Quellenkritik in Geographie: Quellen sicher prüfen
Bei der Quellenkritik fragst du nicht nur: Was behauptet eine Quelle? Du prüfst auch, wer sie erstellt hat, wann und wozu sie entstand, worauf ihre Aussagen beruhen und welche Grenzen sie hat. So entscheidest du, wofür du sie sinnvoll verwenden kannst.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was bedeutet „Quelle“ in der Geographie?
Das Wort Quelle hat in der Geographie zwei verschiedene Bedeutungen.
Erkenntnisquelle
Eine Erkenntnisquelle liefert Informationen, mit denen du eine geographische Frage untersuchst. Das können Texte, Karten, Tabellen, Diagramme, Bilder oder Datensätze sein.
In der Physischen Geographie bezeichnet eine Quelle dagegen einen Ort, an dem Wasser an die Oberfläche tritt und anschließend dem Gefälle folgt. Welche Bedeutung gemeint ist, erkennst du am Zusammenhang.
- „Die Quelle des Flusses liegt am Berghang.“ – Gemeint ist ein Ort, an dem Wasser austritt.
- „Nenne die Quelle des Diagramms.“ – Gemeint ist die Herkunft der dargestellten Informationen.
Mit fünf Prüffragen zur begründeten Bewertung
Eine Quelle ist nicht automatisch brauchbar oder unbrauchbar. Ihre Eignung hängt davon ab, welche Frage du beantworten möchtest.
- Wer? Wer ist verantwortlich: eine Forschungseinrichtung, eine Behörde, eine Redaktion oder eine einzelne Person?
- Wann? Wann entstand die Quelle? Ist dieser Zeitpunkt für deine Frage passend?
- Was? Um welchen Dokumenttyp handelt es sich, und was sagt die Quelle tatsächlich aus?
- Wozu? Soll sie Forschungsergebnisse berichten, einen Überblick geben, Quellen erschließen, Regeln erklären oder die eigene Arbeit vorstellen?
- Wie? Auf welche Daten, Beobachtungen, Texte oder Methoden stützt sich die Aussage? Welche Angaben fehlen oder bleiben unsicher?
Ein bekannt klingender Herausgeber ersetzt die Prüfung nicht. Entscheidend ist, ob Inhalt, Entstehung und Grenzen zur eigenen Fragestellung passen.
Du möchtest historische Vorstellungen von Geographie untersuchen. Ein alter Originaltext kann dafür sehr wertvoll sein. Für eine Aussage über den heutigen Forschungsstand reicht sein Alter allein aber nicht aus. Derselbe Text ist somit für eine Frage geeignet und für eine andere nur eingeschränkt geeignet.
Dokumenttypen richtig einordnen
Verschiedene Dokumenttypen leisten Unterschiedliches:
- Ein Lexikoneintrag erklärt einen Begriff knapp. Er bietet meist wenig Raum für Methoden, Gegenpositionen oder ausführliche Begründungen.
- Ein enzyklopädischer Überblick ordnet ein breites Thema. Fehlende oder beschädigte Textteile schränken seine Verwendbarkeit ein.
- Ein Quellenindex erschließt Dokumente und Themen. Die Aufnahme eines Werkes bestätigt dessen Aussagen noch nicht.
- Ein Zitationsleitfaden erklärt Regeln für einen bestimmten fachlichen oder institutionellen Zusammenhang. Er ist keine überall verbindliche Norm.
- Eine Selbstdarstellung einer Forschungsabteilung beschreibt Schwerpunkte und Vorhaben. Sie belegt nicht automatisch, dass bereits entsprechende Forschungsergebnisse vorliegen.
Achte auch auf Übertragungsfehler. Wenn Namen, Wörter oder Beschriftungen bei einer Texterfassung fehlen, darfst du die Lücken nicht durch Vermutungen füllen. Kennzeichne stattdessen, was unklar bleibt.
