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Konjunktiv I: Indirekte Rede sicher bilden

Konjunktiv I: Indirekte Rede sicher bilden
Konjunktiv I: Indirekte Rede sicher bilden
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Mit der indirekten Rede gibst du wieder, was jemand gesagt, gefragt oder verlangt hat, ohne die Äußerung wörtlich zu zitieren. Der Konjunktiv I kennzeichnet dabei: Die Aussage stammt von einer anderen Person. Du berichtest sie, ohne automatisch für ihre Richtigkeit einzustehen.

Auf dieser Seite lernst du, direkte Rede schrittweise umzuformen, den Konjunktiv I zu bilden und bei mehrdeutigen Formen eine passende Ersatzform zu wählen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du indirekte Rede?

Vergleiche diese beiden Möglichkeiten:

  • Direkte Rede: Mia sagt: „Ich bin müde.“
  • Indirekte Rede: Mia sagt, sie sei müde.

Die direkte Rede gibt Mias genaue Worte wieder und steht in Anführungszeichen. Die indirekte Rede berichtet nur den Inhalt. Dabei wird aus ich das Pronomen sie, und aus bin wird sei.

Definition

Konjunktiv I

Der Konjunktiv I ist eine Verbform, die vor allem zur Wiedergabe fremder Äußerungen verwendet wird. In „Mia sagt, sie sei müde“ zeigt sei, dass die Aussage von Mia stammt.

Typische Einleitungen enthalten Verben wie sagen, behaupten, berichten, erklären, meinen, erzählen oder fragen.

Der Konjunktiv I ist besonders in Nachrichten, Zeitungen und anderen formellen Berichten üblich. Im privaten Gespräch wird häufig ein Indikativsatz mit dass verwendet. Der Konjunktiv I bleibt jedoch die deutliche Form, wenn die fremde Urheberschaft erkennbar sein soll.

Merke

Indirekte Rede bedeutet nicht automatisch, dass die wiedergegebene Aussage falsch ist. Der Konjunktiv I zeigt zunächst nur, von wem die Aussage stammt.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWas zeigt der Konjunktiv I in „Der Zeuge sagt, der Fahrer sei eingeschlafen“ vor allem an?
Lösung: Die Aussage stammt vom Zeugen. — Die Form sei macht kenntlich, dass die Behauptung dem Zeugen zugeschrieben wird.
Wie bildest du den Konjunktiv I?

Für die Gegenwart bildest du den Konjunktiv I aus dem Verbstamm und den Endungen -e, -est, -e, -en, -et, -en.

PersonEndunggehenhaben
ich-egehehabe
du-estgehesthabest
er/sie/es-egehehabe
wir-engehenhaben
ihr-etgehethabet
sie/Sie-engehenhaben

Besonders häufig brauchst du die dritte Person Singular: er gehe, sie habe, es werde. Beim Verb sein lautet diese Form sei.

Beispiel

Direkte Rede: Ben sagt: „Ich habe Hunger.“

  1. Die Aussage stammt von Ben. Deshalb wird ich zu er.
  2. Für er lautet der Konjunktiv I von haben: habe.
  3. Ergebnis: Ben sagt, er habe Hunger.

Bei einem Modalverb setzt du das Modalverb in den Konjunktiv I. Das Vollverb bleibt im Infinitiv am Satzende:

  • „Ich kann gut schwimmen.“ → Sie sagt, sie könne gut schwimmen.
  • „Ich darf länger aufbleiben.“ → Er behauptet, er dürfe länger aufbleiben.
Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Der Konjunktiv I wird aus dem und den passenden Endungen gebildet. In „Sie sagt, sie schwimmen“ steht das Modalverb im Konjunktiv I. Das Vollverb bleibt im .

Lösungen: Lücke 1: Verbstamm; Lücke 2: könne; Lücke 3: Infinitiv. Achte auf die Aufgabenverteilung: Das finite Verb erhält die Konjunktivform; ein Vollverb beim Modalverb bleibt im Infinitiv.
Wie passt du Perspektive und Satzbau an?

Beim Umformen reicht es nicht, nur das Verb zu verändern. Du berichtest aus einer neuen Perspektive. Deshalb musst du prüfen:

  1. Wer spricht in der direkten Rede?
  2. Über wen wird anschließend berichtet?
  3. Wo und wann findet der Bericht statt?
  4. Welche Pronomen sowie Orts- und Zeitangaben passen dann?
Beispiel

Ilse sagt zu Franz: „Ich komme morgen nicht zu dir.“

  • ich bezeichnet Ilse und wird zu sie.
  • dir bezeichnet Franz und wird zu ihm.
  • Wird die Äußerung später wiedergegeben, kann morgen zu am nächsten Tag werden.
  • komme ist die passende Konjunktiv-I-Form.

