Futur I und Futur II: Bildung und Gebrauch
Mit dem Futur I beschreibst du vor allem etwas Bevorstehendes oder äußerst eine Vermutung. Mit dem Futur II zeigst du, dass etwas zu einem bestimmten zukünftigen Zeitpunkt bereits abgeschlossen sein wird. Es kann außerdem eine Vermutung über Vergangenes ausdrücken.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Futur I oder Futur II?
Stell dir vor, du bereitest dich auf eine Klassenarbeit vor:
- „Ich werde heute lernen.“ – Das Lernen steht noch bevor: Futur I.
- „Bis morgen werde ich alles wiederholt haben.“ – Morgen ist das Wiederholen bereits abgeschlossen: Futur II.
Der entscheidende Unterschied ist der Blick auf den Abschluss:
| Futur I | Futur II |
|---|---|
| Eine Handlung steht bevor. | Eine Handlung wird an einem Bezugspunkt bereits abgeschlossen sein. |
| Wir werden das Projekt beenden. | Bis Freitag werden wir das Projekt beendet haben. |
Frage dich: Steht die Handlung noch bevor oder wird sie am genannten Zeitpunkt schon abgeschlossen sein? Bevorstehend spricht für Futur I, bereits abgeschlossen für Futur II.
So bildest du das Futur I
Das Futur I besteht aus einer passenden Form von werden und dem Infinitiv, also der Grundform des Vollverbs.
Futur I
Form von werden + Infinitiv des Vollverbs
| Person | Form von werden | Beispiel mit „lernen“ |
|---|---|---|
| ich | werde | ich werde lernen |
| du | wirst | du wirst lernen |
| er, sie, es | wird | sie wird lernen |
| wir | werden | wir werden lernen |
| ihr | werdet | ihr werdet lernen |
| sie, Sie | werden | sie werden lernen |
Im Hauptsatz steht die konjugierte Form von werden gewöhnlich an zweiter Stelle. Der Infinitiv steht am Satzende:
Aus „Wir lernen morgen Deutsch“ wird:
„Wir werden morgen Deutsch lernen.“
werden passt zu „wir“. Das Vollverb lernen bleibt im Infinitiv und wandert ans Satzende.
Du kannst das Futur I für verschiedene Aussagen verwenden:
- Plan oder Absicht: „Nächste Woche werde ich meine Großeltern besuchen.“
- Vermutung über die Zukunft: „Es wird bald regnen.“
- Vermutung über die Gegenwart: „Er wird wohl schon zu Hause sein.“
Wörter wie wohl, wahrscheinlich, sicher oder bestimmt verdeutlichen eine Vermutung.
Für Zukünftiges steht im Deutschen häufig auch das Präsens: „Morgen fahre ich nach Berlin.“ Das Futur I ist also nicht die einzige Möglichkeit, über die Zukunft zu sprechen.
So bildest und verwendest du das Futur II
Das Futur II heißt auch vollendete Zukunft. Seine Form besteht aus drei Teilen.
Futur II
Form von werden + Partizip II des Vollverbs + Infinitiv von haben oder sein
Beispiele:
- „Ich werde gelernt haben.“
- „Sie wird gegangen sein.“
- „Wir werden das Projekt beendet haben.“
Das Partizip II ist eine Verbform wie gelernt, gelesen, gegangen oder studiert. Häufig endet es bei schwachen Verben auf -t und bei starken Verben auf -en. Verben auf -ieren bilden es ohne ge-: studieren – studiert.
Ob haben oder sein verwendet wird, kannst du an der Perfektform erkennen:
- „Lea hat gelesen.“ wird zu „Lea wird gelesen haben.“
- „Lea ist gegangen.“ wird zu „Lea wird gegangen sein.“
Das Partizip II bleibt erhalten. Die Perfektform von haben oder sein wird durch eine Form von werden ergänzt und steht als Infinitiv am Satzende.
Aus „Lea liest das Buch“ soll eine bis Freitag abgeschlossene Handlung werden.
- Der zukünftige Bezugspunkt lautet bis Freitag.
- Die Perfektform heißt „Lea hat das Buch gelesen“.
- Zu „Lea“ gehört die Form wird.
- gelesen bleibt als Partizip II erhalten, und haben steht im Infinitiv am Satzende.
Ergebnis: „Bis Freitag wird Lea das Buch gelesen haben.“
Das Futur II hat zwei wichtige Verwendungen:
- Künftig abgeschlossen: „Bis morgen wird sie ihre Hausaufgaben erledigt haben.“
- Vermutung über Vergangenes: „Sie wird wohl den Bus verpasst haben.“ Das bedeutet: Vermutlich hat sie den Bus verpasst.
Bei der ersten Verwendung macht eine Zeitangabe wie bis morgen, bis Freitag oder in einem Jahr den zukünftigen Bezugspunkt deutlich.
Beim Futur II steht am Satzende eine Verbindung wie gelernt haben, gelesen haben oder gegangen sein.
Wähle die passende Zukunftsform
Gehe bei einem neuen Satz in drei Schritten vor:
- Bestimme die Aussage: Geht es um einen Plan, eine Vermutung oder einen Abschluss?
- Suche den Bezugspunkt: Signalisiert etwa „bis morgen“, dass die Handlung dann schon beendet sein soll?
- Bilde die Form: Nutze Futur I für etwas Bevorstehendes. Für das Futur II behältst du das Partizip II und haben oder sein aus der Perfektform bei.
Ausgangssatz: „Wir machen unsere Hausaufgaben.“
- Als Plan: „Wir werden unsere Hausaufgaben machen.“
- Als bis zum Abend abgeschlossene Handlung: „Bis heute Abend werden wir unsere Hausaufgaben gemacht haben.“
Die zweite Form braucht den Zusammenhang mit einem zukünftigen Bezugspunkt. „Bis heute Abend“ macht deutlich, wann die Arbeit abgeschlossen sein soll.
Typische Fehler
- Falsche Form von werden: Nicht „du werde“, sondern „du wirst“.
- Futur I und Futur II vermischt: „wird gelesen haben“ ist Futur II; „wird lesen“ ist Futur I.
- Partizip und Infinitiv verwechselt: Im Futur II heißt es „wird gelesen haben“, nicht „wird lesen haben“.
- Falsches Hilfsverb: Aus „ist gegangen“ wird „wird gegangen sein“, nicht „wird gegangen haben“.
- Abschluss nicht deutlich gemacht: Eine Zeitangabe kann zeigen, bis wann etwas erledigt sein wird.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Futurformen
- Futur I: werden und Infinitiv
- Futur I: Bevorstehendes, Pläne und Vermutungen
- Futur II: werden, Partizip II und haben oder sein
- Futur II: künftig Abgeschlossenes
- Futur II: Vermutungen über Vergangenes
- Perfektform: Hilfsverb für das Futur II erkennen
- Zeitangaben: zukünftigen Bezugspunkt verdeutlichen
Abschluss-Check
Wenn du unsicher bist, prüfe zuerst die Bedeutung: noch bevorstehend führt meist zum Futur I, am Bezugspunkt schon abgeschlossen zum Futur II.
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