Klimadiagramm auswerten: Anleitung in 4 Schritten
Ein Klimadiagramm wertest du in vier Schritten aus: orientieren, Werte ermitteln, den Jahresverlauf beschreiben und das Klima begründet einordnen. Dabei vergleichst du Temperatur und Niederschlag, statt einzelne Werte nur aufzuzählen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
1. Zuerst das Diagramm lesen
Ein Klimadiagramm zeigt für einen Ort die durchschnittlichen Monatstemperaturen und monatlichen Niederschlagssummen eines Jahres. Du erkennst damit typische Jahresverläufe, nicht das Wetter eines einzelnen Tages.
Klimadiagramm
Ein Klimadiagramm stellt den durchschnittlichen Jahresgang von Temperatur und Niederschlag an einer Klimastation dar.
Prüfe vor der Auswertung:
- Wie heißt die Station?
- Wo liegt sie und wie hoch liegt sie über dem Meeresspiegel?
- Beginnt die Zeitachse mit Januar oder mit einem anderen Monat?
- Welche Einheiten und Skalierungen verwenden die Achsen?
- Sind Jahresmitteltemperatur und Jahresniederschlag angegeben?
Auf der x-Achse stehen die zwölf Monate. Die linke y-Achse zeigt meist die Temperatur in Grad Celsius, die rechte y-Achse den Niederschlag in Millimetern. Häufig ist die Temperaturkurve rot und die Niederschlagskurve blau dargestellt. Verlasse dich trotzdem auf Achsenbeschriftungen und Einheiten, nicht nur auf Farben.
Ein Millimeter Niederschlag entspricht einem Liter Wasser pro Quadratmeter.
2. Kennwerte ablesen und berechnen
Notiere zuerst die Temperaturwerte:
- Jahresmitteltemperatur
- wärmster Monat mit Temperatur
- kältester Monat mit Temperatur
- Temperaturamplitude
Die Temperaturamplitude ist der Unterschied zwischen dem wärmsten und dem kältesten Monatsmittel:
$$A = T_{max} - T_{min}$$
Eine Temperaturdifferenz gibst du in Kelvin an. Der Zahlenwert einer Differenz ist in Grad Celsius und Kelvin gleich.
Danach folgen die Niederschlagswerte:
- Jahresniederschlag
- niederschlagsreichster Monat mit Wert
- niederschlagsärmster Monat mit Wert
Für Nürnberg sind folgende Werte angegeben:
- wärmster Monat: Juli mit
17,8 °C - kältester Monat: Januar mit
−0,8 °C - Jahresmitteltemperatur:
8,6 °C - Jahresniederschlag:
743 mm - Niederschlagsmaximum: Juni mit
89 mm - Niederschlagsminimum: Februar mit
46 mm
Für die Amplitude musst du die negative Januartemperatur in Klammern setzen:
17,8 °C − (−0,8 °C) = 18,6 K
Das Minus vor der Klammer macht aus dem zweiten Minus ein Plus. Die Temperaturamplitude beträgt daher 18,6 K.
3. Den Jahresverlauf beschreiben
Eine gute Beschreibung verbindet Einzelwerte zu einem Verlauf. Nenne deshalb:
- Anstieg und Rückgang der Temperatur im Jahreslauf
- Sommermaximum und Winterminimum
- starke oder geringe Temperaturschwankungen
- Verteilung und Schwankung des Niederschlags
- niederschlagsreiche und niederschlagsarme Jahreszeiten
Für Nürnberg ergibt sich: Die Temperatur hat ein deutliches Sommermaximum und Winterminimum. Die Jahreszeiten sind wegen der Amplitude von 18,6 K gut erkennbar. Die Niederschläge schwanken weniger stark, zeigen aber ein Sommermaximum.
Humide und aride Monate erkennen
Bei einem Klimadiagramm mit dem Achsenverhältnis 2:1 liegen 10 °C und 20 mm auf derselben Höhe. Nur bei dieser Skalierung kannst du die Lage der beiden Kurven direkt vergleichen.
