Massenbewegungen: Ursachen, Formen und Schutz
Massenbewegungen verlagern Fels, Boden oder Lockermaterial durch die Schwerkraft hangabwärts. Zum Abrutschen kommt es, wenn die hangabwärts wirkende Belastung den verfügbaren Widerstand des Materials übersteigt. Manche Massenbewegungen verlaufen dagegen als sehr langsame Verformung, das sogenannte Kriechen.
Du lernst, Einflussfaktoren der Hangstabilität zu erkennen, Bewegungsformen zu unterscheiden und Schutzmaßnahmen zu begründen. Die Übungssituationen sind fiktiv; Schwanden ist ein reales Fallbeispiel.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wann gerät ein Hang in Bewegung?
Auf jedes Material am Hang wirkt die Schwerkraft. Ein Teil dieser Kraft zieht die Masse hangabwärts. Gleichzeitig halten Reibung, die Bindung zwischen Körnern und feste Hindernisse das Material zurück.
Eine Rutschung setzt ein, wenn die hangabwärts wirkende Belastung die Festigkeit des Materials übersteigt. Die Schwächung des Hangs kann plötzlich geschehen oder sich über lange Zeit entwickeln.
Kohäsion
Kohäsion ist die Bindung zwischen den Körnern eines Materials. Ist diese Bindung gering, kann sich das Material leichter lösen.
Innere Reibung
Die innere Reibung entsteht, wenn sich Körner gegenseitig an der Bewegung hindern. Eckige Körner können sich stärker verkanten als rundere Körner.
Vergleichst du dieselbe Masse auf unterschiedlich geneigten Flächen, wirkt bei größerer Neigung mehr von ihrer Gewichtskraft hangabwärts und weniger senkrecht auf die Fläche. Ein steiler Hang ist deshalb unter sonst gleichen Bedingungen anfälliger als ein flacher Hang.
Die Scherfestigkeit beschreibt, wie stark ein Material dem Verschieben entlang einer Fläche widerstehen kann. Wird diese Belastungsgrenze überschritten, kann es abscheren und abrutschen.
Fiktives Beispiel: Vergleiche zwei Hänge aus demselben lockeren Material. Hang A ist flach, Hang B sehr steil. Bei Hang B wirkt ein größerer Anteil der Schwerkraft hangabwärts. Sind Kohäsion und innere Reibung zu gering, wird dort die Belastungsgrenze eher überschritten.
Der entscheidende Gedanke lautet: Nicht die Schwerkraft erscheint erst beim Abrutschen. Sie wirkt ständig. Verändert wird das Gleichgewicht zwischen antreibenden und haltenden Kräften.
Ein Hang besitzt eine Sicherheitsreserve gegen Abrutschen, solange der verfügbare Widerstand größer ist als die antreibende Belastung. Bei Gleichheit ist die Grenze erreicht; schon eine kleine Veränderung kann eine Rutschung auslösen.
Welche Bewegungsformen gibt es?
Massenbewegungen lassen sich danach unterscheiden, wie sich das Material bewegt. Die Tabelle zeigt vier wichtige Formen; daneben gibt es beispielsweise Kippen. Übergänge und Kombinationen sind möglich.
| Bewegungsform | Kennzeichen | Beispiel |
|---|---|---|
| Stürzen | Material löst sich und fällt oder stürzt einen steilen Hang hinab. | Felssturz oder Bergsturz |
| Gleiten | Eine zusammenhängende Masse bewegt sich auf einer Gleitfläche. | Hang- oder Bergrutschung |
| Fließen | Lockermaterial bewegt sich als verformbare Masse. | Murgang |
| Kriechen | Lockermaterial bewegt sich sehr langsam hangabwärts. | Kriechdenudation |
Beim Gleiten trennt eine ebene oder gekrümmte Gleitfläche die bewegte Masse vom zunächst ruhenden Untergrund. Abnehmendes Gefälle, eine Barriere oder ein Gegenhang können die Bewegung abbremsen.
