Konjunktiv II: Bildung, Gebrauch und Beispiele
Mit dem Konjunktiv II drückst du aus, dass etwas nur vorgestellt, gewünscht, unwahrscheinlich oder nicht wirklich eingetreten ist. Außerdem kannst du damit höflich bitten, Vorschläge machen und Ratschläge geben.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du den Konjunktiv II?
Stell dir vor, du hast heute keine Zeit. Über die Wirklichkeit sagst du:
Ich habe heute keine Zeit.
Mit dem Konjunktiv II beschreibst du eine gewünschte oder vorgestellte andere Situation:
Ich wünschte, ich hätte heute mehr Zeit.
Konjunktiv II
Der Konjunktiv II ist eine Verbform für nicht reale, nur vorgestellte oder vorsichtig formulierte Aussagen. Typische Funktionen sind Wünsche, irreale Bedingungen, höfliche Bitten, Vorschläge, Ratschläge und irreale Vergleiche.
Typische Beispiele sind:
- Wunsch: Ich wäre jetzt gern am Meer.
- Irreale Bedingung: Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich länger bleiben.
- Höfliche Bitte: Könntest du mir helfen?
- Vorschlag: Wir könnten eine Pause machen.
- Ratschlag: Du solltest früher anfangen.
- Irrealer Vergleich: Er tut so, als ob er alles wüsste.
Der Konjunktiv II bedeutet nicht automatisch das Gegenteil einer Aussage. In Könntest du mir helfen? dient er beispielsweise der Höflichkeit.
Wie bildest du den Konjunktiv II der Gegenwart?
Für die Gegenwart gibt es zwei wichtige Bildungswege:
- eine eigene Konjunktiv-II-Form wie wäre, hätte oder könnte;
- die würde-Form aus einer Form von würde und einem Infinitiv.
Eigene Formen
Die eigenen Formen beruhen auf der Präteritumform. Bei manchen Verben kommt ein Umlaut hinzu. Die Endungen lauten grundsätzlich -e, -est, -e, -en, -et, -en.
| Infinitiv | Präteritum | Konjunktiv II, ich/er/sie/es |
|---|---|---|
| sein | war | wäre |
| haben | hatte | hätte |
| können | konnte | könnte |
| müssen | musste | müsste |
| dürfen | durfte | dürfte |
| finden | fand | fände |
| kommen | kam | käme |
| wissen | wusste | wüsste |
Sollen und wollen erhalten keinen Umlaut: sollte, wollte.
Eigene Formen sind besonders bei sein, haben, den Modalverben und einigen häufigen unregelmäßigen Verben üblich:
- Ich wäre gern dabei.
- Sie hätte mehr Geduld.
- Wir könnten später kommen.
- Du müsstest genauer lesen.
Die würde-Form
Die würde-Form besteht aus einer passenden Form von würde und dem Infinitiv. Im Hauptsatz steht würde an der üblichen Stelle des gebeugten Verbs; der Infinitiv steht am Ende.
| Person | Form von würde |
|---|---|
| ich | würde |
| du | würdest |
| er/sie/es | würde |
| wir | würden |
| ihr | würdet |
| sie/Sie | würden |
Aus der wirklichen Aussage Mira bleibt heute zu Hause wird eine vorgestellte Möglichkeit:
Mira würde heute zu Hause bleiben.
Würde passt zu Mira und steht an zweiter Stelle. Der Infinitiv bleiben steht am Satzende.
Bei regelmäßigen Verben sieht die eigene Form oft genauso aus wie das Präteritum. Ich machte kann deshalb wie eine Vergangenheitsform wirken. Die deutlichere Form lautet häufig: Ich würde es anders machen.
Bei wäre, hätte und geläufigen Modalverbformen vermeidest du die würde-Form gewöhnlich:
- passend: Ich wäre bereit.
- unnötig umständlich: Ich würde bereit sein.
- passend: Du könntest helfen.
- unnötig umständlich: Du würdest helfen können.
Nutze geläufige eigene Formen wie wäre, hätte, könnte und müsste. Bei vielen anderen Verben ist würde + Infinitiv besonders klar.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Wenn ich mehr Zeit , ich ein Instrument . Meine Schwester mir beim Üben helfen.
Wie formulierst du Wünsche und irreale Bedingungen?
Ein Wunsch beschreibt eine ersehnte Situation, die gerade nicht Wirklichkeit ist oder noch nicht feststeht:
- Ich hätte gern ein Fahrrad.
- Ich wäre jetzt gern im Urlaub.
