Präsens einfach erklärt: Bildung und Verwendung
Das Präsens ist die Gegenwartsform des Verbs. Es bezeichnet jedoch nicht nur etwas, das gerade geschieht: Du kannst damit auch Gewohnheiten, allgemeingültige Aussagen, fortdauernde Handlungen und feststehende zukünftige Ereignisse ausdrücken.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was kann das Präsens ausdrücken?
Die Verbform allein verrät nicht immer, ob ein Satz von jetzt, von einem längeren Zeitraum oder von der Zukunft handelt. Du musst auch auf den Kontext und auf Zeitangaben achten.
Präsens
Das Präsens ist eine Zeitform des Verbs. Es heißt auch Gegenwartsform, kann aber unterschiedliche zeitliche Bedeutungen ausdrücken.
| Bedeutung | Beispiel | Woran erkennst du sie? |
|---|---|---|
| Gegenwärtiger Zustand | Felix ist im Schwimmbad. | Der Zustand gilt jetzt. |
| Handlung im Augenblick | Tim schreibt gerade eine Klassenarbeit. | gerade verweist auf den Moment des Sprechens. |
| Wiederholung oder Gewohnheit | Jeden Dienstag geht Felix zum Training. | jeden Dienstag zeigt die Wiederholung. |
| Allgemeingültige Aussage | Fünf plus sechs ergibt elf. | Die Aussage gilt unabhängig vom Zeitpunkt. |
| Fortdauernde Handlung | Seit fünf Jahren spielt Felix Fußball. | Die Handlung begann früher und dauert noch an. |
| Feststehende Zukunft | Nächsten Sonntag hat seine Mannschaft ein Spiel. | Die Zeitangabe und der festgelegte Termin weisen in die Zukunft. |
Wörter wie jetzt, gerade, immer, oft, seit drei Jahren oder morgen helfen bei der Deutung. Sie bilden das Präsens aber nicht. Dafür ist die Form des Verbs entscheidend.
Verbform und Kontext gehören zusammen: Eine Präsensform kann Gegenwärtiges, Wiederholtes, Fortdauerndes, Allgemeingültiges oder feststehend Zukünftiges ausdrücken.
Wie bildest du regelmäßige Präsensformen?
Die Grundform eines Verbs heißt Infinitiv, zum Beispiel lernen. Bei einem regelmäßigen Verb auf -en entfernst du diese Endung. So erhältst du den Verbstamm lern-.
An den Stamm setzt du die passende Personalendung:
| Person | Endung | Form von lernen |
|---|---|---|
| ich | -e | ich lerne |
| du | -st | du lernst |
| er/sie/es | -t | er lernt |
| wir | -en | wir lernen |
| ihr | -t | ihr lernt |
| sie/Sie | -en | sie lernen |
Das Verändern eines Verbs passend zur Person heißt konjugieren oder beugen.
So konjugierst du kaufen:
- Entferne -en: kaufen → kauf-.
- Bestimme die Person: Für du brauchst du die Endung -st.
- Verbinde Stamm und Endung: kauf- + -st → du kaufst.
Im Satz lautet die Form: „Du kaufst ein Heft.“
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Der Infinitiv hat den Stamm . Für ich ergänzt du die Endung ; für wir ergänzt du .
Welche Sonderformen musst du kennen?
Nicht jedes Verb folgt ohne Veränderung dem Grundschema. Prüfe nach dem Bestimmen des Stamms, ob eine Sonderregel gilt.
