Erdkunde

Kippelemente im Klimasystem einfach erklärt

Kippelemente im Klimasystem einfach erklärt
Kippelemente im Klimasystem einfach erklärt
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Ein Kippelement ist ein großer Bestandteil des Erdsystems, der bei zunehmender Erwärmung eine kritische Schwelle erreichen kann. Wird dieser Kipppunkt überschritten, kann eine kleine zusätzliche Störung einen grundlegenden Übergang auslösen. Dieser Übergang kann sich selbst verstärken und auch dann weiterlaufen, wenn die Erwärmung später wieder unter die Schwelle sinkt. Er muss aber nicht plötzlich geschehen: Manche Veränderungen dauern Jahrzehnte, andere Jahrtausende.

Auf dieser Seite lernst du, Kippelemente zu erkennen, Rückkopplungen nachzuvollziehen und Angaben zu Schwellenwerten richtig einzuschätzen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du ein Kippelement?

Stell dir eine Vase auf einer immer schrägeren Tischplatte vor. Lange bleibt sie stehen. An einer kritischen Neigung genügt eine kleine Erschütterung, damit sie kippt. Das Bild zeigt das Schwellenverhalten: Vor der Schwelle reagiert ein System anders als nach ihrem Überschreiten.

Definition

Kippelement

Ein Kippelement ist ein wichtiger großskaliger Bestandteil des Erdsystems, der Schwellenverhalten zeigen kann. Beispiele sind große Eisschilde, Strömungssysteme und Ökosysteme.

Definition

Kipppunkt

Der Kipppunkt ist die kritische Schwelle eines Kippelements. Wird sie überschritten, kann ein Übergang in einen qualitativ anderen Zustand angestoßen werden.

Kippelement und Kipppunkt sind also nicht dasselbe: Das Element ist das System, der Punkt ist seine kritische Schwelle. „Kippen“ bedeutet außerdem nicht zwingend, dass die gesamte Veränderung in einem Augenblick abläuft oder im engen Sinn vollständig unumkehrbar ist.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage unterscheidet die beiden Begriffe richtig?
Lösung: Der grönländische Eisschild ist ein Kippelement; seine kritische Erwärmungsschwelle ist ein Kipppunkt. — Frage zuerst: Geht es um einen Bestandteil des Erdsystems oder um dessen kritische Schwelle? So kannst du die Begriffe trennen.
Wie verstärkt sich eine Veränderung selbst?

Viele Kippvorgänge werden durch eine selbstverstärkende Rückkopplung angetrieben. Eine erste Veränderung löst dabei eine Wirkung aus, die die ursprüngliche Veränderung verstärkt.

Beispiel

Bei der Eis-Albedo-Rückkopplung läuft eine Kette ab:

  1. Helles Eis schmilzt.
  2. Dunkler Fels oder dunkles Meerwasser wird sichtbar.
  3. Die dunklere Oberfläche nimmt mehr Sonnenenergie auf.
  4. Die Umgebung erwärmt sich zusätzlich.
  5. Dadurch schmilzt weiteres Eis.

Der entscheidende Gedanke ist der Rückweg von Schritt 5 zu Schritt 1: Mehr Eisverlust begünstigt noch mehr Eisverlust.

Auch beim Permafrost ist eine solche Schleife möglich: Auftauender Boden macht organisches Material für Mikroorganismen zugänglich. Bei der Zersetzung entstehen unter anderem CO₂ und Methan. Diese Treibhausgase verstärken die Erwärmung, die wiederum weiteres Auftauen begünstigt.

Merke

Eine Rückkopplung ist selbstverstärkend, wenn ihre Wirkung den ursprünglichen Prozess weiter antreibt.

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Frage 1 von 1MittelWelche Kette beschreibt die Eis-Albedo-Rückkopplung richtig?
Lösung: Eisverlust → dunklere Oberfläche → mehr Energieaufnahme → zusätzliche Erwärmung → weiterer Eisverlust — Suche in der Kette nach einer Wirkung, die zum Ausgangsprozess zurückführt und ihn verstärkt.
Welche Kippelemente werden unterschieden?

Eine wissenschaftsnahe Einteilung unterscheidet 9 Kern-Kippelemente und 7 regionale Kippelemente, insgesamt also 16. Die Zuordnung hängt von der verwendeten Definition und dem Forschungsfokus ab; die Liste kann sich mit dem Forschungsstand verändern.