- Würde der Bus doch endlich kommen!
Ein irrealer Bedingungssatz verbindet eine nur vorgestellte Bedingung mit ihrer möglichen Folge. Häufig beginnt der Nebensatz mit wenn.
Wirklichkeit: Lea hat nicht genug Zeit. Deshalb hilft sie heute nicht beim Umzug.
Vorstellung: Wenn Lea mehr Zeit hätte, würde sie beim Umzug helfen.
Der wenn-Satz nennt die vorgestellte Bedingung mehr Zeit haben. Der Hauptsatz nennt die Folge beim Umzug helfen. Weil beides nur vorgestellt ist, stehen beide Teilsätze im Konjunktiv II.
Im wenn-Satz steht das gebeugte Verb am Ende:
Wenn der Bus pünktlich wäre, kämen wir früher an.
Bei einem irrealen Vergleich gelten zwei häufige Satzmuster:
- mit als ob steht das Verb am Ende: Sie tut so, als ob sie die Antwort wüsste.
- mit als steht das Verb direkt nach als: Sie tut so, als wüsste sie die Antwort.
Wie sprichst du über eine nicht verwirklichte Vergangenheit?
Für eine vergangene Situation bildest du den Konjunktiv II mit hätte oder wäre und dem Partizip II:
hätte/wäre + Partizip II
Ob du hätte oder wäre verwendest, richtet sich danach, ob das Verb sein Perfekt mit haben oder sein bildet:
- Ich habe gelernt. → Ich hätte gelernt.
- Wir sind gefahren. → Wir wären gefahren.
Wirklichkeit: Sam hat den Zug verpasst und ist nicht rechtzeitig angekommen.
Vorstellung über die Vergangenheit: Wenn Sam früher losgegangen wäre, hätte er den Zug erreicht.
Wäre losgegangen beschreibt die nicht erfüllte Bedingung. Hätte erreicht nennt die Folge, die deshalb ebenfalls nicht eingetreten ist.
Mit einem Modalverb verwendest du hätte und zwei Infinitive:
hätte + Vollverb im Infinitiv + Modalverb im Infinitiv
- Ich hätte früher lernen sollen.
- Sie hätte den Zug erreichen können.
- Wir hätten zu Hause bleiben müssen.
Die Vergangenheitsform kann Bedauern oder eine verpasste Möglichkeit ausdrücken. Ob jemand die Situation wirklich bedauert, ergibt sich jedoch aus dem Zusammenhang und nicht allein aus der Verbform.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Wenn wir früher losgefahren , wir den Zug erreicht. Wir besser planen .
Welche Fehler solltest du vermeiden?
Konjunktiv II und Präteritum nicht verwechseln
Bei regelmäßigen Verben können beide Formen gleich aussehen:
Ich machte die Aufgabe anders.
Ohne Zusammenhang kann machte als Präteritum verstanden werden. Wenn du eine Vorstellung ausdrücken willst, ist oft klarer:
Ich würde die Aufgabe anders machen.
Nicht jede Aussage im Konjunktiv II ist unwahr
Eine höfliche Frage wie Könntest du mir helfen? behauptet nicht, dass die andere Person unmöglich helfen kann. Die Form macht die Bitte vorsichtiger.
Gegenwart und Vergangenheit unterscheiden
- Gegenwärtige Vorstellung: Wenn ich Zeit hätte, würde ich kommen.
- Nicht verwirklichte Vergangenheit: Wenn ich Zeit gehabt hätte, wäre ich gekommen.
Satzklammer vollständig bilden
Bei der würde-Form darf der Infinitiv am Satzende nicht fehlen:
- falsch: Ich würde morgen nach Berlin.
- vollständig: Ich würde morgen nach Berlin fahren.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Konjunktiv II
- Funktionen: Wunsch, irreale Bedingung, Höflichkeit, Vorschlag, Ratschlag, Vergleich
- Gegenwart: eigene Form oder würde-Form
- Häufige Formen: wäre, hätte, könnte, müsste
- Vergangenheit: hätte oder wäre mit Partizip II
- Modalverb in der Vergangenheit: hätte mit zwei Infinitiven
- Satzbau: Infinitiv oder Partizip steht häufig am Satzende
Abschluss-Check
Du kannst den Konjunktiv II nun nach seiner Funktion auswählen: Mit eigenen Formen oder der würde-Form gestaltest du gegenwärtige Vorstellungen; mit hätte/wäre + Partizip II blickst du auf nicht verwirklichte vergangene Möglichkeiten zurück.
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