Satellitenbilder sicher auswerten

Satellitenbilder sicher auswerten
Satellitenbilder sicher auswerten
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Ein Satellitenbild zeigt gemessene Strahlungsdaten der Erdoberfläche und der Atmosphäre als Bild. Um es zuverlässig auszuwerten, klärst du zuerst die Aufnahmebedingungen, beschreibst sichtbare Strukturen und deutest sie erst danach mithilfe des räumlichen und zeitlichen Kontexts.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was du vor der Auswertung klärst

Ein Satellitenbild ist keine gewöhnliche Fotografie. Ein Messinstrument erfasst Strahlung in bestimmten Wellenlängenbereichen. Aus diesen Daten entsteht eine bildliche Darstellung. Welche Informationen sichtbar werden, hängt unter anderem vom Spektralbereich, von der Auflösung und von der Verarbeitung ab.

Definition

Räumliche Auflösung

Die räumliche Auflösung gibt an, welcher Breite am Boden ein Pixel entspricht. Bei 10 Metern pro Pixel bildet jedes Pixel eine ungefähr 10 Meter breite Fläche ab. Je kleiner dieser Wert ist, desto kleinere Objekte können grundsätzlich unterschieden werden.

Eine hohe räumliche Auflösung zeigt viele Einzelheiten, aber meist nur einen kleinen Ausschnitt. Eine geringere Auflösung zeigt weniger Details, dafür häufig größere räumliche Zusammenhänge. Deshalb ist nicht automatisch das detailreichste Bild das beste: Die passende Auflösung hängt von der Fragestellung ab.

Bevor du Bildmerkmale untersuchst, klärst du möglichst diese Punkte:

  1. Aufnahmezeit: Wann wurde das Bild aufgenommen?
  2. Darstellung: Handelt es sich um Echtfarben oder Falschfarben?
  3. Auflösung und Maßstab: Wie groß ist ein Pixel, und welche Ausdehnung hat der Bildausschnitt?
  4. Orientierung: Wo liegt Norden?
  5. Ort und Fragestellung: Welches Gebiet und welches Phänomen untersuchst du?

Rohdaten besitzen zunächst keine fertige Maßstabsleiste. In einer aufbereiteten Darstellung kann jedoch eine Maßstabsleiste ergänzt sein. Eine bloße Vergrößerung erzeugt keine neuen Messdaten: Die Pixel werden nur größer dargestellt.

Beispiel

Du möchtest untersuchen, welche Straßen eines Stadtteils von einer Überschwemmung umgeben sind. Dafür benötigst du ein detailreiches Bild. Willst du dagegen das betroffene Flusssystem und die Zugrichtung eines Wettersystems erkennen, brauchst du einen wesentlich größeren Bildausschnitt. Beide Bilder beantworten unterschiedliche Fragen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas beschreibt „10 Meter pro Pixel“?
Lösung: Ein Pixel entspricht am Boden ungefähr einer Breite von 10 Metern. — Die räumliche Auflösung verbindet ein Bildelement mit der Größe der dargestellten Bodenfläche.
Frage 2 von 2MittelWarum ist ein stärker vergrößertes Satellitenbild nicht automatisch informationsreicher?
Lösung: Durch die Vergrößerung entstehen keine zusätzlichen Messdaten. — Der zugrunde liegende Informationsgehalt wird bei der Aufnahme festgelegt, besonders durch die räumliche und spektrale Auflösung.
Formen, Muster und Texturen lesen

Beginne mit einer Beschreibung, die noch keine Ursache behauptet. Notiere etwa: „Im Westen liegen mehrere helle Rechtecke“ oder „Eine dunkle, geschwungene Linie durchzieht das Bild.“ Erst anschließend prüfst du mögliche Deutungen.

Typische Anhaltspunkte sind:

  • Geschwungene, zusammenhängende Linien können Flüsse sein.
  • Kreise und Rechtecke treten häufig bei landwirtschaftlichen Flächen auf.
  • Lange gerade Linien sind meist menschengemacht, beispielsweise Straßen oder Kanäle.
  • Fischgrätenartige Lichtungen entlang von Linien können auf Erschließung und Abholzung hinweisen.
  • Kreisförmige Formen können Vulkane oder Krater zeigen.
  • Lange wellenförmige Strukturen können Gebirgszüge darstellen.
  • Gleichmäßige Flächen wirken anders als raue, kleinteilige oder gefaltete Texturen.

