Exzerpt schreiben: Anleitung, Beispiel und Übungen
Ein Exzerpt ist ein gezielt verkürzter Auszug aus einem Text. Du hältst nur die Aussagen fest, die für ein Thema oder eine Leitfrage wichtig sind. Dabei formulierst du überwiegend mit eigenen Worten, kennzeichnest Zitate und notierst Fundstellen so genau, dass du alles später wieder zuordnen kannst.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran du ein Exzerpt erkennst
Exzerpt
Ein Exzerpt ist eine geordnete Auswahl wichtiger Aussagen aus einem Ausgangstext. Die Auswahl richtet sich nach einer Leitfrage, einem Thema oder einem bestimmten Arbeitszweck.
Beim allgemeinen Exzerpieren sicherst du die Kernaussagen des gesamten Textes. Beim gezielten Exzerpieren nimmst du nur das auf, was eine bestimmte Leitfrage beantwortet.
Ein Exzerpt darf aus Stichpunkten oder vollständigen Sätzen bestehen. Entscheidend ist, dass die Zusammenhänge verständlich bleiben. Eine feste Länge gibt es nicht: Umfang und Genauigkeit hängen von Text, Leitfrage und Verwendungszweck ab.
| Exzerpt | Zusammenfassung |
|---|---|
| wählt Aussagen nach Thema oder Leitfrage aus | gibt die wesentlichen Aussagen des Gesamttextes wieder |
| kann direkte Zitate enthalten | wird gewöhnlich in eigenen Worten verfasst |
| kann getrennte eigene Notizen enthalten | enthält keine eigene Meinung |
| dient als wiederverwendbare Arbeitsgrundlage | informiert knapp über den gesamten Text |
Eine Zusammenfassung fragt: Was sagt der gesamte Text? Ein gezieltes Exzerpt fragt: Was brauche ich aus diesem Text für meine Leitfrage?
Wie die Leitfrage deine Auswahl steuert
Stell dir vor, ein Sachtext behandelt den Geruchs- und Tastsinn von Hunden sowie ihre Aufgaben als Gebrauchshunde. Deine Leitfrage lautet: Welche Angaben zeigen, wie stark der Geruchssinn von Hunden ausgeprägt ist?
Für diese Leitfrage sind die Angaben zu den Riechzellen relevant: Der Text nennt 5 Millionen beim Menschen, 125 Millionen beim Dackel und 220 Millionen beim Schäferhund.
Angaben zu Haut, Schnurrhaaren, Bewachung oder Rettungshunden lässt du weg. Sie können richtig sein, beantworten aber die Leitfrage nicht.
Prüfe jede Textstelle mit drei Fragen:
- Hilft sie unmittelbar bei der Antwort auf meine Leitfrage?
- Enthält sie eine notwendige Begründung, Zahl oder Einschränkung?
- Kann ich erklären, warum ich sie aufnehme oder weglasse?
Schlüsselwörter und kurze Zwischenüberschriften erleichtern die Auswahl. Sie ersetzen aber nicht das Verstehen des Textes.
So gehst du in sieben Schritten vor
- Zweck bestimmen: Lege fest, wofür du das Exzerpt später brauchst.
- Quelle erfassen: Notiere die vorhandenen Angaben wie Verfasser, Titel, Jahr, Auflage, Ort und Verlag. Halte bei digitalen oder ausgeliehenen Quellen auch die Wiederauffindbarkeit fest.
- Überblick gewinnen: Erfasse Überschriften, Abschnitte und den Gedankengang des Textes.
- Leitfrage formulieren: Schreibe sie so auf, dass sie deine Auswahl steuern kann.
- Relevante Stellen lesen: Markiere Kernaussagen, Argumente, wichtige Begriffe und Belege.
- Geordnet notieren: Formuliere überwiegend mit eigenen Worten. Kennzeichne wörtliche Zitate und ergänze Seiten-, Zeilen- oder Abschnittsangaben.
- Prüfen und verdichten: Entferne Unnötiges, kontrolliere die Zuordnung und fasse das wichtigste Ergebnis knapp zusammen.
