Jetstream: Entstehung, Arten und Wetterwirkung
Ein Jetstream ist ein schmales Band sehr schneller Höhenwinde. Meist strömt es nahe der Tropopause von Westen nach Osten. Besonders der Polarfrontjetstream beeinflusst, wie sich Hoch- und Tiefdruckgebiete über Europa verlagern.
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Was macht einen Jetstream aus?
Jetstreams liegen überwiegend in der oberen Troposphäre, also in der untersten Schicht der Atmosphäre. Häufig wird ihre Höhe vereinfacht mit etwa 10 bis 12 Kilometern angegeben. Die genaue Lage hängt unter anderem von der geografischen Breite und der Wetterlage ab.
Jetstream
Ein Jetstream oder Strahlstrom ist ein dynamisch verlagerliches, schmales Starkwindband in großer Höhe. Von seinem besonders schnellen Kern nimmt die Windgeschwindigkeit nach außen rasch ab.
Jetstreams können Geschwindigkeiten von mehreren Hundert Kilometern pro Stunde erreichen. Häufig werden Spitzenwerte bis etwa 500 km/h genannt; einzelne Angaben liegen noch darüber. Es handelt sich nicht um einen gleichmäßig schnellen Windring um die gesamte Erde.
Ein Jetstream ist kein festes Rohr am Himmel. Lage, Form und Geschwindigkeit verändern sich.
Wie entsteht das Starkwindband?
Am Äquator trifft Sonnenstrahlung steiler auf die Erde als in Polnähe. Deshalb ist die Luft in den Tropen im Allgemeinen wärmer, während sie in Richtung der Pole kälter wird.
Warme Luft besitzt eine geringere Dichte als kalte Luft. In einer warmen Luftsäule nimmt der Luftdruck mit der Höhe langsamer ab als in einer kalten Luftsäule. Dadurch entstehen in großer Höhe horizontale Druckunterschiede.
Die Druckgradientkraft setzt Luft vom höheren zum niedrigeren Druck in Bewegung. Je größer der Druck- und Temperaturunterschied ist, desto stärker kann diese Beschleunigung ausfallen.
In großer Höhe bremst die Reibung am Erdboden die Luft nur wenig. An scharfen Grenzen zwischen warmen und kalten Luftmassen kann sich deshalb ein schmales Band besonders schneller Winde bilden.
Im Winter kühlt sich die Polregion besonders stark ab. Der Temperaturunterschied zu wärmeren Luftmassen weiter südlich wird größer. Dadurch wächst auch der Druckunterschied in der Höhe: Die Druckgradientkraft wird stärker, und der Polarfrontjetstream erreicht meist höhere Geschwindigkeiten als im Sommer.
Die Entstehung lässt sich als Wirkungskette ordnen:
- Ungleiche Sonneneinstrahlung erzeugt Temperaturunterschiede.
- Warme und kalte Luftsäulen besitzen unterschiedliche Dichte- und Druckverhältnisse.
- In der Höhe entsteht ein Druckgradient.
- Die Druckgradientkraft beschleunigt die Luft.
- Die Erdrotation lenkt die Strömung ab.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Unterschiedliche Sonneneinstrahlung erzeugt zuerst . Daraus entstehen in der Höhe . Die setzt die Ausgleichsströmung in Gang.
Warum strömen die wichtigsten Jetstreams ostwärts?
Die Erde dreht sich von Westen nach Osten. Bewegte Luft erscheint deshalb gegenüber der Erdoberfläche abgelenkt. Diese scheinbare Ablenkung heißt Corioliskraft.
- Auf der Nordhalbkugel wird bewegte Luft nach rechts abgelenkt.
- Auf der Südhalbkugel wird sie nach links abgelenkt.
- Am Äquator ist die horizontale Corioliswirkung null; zu den Polen hin nimmt sie zu.
Polwärts strömende Luft behält einen größeren Anteil ihrer ostwärts gerichteten Bewegung bei als die Erdoberfläche in höheren Breiten. Bei einer polwärts gerichteten Strömung führt die Ablenkung daher auf beiden Erdhalbkugeln zu einer starken ostwärts gerichteten Komponente.
In der nahezu reibungsfreien Höhenluft wirken Druckgradientkraft und Corioliskraft schließlich so zusammen, dass die Luft überwiegend entlang der Druckverteilung strömt. So entstehen die großräumigen Westwind-Jetstreams: Der Wind kommt aus Westen und bewegt sich nach Osten.
„Westwind“ benennt die Herkunft des Windes: Ein Westwind weht von Westen nach Osten.
Welche zwei Haupttypen gibt es?
Auf jeder Erdhalbkugel werden vor allem zwei großräumige Westwind-Jetstreams unterschieden.
