Hochgebirge: Merkmale, Entstehung und Höhenstufen
Woran erkennst du ein Hochgebirge? Typisch sind große Höhenunterschiede auf engem Raum, steile Hänge und ein deutlicher Wandel von Klima und Vegetation mit der Höhe. Wasser, Eis und herabstürzendes Gestein formen die Landschaft. Eine große Höhe über dem Meer allein genügt zur Einordnung nicht; auch eine weltweit eindeutige Höhengrenze gibt es nicht.
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Woran erkennst du ein Hochgebirge?
Steile Felswände, tiefe Täler und schroffe Grate wirken typisch für ein Hochgebirge. Für eine fachliche Einordnung reicht dieser erste Eindruck jedoch nicht aus. Du musst mehrere Merkmale zusammen betrachten.
Reliefenergie
Die Reliefenergie beschreibt den Höhenunterschied zwischen dem höchsten und dem tiefsten Punkt innerhalb eines festgelegten Gebietes. Für Hochgebirge wird häufig ein Richtwert von mindestens 1.000 Metern genannt. Er ist keine ausnahmslose Grenze.
Für einen Vergleich musst du auch die Größe des betrachteten Gebietes beachten: Ein kleiner Kartenausschnitt kann andere Höhenunterschiede zeigen als ein ganzes Gebirge.
Fiktives Rechenbeispiel: In einem festgelegten Kartenausschnitt liegt der tiefste Punkt auf 800 Metern und der höchste auf 2.600 Metern über dem Meer.
Die Reliefenergie berechnest du durch Subtraktion: 2.600 m − 800 m = 1.800 m. Die absolute Höhe des höchsten Punktes beträgt dagegen 2.600 m. Beide Angaben beschreiben also unterschiedliche Eigenschaften.
Ein zweites Merkmal ist das Überschreiten einer Landschaftsgrenze, zum Beispiel der klimatischen Waldgrenze. Oberhalb dieser Grenze reichen die Wärmebedingungen für geschlossenen Wald nicht mehr aus. Ein Gebirge kann so mehrere Höhenstufen durchziehen: Bereiche mit unterschiedlichen Klima- und Vegetationsbedingungen.
Ein drittes Merkmal sind Prozesse, bei denen sich Schnee, Eis, Wasser oder Gestein unter dem Einfluss der Schwerkraft hangabwärts bewegen. Dazu gehören Lawinen, Muren, Steinschlag und Bergstürze. Sie prägen beispielsweise Rinnen, steile Wände und Schutthalden. Solche Vorgänge kommen auch außerhalb von Hochgebirgen vor und beweisen für sich allein noch keine Hochgebirgslage.
Ein Hochgebirge erkennst du nicht an einer einzelnen Höhenzahl. Prüfe Reliefenergie, Höhenstufung und landschaftsformende Prozesse gemeinsam.
Warum reicht die Meereshöhe nicht aus?
Die absolute Höhe gibt an, wie hoch ein Ort über dem Meeresspiegel liegt. Sie sagt noch nicht, wie stark die Landschaft in seiner Umgebung gegliedert ist.
Teile des tibetischen Hochlandes liegen etwa 5.000 Meter über dem Meeresspiegel. Ihre Reliefenergie kann dennoch unter 1.000 Metern bleiben. Das Gebiet liegt dann insgesamt sehr hoch, besitzt aber vergleichsweise geringe örtliche Höhenunterschiede.
Der entscheidende Gedanke lautet: hoch gelegen bedeutet nicht automatisch stark reliefiert.
Auch eine waldfreie Gipfelfläche genügt nicht als Beweis. Bäume können etwa durch Wind oder menschliche Nutzung fehlen. Umgekehrt beginnen Gebirge in sehr trockenen oder polaren Regionen schon ohne Wald. Die heutige Waldgrenze eignet sich deshalb nicht als weltweit gültiges Einzelkriterium.
Wie entstehen die Alpen?
Die äußere feste Hülle der Erde besteht aus beweglichen Platten. Ihre Bewegungen und die dadurch ausgelöste Gebirgsbildung gehören zu den endogenen Prozessen: Sie werden von Kräften aus dem Erdinneren angetrieben.
Die Alpen entstanden über viele Millionen Jahre. Die Entwicklung lässt sich vereinfacht so darstellen:
- Ablagerung: Zwischen Europa und dem afrikanisch-adriatischen Raum lagen Meeresgebiete der Tethys. Am Meeresboden sammelten sich Sedimente, also abgelagertes Material. Kalkhaltige Ablagerungen, etwa Schalenreste von Meerestieren, verfestigten sich zu Kalkstein.
- Schließung des Meeres: Die Platten näherten sich einander. Ozeanische Plattenteile tauchten unter andere Platten ab. Diesen Vorgang nennt man Subduktion.
