Hochgebirgsklima: Höhe, Luv und Höhenstufen
Im Hochgebirge ändern sich die Klimabedingungen auf engem Raum: Mit zunehmender Höhe sinkt meist die Lufttemperatur und die ultraviolette Strahlung nimmt zu. Hochlagen sind im Mittel oft windreicher, und Gebirgshänge lenken feuchte Luft nach oben. Dadurch unterscheiden sich Luv und Lee, Vegetation und Nutzung oft schon über kurze Entfernungen deutlich.
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Warum ändert sich das Klima mit der Höhe?
Stell dir vor, du fährst von Ehrwald auf etwa 1.000 m Höhe bis zur Zugspitze auf etwa 3.000 m. Obwohl beide Orte nah beieinanderliegen, triffst du oben meist auf niedrigere Temperaturen, stärkeren Wind und andere Vegetation.
Das liegt an zwei Eigenschaften eines Hochgebirges:
- Höhe: Mit zunehmender Höhe sinken Lufttemperatur und Luftdruck. Gleichzeitig nimmt die ultraviolette Strahlung zu.
- Relief: Hänge, Täler und Gipfel zwingen Luft zum Aufsteigen oder lenken sie um. So entstehen kleinräumige Unterschiede bei Wind, Wolken und Niederschlag.
Hochgebirgsklima
Das Hochgebirgsklima ist die besonders stark ausgeprägte Form des Gebirgsklimas. Typisch sind große Unterschiede auf engem Raum, die durch Höhenlage, Hanglage und Geländeform entstehen.
Ein Hochgebirge ist deshalb nicht überall gleich kalt, windig oder feucht. Ein windexponierter Gipfel kann stark durchlüftet sein, während in einem Tal der Luftaustausch schwach bleibt.
Im Hochgebirge zählt nicht nur die Höhe. Auch Ausrichtung, Hanglage, Talform und Anströmung entscheiden über das Klima eines Ortes.
Wie berechnest du die Temperaturänderung?
Für einfache Schulaufgaben kannst du mit einer Temperaturabnahme von 0,65 °C je 100 Höhenmeter rechnen. Das ist ein Richtwert und keine Garantie für jeden Ort und jeden Zeitpunkt.
Gehe in drei Schritten vor:
- Bestimme den Höhenunterschied.
- Teile ihn durch 100 m.
- Multipliziere die Anzahl der 100-m-Schritte mit 0,65 °C.
Ehrwald liegt bei etwa 1.000 m, die Zugspitze bei etwa 3.000 m. Wie groß ist die rechnerische Temperaturabnahme?
Höhenunterschied:
$$3.000\,\text{m} - 1.000\,\text{m} = 2.000\,\text{m}$$
Anzahl der 100-m-Schritte:
$$2.000\,\text{m} : 100\,\text{m} = 20$$
Temperaturabnahme:
$$20 \cdot 0{,}65\,^{\circ}\text{C} = 13\,^{\circ}\text{C}$$
Nach dem Richtwert ist es auf der Zugspitze etwa 13 °C kälter als in Ehrwald. Das Ergebnis beschreibt nur den Einfluss des Höhenunterschieds im vereinfachten Modell; Wetterlage und Standort können den tatsächlichen Wert verändern.
Probiere es selbst
Ein Ort liegt auf 1.500 m, ein Gipfel auf 2.500 m. Unten werden 12 °C gemessen. Welche Temperatur erwartest du oben nach dem Richtwert?
Warum regnet es auf einer Gebirgsseite mehr?
Feuchte Luft wird an der windzugewandten Seite eines Gebirges nach oben gelenkt.
- Feuchte Luft trifft auf das Gebirge.
- Sie steigt auf und kühlt sich dabei ab.
- Wolken bilden sich; Niederschlag fällt.
- Hinter dem Kamm sinkt die nun trockenere Luft ab und erwärmt sich.
- Wolken lösen sich auf; es fällt weniger Niederschlag.
Luv und Lee
Luv ist die dem Wind zugewandte Seite eines Gebirges. Lee ist die windabgewandte Seite. Im Lee liegt häufig ein Regenschatten, also ein Gebiet mit weniger Niederschlag als auf der Luvseite.