Kern-Kippelemente sind für das Funktionieren des Erdsystems besonders wichtig. Regionale Kippelemente sind vor allem für menschliches Wohlergehen oder als einzigartiger Teil des Erdsystems bedeutsam. „Regional“ bedeutet nicht „folgenlos für den Rest der Welt“: Systeme können miteinander verbunden sein.

Kern-KippelementeRegionale Kippelemente
Grönländischer EisschildBarents-Meereis
Arktisches Wintermeereisabruptes Auftauen borealen Permafrosts
borealer PermafrostkollapsGebirgsgletscher
Westantarktischer EisschildAbsterben borealer Nadelwälder im Süden
Ostantarktischer EisschildAusbreitung borealer Nadelwälder nach Norden
Ostantarktische subglaziale EinzugsgebieteKorallenriffe niedriger Breiten
Atlantische UmwälzzirkulationSahelvegetation und westafrikanischer Monsun
Zirkulation im Labrador- und Irmingermeer
Amazonas-Regenwald
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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage über regionale Kippelemente ist richtig?
Lösung: Sie sind regional besonders bedeutsam, können durch Vernetzung aber auch überregionale Folgen haben. — Die Kategorien beschreiben die Bedeutung der Systeme. Sie sind keine Skala für räumlich begrenzte Folgen oder für die Sicherheit der Forschung.
Was zeigen konkrete Beispiele?

Kippelemente unterscheiden sich stark in Mechanismus, Schwelle, Dauer und Folgen. Die Temperaturwerte beziehen sich hier auf die globale Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau.

BeispielWahrscheinliche Schwelle und möglicher BereichGeschätzte ProzessdauerMögliche Folge
Grönländischer Eisschildknapp 1,5 °C; möglich bei 0,8 bis 3 °Cmindestens 1.000, höchstens geschätzt 15.000 Jahrebis zu 7 m globaler Meeresspiegelanstieg
Westantarktischer Eisschild1,5 °C; möglicher Bereich 1 bis 3 °Cetwa 2.000 Jahre; geschätzter Bereich 500 bis 13.000 Jahremehr als 3 m globaler Meeresspiegelanstieg
Korallenriffe niedriger Breiten1,5 °C; möglicher Bereich 1 bis 2 °Cetwa 10 JahreVerlust wichtiger ökologischer und gesellschaftlicher Funktionen
Atlantische Umwälzzirkulation4 °C; möglicher Bereich 1,4 bis 8 °Cetwa 50 Jahre; geschätzter Bereich 15 bis 300 Jahreveränderte Temperatur- und Niederschlagsmuster
Beispiel

Beim grönländischen Eisschild senken Schmelze und Gletscherabfluss die bis zu 3 km hohe Eisoberfläche. Dadurch gelangt sie in wärmere Luftschichten, was weiteres Abschmelzen begünstigt.

Die Angabe „knapp 1,5 °C“ bedeutet nicht, dass bei diesem Wert sofort 7 m Meeresspiegelanstieg eintreten. Sie bezeichnet die beste Abschätzung für das Anstoßen des Übergangs. Der nahezu vollständige Eisverlust würde sich anschließend über einen sehr langen Zeitraum entwickeln.

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Frage 1 von 1MittelDie Erwärmung erreicht beim grönländischen Eisschild die wahrscheinliche Schwelle. Welche Schlussfolgerung passt zu den Angaben?
Lösung: Ein langfristiger, sich selbst verstärkender Eisverlust kann angestoßen werden; seine vollständige Wirkung tritt nicht sofort ein. — Trenne Auslöser, Dauer und Folge: Ein Schwellenwert beschreibt den möglichen Beginn eines Übergangs, nicht den Zeitpunkt seiner vollständigen Folge.
Wie liest du Schwellenwerte und Unsicherheit?

Eine Schreibweise wie „3 °C (2 bis 4 °C)“ enthält zwei verschiedene Informationen:

  • 3 °C ist die beste Abschätzung dafür, ab wann ein Kippen wahrscheinlich wird.
  • Zwischen 2 und 4 °C könnte die Schwelle nach den ausgewerteten Studien ebenfalls liegen.

Der Bereich ist keine scharf abgegrenzte sichere Zone. Er zeigt, dass die genaue Schwelle unsicher ist. Auch die wissenschaftliche Sicherheit wird getrennt bewertet: „hoch“, „mittel“ oder „gering“ beschreibt hier, wie viele relevante Studien vorliegen und wie gut ihre Ergebnisse übereinstimmen. Eine geringe Sicherheit bedeutet nicht, dass ein Schaden gering wäre.

