Sprichwörter und Redewendungen einfach erklärt
Ein Sprichwort ist gewöhnlich ein vollständiger, feststehender Satz mit einer allgemeinen Erfahrung oder einem Rat. Eine Redewendung ist meist eine feste Wortgruppe, die du in einen Satz einbaust und grammatisch anpasst. Beide sind häufig bildhaft gemeint.
Auf dieser Seite lernst du, beide Formen zu unterscheiden, ihre übertragene Bedeutung aus dem Kontext zu erschließen und sie passend zu verwenden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du den Unterschied?
Stell dir vor, jemand sagt: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Ist das schon eine vollständige Aussage oder fehlt noch ein Satz drumherum?
Sprichwort
Ein Sprichwort ist ein feststehender Satz, der eine allgemeine Erfahrung, Lebensweisheit oder Regel knapp ausdrückt. Beispiel: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Gemeint ist: Ausdauer kann langfristig zum Erfolg führen.
Redewendung
Eine Redewendung ist ein fester Ausdruck mit einer häufig übertragenen Bedeutung. Meist wird sie als Teil eines Satzes verwendet. Beispiel: „die Flinte ins Korn werfen“ bedeutet „aufgeben“.
| Merkmal | Sprichwort | Redewendung |
|---|---|---|
| typische Form | vollständiger Satz | in einen Satz einbaubare Wortgruppe |
| typische Funktion | Erfahrung, Rat oder Lebensweisheit ausdrücken | eine Situation anschaulich benennen oder bewerten |
| Beispiel | Viele Köche verderben den Brei. | die Flinte ins Korn werfen |
| Verwendung | „Viele Köche verderben den Brei.“ | „Nach dem ersten Fehler wirft Mia nicht die Flinte ins Korn.“ |
Einige Sprichwörter sind verkürzt, wirken aber trotzdem wie eine vollständige Aussage: „Besser spät als nie“ bedeutet „Spät ist besser als nie“. Deshalb reicht die Wortzahl nicht als Erkennungsmerkmal. Entscheidend sind Form und Funktion.
Frage zuerst: Steht der Ausdruck als allgemeine Aussage für sich? Dann ist er meist ein Sprichwort. Wird er grammatisch in einen Satz eingebaut? Dann ist er meist eine Redewendung.
Wie wird aus einem Bild eine Bedeutung?
Viele feste Ausdrücke erzeugen zunächst ein konkretes Bild. Gemeint ist jedoch eine andere, übertragene Bedeutung.
Übertragene Bedeutung
Bei einer übertragenen Bedeutung bezeichnen die Wörter nicht nur das wörtlich sichtbare Bild. Das Bild steht für eine andere Situation oder Eigenschaft.
Ausdruck: „ein Brett vor dem Kopf haben“
- Das wörtliche Bild zeigt eine Person, deren Sicht durch ein Brett versperrt ist.
- Im übertragenen Sinn erkennt die Person etwas Offensichtliches nicht.
- Der Zusammenhang wird im Satz klar: „Ich hatte ein Brett vor dem Kopf und übersah die einfache Lösung.“
Die Person trägt also kein echtes Brett. Der Ausdruck beschreibt fehlende Einsicht.
Auch „nur Bahnhof verstehen“ ist nicht wörtlich gemeint. Der Satz „Bei der Erklärung der neuen Spielregeln verstand ich nur Bahnhof“ bedeutet: Die Person hat überhaupt nichts verstanden.
Der Kontext hilft dir bei der Entscheidung. „Die Kuh steht auf dem Eis“ kann eine wirkliche Beobachtung sein. „Wir müssen die Kuh vom Eis holen“ bedeutet als Redewendung dagegen: Wir müssen ein schwieriges Problem lösen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Eine feste Wortgruppe mit übertragener Bedeutung heißt meist . Das konkrete Sprachbild ist die Ebene. Was in der Situation tatsächlich gemeint ist, erschließt du aus dem .
Wie erschließt du ein Sprichwort?
Du musst ein Sprichwort nicht nur ergänzen können. Wirkliches Verständnis zeigst du, wenn du das Bild, die allgemeine Aussage und eine passende Situation miteinander verbindest.
Gehe in vier Schritten vor:
- Formuliere das wörtliche Bild.
- Suche die allgemeine Aussage hinter dem Bild.
- Nenne eine Situation, auf die die Aussage passt.
- Prüfe, ob das Sprichwort wirklich zu dieser Situation passt.
Sprichwort: „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“
Bild: Der kleine Spatz ist sicher erreichbar. Die größere Taube sitzt außer Reichweite auf dem Dach.
Übertragene Bedeutung: Ein kleiner, sicherer Vorteil kann besser sein als eine größere, aber unsichere Hoffnung.