Diese Merkmale sind Hinweise, keine endgültigen Beweise. Eine gerade Linie könnte zum Beispiel eine Straße, ein Kanal oder eine Nutzungsgrenze sein. Prüfe deshalb Form, Umgebung, Größe und Verlauf gemeinsam.

Vorsicht bei Schatten

Schatten machen Höhenunterschiede sichtbar, können aber auch täuschen. Menschen erwarten häufig Licht von links oben. Fällt das Sonnenlicht aus einer anderen Richtung ein, können Täler wie Bergrücken und Berge wie Vertiefungen wirken. Diese Täuschung heißt Reliefinversion.

Merke

Drehe bei einer möglichen Reliefinversion das Bild gedanklich oder tatsächlich so, dass das Licht scheinbar von oben einfällt. Prüfe dann erneut, welche Formen erhöht und welche vertieft wirken.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Form ist besonders häufig ein Hinweis auf menschliche Gestaltung?
Lösung: Eine lange, vollkommen gerade Linie — Straßen, Kanäle und Nutzungsgrenzen können auffällig gerade Linien erzeugen.
Frage 2 von 2MittelDu siehst rechteckige Flächen. Welche Aussage ist fachlich am sichersten?
Lösung: Die Form spricht für menschliche Landnutzung; weitere Merkmale müssen die Deutung bestätigen. — Eine gute Auswertung formuliert zunächst eine begründete Möglichkeit und sucht danach bestätigende Hinweise.
Farben richtig einordnen

Farben sind nur sinnvoll deutbar, wenn du die Darstellungsart kennst.

Definition

Echtfarbenbild

Ein Echtfarbenbild kombiniert gemessene rote, grüne und blaue Bereiche des sichtbaren Lichts. Seine Farben ähneln ungefähr dem Blick des Menschen aus dem Weltraum.

Definition

Falschfarbenbild

Ein Falschfarbenbild ordnet gemessenen Strahlungsbereichen bewusst sichtbare Farben zu. Dabei kann zum Beispiel infrarote Strahlung einbezogen werden. Die dargestellten Farben müssen deshalb nicht den Farben entsprechen, die ein Mensch vor Ort sehen würde.

Auch in einem Echtfarbenbild ist eine Farbe selten eindeutig:

  • Wasser erscheint häufig dunkelblau oder schwarz. Sedimente können es braun, grün oder heller wirken lassen.
  • Sonnenlicht, das sich an Wasser spiegelt, kann graue, silberne oder weiße Flächen erzeugen. Diese Erscheinung heißt Sunglint.
  • Dichte Vegetation ist häufig dunkelgrün, Grasland eher blassgrün und landwirtschaftliche Vegetation oft heller.
  • Die Vegetationsfarbe verändert sich mit der Jahreszeit.
  • Unbewachsener Boden ist häufig braun oder hellbraun; Mineralien beeinflussen den genauen Farbton.
  • Frische Brandflächen können dunkelbraun bis schwarz erscheinen.
  • Dicht bebaute Gebiete wirken wegen Beton und anderer Baustoffe häufig grau oder silbern.
  • Wolken sind weiß bis grau, besitzen Strukturen und werfen oft Schatten.
  • Rauch ist meist glatter als Wolken und kann braun, grau oder schwarz erscheinen.
  • Staub ist oft hellbraun, kann je nach Mineralbestand aber andere Farben besitzen.

Ein weißer Fleck könnte eine Wolke, Schnee, eine Salzfläche oder eine Spiegelung auf Wasser sein. Ein dunkler Fleck könnte Wasser, Wald, Schatten oder eine Brandfläche darstellen.

