Erdkunde

Statistik auswerten: Schritt für Schritt

Statistik auswerten: Schritt für Schritt
Statistik auswerten: Schritt für Schritt
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Eine Statistik wertest du in drei klar getrennten Schritten aus: Formales erfassen, Daten beschreiben und Ergebnisse deuten. Danach prüfst du kritisch, wie zuverlässig die Darstellung ist und welche Aussagen sie wirklich erlaubt.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Den Auswertungsauftrag klären

Statistiken können als Tabelle, Linien-, Säulen-, Balken-, Kreis- oder Punktdiagramm erscheinen. Bevor du einzelne Werte untersuchst, klärst du den Rahmen.

Notiere:

  1. Thema und Diagrammart,
  2. dargestellten Raum und Zeitraum,
  3. Achsen, Skalen und Einheiten,
  4. absolute Zahlen oder relative Anteile,
  5. Quelle und Erscheinungsdatum.
Definition

Absolute und relative Werte

Absolute Werte geben eine Anzahl oder Messgröße direkt an, etwa 100 Personen. Relative Werte setzen eine Größe ins Verhältnis zu einer Bezugsgröße, etwa 60 Prozent aller Befragten.

Ohne Bezugsgröße bleibt eine Prozentangabe unvollständig. Auch eine abgeschnittene oder ungewöhnlich eingeteilte Achse kann Unterschiede größer erscheinen lassen, als sie tatsächlich sind.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Angabe gehört zur formalen Einordnung?
Lösung: Zeitraum, Raum, Einheit und Quelle — Die formale Einordnung klärt zunächst, was dargestellt wird und unter welchen Bedingungen du die Werte lesen musst.
Frage 2 von 2MittelEine Grafik nennt „60 %“, aber keine Bezugsgruppe. Was ist die treffendste Reaktion?
Lösung: Die Angabe ist ohne Bezugsgröße nur eingeschränkt verständlich. — Ein relativer Wert braucht eine Bezugsgröße. Erst dann weißt du, worauf sich die 60 % beziehen.
Sichtbare Daten beschreiben

Bei der Beschreibung bleibst du zunächst bei dem, was die Statistik zeigt. Du erklärst noch nicht, warum ein Muster entstanden ist.

Achte besonders auf:

  • Höchst- und Tiefstwerte,
  • Zu- und Abnahmen,
  • gleichbleibende Phasen,
  • starke Schwankungen,
  • Unterschiede zwischen Gruppen,
  • Ausreißer und auffällige Wendepunkte.

Zähle nicht jeden Wert auf. Beginne mit dem wichtigsten Befund und belege ihn anschließend mit passenden Zahlen und Einheiten.

Beispiel

Eine sachliche Beschreibung lautet: „Das Temperaturmaximum liegt im Juli bei 17,4 °C, das Minimum im Januar bei −1,7 °C.“

Der Satz „Der warme Juli wird durch den Klimawandel verursacht“ wäre dagegen bereits eine Ursachendeutung. Die beiden abgelesenen Werte allein belegen diese Ursache nicht.

Nützliche Formulierungen sind beispielsweise:

  • „Im Zeitraum von … bis … steigt der Wert …“
  • „Den höchsten Wert erreicht …“
  • „Im Vergleich zu … liegt … höher.“
  • „Auffällig ist, dass …“
  • „Insgesamt bleibt … nahezu unverändert.“
Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Zuerst prüfst du das . Danach du sichtbare Muster. Erst im dritten Schritt du die Beobachtungen.

Lösungen: Lücke 1: Formale; Lücke 2: beschreibst; Lücke 3: deutest. Die Reihenfolge verhindert, dass Vermutungen als abgelesene Tatsachen erscheinen: einordnen, beschreiben, deuten.
Kennzahlen passend auswählen

Welche Kennzahl sinnvoll ist, hängt vom Skalenniveau der Daten ab.

Definition

Skalenniveau

Das Skalenniveau beschreibt, welche Vergleiche zwischen Werten erlaubt sind. Bei einer Nominalskala lassen sich Kategorien nur unterscheiden. Eine Ordinalskala besitzt zusätzlich eine Rangfolge. Bei einer Intervallskala lassen sich auch Abstände zwischen Werten sinnvoll vergleichen.

  • Modus: der am häufigsten vorkommende Wert; auch für nominale Kategorien wie Wohnorte geeignet.
  • Median: der mittlere Wert einer sortierten Reihe; für geordnete Daten geeignet.
  • Mittelwert: Summe aller Beobachtungen geteilt durch ihre Anzahl.
  • Quartile: Das untere Quartil Q1 trennt die unteren 25 %, das obere Quartil Q3 die unteren 75 % der sortierten Werte ab.
  • Standardabweichung: Quadratwurzel der Varianz; sie beschreibt die Streuung in derselben Einheit wie die untersuchte Größe.