Eine praktische Gliederung besteht aus drei Bereichen:
| Bereich | Inhalt |
|---|---|
| Kopf | Leitfrage und Angaben zur Quelle |
| Hauptteil | ausgewählte Aussagen, Zitate und Fundstellen |
| eigener Bereich | Fragen, Kritik, Verbindungen und eigene Ideen |
Notiere die Fundstelle sofort. Später lässt sich oft nicht mehr sicher erkennen, ob eine Formulierung ein Zitat, eine Paraphrase oder ein eigener Gedanke war.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Zuerst bestimmst du den deines Exzerpts. Danach formulierst du eine , liest die relevanten Stellen und hältst Kernaussagen überwiegend in fest. Zum Schluss prüfst du die genaue aller übernommenen Aussagen.
Wie du fremde und eigene Gedanken trennst
Ein direktes Zitat übernimmt den genauen Wortlaut. Es steht in Anführungszeichen und erhält eine genaue Fundstelle.
Eine Paraphrase gibt eine fremde Aussage sinngemäß in einer eigenständigen Formulierung wieder. Nur einzelne Wörter auszutauschen reicht nicht. Auch eine Paraphrase braucht eine Quellen- und Fundstellenangabe.
Ausgangssatz: „Die Hundenase ist empfindlicher als die menschliche.“
Direktes Zitat: Der Text erklärt: „Die Hundenase ist empfindlicher als die menschliche“ (Abschnitt „Riechen“).
Paraphrase: Hunde nehmen Gerüche empfindlicher wahr als Menschen (Abschnitt „Riechen“).
Eigene Notiz: Ich möchte prüfen, welche der genannten Zahlen für meine Fragestellung nötig sind.
Je nach Aufgabe können eigene Kommentare erwünscht oder unerwünscht sein. Die sichere Lösung ist eine sichtbare Trennung: Gib fremde Aussagen im Hauptteil wieder und kennzeichne eigene Fragen, Kritik oder Ideen in einer eigenen Spalte oder mit dem Zusatz Eigene Notiz.
Bei einer gekürzten Wiedergabe darf sich der Sinn nicht verändern. Ein Zitat darfst du außerdem nicht so kürzen, dass eine wichtige Einschränkung verschwindet.
Ein vollständiges Exzerpt entwickeln
Die folgende Aufgabe zeigt den ganzen Denkweg.
Leitfrage: Welche Ideale des Rittertums nennt der Text?
Ausgangstext: Die ersten Kreuzzüge stärkten dem Text zufolge das Standesbewusstsein des Rittertums. Es entwickelte das Ideal eines christlichen, kämpferischen und gefahrvollen aktiven Lebens. Damit grenzte es sich vom kontemplativen Leitbild des Klerus ab.
1. Auswahl: Relevant sind Standesbewusstsein, christliche Orientierung, Kampf, Gefahr und aktives Leben. Die ausführliche Gegenüberstellung mit dem Klerus ist nur nötig, wenn die Leitfrage auch nach der Abgrenzung fragt.
2. Paraphrase: Mit wachsendem Standesbewusstsein entwickelte das Rittertum das Ideal eines christlich geprägten, kämpferischen und gefahrvollen aktiven Lebens (Beispieltext, Sätze 1–2).
3. Kontrolle: Die Antwort bleibt bei der Leitfrage, gibt den Sinn in eigenen Worten wieder und nennt die Fundstelle. Es wurde keine eigene Bewertung als Textaussage ausgegeben.
Vor dem Abschluss kannst du diese Prüffragen verwenden:
- Stehen Leitfrage und Quellenangaben im Kopf?
- Beantwortet jede aufgenommene Aussage die Leitfrage oder erklärt einen nötigen Zusammenhang?
- Überwiegen eigenständige Formulierungen?
- Sind direkte Zitate eindeutig markiert?
- Haben Zitate und Paraphrasen genaue Fundstellen?
- Sind eigene Gedanken sichtbar getrennt?
- Ist das Exzerpt auch später noch verständlich?
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Exzerpt
- Zweck und Leitfrage festlegen
- Quelle und Fundstellen erfassen
- relevante Aussagen auswählen
- Zitate und Paraphrasen kennzeichnen
- eigene Gedanken sichtbar trennen
- Ergebnis ordnen und prüfen
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