Schwellenwert, Prozessdauer und Folgen dürfen deshalb nicht vermischt werden. Ein Kippvorgang kann bei einer bestimmten Erwärmung angestoßen werden, über Jahrzehnte bis mehr als 10.000 Jahre ablaufen und sehr große Folgen haben.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Ein Kippelement ist das , der Kipppunkt seine . Ein in Klammern genannter Temperaturbereich zeigt eine . Eine geringe wissenschaftliche Sicherheit bedeutet nicht automatisch, dass der mögliche Schaden ist.

Lösungen: Lücke 1: System; Lücke 2: kritische Schwelle; Lücke 3: Unsicherheitsbandbreite; Lücke 4: klein. Trenne immer vier Fragen: Welches System? Welche Schwelle? Wie lange dauert der Übergang? Wie sicher ist die Abschätzung? Eine unsichere Studienlage ist nicht mit einem kleinen Schaden gleichzusetzen.
Können Kippelemente einander beeinflussen?

Das Erdsystem ist vernetzt. Veränderungen eines Elements können ein anderes beeinflussen. So kann Schmelzwasser den Salzgehalt und damit die Dichte des Meerwassers senken. Dadurch kann die Tiefenwasserbildung im Nordatlantik geschwächt werden, die zur Atlantischen Umwälzzirkulation gehört.

Solche Wechselwirkungen können weitere Kipppunkte begünstigen und Kippkaskaden auslösen. Eine Kaskade ist eine mögliche Kette, in der das Kippen eines Systems das Kippen weiterer Systeme wahrscheinlicher macht. Sie ist keine Behauptung, dass jedes Kippelement zwangsläufig alle anderen mitreißt.

Gut zu wissen

Auch gegenläufig wirkende regionale Temperaturänderungen heben die globale Erwärmung nicht einfach auf. Ein Kollaps einer Meeresströmung könnte den Nordatlantik regional abkühlen und zugleich Niederschlagsmuster, Monsune und Kohlenstoffsenken verändern. Solche Wirkungen lassen sich nicht wie einfache Temperaturzahlen addieren.

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Frage 1 von 1SchwerNach starkem Eisverlust gelangt mehr Süßwasser in den Nordatlantik. Welche Begründung beschreibt eine mögliche Verbindung zur Atlantischen Umwälzzirkulation am besten?
Lösung: Weniger salziges Wasser ist weniger dicht; dadurch kann die Tiefenwasserbildung und damit ein Antrieb der Umwälzung schwächer werden. — Eine Wechselwirkung erhöht ein Risiko, beweist aber keinen sofortigen Kollaps. Entscheidend sind hier Salzgehalt, Dichte und Tiefenwasserbildung.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Kippelemente
    • Schwellenverhalten
      • Kippelement = System
      • Kipppunkt = kritische Schwelle
    • Mechanismen
      • selbstverstärkende Rückkopplung
      • Eis-Albedo, Permafrost, Wald und Meeresströmung
    • Einordnung
      • 9 Kern-Kippelemente
      • 7 regionale Kippelemente
    • Angaben richtig lesen
      • beste Schwellenabschätzung und möglicher Bereich
      • Prozessdauer und wissenschaftliche Sicherheit
    • Folgen
      • regionale und globale Veränderungen
      • mögliche Wechselwirkungen und Kippkaskaden
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas beschreibt eine selbstverstärkende Rückkopplung?
Lösung: Die Wirkung eines Prozesses verstärkt den ursprünglichen Prozess. — Bei einer selbstverstärkenden Rückkopplung führt die Wirkung zurück zum Ausgangsprozess und treibt ihn weiter an.
Frage 2 von 3MittelEine Angabe lautet „4 °C (3 bis 6 °C), geringe Sicherheit“. Wie liest du sie richtig?
Lösung: 4 °C ist die beste Schwellenabschätzung, 3 bis 6 °C der mögliche Bereich; die Studienlage ist unsicher. — Halte Schwelle, Bandbreite, Prozessdauer, Folgen und wissenschaftliche Sicherheit auseinander.
Frage 3 von 3SchwerIn einer neuen Situation schmilzt eine helle Schneedecke und legt dunklen Boden frei. Welche Entwicklung wäre eine selbstverstärkende Rückkopplung?
Lösung: Der dunkle Boden nimmt mehr Sonnenenergie auf, die Umgebung erwärmt sich und noch mehr Schnee schmilzt. — Übertrage die Eis-Albedo-Logik: Weniger helle Fläche führt zu stärkerer Energieaufnahme und begünstigt weiteren Verlust der hellen Fläche.

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