Ein Boxplot macht Median, Quartile und mögliche Ausreißer sichtbar. Ein Histogramm zeigt, wie häufig Werte in bestimmten Wertebereichen vorkommen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Kennzahl passt zu ungeordneten Kategorien wie Wohnorten?
Lösung: der Modus — Der Modus bezeichnet die am häufigsten vorkommende Kategorie und setzt keine Rangfolge voraus.
Frage 2 von 2MittelSchulnoten besitzen eine Rangfolge, aber ihre Abstände sind nicht eindeutig quantifizierbar. Welche Einordnung passt?
Lösung: Ordinalskala; der Median ist sinnvoll. — Schulnoten sind ordinal: Ihre Reihenfolge ist festgelegt, die Abstände dürfen aber nicht ohne Weiteres wie Messabstände behandelt werden.
Zusammenhänge vorsichtig deuten

Bei der Deutung verbindest du die beschriebenen Muster mit Fachwissen. Formuliere klar, ob eine Erklärung belegt oder nur möglich ist.

Merke

Wenn sich zwei Größen gemeinsam verändern, kann eine Korrelation, also ein statistischer Zusammenhang, vorliegen. Sie beweist allein noch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung.

Verwende bei einer nicht nachgewiesenen Erklärung vorsichtige Formulierungen:

  • „Das Muster könnte damit zusammenhängen, dass …“
  • „Die Werte lassen vermuten, dass …“
  • „Für einen ursächlichen Zusammenhang wären weitere Nachweise nötig.“

Prüfe außerdem die Datenqualität:

  • Ist die Quelle aktuell und fachlich geeignet?
  • Werden Erhebungsmethode und Zahl der untersuchten Personen genannt?
  • Passt die Stichprobe zu der Gruppe, über die eine Aussage getroffen wird?
  • Können politische oder wirtschaftliche Interessen die Auswahl oder Darstellung beeinflussen?
  • Fehlen Bezugsgrößen, Einheiten oder wichtige Vergleichsdaten?
Teste dich
Frage 1 von 2MittelZwei Werte steigen im selben Zeitraum. Welche Schlussfolgerung ist zulässig?
Lösung: Es besteht ein gemeinsames Muster; eine Ursache ist damit noch nicht bewiesen. — Eine Korrelation ist ein statistischer Zusammenhang. Für eine kausale Aussage brauchst du zusätzliche Belege und eine passende Untersuchungsmethode.
Frage 2 von 2SchwerEine Befragung soll Aussagen über alle Jugendlichen eines Landes erlauben. Welcher Punkt ist besonders wichtig?
Lösung: Die befragte Gruppe muss die betroffene Gesamtgruppe angemessen repräsentieren. — Eine verallgemeinernde Aussage ist nur tragfähig, wenn Auswahl und Zusammensetzung der Stichprobe zur Zielgruppe passen.
Eine Statistik vollständig auswerten

Die folgenden Angaben stammen aus einem Klimadiagramm zur Station Ulm: Höhe 571 m, Jahresmitteltemperatur 7,9 °C, Temperaturmaximum 17,4 °C im Juli und Temperaturminimum −1,7 °C im Januar. Die Werte beruhen auf langjährigen Mittelwerten über 30 Jahre.

Beispiel

1. Formales: Dargestellt sind Klimadaten der Station Ulm. Ort, Höhe und Art der Werte sind bekannt. Ein Erscheinungsjahr und eine genaue Quellenangabe fehlen in den vorliegenden Angaben; das muss als Grenze genannt werden.

2. Beschreibung: Das Temperaturmaximum wird im Juli mit 17,4 °C erreicht. Der niedrigste Monatswert liegt im Januar bei −1,7 °C. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 7,9 °C.

3. Berechnung: Die Temperaturamplitude ist die Differenz aus höchstem und niedrigstem Monatsmittel:

$$17{,}4\,^\circ\mathrm{C} - (-1{,}7\,^\circ\mathrm{C}) = 19{,}1\,^\circ\mathrm{C}$$

Die Temperaturamplitude beträgt somit 19,1 °C.

4. Deutung: Das sommerliche Maximum und das winterliche Minimum passen zu einer Station auf der Nordhalbkugel. Diese Deutung stützt sich auf den Jahresgang, nicht auf einen einzelnen Wert.

5. Kritische Grenze: Die überlieferten Angaben zur Unterscheidung arider und humider Monate sind widersprüchlich, und die Grafik ist nicht sichtbar. Deshalb lässt sich diese Einordnung hier nicht zuverlässig vornehmen.