Beim Fließen verändert sich die Masse während der Bewegung stärker. Ein Murgang transportiert ein Gemisch aus Wasser, Erde, Schlamm und gröberem Material durch ein meist steiles Bachbett. Fließt eine solche Masse direkt über einen Hang, spricht man von einer Hangmure.
Das Kriechen ist oft kaum wahrnehmbar. Dabei verformt sich Material sehr langsam hangabwärts, etwa durch wiederholtes Ausdehnen und Zusammenziehen des Bodens. Es muss nicht zu einem plötzlichen Bruch kommen.
Eine Bewegung muss nicht während ihres gesamten Verlaufs zur gleichen Form gehören. Eine zunächst gleitende Masse kann sich stärker verformen und in eine fließende Bewegung übergehen. Solche Abläufe heißen komplexe Massenbewegungen.
Wie verändern Wasser und andere Auslöser den Hang?
Wasser wirkt nicht immer gleich. In teilweise feuchtem Boden können Wasserbrücken zwischen Körnern diese zusammenhalten. Dahinter stehen Kapillarkräfte, also Kräfte des Wassers in sehr engen Zwischenräumen. Das kennst du von leicht feuchtem Sand, der seine Form besser hält als völlig trockener Sand.
Starker oder lang anhaltender Niederschlag kann einen Hang dagegen destabilisieren. Dringt Wasser ein, kann die stabilisierende Saugwirkung im Boden nachlassen. Staut sich Wasser in den Zwischenräumen, den Poren, steigt dort der Porenwasserdruck. Die Körner werden dann weniger stark gegeneinander gedrückt: Der Reibungswiderstand sinkt und Material kann leichter abrutschen. Wasser kann außerdem die Masse des Hangs vergrößern. Entscheidend sind deshalb auch die Durchlässigkeit des Materials und der Wasserabfluss.
Wasser kann Boden zusammenhalten, aber auch schwächen. Besonders steigender Porenwasserdruck kann den Widerstand gegen Abrutschen vermindern.
Weitere wichtige Auslöser und Risikoverstärker sind:
- Erdbeben: Erschütterungen belasten den Hang zusätzlich und können sein Material schwächen.
- Menschliche Eingriffe: Rodung, Bergbau, Hanganschnitte sowie Straßen-, Schienen- und Siedlungsbau können einen Hang schwächen oder zusätzlich belasten.
- Vegetationsverlust: Weniger Wurzeln bedeuten weniger Bindung im Boden.
- Auftauender Permafrost: Permafrost ist Untergrund, dessen Temperatur mindestens zwei Jahre durchgehend höchstens 0 °C beträgt. Erwärmt er sich und taut Eis in Klüften oder Poren, können Bindungen schwächer werden und neue Wasserwege entstehen. Das kann Fels oder Lockermaterial destabilisieren.
- Verwitterung und Hangunterschneidung: Material wird geschwächt oder am Hangfuß nicht mehr ausreichend gestützt.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Bei lang anhaltendem Niederschlag kann der im Hang steigen. Nimmt die Haftung zwischen Bodenschichten ab, werden die Kräfte schwächer. Bei einem Erdbeben können Schichten werden. Dichte Durchwurzelung kann einen Hang eher .
Wie wird aus dem Naturprozess eine Gefahr?
Eine Massenbewegung ist zunächst ein natürlicher geomorphologischer Prozess. Ein Schadensrisiko entsteht dort, wo Menschen, Gebäude, Verkehrswege oder andere Infrastruktur getroffen werden können. Es hängt auch davon ab, wie wahrscheinlich ein Ereignis ist und wie verletzlich die Betroffenen sind.
Die Folgen hängen deshalb nicht nur von der Bewegungsform ab. Wichtig sind auch:
- Menge und Geschwindigkeit des Materials;
- Verlauf und Reichweite der Bewegung;
- Lage von Siedlungen und Verkehrswegen;
- vorhandene Schutz- und Warnmöglichkeiten.
