Commonwealth: Geschichte, Bedeutung und Kritik
Das Commonwealth of Nations ist eine lose und freiwillige Verbindung souveräner Staaten. Viele Mitglieder gehörten früher zum British Empire, einige jedoch nicht. Die Organisation entstand schrittweise, als britische Herrschaftsgebiete mehr Selbstständigkeit erlangten.
Auf dieser Seite lernst du außerdem, warum Commonwealth, Commonwealth Realm und Head of the Commonwealth nicht dasselbe bedeuten – und wie du Aussagen über koloniale Geschichte kritisch prüfst.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was ist das Commonwealth?
Commonwealth of Nations
Das Commonwealth of Nations ist eine freiwillige Staatenverbindung. Seine Mitglieder sind souverän, also rechtlich selbstständig. Die Organisation beschließt keine für alle Mitglieder verbindliche gemeinsame Politik.
Die Verbindung beruht vor allem auf regelmäßiger politischer Zusammenarbeit, gemeinsamen Einrichtungen und historischen Beziehungen. Ein sichtbares gemeinsames Ereignis sind die alle vier Jahre stattfindenden Commonwealth Games.
Das Ausgangsmaterial nennt je nach Bearbeitungsstand 54 oder 56 Mitglieder. Solche Zahlen brauchen deshalb immer einen Zeitbezug. Sicher ist: Zum Commonwealth gehören nicht nur Staaten mit britischer Kolonialvergangenheit. Mosambik und Kamerun traten 1995 bei, Ruanda 2009 sowie Gabun und Togo 2022.
Das Commonwealth ist weder das frühere British Empire noch ein gemeinsamer Staat. Seine Mitglieder sind freiwillig verbunden und politisch eigenständig.
Wie entstand es aus dem British Empire?
Im British Empire standen Kolonien und andere Herrschaftsgebiete unter britischem Einfluss. Einige Gebiete erhielten später eine weitgehend selbstständige Regierung und wurden Dominions genannt. Dazu gehörten unter anderem Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika.
1926 wurde festgehalten, dass die Dominions autonome und gleichberechtigte Gemeinschaften sein sollten. Das Westminster-Statut von 1931 schrieb diesen Status rechtlich fest. Dieses Jahr gilt deshalb als wichtiges Gründungsdatum des Commonwealth.
Mit der Unabhängigkeit weiterer Gebiete wandelte sich die Verbindung. Indien trat 1947 und Sri Lanka, damals Ceylon, 1948 bei. Seit Indien 1950 Republik wurde, muss ein Mitglied den britischen Monarchen nicht als eigenes Staatsoberhaupt anerkennen.
- 1926Die Dominions werden als autonome und gleichberechtigte Gemeinschaften anerkannt.
- 1931Das Westminster-Statut festigt ihren Status; das Commonwealth wird institutionalisiert.
- 1947Indien tritt dem Commonwealth bei.
- 1950Die Mitgliedschaft einer Republik ohne den Monarchen als Staatsoberhaupt ist möglich.
- 1965Das Commonwealth Secretariat wird in London gegründet.
- 1995–2022Auch mehrere Staaten ohne oder mit nur begrenzter britischer Kolonialvergangenheit treten bei.
Die Entwicklung Kanadas zeigt den Übergang: Kanada erhielt 1867 eine weitgehend selbstständige Regierung, gehörte zu den Dominions und war ab 1931 als Mitglied des Commonwealth rechtlich gleichberechtigt. Das Beispiel macht sichtbar, dass das Commonwealth nicht plötzlich entstand. Es entwickelte sich aus Forderungen nach größerer Autonomie.
Wie arbeiten die Mitgliedstaaten zusammen?
Das 1965 gegründete Commonwealth Secretariat koordiniert gemeinsame Aktivitäten. Die Staats- und Regierungschefs treffen sich normalerweise alle zwei Jahre beim Commonwealth Heads of Government Meeting, kurz CHOGM. Dort beraten sie über politische, wirtschaftliche und internationale Fragen.
Beschlüsse können auch Sanktionen oder die Suspendierung eines Mitglieds betreffen. Fidschi wurde beispielsweise nach politischen Umstürzen zeitweise suspendiert. Das zeigt: Die Verbindung ist lose, aber nicht völlig folgenlos.