Merke

Deute nie nur nach der Farbe. Verbinde Farbe immer mit Form, Textur, Schatten, Lage, Aufnahmezeit und Darstellungsart.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas unterscheidet ein Falschfarbenbild von einem Echtfarbenbild?
Lösung: Es kann Messbereiche wie Infrarot in sichtbaren, ungewohnten Farben darstellen. — Falschfarbenbilder machen bestimmte Unterschiede sichtbar, die in einer Darstellung aus sichtbarem rotem, grünem und blauem Licht weniger deutlich sein können.
Frage 2 von 2MittelEine weiße Fläche ist im Bild zu erkennen. Was ist der beste nächste Schritt?
Lösung: Form, Textur, Schatten, Umgebung und Aufnahmezeit prüfen. — Erst mehrere zusammenpassende Merkmale erlauben eine belastbare Zuordnung.
Vom Beschreiben zum begründeten Deuten

Eine sichere Auswertung trennt drei Schritte:

  1. Beschreiben: Was ist unmittelbar sichtbar?
  2. Zuordnen: Welches Objekt oder welche Oberfläche könnte das Merkmal zeigen?
  3. Deuten: Welche räumliche Beziehung, Veränderung oder Ursache lässt sich begründet vermuten?

Für die Prüfung deiner Deutung nutzt du die Nordrichtung, eine Karte, Ortskenntnisse, den Aufnahmezeitpunkt und möglichst Vergleichsbilder. Vorwissen hilft, darf die sichtbaren Merkmale aber nicht ersetzen.

Beispiel

Angenommen, ein Satellitenbild zeigt in einem Waldgebiet eine große dunkelbraune Fläche.

Beobachtung: Die Fläche ist unregelmäßig geformt, dunkler als der umgebende Wald und an mehreren Stellen von helleren Linien begrenzt.

Erste Deutung: Es könnte sich um eine Brandfläche handeln. Dunkle Farbe allein genügt jedoch nicht, denn auch Schatten oder eine andere Bodenbedeckung kommen infrage.

Prüfung: Ein älteres Bild desselben Gebiets zeigt dort geschlossenen Wald. Im neueren Bild sind keine passenden Wolken oder Berge erkennbar, die den dunklen Bereich als Schatten erklären würden. Zusätzlich passt die unregelmäßige Grenze zu einer veränderten Landbedeckung.

Ergebnis: Die Deutung als Brandfläche ist durch den zeitlichen Vergleich und mehrere Bildmerkmale gestützt. Das Bild allein belegt jedoch noch nicht die Brandursache.

Der letzte Satz ist wichtig: Satellitenbilder können eine räumliche Veränderung sichtbar machen, aber nicht jede Ursache direkt beweisen. Für Ursachen können weitere Informationen nötig sein.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Formulierung ist eine reine Beobachtung?
Lösung: Eine dunkle, unregelmäßige Fläche grenzt an dunkelgrüne Flächen. — Beobachtungen benennen sichtbare Merkmale. Zuordnungen und Ursachen gehören zur anschließenden Deutung.
Frage 2 von 2SchwerEin dunkler Fleck liegt neben einer Wolke. Wie prüfst du, ob es ein Wolkenschatten ist?
Lösung: Du vergleichst Form und Lage des Flecks mit der Wolke und beachtest die Lichtrichtung. — Ein Wolkenschatten sollte räumlich zur verursachenden Wolke und zur Richtung des einfallenden Lichts passen.
Veränderungen mit zwei Bildern belegen

Mit Bildern verschiedener Aufnahmezeitpunkte kannst du Stadtwachstum, Überschwemmungen, Vegetationsveränderungen, Brandflächen oder Abholzung untersuchen. Ein sichtbarer Unterschied ist aber nur aussagekräftig, wenn die Bilder ausreichend vergleichbar sind.

Prüfe vor dem Vergleich:

  • Zeigen beide Bilder dasselbe Gebiet und dieselbe Vergleichsfläche?
  • Sind Nordrichtung und Bildausschnitt vergleichbar?
  • Wie unterscheiden sich räumliche Auflösung und Darstellungsart?
  • Aus welchen Jahreszeiten stammen die Aufnahmen?
  • Könnten Wolken, Schatten, Dunst oder andere Aufnahmebedingungen den Unterschied erklären?