Eine gute Auswertung benennt also nicht nur Ergebnisse. Sie macht auch sichtbar, welche Aussagen wegen fehlender oder widersprüchlicher Angaben offenbleiben.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWarum werden bei der Temperaturamplitude 17,4 °C und −1,7 °C voneinander abgezogen?
Lösung: Die Amplitude ist die Differenz zwischen Maximum und Minimum. — Beim Abziehen einer negativen Zahl vergrößert sich die Differenz: 17,4 − (−1,7) ergibt 19,1 °C.
Frage 2 von 2SchwerWie gehst du mit der widersprüchlichen Angabe zu ariden und humiden Monaten um?
Lösung: Du kennzeichnest die Unsicherheit und verzichtest auf eine nicht abgesicherte Einordnung. — Kritisches Auswerten bedeutet auch, die Grenzen des Materials offenzulegen.
Vertiefung: Statistische Tests verstehen

Mit deskriptiver Statistik beschreibst du vorhandene Daten. Mit Inferenzstatistik prüfst du anhand einer Stichprobe eine Hypothese über einen größeren Zusammenhang.

Ein Test beginnt mit zwei Aussagen:

  • Nullhypothese H0: Es besteht kein untersuchter Unterschied oder Zusammenhang.
  • Alternativhypothese HA: Der untersuchte Unterschied oder Zusammenhang besteht.

Vor dem Test wird ein Signifikanzniveau $\alpha$ festgelegt, häufig 5 %. Danach wird der p-Wert mit $\alpha$ verglichen:

$$p < \alpha \;\Rightarrow\; H_0 \text{ verwerfen}$$

Wird H0 nicht verworfen, ist sie damit nicht bewiesen. Die Daten reichen dann lediglich nicht aus, um sie nach der gewählten Regel abzulehnen.

Im vorliegenden Gruppenvergleich beträgt der p-Wert des unabhängigen t-Tests 0,001. Bei einem Signifikanzniveau von 0,05 wird die Nullhypothese gleicher Durchschnittsgewichte verworfen. Gruppe 1 wiegt in der Stichprobe durchschnittlich etwa 7 kg mehr als Gruppe 2.

Vor der Entscheidung müssen die Voraussetzungen des Tests geprüft werden. Im Beispiel gehören dazu eine intervallskalierte Zielvariable, Normalverteilung innerhalb der Gruppen und annähernd gleiche Varianzen.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelFür einen Test gilt $p=0{,}001$ und $\alpha=0{,}05$. Welche Entscheidung folgt aus der angegebenen Regel?
Lösung: H0 wird verworfen. — 0,001 ist kleiner als 0,05. Daher wird H0 nach der Entscheidungsregel verworfen.
Frage 2 von 2SchwerEin Test ist nicht signifikant. Welche Aussage ist korrekt?
Lösung: H0 wird nicht verworfen, aber dadurch nicht bewiesen. — Auch ein nicht signifikantes Ergebnis muss im Zusammenhang mit Voraussetzungen, Stichprobe und Fragestellung beurteilt werden.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Statistik auswerten
    • Formales: Thema, Raum, Zeit, Einheit, Quelle
    • Beschreiben: Muster, Extremwerte, Entwicklungen
    • Berechnen: passende Kennzahlen und Einheiten
    • Deuten: mögliche Zusammenhänge vorsichtig formulieren
    • Prüfen: Erhebung, Stichprobe, Interessen, Darstellung
    • Begrenzen: Fehlendes und Widersprüche offen nennen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelcher Schritt steht am Anfang einer systematischen Auswertung?
Lösung: Thema, Darstellung, Raum, Zeit, Einheiten und Quelle erfassen — Die formale Einordnung schafft den Rahmen für alle weiteren Aussagen.
Frage 2 von 3MittelWelche Beschreibung trennt Beobachtung und Deutung korrekt?
Lösung: „Der Wert steigt von 2018 bis 2020; als mögliche Erklärung müsste der Kontext geprüft werden.“ — Zuerst wird das sichtbare Muster beschrieben. Eine Erklärung folgt vorsichtig und benötigt zusätzliche Belege.
Frage 3 von 3SchwerEine aktuelle Grafik zeigt Prozentwerte ohne Bezugsgruppe, nutzt eine stark verkürzte Achse und nennt keine Erhebungsmethode. Wie lautet das beste Urteil?
Lösung: Die Werte sind nur eingeschränkt beurteilbar; Bezugsgruppe, Achsenskalierung und Erhebung müssen offengelegt werden. — Eine belastbare Auswertung prüft nicht nur Zahlen, sondern auch Bezugsgröße, Darstellung und Zustandekommen der Daten.

Du kannst eine Statistik sicher auswerten, wenn du Einordnung, Beschreibung, Berechnung, Deutung und Kritik auseinanderhältst. Besonders wichtig ist die Grenze zwischen dem, was die Daten zeigen, und dem, was du daraus nur vermuten kannst.

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