In Schwanden in der Schweiz rutschten nach heftigen Regenfällen am 29. August 2023 nach ersten Schätzungen etwa 30.000 Kubikmeter Material aus dem Gebiet Wagenrunse in das Dorf.
Das Beispiel zeigt eine Wirkungskette:
- Heftiger Niederschlag verändert den Wasserhaushalt des Hangs.
- Ein Teil des Hangs wird instabil.
- Eine große Erdmasse bewegt sich hangabwärts.
- Weil sich ein Dorf im möglichen Bewegungsraum befindet, sind Menschen und Infrastruktur gefährdet.
Die Niederschlagsmenge allein beschreibt die Gefahr also noch nicht vollständig. Auch der Bewegungsweg und die betroffenen Nutzungen müssen untersucht werden.
Bei einer Gefahrenanalyse helfen drei Fragen:
- Was kann sich bewegen? Untersuche Material, Bewegungsform und mögliche Menge.
- Warum könnte es sich bewegen? Prüfe Hangneigung, Wasser, Vegetation, Erschütterungen und menschliche Eingriffe.
- Was liegt im möglichen Weg? Erfasse Menschen, Gebäude, Straßen und andere Infrastruktur.
Wie helfen Monitoring und Schutzmaßnahmen?
Gefährdete Hänge werden beobachtet, damit Veränderungen früh erkannt werden. Monitoring bedeutet eine geplante, wiederholte oder kontinuierliche Überwachung.
Sensornetzwerke können unter anderem messen:
- Bewegungen und Veränderungen der Neigung;
- Porenwasserdruck;
- Bodenfeuchte und Niederschlag.
Die Messwerte werden gesammelt, ausgewertet und dargestellt. Fernerkundung, etwa die Beobachtung durch Satelliten oder Drohnen, liefert zusätzliche Daten für Gefahrenkarten. So erhalten Behörden eine Grundlage für Warnungen, Sperrungen oder weitere Schutzmaßnahmen.
Fiktives Beispiel: An einem überwachten Hang steigen nach langem Regen die Bodenfeuchtewerte. Gleichzeitig verändert sich seine Neigung. Ein einzelner Messwert beweist noch nicht, wann der Hang abrutschen wird. Die Kombination der Veränderungen ist aber ein wichtiges Warnsignal und muss bewertet werden.
Mögliche Vorsorgemaßnahmen setzen an verschiedenen Stellen an:
- gefährdete Bereiche kartieren und bei der Raumplanung berücksichtigen;
- Vegetation und stabilisierende Wurzeln erhalten;
- Hänge beim Straßen- oder Siedlungsbau nicht unbedacht anschneiden oder überlasten;
- Wasser gezielt ableiten, wenn dies fachgerecht geplant wurde;
- Bewegungen durch Sensoren und Fernerkundung beobachten;
- bei zunehmender Gefahr warnen, sperren oder räumen.
Monitoring verhindert die Schwerkraft nicht. Es kann Veränderungen sichtbar machen und dadurch rechtzeitige Entscheidungen ermöglichen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Massenbewegung
- Antrieb: Schwerkraft zieht Material hangabwärts
- Stabilität: Hangneigung, Material, Kohäsion, Reibung und Wasser
- Formen: Stürzen, Gleiten, Fließen und Kriechen
- Auslöser: Niederschlag, Erdbeben, Permafrostverlust und menschliche Eingriffe
- Gefahr: Bewegungsweg trifft Menschen oder Infrastruktur
- Vorsorge: Kartierung, Monitoring, Raumplanung und Warnung
Abschluss-Check
Für eine begründete Gefahreneinschätzung verbindest du drei Fragen: Was kann sich bewegen, wodurch wird es instabil und wer oder was liegt im möglichen Weg?
Mit Google fortfahren