- Kollision und Stauchung: Schließlich trafen kontinentale Plattenteile aufeinander. Neben Europa und Afrika war besonders die Adriatische Platte beteiligt. Die Gesteine wurden gestaucht, gefaltet und übereinandergeschoben.
- Deckenbildung und Hebung: Große überschobene Gesteinspakete heißen Gesteinsdecken. Durch das Zusammenschieben wurde die Erdkruste verdickt und das Gebirge angehoben. Die Vorgänge überlappten sich zeitlich; sie waren keine scharf getrennten Schritte.
In den nördlichen Kalkalpen findest du deshalb heute Meeresablagerungen hoch über dem Meer. Die Alpen bestehen aber nicht nur aus ehemaligen Meeressedimenten: Auch ältere Gesteine der kontinentalen Kruste wurden in den Gebirgsbau einbezogen.
Tektonische Kräfte bauen das Gebirge auf: Sie stauchen, falten, überschieben und heben Gestein.
Wie erhält das Gebirge seine heutige Form?
Die Hebung allein erzeugt noch keine fertige Hochgebirgslandschaft. Von außen wirkende, sogenannte exogene Prozesse formen das Relief weiter. Verwitterung zerkleinert oder verändert Gestein am Ort; Erosion trägt Material ab. Wasser, Eis und Schwerkraft transportieren es weiter.
Flüsse schnitten sich in das aufsteigende Gebirge ein und transportierten Abtragungsschutt in das Alpenvorland. Während der Kaltzeiten bewegten sich mächtige Gletscher durch die Täler. Sie schliffen den Untergrund aus und verbreiterten die Täler.
Trogtal
Ein Trogtal ist ein durch einen Gletscher ausgeformtes Tal mit breitem Talboden und steilen Talflanken. Sein Querschnitt erinnert an den Buchstaben U.
Entdeckst du ein breites Tal mit steilen Flanken, passt diese Form zur Wirkung eines früheren Gletschers. Ein enges Flusstal allein wäre dagegen noch kein ausreichender Beleg für Gletschererosion.
Bis heute wirken außerdem Massenbewegungen:
- Bei einer Lawine bewegt sich Schnee rasch hangabwärts.
- Eine Mure führt ein Gemisch aus Wasser, Lockermaterial und Gestein talwärts.
- Bei Steinschlag oder einem Bergsturz löst sich Gestein vom Hang.
Diese Vorgänge verändern Hänge und Täler. Sie können zugleich Menschen, Siedlungen und Verkehrswege gefährden.
Warum verändert sich die Landschaft beim Aufstieg?
Mit zunehmender Höhe sinkt im Allgemeinen die Temperatur. Dadurch ändern sich die Wachstumsbedingungen der Pflanzen. Die Vegetationsperiode, also die Zeit mit geeigneten Bedingungen für das Pflanzenwachstum, wird meist kürzer.
In den Alpen kannst du vereinfacht folgende Höhenstufen unterscheiden:
- Montane Stufe: Bergwälder, je nach Region mit Laub- und Nadelbäumen.
- Subalpine Stufe: Höher gelegene Bergwälder und der Übergang zu niedrigen Gehölzen. An der Waldgrenze löst sich der geschlossene Wald auf; einzelne Bäume können noch höher wachsen.
- Alpine Stufe: Oberhalb der Baumgrenze wachsen vor allem niedrige Gräser, Kräuter und Zwergsträucher. Alpine Rasen sind natürliche Pflanzengesellschaften, keine gemähten Gartenrasen.
- Nivale Stufe: Schnee, Eis, Fels und Schutt prägen die Landschaft. Auf geeigneten schneefreien Stellen können noch einzelne spezialisierte Pflanzen wachsen.
Die Übergänge sind fließend. Ihre Höhe hängt unter anderem von Klima, Sonneneinstrahlung, Wind und Landnutzung ab. Deshalb darfst du die Höhenstufen der Alpen nicht unverändert auf jedes andere Gebirge übertragen.
Waldgrenze und Baumgrenze sind verschieden: Die Waldgrenze bezeichnet die obere Grenze des geschlossenen Waldes. Die Baumgrenze liegt dort, wo auch einzelne aufrecht wachsende Bäume ihre obere Grenze erreichen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Hochgebirge
- Abgrenzung: Reliefenergie, Höhenstufen und Formungsprozesse
- Aufbau: Plattenbewegung, Faltung, Überschiebung und Hebung
- Abtragung: Flüsse, Gletscher und Massenbewegungen
- Höhenstufung: Veränderung von Temperatur und Vegetation
- Grenzfälle: absolute Höhe allein genügt nicht
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