Paraphrasieren: Regeln, Beispiele und Übungen
Beim Paraphrasieren gibst du einen fremden Gedanken sinngemäß in eigenen Worten wieder. Der Sinn muss erhalten bleiben, die Formulierung muss eigenständig sein und die Quelle muss erkennbar bleiben. Anführungszeichen setzt du nur bei wörtlich übernommenen Stellen.
Auf dieser Seite lernst du, eine Paraphrase zu planen, sprachlich umzuformen und anschließend auf Bedeutungstreue, Eigenständigkeit und Quellenkennzeichnung zu prüfen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was eine Paraphrase ausmacht
Eine gute Paraphrase erfüllt gleichzeitig drei Bedingungen:
- Sie gibt den fremden Gedanken inhaltlich richtig wieder.
- Sie verwendet eine eigenständige Wortwahl und Satzstruktur.
- Sie enthält einen Quellenhinweis.
Paraphrase
Eine Paraphrase ist die sinngemäße Wiedergabe eines fremden Inhalts in eigenen Worten. Sie heißt auch indirektes oder sinngemäßes Zitat.
Eine Paraphrase steht ohne Anführungszeichen im Fließtext. Anführungszeichen würden eine wörtliche Übernahme anzeigen.
Eigene Worte allein machen einen fremden Gedanken noch nicht zum eigenen Gedanken. Auch eine stark umformulierte Aussage benötigt einen Beleg.
In fünf Schritten sicher paraphrasieren
Wenn du beim Schreiben ständig auf den Wortlaut schaust, übernimmst du leicht dessen Struktur. Trenne deshalb Verstehen und Formulieren.
- Verstehen: Lies die Passage so oft, bis du ihren Kerngedanken erklären kannst.
- Kern notieren: Halte die wesentlichen Aussagen in knappen Stichpunkten fest.
- Vorlage weglegen: Schreibe den Inhalt aus deinem Verständnis heraus neu.
- Vergleichen: Prüfe Sinn, Vollständigkeit und sprachlichen Abstand zum Original.
- Belegen: Ergänze die verlangte Quellenangabe.
Ausgangssatz: „Intelligenz ist die Fähigkeit, sich dem Wandel anzupassen.“
Kernidee: Intelligenz zeigt sich darin, auf Veränderungen reagieren zu können.
Paraphrase: Hawking zufolge besteht ein wesentliches Merkmal von Intelligenz in der Anpassung an veränderte Umstände (1991).
Der Gedanke bleibt erhalten. Wortwahl und Satzbau wurden verändert, die Quelle wird genannt und die Paraphrase steht ohne Anführungszeichen.
Beim Vergleich mit dem Original helfen dir drei Fragen:
- Habe ich eine Aussage hinzugefügt oder weggelassen?
- Sind noch auffällige Wortfolgen aus dem Original vorhanden?
- Ist für die Lesenden eindeutig, woher der Gedanke stammt?
Wie du wirklich eigenständig umformulierst
Einzelne Synonyme auszutauschen reicht nicht. Verändere mehrere sprachliche Ebenen, ohne die Aussage zu verfälschen.
Du kannst:
- passende Wörter ersetzen;
- Aktiv und Passiv wechseln;
- Verben durch Nomen ersetzen oder umgekehrt;
- Informationen neu ordnen;
- lange Sätze aufteilen;
- mehrere Aussagen sinnvoll verdichten.
Fachbegriffe solltest du beibehalten, wenn ein Ersatzwort ungenau wäre. Eigenständigkeit bedeutet nicht, jeden Ausdruck zwanghaft auszutauschen.
Ausgangssatz: „Unabhängig vom gewählten Zitierstil müssen alle Regeln konsequent und konsistent befolgt werden.“
Zu nah am Wortlaut: Unabhängig vom ausgesuchten Zitierstil müssen sämtliche Regeln konsequent und konsistent eingehalten werden.
Hier wurden fast nur einzelne Wörter ersetzt. Aufbau und auffällige Formulierungen bleiben gleich.
Eigenständiger: Niedermair betont, dass die Vorgaben des ausgewählten Zitierstils in der gesamten Arbeit einheitlich anzuwenden sind (2023: 243).
Die zweite Fassung bündelt die Aussage neu, verändert den Satzbau und nennt die Quelle.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Eine tragfähige Paraphrase bewahrt den , nutzt eine Formulierung und enthält einen .