Der durch das erzwungene Aufsteigen entstehende Niederschlag heißt orographischer Niederschlag oder Steigungsregen. Bei überwiegendem Westwind liegt zum Beispiel die Westseite eines Gebirges im Luv und die Ostseite im Lee. Dreht der Wind, können sich diese Rollen ändern.
Feuchte Luft strömt von Westen gegen ein Gebirge. An der Westseite steigt sie auf, kühlt ab und bringt Regen. Hinter dem Kamm sinkt sie auf der Ostseite ab und erwärmt sich. Die Westseite ist in dieser Situation das Luv; die Ostseite liegt im trockeneren Lee.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Feuchte Luft steigt an der auf und . Dabei können Wolken und entstehen. Hinter dem Kamm sinkt die Luft im ab und erwärmt sich.
Wie entstehen Höhenstufen und Höhengrenzen?
Weil sich die Temperatur und weitere Klimabedingungen mit der Höhe ändern, verändern sich auch Pflanzenwuchs und Nutzung. Daraus entstehen Höhenstufen. Ihre Benennungen und genauen Höhenlagen sind nicht überall gleich.
Für die Alpen wird von unten nach oben häufig folgende Abfolge beschrieben:
- kollin: Laubwald; Obstanbau kann möglich sein
- submontan: Misch- und Laubwald
- montan: Nadelwald
- subalpin: oberhalb geschlossener Wälder noch einzelne Bäume
- alpin: vor allem Gräser, Wiesen und Moose
- nival: ganzjähriger Schnee; kein Pflanzenwachstum
Die Stufen liegen nicht überall auf derselben Höhe. Sie hängen unter anderem vom Klima, von der geographischen Breite und von der Ausrichtung eines Hanges ab.
Wichtige Höhengrenzen
Die Waldgrenze ist das höchste Niveau, bis zu dem zusammenhängende Waldstücke vorkommen. Oberhalb der Baumgrenze können keine hochstämmigen Bäume mehr bestehen, weil die Vegetationsperiode zu kurz ist. Oberhalb der Schneegrenze bleibt Schnee ganzjährig liegen.
Waldgrenze und Baumgrenze sind nicht dasselbe: Zusammenhängender Wald endet tiefer oder spätestens dort, wo auch einzelne hochstämmige Bäume nicht mehr wachsen können.
Welche Folgen hat das Hochgebirgsklima?
Die klimatischen Gegensätze beeinflussen Natur und Menschen zugleich.
Strahlung und Wind
Bei wolkenlosem Himmel ist die direkte und besonders die ultraviolette Strahlung in größerer Höhe stärker. Schnee und Wolken können Strahlung zusätzlich reflektieren. Zugleich nimmt die mittlere Windgeschwindigkeit in Hochlagen zu, doch geschützte Täler können schlecht durchlüftet sein.
Schnee und Ökosysteme
Wind verteilt Schnee ungleichmäßig. Weil im Hochgebirge ein größerer Anteil des Niederschlags als Schnee fallen kann, wirken sich solche Unterschiede stark auf Standorte und Pflanzen aus.
Nutzung und Bauen
In tieferen Lagen sind je nach Breitenlage und örtlichem Klima Acker- oder Obstanbau möglich. Höhere Hänge werden eher als Weiden genutzt. Gebäude müssen die hohen klimatischen Belastungen berücksichtigen.
Belastung für den Körper
Mit der Höhe sinkt der Luftdruck. Dadurch steht dem nicht angepassten Körper ein geringerer Sauerstoffpartialdruck zur Verfügung: Atmung und Herztätigkeit nehmen zu. Ab etwa 3.000 m können krankhafte Beschwerden häufiger auftreten.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Hochgebirgsklima
- Höhe → Temperatur und Luftdruck nehmen ab
- Relief → Wind, Aufsteigen und Niederschlag verändern sich
- Luv → Abkühlung, Wolken und Steigungsregen
- Lee → Absinken, Erwärmung und Regenschatten
- Höhenstufen → Vegetation und Nutzung verändern sich
- Höhengrenzen → Waldgrenze, Baumgrenze und Schneegrenze
- Mensch → stärkere körperliche und bauliche Belastungen
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