Diagramm auswerten: Anleitung in drei Schritten
Ein Diagramm wertest du sicher aus, wenn du zuerst orientierst, dann markante Daten beschreibst und erst danach erklärst und folgerst. So trennst du das, was wirklich zu sehen ist, von Vermutungen über Ursachen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Zuerst orientieren
Stell dir vor, du siehst viele Säulen, Linien oder Kreissektoren. Beginne nicht sofort mit einzelnen Zahlen. Kläre erst, was dargestellt wird und wie du die Werte lesen musst.
Prüfe diese Punkte:
- Thema: Was zeigt das Diagramm?
- Diagrammart: Handelt es sich zum Beispiel um ein Säulen-, Balken-, Linien- oder Kreisdiagramm?
- Raum und Zeitraum: Auf welchen Ort und welche Zeit beziehen sich die Daten?
- Achsen und Skalen: Was steht auf der waagerechten x-Achse, was auf der senkrechten y-Achse? In welchen Abständen steigt die Skala?
- Einheit und Zahlenart: Sind es etwa Personen, Tonnen oder Prozent? Prozentwerte sind relative Angaben; Stückzahlen sind absolute Angaben.
- Quelle und Datum: Wer hat die Daten veröffentlicht und wann?
Diagrammart
Die Diagrammart ist die Form der Darstellung. Ein Liniendiagramm zeigt besonders gut Entwicklungen über die Zeit. Säulen und Balken erleichtern Vergleiche. Ein Kreisdiagramm zeigt Anteile an einem Ganzen.
Lies Überschrift, Achsen, Skalen und Einheiten, bevor du eine Zahl deutest.
Markante Daten beschreiben
Beim Beschreiben hältst du dich an das Sichtbare. Wähle Werte aus, die für die Aussage wichtig sind, statt jede Zahl aufzuzählen.
Achte besonders auf:
- höchste und niedrigste Werte;
- deutliche Unterschiede und Rangfolgen;
- Zunahme, Abnahme oder Stagnation;
- gleichmäßige Verläufe, Sprünge und Schwankungen;
- ungewöhnliche Abweichungen.
Maximum und Minimum
Das Maximum ist der höchste, das Minimum der niedrigste dargestellte Wert. Nenne bei Zeitreihen auch den zugehörigen Zeitpunkt.
Ein Säulendiagramm vergleicht die Leuchtkraft mehrerer Figuren. Aira erreicht 50 %, Suri 90 %.
Eine genaue Beschreibung lautet: „Bei der Leuchtkraft erreicht Suri mit 90 % den höheren Wert. Airas Wert liegt bei 50 %.“
Der Satz beschreibt den sichtbaren Vergleich. Er behauptet noch nicht, warum sich die Werte unterscheiden.
Hilfreiche Formulierungen sind:
- „Der Anteil liegt bei …“
- „Den höchsten Wert erreicht …“
- „Im Vergleich zu … ist der Wert höher oder niedriger.“
- „Von … bis … steigt oder sinkt der Wert.“
- „Auffällig ist, dass …“
Erklären und folgern
Jetzt fragst du: Wie könnten die Werte zusammenhängen? Welche Ursache ist möglich? Welche Schlussfolgerung trägt das Diagramm?
Trenne drei Ebenen:
- Beobachtung: „Die Linie steigt von Januar bis April.“
- Erklärung: „Eine mögliche Ursache für den Anstieg ist …“
- Schlussfolgerung: „Die Entwicklung lässt vermuten, dass …“
Eine Erklärung folgt nicht automatisch aus einem gemeinsamen Verlauf. Zwei Größen können gleichzeitig steigen, ohne dass die eine die andere verursacht. Dieser gemeinsame Verlauf heißt Korrelation. Für einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang brauchst du zusätzliche fachliche Informationen.
Nutze vorsichtige Formulierungen wie „möglicherweise“, „lässt vermuten“ oder „deutet darauf hin“. Sie zeigen ehrlich, dass eine Ursache nicht direkt abgelesen wurde.
In einem Liniendiagramm steigt Airas Wert von Januar bis April; im April erreicht er 300. Daraus darfst du beschreiben, dass der Wert bis April zunimmt und dort seinen Höchststand erreicht.
Nicht allein aus der Linie folgt, warum der Wert steigt. Eine Ursache wäre ohne weitere Angaben nur eine Vermutung und müsste als solche gekennzeichnet werden.
Die Darstellung kritisch prüfen
Ein Diagramm kann korrekt aussehen und trotzdem wenig aussagekräftig sein. Prüfe deshalb nicht nur die Werte, sondern auch ihre Darstellung.
Frage dich:
- Fehlen Einheit, Zeitraum, Raum oder Bezugsgröße?
- Ist erkennbar, ob absolute Zahlen oder Prozentwerte gezeigt werden?
- Beginnt die Skala an einem unerwarteten Wert oder hat sie ungleiche Abstände?
- Sind Quelle und Veröffentlichungsdatum angegeben?
- Passt der Titel zu den tatsächlich dargestellten Daten?
- Reichen die Daten für die behauptete Schlussfolgerung aus?
Bezugsgröße
Die Bezugsgröße sagt, worauf sich ein Wert bezieht. „30 %“ ist erst eindeutig, wenn klar ist: 30 % wovon und aus welcher Gruppe?
Fehlende Angaben sind kein Detail: Ohne Einheit, Zeitraum oder Bezugsgröße kann ein Zahlenwert missverständlich sein.
Eine Auswertung formulieren
Eine vollständige Auswertung wird klar, wenn jeder Absatz eine Aufgabe übernimmt.
- Einleitung: Nenne Thema, Diagrammart, Raum, Zeitraum, Einheit und – falls angegeben – Quelle.
- Beschreibung: Ordne markante Werte, Vergleiche und Entwicklungen. Belege Aussagen mit passenden Zahlen.
- Erklärung: Deute mögliche Zusammenhänge und Ursachen. Trenne sichere Beobachtungen von Vermutungen.
- Fazit: Fasse die wichtigste Aussage zusammen und nenne gegebenenfalls eine Grenze der Daten.
Zu dem Säulendiagramm mit den Leuchtkraftwerten könntest du schreiben:
„Das Säulendiagramm vergleicht die Leuchtkraft mehrerer Figuren in Prozent. Suri erreicht mit 90 % einen höheren Wert als Aira mit 50 %. Das Diagramm zeigt damit einen deutlichen Unterschied zwischen beiden Werten. Warum dieser Unterschied besteht, geht aus den dargestellten Daten nicht hervor.“
Die Auswertung nennt Form, Thema, Einheit und Vergleich. Sie erfindet keine Ursache und benennt die Grenze der Aussage.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Eine Diagrammauswertung beginnt mit der . Danach werden markante Werte . Mögliche Ursachen werden von sichtbaren getrennt. Im Fazit steht die wichtigste Aussage samt möglicher .
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Diagramm auswerten
- Orientieren
- Thema, Form, Achsen, Einheit, Raum und Zeit
- Quelle und Datum
- Beschreiben
- Extremwerte, Vergleiche und Entwicklungen
- Nur markante Daten auswählen
- Erklären
- Ursachen als belegt oder möglich kennzeichnen
- Korrelation nicht mit Ursache verwechseln
- Prüfen
- Bezugsgröße, Skala und fehlende Angaben
- Aussagekraft begrenzen
- Folgern
- Wichtigste Erkenntnis und vorsichtiges Fazit
- Orientieren
Abschluss-Check
Prüfe, ob du die Methode auch auf neue Diagramme übertragen kannst.
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