Ein zusätzliches e erleichtert die Aussprache
Endet ein Verbstamm zum Beispiel auf d oder t, steht vor manchen Endungen ein zusätzliches e:
- warten → du wartest, er wartet, ihr wartet
- reden → du redest, er redet, ihr redet
- ordnen → du ordnest, er ordnet, ihr ordnet
Nach s, ß, x oder z fällt ein s weg
Bei du lautet die Endung dann nicht vollständig -st. Stamm und Endung verschmelzen zu einer Form auf -st oder -t:
- tanzen → du tanzt, nicht du tanzst
- boxen → du boxt, nicht du boxst
Manche Verben verändern ihren Stammvokal
Bei einigen starken oder unregelmäßigen Verben ändert sich der Stamm besonders in der 2. und 3. Person Singular:
- lesen → ich lese, du liest, er liest
- fahren → ich fahre, du fährst, sie fährt
- sehen → ich sehe, du siehst, er sieht
Die Pluralformen verwenden bei diesen Beispielen wieder den Stamm des Infinitivs: wir lesen, ihr lest, sie lesen.
Weitere Sonderfälle betreffen unter anderem Verben auf -eln, -ern oder -ie. So heißen mögliche Formen ich lächle, ich wandere und ich knie. Solche Formen lernst du am zuverlässigsten zusammen mit einem Beispielsatz.
Wie verwendest du sein, haben und Modalverben?
Die häufigen Verben sein und haben sind unregelmäßig. Ihre Formen musst du als zusammengehörige Reihen lernen.
| Person | sein | haben |
|---|---|---|
| ich | bin | habe |
| du | bist | hast |
| er/sie/es | ist | hat |
| wir | sind | haben |
| ihr | seid | habt |
| sie/Sie | sind | haben |
Auch die meisten Modalverben verändern im Singular ihren Stamm. Modalverben wie können verbinden sich häufig mit einem weiteren Verb:
- ich kann schwimmen
- du kannst schwimmen
- er kann schwimmen
- wir können schwimmen
- ihr könnt schwimmen
- sie können schwimmen
Die 1. und 3. Person Singular haben hier keine Personalendung: ich kann, er kann.
Ähnlich verhält sich wissen: ich weiß, du weißt, sie weiß, aber wir wissen.
Im Satz „Ihr seid heute früh da“ passt seid zur Person ihr. Die Form seit wäre hier falsch: seit ist kein Verb, sondern steht zum Beispiel in „seit zwei Tagen“.
Wie setzt du das Präsens in Texten ein?
In Inhaltsangaben, Vorgangsbeschreibungen und vielen Sachtexten wird grundsätzlich das Präsens verwendet. Achte darauf, nicht unbegründet zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu wechseln.
Unpassender Wechsel:
„Die Figur öffnet die Tür und sah in den dunklen Raum.“
Verbesserung im Präsens:
„Die Figur öffnet die Tür und sieht in den dunklen Raum.“
Beide Verben stehen nun im Präsens. Bei sehen musst du den Stammwechsel beachten: sie sieht.
Vertiefung: erzählendes oder historisches Präsens
Manchmal werden vergangene Ereignisse im Präsens erzählt, damit sie unmittelbar wirken:
„Plötzlich schaut er mich an und fragt, was los ist.“
Obwohl das Ereignis vergangen sein kann, stehen die Verben im Präsens. Diese Verwendung nennt man erzählendes oder historisches Präsens. Der Zusammenhang macht den vergangenen Zeitbezug deutlich.
Die grammatische Zeitform und die zeitliche Bedeutung sind nicht dasselbe. Eine Präsensform kann durch den Kontext sogar auf Zukünftiges oder erzählerisch Vergangenes verweisen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Präsens
- Bedeutung: jetzt, regelmäßig, allgemeingültig, fortdauernd oder feststehend zukünftig
- Bildung: Verbstamm und passende Personalendung verbinden
- Sonderformen: zusätzliches e, verkürzte Endung oder Stammwechsel beachten
- Unregelmäßige Verben: Formen von sein, haben und Modalverben lernen
- Textgebrauch: Zeitform einheitlich und passend zum Kontext einsetzen
Abschluss-Check
Du kannst das Präsens sicher bestimmen, wenn du zwei Fragen trennst: Wie ist das Verb gebildet? und Welche zeitliche Bedeutung entsteht im Kontext?
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