Ergebnis bei einem späteren Bericht: Ilse sagte zu Franz, sie komme am nächsten Tag nicht zu ihm.

Eine Aussage kann mit oder ohne dass stehen:

  • Ohne dass: Sie erklärt, sie habe keine Zeit.
  • Mit dass: Sie erklärt, dass sie keine Zeit habe.

Im dass-Satz steht das finite Verb am Ende.

Merke

Ändere Orts- und Zeitangaben nicht mechanisch. Entscheidend ist die Berichtssituation: Wird noch am selben Tag berichtet, kann heute erhalten bleiben; bei einem späteren Bericht muss die Angabe angepasst werden.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelLea sagte gestern: „Ich komme morgen zu dir.“ Heute berichtet Tom darüber. Welche Fassung passt?
Lösung: Tom berichtet, Lea habe gesagt, sie komme heute zu ihm. — Aus Leas ich wird sie, aus dem angesprochenen dir wird ihm, und das damalige morgen ist aus heutiger Sicht heute.
Wie gibst du Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft wieder?

Die Zeitform des Einleitungssatzes entscheidet nicht über den Zeitbezug der wiedergegebenen Aussage. Du prüfst stattdessen, wann das berichtete Geschehen stattfindet.

Gegenwart

Für Gleichzeitiges oder allgemein Gültiges verwendest du den Konjunktiv I Präsens:

  • Direkt: „Ich lerne jeden Abend.“
  • Indirekt: Sie sagt, sie lerne jeden Abend.

Vergangenheit

Vergangenes bildest du mit dem Konjunktiv I von haben oder sein und dem Partizip II:

  • „Ich habe bereits gekocht.“ → Sie sagt, sie habe bereits gekocht.
  • „Ich bin nach Hause gefahren.“ → Er sagt, er sei nach Hause gefahren.

Die verschiedenen Vergangenheitsformen der direkten Rede werden in der indirekten Rede gewöhnlich in dieser einen Vergangenheitsform zusammengeführt.

Zukunft

Zukünftiges bildest du mit dem Konjunktiv I von werden und dem Infinitiv:

  • „Ich werde die Prüfung bestehen.“ → Sie ist überzeugt, sie werde die Prüfung bestehen.
  • „Ich werde morgen wegfahren.“ → Er sagte, er werde am nächsten Tag wegfahren.
Beispiel

Direkte Rede: Nora sagte: „Ich habe den Schlüssel verloren, aber ich werde morgen einen neuen bestellen.“

Vergangenheit: habe verloren

Zukunft: werde bestellen

Angepasste Perspektive: Nora sagte, sie habe den Schlüssel verloren, aber sie werde am nächsten Tag einen neuen bestellen.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Fassung gibt die vergangene Handlung korrekt wieder?
Lösung: Amir erklärt, er habe die Aufgabe erledigt. — Vergangenes steht in der indirekten Rede als habe/sei + Partizip II. Deshalb heißt es habe erledigt.
Frage 2 von 2SchwerDie Einleitung lautet „Amir hatte erklärt“. Welche Fortsetzung bewahrt eine angekündigte Zukunft?
Lösung: Er hatte erklärt, er werde später anrufen. — Der Zukunftsbezug bleibt werde anrufen, auch wenn das einleitende Verb in der Vergangenheit steht.
Was geschieht bei formgleichen Formen?

Einige Konjunktiv-I-Formen sehen genauso aus wie der Indikativ. Das passiert häufig im Plural:

  • Indikativ: sie kommen
  • Konjunktiv I: sie kommen

Die Form zeigt dann nicht eindeutig, dass indirekte Rede vorliegt. Als Ersatz verwendest du in der Regel den Konjunktiv II:

  • Mehrdeutig: Sie sagen, sie kommen später.
  • Eindeutig: Sie sagen, sie kämen später.
Definition

Ersatzform

Eine Ersatzform übernimmt die Aufgabe des Konjunktivs I, wenn dieser genauso aussieht wie der Indikativ. Meist wird dafür der Konjunktiv II verwendet; je nach Verb und Stil ist auch würde + Infinitiv möglich.

Bei einem schwachen Verb kann auch der Konjunktiv II mit einer Vergangenheitsform zusammenfallen. Dann kann die würde-Form die Aussage eindeutig machen:

  • Weniger eindeutig: Sie sagten, sie lernten gemeinsam.
  • Eindeutig: Sie sagten, sie würden gemeinsam lernen.
Merke

Prüfe in dieser Reihenfolge: Ist der Konjunktiv I deutlich erkennbar? Dann verwende ihn. Fällt er mit dem Indikativ zusammen, wähle eine eindeutige Ersatzform.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Form vermeidet die Mehrdeutigkeit von „Die Gäste sagen, sie kommen später“?
Lösung: Die Gäste sagen, sie kämen später. — Kämen ist der Konjunktiv II und ersetzt die formgleiche Konjunktiv-I-Form kommen.
Wie werden Fragen und Aufforderungen indirekt?