Situation: Noah hat einen sicheren Ferienjob. Ein anderer Betrieb verspricht vielleicht eine interessantere Stelle, hat aber noch nicht zugesagt. Entscheidet sich Noah für den sicheren Job, passt das Sprichwort.
Prüfung: Das Beispiel enthält tatsächlich den Gegensatz zwischen „klein und sicher“ sowie „größer, aber unsicher“. Deshalb ist das Sprichwort passend.
Wie setzt du Redewendungen richtig ein?
Bei einer Redewendung bleibt der feste Kern erhalten. Verben und Pronomen musst du jedoch oft an Person, Zeit und Satzbau anpassen.
Die Grundform lautet jemandem die Daumen drücken.
- Gegenwart: „Ich drücke dir die Daumen.“
- Vergangenheit: „Wir drückten ihr die Daumen.“
- Zukunft: „Sie wird euch die Daumen drücken.“
Die Bedeutung bleibt gleich: Jemand wünscht einer anderen Person Glück.
Dasselbe gilt für jemandem auf den Keks gehen:
- „Der Lärm geht mir auf den Keks.“
- „Die ständigen Unterbrechungen gingen uns auf den Keks.“
Die beteiligten Personen und die Zeitform verändern sich. Der bildhafte Kern „auf den Keks gehen“ bleibt erkennbar.
Achte auf Situation und Wirkung
Nicht jeder Ausdruck passt in jede Situation. „Die Nase voll haben“ bedeutet, von etwas genug zu haben. Die Variante „die Schnauze voll haben“ wirkt gröber. Auch Ausdrücke wie „einen Dachschaden haben“ können andere Menschen beleidigen.
Prüfe vor der Verwendung drei Dinge: Bedeutung, Grammatik und Wirkung. Ein Ausdruck kann inhaltlich passen und trotzdem für die Situation zu grob sein.
Jetzt verwendest du eine Redewendung selbst
Deine Freundin tritt morgen bei einem Musikwettbewerb auf. Formuliere einen Satz mit jemandem die Daumen drücken. Passe Verb und Pronomen an und erkläre kurz, warum der Ausdruck zur Situation passt.
Mögliche Lösung: „Ich drücke dir für den Musikwettbewerb die Daumen.“
Das Verb „drücken“ passt zur sprechenden Person „ich“. Das Pronomen „dir“ bezeichnet die Freundin. Die Redewendung ist passend, weil die sprechende Person ihr Glück wünscht.
Auch anders formulierte Sätze sind richtig, wenn der feste Kern erkennbar bleibt und Bedeutung, Grammatik und Wirkung zur Situation passen.
Wie wählst du den passenden Ausdruck aus?
Ähnliche Situationen verlangen nicht automatisch denselben Ausdruck. Suche deshalb zuerst die genaue Beziehung, die du ausdrücken möchtest.
- Ausdauer: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“
- Zu viele Beteiligte: „Viele Köche verderben den Brei.“
- Eine Gelegenheit rechtzeitig nutzen: „Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist.“
- Aufgeben: „die Flinte ins Korn werfen“
- Ein Problem lösen: „die Kuh vom Eis holen“
- Übertriebene Mittel einsetzen: „mit Kanonen auf Spatzen schießen“
Eine Gruppe will ein Plakat gestalten. Acht Personen ändern gleichzeitig das Layout, sodass am Ende nichts zusammenpasst.
„Viele Köche verderben den Brei“ passt, weil zu viele Beteiligte das Ergebnis verschlechtern. „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“ wäre unpassend: Dabei geht es um übertriebene Mittel für ein kleines Problem, nicht um die Zahl der Beteiligten.
Manche Ausdrücke lassen sich nicht immer eindeutig einer Gattung zuordnen. Entscheidend ist dann nicht das Etikett, sondern dass du Form, Funktion, Bedeutung und Verwendung nachvollziehbar beschreibst. Auch die Herkunft eines Ausdrucks musst du nicht kennen, um ihn im Kontext richtig zu verstehen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Sprichwörter und Redewendungen
- Sprichwort: vollständige allgemeine Aussage
- Redewendung: an den Satz angepasster fester Ausdruck
- Sprachbild: wörtliche Ebene erkennen
- Kontext: übertragene Bedeutung erschließen
- Verwendung: Bedeutung, Grammatik und Wirkung prüfen
- Selbstkontrolle: Ausdruck mit der Situation abgleichen
Abschluss-Check
Du beherrschst den Kern, wenn du einen festen Ausdruck nicht nur erkennst, sondern sein Bild erklärst, die gemeinte Aussage aus dem Kontext ableitest und ihn passend in einem eigenen Satz verwendest.
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