Humid und arid
Ein Monat ist humid oder feucht, wenn die Niederschlagskurve über der Temperaturkurve liegt. Er ist arid oder trocken, wenn die Temperaturkurve über der Niederschlagskurve liegt.
Die zugehörige Trockengrenze lässt sich als Niederschlag = 2 × Temperatur ausdrücken.
Prüfe zuerst die Skalierung. Ohne die 2:1-Beziehung darfst du Trockenheit nicht allein aus dem Abstand der Kurven ableiten.
Vegetationsperiode bestimmen
Als Vegetationsperiode gilt hier der Zeitraum, in dem
- die Monatsmitteltemperatur über
5 °Cliegt und - humide Bedingungen herrschen.
Für Nürnberg sind alle zwölf Monate humid. Von April bis Oktober liegt die Durchschnittstemperatur über 5 °C. Die Vegetationsperiode umfasst deshalb sieben Monate.
4. Das Klima begründen und einordnen
Erst nach der Beschreibung folgt die Interpretation. Trenne dabei Beobachtung und Erklärung:
- Beobachtung: Die Temperaturamplitude ist groß.
- mögliche Erklärung: Ein Standort im Binnenland steht weniger unter dem ausgleichenden Einfluss des Meeres.
Wichtige Standortfaktoren sind:
- Halbkugel: Auf der Nordhalbkugel liegt das Temperaturmaximum typischerweise zwischen Juni und August, auf der Südhalbkugel zwischen November und Januar.
- Meeresnähe: Ozeannahe Orte sind häufig feuchter und haben geringere Temperaturunterschiede.
- Binnenlage: Im kontinentalen Binnenland schwanken Temperaturen meist stärker und Niederschläge können geringer sein.
- Höhenlage: Mit zunehmender Höhe sinkt die Temperatur; Niederschläge steigen häufig, aber nicht ausnahmslos.
- Gebirge und Relief: Sie können den Weg feuchter Luftmassen beeinflussen.
Für Nürnberg nennt das Ausgangsmaterial die gemäßigte Klimazone und ein warmgemäßigtes Übergangsklima. Zwölf humide Monate und eine siebenmonatige Vegetationsperiode schaffen günstige Voraussetzungen für landwirtschaftlichen Anbau.
Ein Klimadiagramm zeigt Zusammenhänge, beweist aber nicht allein deren Ursache. Formuliere deshalb vorsichtig: „Die geringe Amplitude passt zum Meereseinfluss“ ist genauer als „Das Meer ist sicher die einzige Ursache“.
So gliederst du eine vollständige Auswertung:
- Station, Höhe, Koordinaten und Halbkugel nennen.
- Temperatur- und Niederschlagskennwerte ablesen.
- Temperaturamplitude berechnen.
- Jahresverläufe sowie humide und aride Monate beschreiben.
- Vegetationsperiode bestimmen.
- Beobachtungen mit passenden Standortfaktoren erklären.
- Klima- und gegebenenfalls Vegetationszone begründet zuordnen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Klimadiagramm auswerten
- Orientieren: Station, Lage, Höhe und Achsen prüfen
- Ermitteln: Jahreswerte, Extreme und Amplitude bestimmen
- Beschreiben: Temperatur- und Niederschlagsgang untersuchen
- Ableiten: humide, aride und Vegetationsmonate erkennen
- Begründen: Meer, Binnenlage, Höhe und Relief prüfen
- Einordnen: Klima- und Vegetationszone begründet zuordnen
Abschluss-Check
Du kannst ein Klimadiagramm vollständig auswerten, wenn du ablesen, berechnen, beschreiben und begründen klar voneinander trennst. Prüfe besonders Vorzeichen, Einheiten und das Achsenverhältnis, bevor du Schlussfolgerungen ziehst.
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