Sauerstoff zieht diese Elektronen stärker an als Wasserstoff. Deshalb trägt die Sauerstoffseite eine leicht negative Partialladung und die beiden Wasserstoffseiten tragen leicht positive Partialladungen. „Partial“ bedeutet: Es handelt sich nur um Teilladungen, nicht um vollständige Ionenladungen.

Außerdem ist H₂O nicht gerade, sondern gewinkelt. Der Bindungswinkel beträgt etwa 104,5°. Dadurch heben sich die Ladungsschwerpunkte der beiden O–H-Bindungen nicht auf.

Definition

Dipol

Ein Dipol ist ein insgesamt neutrales Teilchen mit einer dauerhaft ungleichmäßigen Ladungsverteilung. Beim Wassermolekül liegt der negative Pol an der Sauerstoffseite, der positive Pol an den Wasserstoffseiten.

Merke

Stärkere Elektronenanziehung des Sauerstoffs + gewinkelte Molekülform = Wassermolekül als Dipol. Die Formel H₂O allein reicht für diese Begründung nicht aus.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWarum ist ein Wassermolekül ein Dipol?
Lösung: Sauerstoff zieht die Bindungselektronen stärker an, und die gewinkelte Form verhindert einen Ausgleich der Ladungsschwerpunkte. — Erst die polaren O–H-Bindungen und ihre gewinkelte Anordnung erzeugen die dauerhafte Ladungsverteilung.
Frage 2 von 2MittelWelche Seite eines Wassermoleküls richtet sich bevorzugt zu einem positiv geladenen Ion aus?
Lösung: Die leicht negative Sauerstoffseite. — Entgegengesetzte Ladungen ziehen sich an. Daher zeigt die Sauerstoffseite zum positiv geladenen Ion.
Wasserstoffbrücken verbinden die Moleküle

Die O–H-Bindung hält ein Wassermolekül zusammen. Zwischen verschiedenen Wassermolekülen wirkt eine andere Anziehung: Die leicht positive Wasserstoffseite eines Moleküls zieht die leicht negative Sauerstoffseite eines anderen an.

Definition

Wasserstoffbrücke

Eine Wasserstoffbrücke ist eine Anziehung zwischen Molekülen. In Wasser bildet sie sich zwischen der positiven Wasserstoffseite und der negativen Sauerstoffseite benachbarter Moleküle. Sie ist keine zusätzliche O–H-Bindung innerhalb eines Moleküls.

Diese Verbindungen sind nicht dauerhaft. Sie lösen sich und entstehen ständig neu. Zusammen bilden sie ein bewegliches Netzwerk. Daraus folgen mehrere Eigenschaften:

  • Hohe Oberflächenspannung: Moleküle an der Oberfläche werden stark zum Wasser hin angezogen. Kleine Wasserläufer können dadurch von der Oberfläche getragen werden.
  • Hohe Wärmekapazität: Wasser benötigt viel Energie für eine Temperaturänderung. Seen und Meere erwärmen und kühlen daher langsam und mildern Temperaturschwankungen.
  • Hohe Verdampfungsenergie: Beim Übergang in den gasförmigen Zustand muss ein großer Teil der Anziehung zwischen den Molekülen überwunden werden.
Beispiel

An einer Küste erwärmt sich das Meer an einem heißen Tag langsamer als der Boden. Nachts gibt es die gespeicherte Wärme ebenfalls langsam ab. Der entscheidende Gedanke lautet: Für dieselbe Temperaturänderung nimmt eine große Wassermenge viel Energie auf oder gibt viel Energie ab. Deshalb fallen Temperaturschwankungen in Küstennähe oft geringer aus als weit im Landesinneren.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Erklärung verbindet Wasserstoffbrücken sinnvoll mit der hohen Oberflächenspannung?
Lösung: Die Anziehung zwischen benachbarten Wassermolekülen hält die Oberfläche zusammen. — Für die Oberflächenspannung ist die Anziehung zwischen Molekülen wichtig. Die H₂O-Moleküle selbst bleiben dabei erhalten.
Warum sich Salz löst und Öl nicht

Beim Lösen verschwindet ein Stoff nicht. Seine Teilchen verteilen sich so fein im Wasser, dass du sie einzeln nicht mehr siehst.

Definition

Wässrige Lösung

Eine wässrige Lösung ist ein gleichmäßig erscheinendes Gemisch, in dem Wasser das Lösungsmittel ist. Die gelösten Teilchen bleiben vorhanden.

Bei Kochsalz zieht Wasser die positiv geladenen Natriumionen und die negativ geladenen Chloridionen an. Die Wassermoleküle richten sich passend aus, trennen die Ionen aus dem Kristallverband und umgeben sie. Diese Umhüllung durch Wassermoleküle heißt Hydratation.

  • Um ein positives Ion zeigt überwiegend die negative Sauerstoffseite nach innen.
  • Um ein negatives Ion zeigen überwiegend die positiven Wasserstoffseiten nach innen.