Indirekte Fragen

Eine Ja-/Nein-Frage leitest du mit ob ein:

  • Direkt: Eva fragt mich: „Kommst du mit?“
  • Indirekt: Eva fragt, ob ich mitkäme.

Der Konjunktiv I mitkomme wäre hier mit dem Indikativ formgleich. Deshalb macht die Ersatzform mitkäme die indirekte Wiedergabe eindeutig.

Bei einer W-Frage bleibt das Fragewort erhalten:

  • Direkt: Paul fragt mich: „Warum bist du spät?“
  • Indirekt: Paul fragt, warum ich spät sei.

Indirekte Fragen sind Nebensätze. Das finite Verb steht daher am Ende.

Indirekte Aufforderungen

Einen Imperativ gibst du meist mit sollen wieder. Eine höfliche Bitte kann mit mögen wiedergegeben werden:

  • „Räum dein Zimmer auf!“ → Sie verlangt, er solle sein Zimmer aufräumen.
  • „Bitte warten Sie, Frau Neumann.“ → Er bittet Frau Neumann, sie möge warten.
Beispiel

Direkte Rede: Die Trainerin fragt Ben: „Kannst du morgen früher kommen?“

  1. Es handelt sich um eine Ja-/Nein-Frage: Verwende ob.
  2. du bezeichnet Ben: Im Bericht wird daraus er.
  3. Das Modalverb können erhält die Form könne.
  4. kommen bleibt als Infinitiv am Ende.

Ergebnis bei einem späteren Bericht: Die Trainerin fragt, ob Ben am nächsten Tag früher kommen könne.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelches Einleitungswort brauchst du für eine indirekte Ja-/Nein-Frage?
Lösung: ob — Eine Ja-/Nein-Frage wird mit ob wiedergegeben. Bei einer W-Frage bleibt dagegen das ursprüngliche Fragewort erhalten.
Frage 2 von 2MittelWie wird „Der Lehrer sagt: ‚Öffnet die Bücher!‘“ passend wiedergegeben?
Lösung: Der Lehrer sagt, die Lernenden sollten die Bücher öffnen. — Eine Aufforderung wird mit einer Form von sollen und dem Infinitiv des Vollverbs wiedergegeben. Weil sollen im Plural mit dem Indikativ formgleich wäre, steht hier die eindeutige Ersatzform sollten.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Indirekte Rede
    • Funktion: fremde Äußerung kennzeichnen
    • Perspektive: Person, Ort und Zeit anpassen
    • Gegenwart: Konjunktiv I Präsens
    • Vergangenheit: habe oder sei plus Partizip II
    • Zukunft: werde plus Infinitiv
    • Mehrdeutigkeit: Konjunktiv II oder würde-Form
    • Fragen: ob oder Fragewort
    • Aufforderungen: sollen oder mögen

Gehe beim Umformen immer in derselben Reihenfolge vor: Bestimme die Art und den Zeitbezug der Äußerung, passe die Perspektive an, bilde die passende Verbform und prüfe zuletzt, ob sie eindeutig als indirekte Rede erkennbar ist.

Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Fassung ist indirekte Rede im Konjunktiv I?
Lösung: Jana erklärt, sie sei krank. — Sei ist die Konjunktiv-I-Form von sein und weist die Aussage Jana zu.
Frage 2 von 3MittelLuis sagte gestern: „Ich habe gestern meinen Schlüssel verloren.“ Welche Umformung passt bei einem Bericht heute?
Lösung: Luis sagte, er habe am Vortag seinen Schlüssel verloren. — Für Vergangenes brauchst du habe + Partizip II. Außerdem wird ich zu er. Das gestern der ursprünglichen Äußerung bezeichnet den Tag vor Luis' Aussage und wird zu am Vortag.
Frage 3 von 3SchwerDie Spielerinnen sagen heute: „Wir trainieren morgen länger.“ Welche Fassung ist bei einem späteren Bericht eindeutig und perspektivisch passend?
Lösung: Die Spielerinnen sagen, sie würden am nächsten Tag länger trainieren. — Sie trainieren wäre mit dem Indikativ formgleich. Sie würden trainieren macht die indirekte Wiedergabe eindeutig; zugleich sind Pronomen und Zeitangabe angepasst.

Wenn du alle drei Aufgaben begründen kannst, beherrschst du den Kernweg: Äußerungsart erkennen, Perspektive anpassen, Zeitbezug ausdrücken und eine eindeutige Verbform wählen.

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