Hochgebirge: Merkmale, Entstehung und Höhenstufen
Ein Hochgebirge ist nicht einfach nur ein sehr hoch gelegenes Gebiet. Entscheidend sind vor allem große Höhenunterschiede auf engem Raum, durchstoßene Landschaftsgürtel und formende Prozesse wie Lawinen, Muren oder Bergstürze. Weil diese Merkmale nicht überall gleich ausgeprägt sind, gibt es keine einzige Definition, die jeden Grenzfall eindeutig löst.
Auf dieser Seite lernst du, Hochgebirge begründet abzugrenzen, die Entstehung der Alpen nachzuvollziehen und Veränderungen mit zunehmender Höhe zu erklären.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du ein Hochgebirge?
Steile Felswände, tiefe Täler und schroffe Grate wirken typisch für ein Hochgebirge. Für eine fachliche Einordnung reicht dieser erste Eindruck jedoch nicht aus. Du musst mehrere Merkmale zusammen betrachten.
Reliefenergie
Die Reliefenergie beschreibt den Höhenunterschied zwischen hohen und tiefen Punkten eines Gebietes. Ein Hochgebirge erreicht häufig mindestens 1.000 Meter Reliefenergie. Dieser Wert ist ein wichtiges Richtmaß, aber keine ausnahmslose Grenze.
Zum Vergleich nennt das Ausgangsmaterial folgende Größenordnungen:
- Hügelland: weniger als 200 Meter Reliefenergie
- Mittelgebirge: mehr als 200 Meter Reliefenergie
- Hochgebirge: meist mindestens 1.000 Meter Reliefenergie
Ein zweites Merkmal ist das Durchstoßen eines Landschaftsgürtels. Damit ist gemeint, dass sich Klima, Vegetation oder andere Landschaftseigenschaften beim Aufstieg deutlich verändern.
Ein drittes Merkmal sind Prozesse, bei denen sich Schnee, Eis, Wasser oder Gestein unter dem Einfluss der Schwerkraft hangabwärts bewegen. Dazu gehören Lawinen, Muren, Steinschlag und Bergstürze. Sie prägen beispielsweise Rinnen, steile Wände und Schutthalden.
Ein Hochgebirge erkennst du nicht an einer einzelnen Höhenzahl. Prüfe Reliefenergie, Höhenstufung und landschaftsformende Prozesse gemeinsam.
Warum reicht die Meereshöhe nicht aus?
Die absolute Höhe gibt an, wie hoch ein Ort über dem Meeresspiegel liegt. Sie sagt noch nicht, wie stark die Landschaft in seiner Umgebung gegliedert ist.
Teile des tibetischen Hochlandes liegen etwa 5.000 Meter über dem Meeresspiegel. Ihre Reliefenergie kann dennoch unter 1.000 Metern bleiben. Das Gebiet liegt dann insgesamt sehr hoch, besitzt aber vergleichsweise geringe örtliche Höhenunterschiede.
Der entscheidende Gedanke lautet: hoch gelegen bedeutet nicht automatisch stark reliefiert.
Auch andere Kriterien führen zu Grenzfällen. Harz, Schwarzwald und Erzgebirge könnten als Hochgebirge erscheinen, wenn ihre waldfreien Gipfel als Durchstoßung des Waldgürtels gelten. Das Vinson-Massiv in der Antarktis ist 4.897 Meter hoch und ragt etwa 1.500 Meter aus dem Inlandeis. Nach einem ausschließlich an Gletscherhöhenstufen orientierten Ansatz wäre es trotzdem kein Hochgebirge.
Diese Beispiele zeigen: Wald-, Schnee- oder Vegetationsgrenzen hängen vom jeweiligen Klima ab. Sie eignen sich daher nicht überall als allgemeine Definition.
Wie entstehen die Alpen?
Gebirgsbildung beginnt im Erdinneren. Solche von Kräften aus dem Erdinneren angetriebenen Vorgänge nennt man endogene Prozesse. Bei den Alpen wirkten sie über sehr lange Zeiträume.
Die Entwicklung lässt sich vereinfacht in einer Prozessfolge darstellen:
- Vor rund 250 Millionen Jahren lag zwischen Eurasien und Afrika das flache Meer Tethys.