Die hydratisierten Ionen können sich in der Lösung bewegen. Deshalb leitet eine Salzlösung elektrischen Strom deutlich besser als nahezu reines Wasser. Im festen Salzkristall sind die Ionen dagegen nicht frei beweglich.

Zucker besteht aus polaren Molekülen. Wassermoleküle können auch diese anziehen und voneinander trennen; die Zuckermoleküle werden dabei nicht zu Natrium- oder Chloridionen. Öl ist überwiegend unpolar. Ihm fehlen passende Ladungsschwerpunkte für eine starke Wechselwirkung mit Wasser, daher bildet es eine getrennte Phase.

Beispiel

Du rührst je einen Löffel Salz, Zucker und Öl in drei Gläser Wasser.

  1. Salz löst sich in bewegliche Ionen auf, die von Wasser umgeben werden.
  2. Zucker verteilt sich als Moleküle im Wasser.
  3. Öl bleibt in einer getrennten Schicht.

„Nicht mehr sichtbar“ bedeutet bei Salz und Zucker also gelöst, nicht verschwunden. Beim Öl zeigt die sichtbare Schicht, dass keine einheitliche Lösung entstanden ist.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Beim Wassermolekül ist die leicht negativ. Um ein Natriumion zeigt deshalb vor allem die nach innen. In einer Salzlösung tragen bewegliche elektrische Ladung durch die Flüssigkeit. Öl mischt sich schlecht mit Wasser, weil es überwiegend ist.

Lösungen: Lücke 1: Sauerstoffseite; Lücke 2: Sauerstoffseite; Lücke 3: Ionen; Lücke 4: unpolar. Nutze immer dieselbe Kette: Partialladungen bestimmen die Ausrichtung; bewegliche Ionen ermöglichen die Leitfähigkeit; fehlende passende Ladungsschwerpunkte erschweren das Mischen.
Aggregatzustände und Dichteanomalie

Wasser kommt fest als Eis, flüssig als Wasser und gasförmig als Wasserdampf vor. Bei einer Phasenänderung ändert sich die Anordnung und Beweglichkeit der Moleküle, aber ein H₂O-Molekül bleibt chemisch H₂O.

Bei einem Druck von etwa 1.013 hPa liegt der Schmelzpunkt bei 0 °C und der Siedepunkt bei 100 °C. Unter anderen Druckbedingungen verschieben sich diese Temperaturen. Wasserdampf selbst ist unsichtbar; sichtbare Wolken oder der „Dampf“ über einem Topf bestehen aus kleinen flüssigen Tröpfchen.

Normalerweise dehnen sich Stoffe beim Erwärmen aus. Wasser verhält sich zwischen 0 °C und 4 °C anders: Beim Erwärmen nimmt sein Volumen ab. Bei 4 °C erreicht flüssiges Wasser seine größte Dichte. Oberhalb von 4 °C nimmt das Volumen beim Erwärmen wieder zu.

Die Dichte berechnest du mit:

$$\rho=\frac{m}{V}$$

Dabei ist $m$ die Masse und $V$ das Volumen. Bei gleicher Masse gilt: Größeres Volumen bedeutet kleinere Dichte.

Beispiel

Beim Gefrieren vergrößert Wasser sein Volumen ungefähr um ein Elftel. Aus 11 mL flüssigem Wasser werden vereinfacht etwa 12 mL Eis, während die Masse gleich bleibt. In der Dichteformel wird dadurch der Nenner größer. Die Dichte des Eises ist also kleiner als die des flüssigen Wassers: Eis schwimmt.

In einem winterlichen See sinkt dichteres Wasser in tiefere Schichten. Eis bildet sich an der Oberfläche und kann das Wasser darunter isolieren. Die Dichteanomalie trägt so dazu bei, dass tieferes Wasser flüssig bleibt; Wetter, Tiefe und Dauer der Kälte wirken ebenfalls mit.

Merke

Wasser hat bei etwa 4 °C seine größte Dichte. Eis besitzt bei gleicher Masse ein größeres Volumen, ist weniger dicht und schwimmt.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin Stoffstück behält seine Masse, sein Volumen wird aber größer. Was folgt aus $\rho=m/V$?
Lösung: Seine Dichte wird kleiner. — Vergleiche Zähler und Nenner: $m$ bleibt gleich, $V$ wächst, also sinkt $\rho$.
Frage 2 von 2SchwerWarum beginnt ein stehendes Gewässer im Winter an der Oberfläche zuzufrieren?
Lösung: Eis ist weniger dicht als flüssiges Wasser und bleibt oben; Wasser hoher Dichte kann tiefer liegen. — Die H₂O-Moleküle bleiben erhalten. Entscheidend sind die temperaturabhängige Dichte und die geringere Dichte des Eises.
Reinstoff Wasser oder natürliche Wasserprobe?