Karten, Diagramme und Daten kritisch lesen
Auch eine übersichtliche Darstellung kann wichtige Angaben auslassen oder einen irreführenden Eindruck erzeugen. Prüfe deshalb:
- Was zeigen Titel, Legende und Beschriftungen?
- Welche Größe und welche Einheit werden dargestellt?
- Auf welchen Raum und welchen Zeitraum beziehen sich die Daten?
- Woher stammen die Daten, und von wann sind sie?
- Sind Achsen, Klassen, Maßstab oder Ausschnitt nachvollziehbar gewählt?
- Werden Unsicherheiten, fehlende Werte oder Bearbeitungen kenntlich gemacht?
- Passt die Schlussfolgerung wirklich zu den dargestellten Daten?
Korrelation
Eine Korrelation ist ein statistischer Zusammenhang zwischen zwei Größen. Sie zeigt für sich allein noch nicht, dass die eine Größe die andere verursacht.
In einem Diagramm steigen zwei Kurven im selben Zeitraum. Du darfst zunächst beschreiben, dass beide dargestellten Werte zunehmen. Die Behauptung „Die erste Entwicklung verursacht die zweite“ benötigt jedoch zusätzliche Belege und eine plausible Erklärung des Zusammenhangs.
Aussagen und Belege nachvollziehbar verbinden
Quellenangaben ermöglichen intersubjektive Nachvollziehbarkeit: Andere Menschen können prüfen, auf welcher Grundlage eine Aussage beruht.
Ein häufig verwendeter geographischer Kurzbeleg enthält Nachname, Erscheinungsjahr und Seitenzahl, zum Beispiel (Müller 2009, 12). Dieser Kurzbeleg muss eindeutig zu einem vollständigen Eintrag im Literaturverzeichnis führen. Es gibt jedoch mehrere zulässige Zitiersysteme; innerhalb einer Arbeit muss die gewählte Form einheitlich bleiben.
- Ein direktes Zitat übernimmt den genauen Wortlaut und steht in Anführungszeichen.
- Ein indirektes Zitat gibt einen Gedanken mit eigenen Worten wieder und nennt ebenfalls den Beleg.
- Auch übernommene oder veränderte Karten, Tabellen und Abbildungen benötigen einen Quellen- oder Datennachweis.
Die Nachweiskette lautet: Aussage → Kurzbeleg → eindeutiger Vollbeleg → Überprüfung.
Eine Quellenbewertung selbst formulieren
Eine gute Bewertung nennt nicht bloß „seriös“ oder „unseriös“. Sie verbindet Beobachtung, Grenze und Verwendungsentscheidung.
Material: Eine indexartige Seite verzeichnet historische geographische Werke vom 17. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Viele Einträge bestehen nur aus Titeln; einige Linktexte fehlen.
Bewertung: Die Seite ist geeignet, um historische Werke und Themenfelder zu finden. Sie liefert jedoch keine zusammenhängende Prüfung der verzeichneten Aussagen. Fehlende Linktexte begrenzen außerdem die eindeutige Zuordnung einzelner Einträge. Aussagen über den heutigen Forschungsstand lassen sich mit dieser Seite allein nicht belegen.
Wende nun dieses Muster an:
- Benenne Dokumenttyp und Zweck.
- Nenne eine konkret erkennbare Stärke.
- Beschreibe eine belegte Grenze oder fehlende Angabe.
- Entscheide, für welche Frage die Quelle geeignet ist.
- Formuliere keine weitergehende Behauptung, die das Material nicht trägt.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Quellenkritik in Geographie
- Herkunft: verantwortliche Person oder Institution und Entstehungszeit
- Funktion: Dokumenttyp, Zielgruppe und Zweck
- Grundlage: Daten, Beobachtungen, Texte und Methoden
- Darstellung: Einheit, Maßstab, Achsen, Legende und Auswahl
- Bewertung: Eignung für die konkrete Frage und erkennbare Grenzen
- Nachweis: Kurzbeleg und eindeutiger Vollbeleg
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