Aussageweisen: Indikativ, Konjunktiv, Imperativ
Aussageweisen zeigen, wie eine Äußerung gemeint ist: als gegebener Sachverhalt, als wiedergegebene Aussage, als Wunsch oder Vorstellung oder als Aufforderung. Der grammatische Fachbegriff dafür lautet Modus, die Mehrzahl heißt Modi.
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Was verrät der Modus über eine Aussage?
Der Modus ist eine grammatische Kategorie des Verbs. Es gibt drei Grundformen: Indikativ, Konjunktiv und Imperativ. Beim Konjunktiv unterscheidest du zusätzlich Konjunktiv I und Konjunktiv II.
| Form | Typische Aussageabsicht | Beispiel |
|---|---|---|
| Indikativ | etwas als gegeben darstellen | Er kommt sofort zurück. |
| Konjunktiv I | die Aussage einer anderen Person wiedergeben | Sie sagt, er komme sofort zurück. |
| Konjunktiv II | einen Wunsch oder etwas Nichtwirkliches ausdrücken | Wenn er doch sofort zurückkäme! |
| Imperativ | zu einer Handlung auffordern | Komm sofort zurück! |
Nicht das Thema, sondern die Aussageabsicht entscheidet über den Modus. Derselbe Sachverhalt kann deshalb in verschiedenen Modi erscheinen.
Der Infinitiv ist nur die Grundform eines Verbs, zum Beispiel kommen. Er ist kein Modus. Auch Aktiv und Passiv sind keine Modi: Sie zeigen, ob jemand handelt oder ob etwas geschieht.
Wie stellt der Indikativ etwas als gegeben dar?
Der Indikativ ist die gewöhnliche und häufigste Aussageweise. Mit ihm stellst du einen Sachverhalt ohne besondere Distanzierung als gegeben dar.
Gegenwart: Ich übe Deutsch.
Vergangenheit: Ich habe gestern Deutsch geübt.
Zukunft: Ich werde morgen Deutsch üben.
Der Modus bleibt jeweils der Indikativ, obwohl sich die Zeitform ändert.
Die Bezeichnung Wirklichkeitsform ist eine hilfreiche Abkürzung, aber keine Wahrheitsgarantie. Auch eine erfundene Geschichte kann im Indikativ erzählt werden: Dornröschen schläft schon hundert Jahre. Der Satz stellt das Geschehen innerhalb der Geschichte als gegeben dar.
Wie gibt der Konjunktiv I fremde Aussagen wieder?
Den Konjunktiv I verwendest du vor allem in der indirekten Rede. Du gibst dabei wieder, was jemand gesagt oder gedacht hat, ohne die ursprüngliche Äußerung wörtlich zu zitieren.
Direkte Rede: Anton sagt: „Ich bin heute müde.“
Indirekte Rede: Anton sagt, er sei heute müde.
Das Pronomen wechselt von ich zu er, weil nun aus der Perspektive über Anton gesprochen wird. Die Form sei kennzeichnet die wiedergegebene Aussage.
Für viele Verben bildest du den Konjunktiv I aus dem Verbstamm und diesen Endungen:
| Person | Endung | machen | sein |
|---|---|---|---|
| ich | -e | mache | sei |
| du | -est | machest | seiest |
| er/sie/es | -e | mache | sei |
| wir | -en | machen | seien |
| ihr | -et | machet | seiet |
| sie | -en | machen | seien |
Beim Verb sein haben die erste und die dritte Person Singular kein zusätzliches -e: ich sei, er sei.
Direkte Rede: Lisa sagt: „Ich komme heute zu spät.“
- Lisa wird in der Wiedergabe zu sie.
- Der Stamm von kommen lautet komm-.
- Für die dritte Person Singular ergänzt du -e.
Indirekte Rede: Lisa sagt, sie komme heute zu spät.
Manche Formen des Konjunktivs I sehen genauso aus wie der Indikativ. Das gilt zum Beispiel für sie kommen. Dann wäre nicht eindeutig erkennbar, dass du eine fremde Aussage wiedergibst. Als Ersatzform kannst du den eindeutig erkennbaren Konjunktiv II verwenden.
Direkte Rede: Die Gäste sagen: „Wir kommen später.“
Mehrdeutig: Die Gäste sagen, sie kommen später.
Eindeutige Ersatzform: Die Gäste sagen, sie kämen später.