Die Formel H₂O beschreibt den Reinstoff Wasser. Leitungswasser, Mineralwasser, See- oder Flusswasser sind dagegen Wasserproben mit gelösten Stoffen. Sie können beispielsweise Gase und Ionen enthalten, obwohl sie klar aussehen.

Definition

Reinstoff und Gemisch

Ein Reinstoff besteht aus nur einer Teilchensorte. Eine natürliche Wasserprobe ist meist eine wässrige Lösung und damit ein Gemisch aus H₂O-Molekülen und gelösten Teilchen.

Nahezu reines Wasser leitet elektrischen Strom kaum. Gelöste Ionen erhöhen die Leitfähigkeit. Eine Leitfähigkeitsmessung kann daher auf geladene gelöste Teilchen hinweisen, verrät allein aber noch nicht, welche Ionen enthalten sind.

Calcium- und Magnesiumionen heißen Härtebildner. Je höher ihre Konzentration ist, desto härter ist das Wasser. Beim Erhitzen können Calciumverbindungen als Kalk ausfallen. Hartes Wasser erhöht außerdem den Seifenbedarf, weil Härtebildner die Seifenwirkung vermindern.

Verwechsle außerdem Wasserdampf nicht mit Luft: Wasserdampf ist gasförmiges H₂O. Luft ist ein Gemisch verschiedener Gase und kann Wasserdampf enthalten.

Beispiel

Eine klare Wasserprobe leitet Strom und hinterlässt nach dem Verdunsten einen festen Rückstand. Daraus kannst du schließen: Die Probe war kein reiner H₂O-Reinstoff. Sie enthielt gelöste, elektrisch geladene Teilchen; der Rückstand zeigt, dass diese beim Verdunsten des Wassers zurückblieben. Welche Ionen es genau waren, lässt sich aus diesen beiden Beobachtungen noch nicht sicher bestimmen.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Aussage über eine klare, leitfähige Wasserprobe ist sicher begründet?
Lösung: Sie enthält bewegliche geladene Teilchen und ist nicht einfach nur reines H₂O. — Beobachtung und Schluss müssen zusammenpassen: Leitfähigkeit belegt bewegliche Ladungsträger, aber keine bestimmte Ionensorte.
Frage 2 von 2SchwerZwei klare Proben sehen gleich aus. Nur Probe A hinterlässt nach dem Verdunsten einen festen Rückstand. Welche Deutung passt?
Lösung: Probe A enthielt einen nicht flüchtigen gelösten Stoff. — Klares Aussehen schließt gelöste Stoffe nicht aus. Beim Verdunsten verlässt das Wasser die Probe, nicht flüchtige gelöste Stoffe bleiben zurück.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Wasser in der Chemie
    • Molekülbau: gewinkeltes H₂O mit Partialladungen
    • Dipolcharakter: Ausrichtung an Ionen und polaren Teilchen
    • Wasserstoffbrücken: Oberflächenspannung und Wärmespeicherung
    • Lösungsvermögen: Hydratation von Ionen, Trennung von Öl
    • Aggregatzustände: Eis, flüssiges Wasser, Wasserdampf
    • Dichteanomalie: Dichtemaximum bei 4 °C, Eis schwimmt
    • Wasserproben: gelöste Stoffe, Leitfähigkeit und Härte
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 4LeichtWelche Aussage trennt Bindungen und Wechselwirkungen richtig?
Lösung: O–H-Bindungen halten Atome im Molekül zusammen; Wasserstoffbrücken wirken zwischen Molekülen. — Prüfe immer die Ebene: Atome innerhalb eines Moleküls oder Anziehung zwischen mehreren Molekülen.
Frage 2 von 4MittelWarum kann Wasser Kochsalz lösen?
Lösung: Die Partialladungen der Wassermoleküle ziehen die Ionen an, trennen sie und umgeben sie. — Der Dipolcharakter ermöglicht die passende Ausrichtung an positiven und negativen Ionen.
Frage 3 von 4SchwerEin Eiswürfel schwimmt. Welche vollständige Begründung ist richtig?
Lösung: Beim Gefrieren wächst das Volumen bei gleicher Masse; dadurch sinkt die Dichte des Eises unter die Dichte des flüssigen Wassers. — Nutze $\rho=m/V$: Bei gleicher Masse führt ein größeres Volumen zu einer kleineren Dichte.
Frage 4 von 4SchwerEine klare Probe leitet Strom, Öl bildet darin aber eine getrennte Schicht. Welche Erklärung verbindet beide Beobachtungen?
Lösung: Bewegliche Ionen ermöglichen die Leitfähigkeit; das überwiegend unpolare Öl mischt sich schlecht mit dem polaren Wasser. — Verschiedene Beobachtungen brauchen verschiedene Teilchenerklärungen: Ionen erklären die Leitfähigkeit, Polarität erklärt die Mischbarkeit.

Passend dazu