Wie du fremde Gedanken sichtbar machst
Die Lesenden müssen erkennen können, wo die fremde Aussage beginnt und auf welche Quelle sie zurückgeht. Dafür kannst du eine Redeeinleitung verwenden:
- Laut Müller (Jahr: Seite) …
- Müller (Jahr: Seite) erklärt, …
- Müller zufolge …
- Die Untersuchung von Müller zeigt, …
Das gewählte Referierverb kann deine Haltung verändern. „Erklärt“ oder „hält fest“ wirkt eher neutral. „Behauptet“ kann Distanz oder Zweifel ausdrücken. Wähle daher kein wertendes Verb, wenn du nur sachlich wiedergeben möchtest.
Der Indikativ ist möglich, wenn Redeeinleitung und Beleg die fremde Herkunft eindeutig zeigen. Der Konjunktiv kann zusätzlich verdeutlichen, dass du eine fremde Aussage wiedergibst oder Abstand zu ihr hältst.
Indikativ mit Redeeinleitung: Laut Hawking ist Anpassungsfähigkeit ein wesentliches Merkmal von Intelligenz (1991).
Konjunktiv zur Distanzierung: Anpassungsfähigkeit sei ein wesentliches Merkmal von Intelligenz (Hawking, 1991).
Beide Formen können funktionieren. Welche Belegform, ob „vgl.“ und welche Seitenangabe verlangt werden, hängt vom vorgegebenen Zitierstil ab. Innerhalb einer Arbeit musst du die Vorgaben einheitlich anwenden.
Bei einer längeren Wiedergabe nennst du die Quelle zu Beginn. Solange eindeutig dieselbe Quelle gemeint ist, muss nicht jeder Satz denselben Beleg wiederholen. Bei einem Quellenwechsel oder neuen Absatz stellst du die Zuordnung erneut klar.
Wann ein direktes Zitat besser passt
Eine Paraphrase eignet sich, wenn du einen Gedanken verständlich zusammenfassen, in deinen eigenen Schreibstil einfügen oder auf das Wesentliche kürzen möchtest.
Ein direktes Zitat passt besser, wenn der genaue Wortlaut wichtig ist, etwa bei einer Definition, einer besonders charakteristischen Formulierung oder einer sprachlichen Analyse.
| Paraphrase | Direktes Zitat |
|---|---|
| gibt den Sinn in eigenen Worten wieder | übernimmt den Wortlaut genau |
| steht ohne Anführungszeichen | steht in Anführungszeichen |
| kann kürzen und neu ordnen | bewahrt die zitierte Formulierung |
| benötigt einen Quellenhinweis | benötigt ebenfalls einen Quellenhinweis |
Wenn einzelne Originalwörter in deiner Paraphrase erhalten bleiben müssen, kennzeichnest du diese wörtlichen Teile als Zitat. Eine bloße Nennung der Autorin oder des Autors ersetzt weder Anführungszeichen noch eine genaue Fundstelle.
Typische Fehler erkennen und verbessern
Fehler 1: Nur Wörter austauschen
Problem: Satzbau und auffällige Wortfolgen bleiben fast unverändert.
Verbesserung: Lege das Original weg, formuliere den Kerngedanken neu und vergleiche erst danach beide Fassungen.
Fehler 2: Den Sinn verändern
Problem: Eine Einschränkung, ein Zusammenhang oder die Haltung der Quelle geht verloren.
Verbesserung: Prüfe jede Teilaussage. Deine Fassung darf kürzer sein, aber nichts Wesentliches verdrehen oder hinzufügen.
Fehler 3: Die Quelle vergessen
Problem: Fremde Gedanken erscheinen als eigene Leistung.
Verbesserung: Ergänze eine eindeutige Redeeinleitung oder einen Kurzbeleg nach dem verlangten Zitierstil.
Fehler 4: Eine Paraphrase in Anführungszeichen setzen
Problem: Anführungszeichen versprechen einen genauen Wortlaut, obwohl der Satz umformuliert wurde.
Verbesserung: Lass die Anführungszeichen bei der Paraphrase weg. Markiere nur tatsächlich wörtlich übernommene Stellen als direktes Zitat.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Paraphrasieren
- Inhalt sichern
- Kerngedanken verstehen
- Bedeutung kontrollieren
- Sprache verändern
- Wortwahl und Satzbau neu gestalten
- Fachbegriffe präzise bewahren
- Herkunft kennzeichnen
- Redeeinleitung verwenden
- Kurzbeleg ergänzen
- Ergebnis prüfen
- Abstand zum Wortlaut kontrollieren
- Zitat und Paraphrase unterscheiden
- Inhalt sichern
Abschluss-Check
Prüfe deine nächste Paraphrase zum Schluss mit drei kurzen Fragen: Stimmt der Sinn? Ist die Formulierung wirklich eigenständig? Ist die Quelle eindeutig erkennbar?
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