Lexem einfach erklärt: Wortform und Wortbildung
Ein Lexem ist meist die abstrakte Einheit des Wortschatzes, unter der zusammengehörige Wortformen gebündelt werden. So gehören gehe, gehst, ging und gegangen zum Lexem GEHEN. Ausgesprochen oder geschrieben wird immer eine konkrete Wortform, nicht das abstrakte Lexem selbst.
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Vom Lexem zur Wortform
Stell dir einen Wörterbucheintrag vor: Unter gehen findest du nicht für gehe, gehst, ging und gegangen je einen eigenen Haupteintrag. Die Formen werden zusammengeführt, weil sie dasselbe Lexem verwirklichen.
Lexem
Ein Lexem ist eine abstrakte Einheit des Wortschatzes. Es umfasst sprachliches Wissen über die Grundbedeutung, mögliche Wortformen und weitere Eigenschaften eines Wortes.
Wortform
Eine Wortform ist die konkrete Form, die du sprichst oder schreibst. bin, ist und war sind verschiedene Wortformen desselben Lexems SEIN.
Die Form, mit der ein Lexem gewöhnlich benannt wird, heißt Grundform oder Zitierform. Bei Verben ist das oft der Infinitiv, etwa singen. Die Zitierform ist selbst eine äußerbare Wortform; das Lexem ist dagegen die abstrakte Einheit hinter allen zugehörigen Formen.
Im Satz Du singst heute laut ist singst die konkrete Wortform. Sie trägt grammatische Merkmale, die zu du passen. Zusammen mit singe, singt und singen gehört sie zum Lexem SINGEN. Entscheidend ist nicht, dass alle Formen gleich aussehen, sondern dass sie grammatische Formen derselben lexikalischen Einheit sind.
Flexion verändert die Form, Wortbildung den Wortschatz
Nicht jede Veränderung an einem Wort hat dieselbe Wirkung. Diese Unterscheidung hilft dir, Lexeme richtig zu zählen.
Flexion
Flexion passt ein Wort an seine grammatische Aufgabe im Satz an. Dabei entstehen verschiedene Wortformen desselben Lexems, zum Beispiel Haus, Hauses und Häuser.
Wortbildung
Wortbildung erzeugt ein neues Lexem. Bei einer Ableitung wird ein vorhandenes Element erweitert; bei einer Zusammensetzung werden Elemente verbunden.
| Vergleich | Ergebnis |
|---|---|
| singe – singst – sang | verschiedene Wortformen des Lexems SINGEN |
| singen – Sänger | durch Ableitung verschiedene Lexeme |
| singen – Singstimme | durch Zusammensetzung verschiedene Lexeme |
| gehen – Eingang – Ausgang | verwandte, aber verschiedene Lexeme |
Flexion: neues grammatisches Gewand, gleiches Lexem. Wortbildung: neuer Eintrag im Wortschatz, also regelmäßig ein neues Lexem.
Lexem, Morphem und Wortfamilie auseinanderhalten
Ein Lexem kann aus kleineren bedeutungstragenden Teilen bestehen. Diese Teile heißen Morpheme.
Morphem
Ein Morphem ist die kleinste Einheit, die eine Bedeutung oder eine grammatische Funktion trägt. In Bildung ist -ung ein Morphem. Das ganze Wort gehört zum Lexem BILDUNG.
Ein Morphem ist ein Baustein auf der Formseite. Ein Lexem ist eine Einheit des Wortschatzes. Ein einfaches Lexem kann auf der Formseite aus nur einem Morphem bestehen; trotzdem bezeichnen die Fachwörter verschiedene Analyseebenen.
Eine Wortfamilie fasst mehrere Lexeme zusammen, die einen gemeinsamen Wortstamm haben. gehen, Eingang und Ausgang gehören zu einer Wortfamilie, sind aber keine Flexionsformen eines einzigen Lexems.
Vergleiche gehst und Ausgang:
- gehst lässt sich auf die Zitierform gehen zurückführen und ist eine Flexionsform des Lexems GEHEN.
- Ausgang ist durch Wortbildung entstanden. Es ist ein eigenes Lexem.
- GEHEN und AUSGANG sind verwandt und können derselben Wortfamilie zugeordnet werden.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
gehe und ging sind verschiedene des Lexems GEHEN. Ausgang ist dagegen ein eigenes . Die Endung -ung in Bildung ist ein . Mehrere verwandte Lexeme bilden eine .
Warum der Fachbegriff mehrere Lesarten hat
In der Sprachwissenschaft wird Lexem nicht immer gleich verwendet. Für den Einstieg ist die häufigste Lesart entscheidend: das Lexem als Abstraktion über zusammengehörige Wortformen.
In einer zweiten Lesart meint Lexem eine Einheit, deren Bedeutung als Ganzes im Lexikon gespeichert werden muss. Dafür wird auch der Ausdruck Listem verwendet. Ein solcher Eintrag kann ein Einzelwort oder ein fester Mehrwortausdruck sein. Bei den Löffel abgeben muss die übertragene Gesamtbedeutung „sterben“ gelernt werden; sie ergibt sich nicht einfach aus den einzelnen Wörtern.
Eine ältere, heute weniger verbreitete Lesart nennt den lexikalischen Grundbaustein eines Wortes Lexem. In schreib-st wäre dann schreib- das Lexem. In der heute häufigen Lesart wäre SCHREIBEN das Lexem und schreibst eine Wortform.
Wenn zwei Erklärungen zu Lexemen verschieden wirken, prüfe zuerst, welche Lesart sie verwenden. Vermische besonders die abstrakte Einheit über Wortformen nicht mit dem Morphem als kleinstem bedeutungstragenden Baustein.
Auch die Abgrenzung bei mehreren Bedeutungen kann von der sprachwissenschaftlichen Theorie abhängen. Verwandte Bedeutungen können als Bedeutungen eines polysemen, also mehrdeutigen, Lexems oder als getrennte Lexeme analysiert werden. Deshalb ist nicht jede Grenzentscheidung völlig eindeutig.
So prüfst du ein Sprachbeispiel
Bei einer unbekannten Form gehst du in drei Schritten vor:
- Finde die Zitierform. Zu singst gehört singen.
- Bestimme den Vorgang. Ändern sich nur grammatische Merkmale, liegt Flexion vor. Entsteht durch Ableitung oder Zusammensetzung eine neue Benennung, liegt Wortbildung vor.
- Ordne die Einheit ein. Flexion führt zu einer Wortform desselben Lexems; Wortbildung führt regelmäßig zu einem neuen Lexem.
Untersuche singst und Sänger.
- singst passt das Verb an du an. Das ist Flexion. Ergebnis: eine Wortform des Lexems SINGEN.
- Sänger bezeichnet eine Person und ist durch Ableitung gebildet. Ergebnis: ein neues Lexem, das mit SINGEN verwandt ist.
Die Formen gehören nicht zu einem einzigen Lexem. Sie gehören aber zu einem Verband verwandter Lexeme.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Lexem
- wird sichtbar als Wortform
- wird benannt durch Zitierform
- bleibt bei Flexion dasselbe
- entsteht neu durch Wortbildung
- besteht auf der Formseite aus Morphemen
- gehört mit verwandten Lexemen zu einer Wortfamilie
- hat je nach Fachtradition weitere Lesarten
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