Beschreibe eine Veränderung möglichst mit Ort, Zeitpunkt, Ausdehnung und sichtbaren Belegen.

Beispiel

Bild A und Bild B zeigen denselben Waldrand. Bild A wurde im Sommer eines früheren Jahres aufgenommen, Bild B im Sommer eines späteren Jahres. Beide besitzen dieselbe räumliche Auflösung und Darstellungsart.

In Bild B reicht eine helle, rechteckige Fläche weiter in den zuvor zusammenhängenden dunklen Wald hinein. Zusätzlich verläuft eine neue gerade Linie von einer bestehenden Straße zu dieser Fläche.

Eine passende Auswertung lautet: „Zwischen den beiden Aufnahmezeitpunkten hat sich die helle, rechteckige Fläche am östlichen Waldrand vergrößert. Die geometrische Form und die Verbindung zur Straße sprechen für eine menschengemachte Landnutzungsänderung.“

Nicht belegt wäre dagegen die Aussage, welches Unternehmen die Fläche verändert hat oder aus welchem politischen Grund dies geschah.

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Frage 1 von 2MittelWarum können ein Sommerbild und ein Winterbild desselben Gebiets einen falschen Eindruck von Veränderung erzeugen?
Lösung: Jahreszeitliche Unterschiede verändern Vegetation, Schnee und Beleuchtung. — Vor einer Deutung musst du prüfen, ob der Unterschied durch den Aufnahmezeitpunkt statt durch eine dauerhafte Landnutzungsänderung entsteht.
Frage 2 von 2SchwerZwei Bilder zeigen unterschiedlich große Bildausschnitte und verschiedene Auflösungen. Was ist die beste Vorgehensweise?
Lösung: Zuerst eine gemeinsame Vergleichsfläche bestimmen und die Auflösungsunterschiede berücksichtigen. — Veränderungen lassen sich erst belastbar beurteilen, wenn Ort, Fläche, Zeitpunkt, Darstellung und Auflösung ausreichend vergleichbar sind.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Satellitenbild auswerten
    • Aufnahmezeit, Ort und Fragestellung klären
    • Auflösung, Maßstab, Darstellung und Norden prüfen
    • Formen, Muster, Texturen, Farben und Schatten beschreiben
    • Beobachtung von Zuordnung und Ursache trennen
    • Deutung mit Karte, Kontext und Vergleichsbildern prüfen
    • Veränderungen mit Zeit, Fläche und sichtbaren Merkmalen belegen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Reihenfolge führt zu einer sorgfältigen Auswertung?
Lösung: Aufnahmebedingungen klären, Merkmale beschreiben, Deutung prüfen — Eine nachvollziehbare Auswertung geht von überprüfbaren Angaben und sichtbaren Merkmalen zur begründeten Deutung.
Frage 2 von 3MittelEin dunkler Bereich erscheint nur im neueren Bild. Welche Aussage ist zunächst angemessen?
Lösung: Der Bereich zeigt möglicherweise eine Veränderung; Aufnahmebedingungen und Vergleichbarkeit müssen geprüft werden. — Formuliere zunächst die beobachtete Veränderung und prüfe anschließend konkurrierende Erklärungen.
Frage 3 von 3SchwerZwei gleich ausgerichtete Sommerbilder desselben Gebiets zeigen bei vergleichbarer Auflösung, dass regelmäßige helle Rechtecke einen zuvor geschlossenen Wald ersetzen. Welche Schlussfolgerung ist am besten begründet?
Lösung: Die Merkmale sprechen für eine menschengemachte Landnutzungsänderung. — Regelmäßige geometrische Formen und der kontrollierte Zeitvergleich stützen die Deutung einer Landnutzungsänderung. Die genaue Nutzung und ihre Ursache bleiben gesondert zu prüfen.

Du kannst ein Satellitenbild sicher auswerten, wenn du technische Angaben und sichtbare Merkmale zuerst festhältst, mehrdeutige Hinweise im Kontext prüfst und nur so weit deutest, wie deine Belege tragen.

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