- Am Meeresboden sammelten sich Gesteinsschutt und Reste von Lebewesen. Daraus entstand unter anderem Kalkstein.
- Später bewegte sich die Afrikanische Platte nach Norden und drückte gegen den eurasischen Kontinent.
- Der Druck stauchte und faltete die Gesteinsschichten.
- Einige gefaltete Schichten wurden wie Dachziegel übereinandergeschoben. Solche großen überschobenen Gesteinspakete heißen Gesteinsdecken.
- Gestein wurde im Erdinneren aufgeschmolzen. Aufsteigendes Magma erstarrte teilweise unter der Erdoberfläche zu Granit.
- Das zusammengestauchte Gebiet hob sich schließlich über den Meeresspiegel.
Deshalb unterscheiden sich auch die Gesteine innerhalb der Alpen: In den Zentralalpen kommt unter anderem Granit vor, in den nördlichen und südlichen Alpen Kalkstein.
Tektonische Kräfte bauen das Gebirge auf: Sie stauchen, falten, überschieben und heben Gestein.
Wie erhält das Gebirge seine heutige Form?
Die Hebung allein erzeugt noch keine fertige Hochgebirgslandschaft. Von außen wirkende, sogenannte exogene Prozesse tragen Gestein ab und formen das Relief weiter.
Flüsse schnitten sich in das aufsteigende Gebirge ein und transportierten Abtragungsschutt in das Alpenvorland. Während der Kaltzeiten bewegten sich mächtige Gletscher durch die Täler. Sie schliffen den Untergrund aus und verbreiterten die Täler.
Trogtal
Ein Trogtal ist ein durch einen Gletscher ausgeformtes Tal mit breitem Talboden und steilen Talflanken. Sein Querschnitt erinnert an den Buchstaben U.
Entdeckst du ein breites Tal mit steilen Flanken, passt diese Form zur Wirkung eines früheren Gletschers. Ein enges Flusstal allein wäre dagegen noch kein ausreichender Beleg für Gletschererosion.
Bis heute wirken außerdem Massenbewegungen:
- Bei einer Lawine bewegt sich Schnee rasch hangabwärts.
- Eine Mure führt ein Gemisch aus Wasser, Lockermaterial und Gestein talwärts.
- Bei Steinschlag oder einem Bergsturz löst sich Gestein vom Hang.
Diese Vorgänge verändern Hänge und Täler. Sie können zugleich Menschen, Siedlungen und Verkehrswege gefährden.
Warum verändert sich die Landschaft beim Aufstieg?
Mit zunehmender Höhe sinkt im Allgemeinen die Temperatur. Dadurch ändern sich auf kurzer Strecke die Bedingungen für Böden und Pflanzen. Es entstehen Höhenstufen mit unterschiedlicher Vegetation.
Am Vierwaldstätter See beginnt ein Aufstieg auf etwa 434 Metern. Bis zum 2.122 Meter hohen Pilatus werden laut Ausgangsmaterial in ungefähr fünf Stunden vier Vegetationszonen durchquert. In der Ebene müsste man für vergleichbar deutliche räumliche Veränderungen viel weiter reisen.
Die genaue Lage einer Wald-, Schnee- oder Vegetationsgrenze ist jedoch nicht überall gleich. Sie hängt unter anderem vom regionalen Klima ab. Deshalb darfst du die Höhenstufen eines feuchten Gebirges nicht unverändert auf trockene Gebirge übertragen.
Die Höhenstufung macht räumliche Unterschiede besonders anschaulich: Auf kurzer waagerechter Entfernung ändern sich Höhe, Temperatur und Vegetation deutlich. Die Stufen sind aber keine weltweit festen Höhenbänder.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Hochgebirge
- Abgrenzung: Reliefenergie, Landschaftsgürtel und Formungsprozesse
- Aufbau: Plattenbewegung, Faltung, Überschiebung und Hebung
- Abtragung: Flüsse, Gletscher und Massenbewegungen
- Höhenstufung: Veränderung von Temperatur und Vegetation
- Grenzfälle: absolute Höhe allein genügt nicht
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