Zwischen Commonwealth-Staaten heißt der ranghöchste diplomatische Vertreter traditionell High Commissioner statt ambassador. Auf Deutsch spricht man von einem Hochkommissar.
Commonwealth Realm
Ein Commonwealth Realm ist ein Mitgliedstaat, in dem derselbe Monarch in einer eigenen staatsrechtlichen Rolle Staatsoberhaupt ist. Das Ausgangsmaterial führt 15 solcher Staaten auf, darunter Kanada, Australien, Jamaika und das Vereinigte Königreich.
Der Titel Head of the Commonwealth bezeichnet dagegen das symbolische Oberhaupt der gesamten Verbindung. Diese Rolle darfst du nicht mit der Stellung als nationales Staatsoberhaupt verwechseln. Viele Commonwealth-Mitglieder sind Republiken oder Monarchien mit einem anderen Staatsoberhaupt.
Was bedeutet commonwealth auf Englisch?
Mit Großschreibung und bestimmtem Artikel meint the Commonwealth meistens das Commonwealth of Nations:
Botswana is a republic in the Commonwealth of Nations.
Das Wort hat jedoch weitere Bedeutungen. Es kann allgemein eine Gemeinschaft bezeichnen, die durch gemeinsame Interessen verbunden ist. Historisch kann the Commonwealth außerdem für die englische Republik von 1649 bis 1660 stehen.
In offiziellen Namen bezeichnet Commonwealth unterschiedliche politische Gemeinwesen. Beispiele sind the Commonwealth of Australia sowie die US-Bundesstaaten Kentucky, Massachusetts, Pennsylvania und Virginia. Daraus folgt nicht, dass diese US-Bundesstaaten Mitglieder des Commonwealth of Nations sind.
Achte beim Lesen auf drei Signale: Großschreibung, vollständiger Eigenname und historischer Zusammenhang. Sie zeigen dir, welche Bedeutung gemeint ist.
Im Satz Cameroon is a member of both the Commonwealth of Nations and La Francophonie bezeichnet Commonwealth of Nations eindeutig die internationale Staatenverbindung. Das Wort member bestätigt, dass von einer Organisation und nicht allgemein vom Gemeinwohl die Rede ist.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Mit ist häufig die internationale Staatenverbindung gemeint. Ein Staat, der denselben Monarchen als Staatsoberhaupt hat, heißt . Das Treffen der Staats- und Regierungschefs wird mit abgekürzt. Der ranghöchste diplomatische Vertreter zwischen Mitgliedstaaten heißt .
Wie prüfst du Aussagen kritisch?
Texte über das Commonwealth erzählen nicht nur Fakten. Ihre Wortwahl kann auch eine Perspektive auf das British Empire und seine Folgen ausdrücken.
Gehe in vier Schritten vor:
- Bestimme die Aussage. Was wird über Geschichte, Mitglieder oder Zusammenarbeit behauptet?
- Prüfe den Zeitbezug. Eine Mitgliederzahl oder ein Amtsname kann veraltet sein.
- Untersuche die Perspektive. Stehen britische Institutionen im Mittelpunkt, oder werden auch Erfahrungen ehemaliger Kolonien sichtbar?
- Suche nach Verallgemeinerungen. Ein einzelnes Land oder eine Region steht nicht für alle Commonwealth-Staaten.
Aussage: The Commonwealth simply continued the British Empire.
Die Aussage erkennt zwar eine historische Verbindung, ist aber zu pauschal. Das Commonwealth ging aus imperialen Strukturen hervor. Seine Mitglieder wurden jedoch souverän und gleichberechtigt; außerdem traten später Staaten ohne britische Kolonialvergangenheit bei. Eine genauere Formulierung lautet:
The Commonwealth developed from the British Empire, but it is a voluntary association of sovereign states.
Britische Einflüsse können in Recht, Bildung, Diplomatie und institutionellen Begriffen fortwirken. Das bedeutet aber nicht, dass alle Mitgliedstaaten dieselben Erfahrungen, Interessen oder Identitäten besitzen. Eine postkoloniale Betrachtung fragt deshalb auch danach, wessen Stimme ein Text hervorhebt und wessen Erfahrungen fehlen.
Karteikasten
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Alles auf einen Blick
- Commonwealth
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