Polarfrontjetstream
Der Polarfrontjetstream liegt ungefähr zwischen 40° und 60° geografischer Breite. Er bildet sich an der Grenze zwischen kalter Polarluft und wärmeren Luftmassen der mittleren Breiten, also im Bereich zwischen Polar- und Ferrel-Zelle.
Er ist meist stärker als der Subtropenjetstream, tritt ganzjährig auf und beeinflusst das europäische Wetter besonders deutlich. Sein Verlauf besteht häufig aus einzelnen, mehrere Tausend Kilometer langen Starkwindbändern statt aus einem überall geschlossenen Ring.
Subtropenjetstream
Der Subtropenjetstream liegt ungefähr zwischen 20° und 30° geografischer Breite an der Grenze von Hadley- und Ferrel-Zelle. Er entwickelt sich aus der Höhenströmung der tropischen Zirkulation, dem Antipassat.
Er ist meist schwächer, in Lage und Stärke beständiger und besonders im Winter der jeweiligen Erdhalbkugel ausgeprägt.
| Merkmal | Polarfrontjetstream | Subtropenjetstream |
|---|---|---|
| Ungefähre Breite | 40°–60° | 20°–30° |
| Grenze | Polar- und Ferrel-Zelle | Hadley- und Ferrel-Zelle |
| Typische Stärke | meist stärker | meist schwächer |
| Veränderlichkeit | stark mäandrierend und verlagerlich | vergleichsweise beständig |
Wie steuert der Polarjet das Wetter?
Der Polarfrontjetstream verläuft nicht geradlinig. Er bildet großräumige Bögen, die Rossby-Wellen heißen. Dabei ragt die Strömung abwechselnd weiter polwärts und weiter äquatorwärts.
Rossby-Wellen
Rossby-Wellen sind großräumige Mäander des Jetstreams. Ihr Verlauf beeinflusst die Entstehung und Verlagerung von Hoch- und Tiefdruckgebieten.
Mit der vorherrschenden Westströmung ziehen viele Druckgebiete von Westen nach Osten. Für Deutschland kann dies feuchte Atlantikluft und rasch wechselnde Wetterlagen bedeuten.
Verläuft der Polarfrontjetstream über dem Nordatlantik in Richtung Europa, können sich Hoch- und Tiefdruckgebiete entlang seiner Wellen verlagern. Ein heranziehendes Tief kann feuchte Atlantikluft mitbringen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Geschwindigkeit des Jetstreams, sondern auch seine genaue Lage und Wellenform.
Stark ausgeprägte Rossby-Wellen können sich zeitweise nur langsam verlagern. Dann können auch Hoch- oder Tiefdrucklagen länger über einer Region bleiben. Zusammenhänge zwischen Veränderungen des Jetstreams und bestimmten Extremwetterlagen werden wissenschaftlich untersucht; eine einfache Kette wie „schwacher Jetstream verursacht immer Extremwetter“ ist nicht gesichert.
Der Jetstream bestimmt das Wetter nicht allein. Auch Luftmassen, Druckgebiete, Meere, Gebirge und jahreszeitliche Bedingungen wirken mit.
Wie nutzt die Luftfahrt den Jetstream?
Ein Flugzeug bewegt sich innerhalb der umgebenden Luft. Für seine Geschwindigkeit über dem Boden ist deshalb entscheidend, ob der Höhenwind als Rücken- oder Gegenwind wirkt.
Ein Flug von Nordamerika nach Europa fliegt überwiegend ostwärts. Verläuft der Jetstream günstig, wirkt er als Rückenwind. Das Flugzeug legt in derselben Zeit eine größere Strecke über dem Boden zurück. Eine angepasste Route kann dadurch Reisezeit und Treibstoffverbrauch verringern, selbst wenn sie nicht die kürzeste geometrische Verbindung ist.
Auf einem westwärts gerichteten Flug wäre derselbe Wind Gegenwind. Flugplanung und Navigation berücksichtigen daher Lage, Stärke und Turbulenzbereiche des Jetstreams. Starke Geschwindigkeitsunterschiede am Rand des Windbandes können Turbulenzen begünstigen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Jetstream
- Entstehung: ungleiche Erwärmung, Druckgradient und Coriolisablenkung
- Lage: obere Troposphäre nahe der Tropopause
- Haupttypen: Polarfrontjetstream und Subtropenjetstream
- Verlauf: veränderlich und beim Polarjet oft in Rossby-Wellen
- Wetterwirkung: Verlagerung von Hochs, Tiefs und Luftmassen
- Luftfahrt: Rückenwind nutzen, Gegenwind und Turbulenz beachten
Abschluss-Check
Prüfe dich zum Schluss: Kannst du die Kette ungleiche Erwärmung → Druckgradient → Höhenströmung → Coriolisablenkung → ostwärts gerichteter Jetstream ohne Hilfe erklären und anschließend auf Winterwetter oder eine Flugroute anwenden?
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