Die Form kämen kennzeichnet hier die indirekte Rede. Sie bedeutet nicht, dass das Kommen unwirklich ist.
Wann brauchst du den Konjunktiv II?
Der Konjunktiv II kennzeichnet vor allem Wünsche, irreale oder nur vorgestellte Situationen und höfliche Bitten.
| Funktion | Beispiel |
|---|---|
| Wunsch | Ich hätte gern ein Haustier. |
| irreale Bedingung | Wenn Robin viel Geld hätte, würde er ein großes Haus kaufen. |
| höfliche Bitte | Dürfte ich hereinkommen? |
Viele Formen entstehen auf der Grundlage des Indikativs im Präteritum. Die Endungen entsprechen den Konjunktivendungen -e, -est, -e, -en, -et, -en. Bei manchen unregelmäßigen Verben kommt ein Umlaut hinzu.
| Person | haben | sein |
|---|---|---|
| ich | hätte | wäre |
| du | hättest | wärest |
| er/sie/es | hätte | wäre |
| wir | hätten | wären |
| ihr | hättet | wäret |
| sie | hätten | wären |
Häufig verwendest du auch die würde-Form: eine Form von würde zusammen mit dem Infinitiv. Sie ist besonders hilfreich, wenn eine einfache Konjunktiv-II-Form genauso aussieht wie das Präteritum oder ungewohnt klingt.
Vorgestellte Bedingung: Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich Gitarre lernen.
Hätte ist eine deutlich erkennbare Form des Konjunktivs II. Bei lernen macht die würde-Form die vorgestellte Folge eindeutig.
Der Konjunktiv I berichtet meist, was jemand sagt. Der Konjunktiv II zeigt meist, was gewünscht, vorgestellt oder nicht wirklich ist. In der indirekten Rede kann der Konjunktiv II außerdem als eindeutige Ersatzform dienen.
Wie formulierst du eine passende Aufforderung?
Mit dem Imperativ forderst du eine Person oder Gruppe zu einer Handlung auf. Je nach Situation kann er als Bitte, Rat, Warnung, Verbot, Anleitung oder Befehl dienen.
| angesprochene Person | Beispiel |
|---|---|
| du | Mach die Tür zu. |
| ihr | Macht die Tür zu. |
| Sie | Machen Sie die Tür zu. |
| wir | Machen wir weiter. |
Bei der du- und ihr-Form wird das Personalpronomen normalerweise nicht genannt. In der höflichen Sie-Form bleibt Sie erhalten. Das Wort bitte kann eine Aufforderung freundlicher wirken lassen: Machen Sie bitte die Tür zu.
Bei manchen Verben verändert sich in der du-Form der Stammvokal von e zu i oder ie:
- sprechen → Sprich mit mir!
- geben → Gib mir das Buch!
Die Form Geb mir das Buch! ist deshalb falsch.
Wie wählst du die richtige Aussageweise?
Stelle dir vor dem Formulieren eine kurze Entscheidungsfrage:
- Stelle ich etwas als gegeben dar? Dann passt meist der Indikativ.
- Gebe ich die Aussage einer anderen Person wieder? Dann passt meist der Konjunktiv I. Ist seine Form mit dem Indikativ identisch, wählst du eine eindeutige Ersatzform.
- Formuliere ich einen Wunsch, eine irreale Vorstellung oder eine höfliche Bitte? Dann passt der Konjunktiv II.
- Fordere ich jemanden direkt zu einer Handlung auf? Dann passt der Imperativ.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
In „Lea sagt, sie später“ steht das Verb im Konjunktiv I. Der Satz „Wenn sie doch früher !“ verwendet den Konjunktiv II. Mit „Lea später“ wird der Sachverhalt im Indikativ dargestellt. „ bitte früher!“ ist eine Aufforderung im Imperativ.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Aussageweisen des Verbs
- Indikativ: als gegeben darstellen
- Konjunktiv I: fremde Aussage wiedergeben
- Konjunktiv II: Wunsch, Irrealität, Höflichkeit oder Ersatzform ausdrücken
- Imperativ: zu einer Handlung auffordern
- Abgrenzung: Infinitiv, Aktiv und Passiv sind keine Modi
Abschluss-Check
Wenn du unsicher bist, bestimme zuerst die Absicht des Satzes. Erst danach wählst oder bildest du die passende Verbform.
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