Tektonische Naturgefahren einfach erklärt
Tektonische Naturgefahren entstehen, weil sich die festen Platten der äußeren Erde bewegen. Besonders an ihren Grenzen können sich Spannungen lösen, Magma aufsteigen oder Gestein verformt werden. Dadurch entstehen unter anderem Erdbeben und Vulkanismus.
Auf dieser Seite lernst du, die drei Arten von Plattengrenzen zu unterscheiden, ihre Folgen zu erklären und ein tektonisches Ereignis von seinen möglichen gesellschaftlichen Folgen abzugrenzen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum bewegt sich die feste Erdoberfläche?
Die äußere feste Erdhülle ist keine durchgehende Schale. Sie besteht aus großen und kleinen Platten, die sich langsam bewegen. Diese Bewegung heißt Plattendrift.
Lithosphäre
Die Lithosphäre ist die feste äußere Gesteinshülle der Erde. Sie umfasst die Erdkruste und einen festen Teil des oberen Erdmantels und ist in tektonische Platten gegliedert.
Unter der Lithosphäre liegt die heißere und über lange Zeiträume verformbare Asthenosphäre. Bewegungen im Erdmantel, aufsteigendes Material an Spreizungszonen und der Zug absinkender Plattenteile tragen zur Plattenbewegung bei.
Die Platten bewegen sich meist nur wenige Zentimeter pro Jahr. Über Millionen Jahre reichen solche Bewegungen jedoch aus, um Ozeanboden, Gebirge und Grabenbrüche entstehen zu lassen.
Nicht die Geschwindigkeit, sondern die lange Wirkungsdauer und das Zusammenwirken der Platten erklären die großen Veränderungen der Erdoberfläche.
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Die feste äußere Gesteinshülle heißt . Ihre einzelnen Teile bewegen sich als tektonische . Die Bewegung der Platten nennt man .
Was geschieht an den drei Grenztypen?
Entscheidend ist die Relativbewegung: Bewegen sich zwei benachbarte Platten voneinander weg, aufeinander zu oder seitlich aneinander vorbei?
| Grenztyp | Bewegung | Typische Vorgänge und Formen |
|---|---|---|
| divergent | voneinander weg | neue Kruste, mittelozeanischer Rücken oder Grabenbruch |
| konvergent | aufeinander zu | Subduktion oder Gebirgsbildung |
| Transformgrenze | seitlich aneinander vorbei | Spannungsaufbau und häufige Erdbeben |
Divergenz schafft neue Kruste
An einer divergenten Plattengrenze entfernen sich zwei Platten. Mantelmaterial steigt auf, kühlt ab und erstarrt. So entsteht neue Kruste. Unter dem Meer bilden sich dabei mittelozeanische Rücken. Auf einem Kontinent kann zunächst ein Grabenbruch entstehen, wie im ostafrikanischen Grabenbruchsystem.
Die mögliche Entwicklung lautet:
Ausdünnung der Kruste → Grabenbildung → Absinken des Mittelteils → kleines Meer → mögliches Spreizungszentrum
Konvergenz staucht oder verbraucht Kruste
An einer konvergenten Plattengrenze bewegen sich zwei Platten aufeinander zu. Die Folgen hängen von den beteiligten Platten ab:
- Trifft eine ozeanische auf eine kontinentale Platte, sinkt die dichtere ozeanische Platte ab. Dieser Vorgang heißt Subduktion. Die Anden sind ein Beispiel.
- Treffen zwei ozeanische Platten zusammen, sinkt meist die ältere und dichtere Platte ab. Dabei können vulkanische Inselbögen entstehen.
- Treffen zwei Kontinentalplatten zusammen, tauchen sie wegen ihrer geringeren Dichte nicht vollständig ab. Die Kruste wird gestaucht, gefaltet und gehoben. So entstanden der Himalaya und die Alpen.
Transformbewegung verschiebt Kruste seitlich
An einer Transformgrenze gleiten zwei Platten horizontal aneinander vorbei. Dabei wird weder neue Kruste gebildet noch vorhandene Kruste durch Subduktion verbraucht. Ein bekanntes Beispiel ist die San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien.
Wie lösen Plattenbewegungen Erdbeben aus?
Platten bewegen sich nicht überall gleichmäßig aneinander vorbei. Gesteinsbereiche können sich durch Reibung zeitweise verhaken. Die Bewegung wirkt trotzdem weiter, sodass sich Spannungen aufbauen. Löst sich die Blockierung plötzlich, verschiebt sich das Gestein ruckartig: Ein Erdbeben entsteht.
Erdbeben können an allen drei Grenztypen auftreten. Besonders deutlich ist der Zusammenhang an Transformgrenzen, weil dort Platten seitlich aneinander vorbeigleiten und Reibung den Spannungsaufbau begünstigt. Auch Kollision, Subduktion und Dehnung können Spannungen im Gestein erzeugen.
An einer Transformgrenze bewegt sich eine Platte nach Nordwesten, die benachbarte Platte relativ dazu in eine andere Richtung. Ein Abschnitt der Grenze ist verhakt.
- Die Plattenbewegung setzt sich fort.
- Das verhakte Gestein verformt sich, und die Spannung nimmt zu.
- Die Reibung kann die Platten schließlich nicht mehr festhalten.
- Das Gestein verschiebt sich plötzlich, und die frei werdende Energie breitet sich als Erschütterung aus.
Der entscheidende Gedanke lautet: Nicht das langsame Gleiten allein, sondern die plötzliche Lösung einer aufgebauten Spannung erzeugt das Erdbeben.
Wie entsteht Vulkanismus durch Tektonik?
Vulkanismus kann auf mehreren tektonischen Wegen entstehen. Deshalb reicht der Satz „Vulkane entstehen an Plattengrenzen“ allein nicht aus.
Vulkanismus an divergenten Grenzen
Wenn Platten auseinanderdriften, steigt Mantelmaterial auf. Magma gelangt nach oben, kühlt ab und bildet neue Kruste. Mittelozeanische Rücken sind daher lange vulkanische Gebirge. In Island treffen ein Spreizungszentrum und ein heißer Bereich des Mantels zusammen.
Vulkanismus über einer Subduktionszone
Sinkt eine ozeanische Platte ab, transportiert sie Sedimente und eingedrungenes Meerwasser in die Tiefe. In ungefähr 90 bis 120 Kilometern Tiefe setzen Mineralumwandlungen wasserreiche Fluide frei. Sie gelangen in den darüberliegenden Mantelkeil und senken dort den Schmelzpunkt des Gesteins. Magma entsteht, steigt auf und kann eine Vulkankette bilden.
Die vereinfachte Aussage „Die absinkende Platte schmilzt vollständig“ führt in die Irre. Entscheidend ist, dass freigesetztes Wasser das Schmelzen im darüberliegenden Mantelkeil erleichtert.
Die Vulkankette der Anden entstand über einer solchen Subduktionszone. Bei der Konvergenz zweier ozeanischer Platten können auf ähnliche Weise vulkanische Inselbögen entstehen.
Heiße Flecken als wichtiger Sonderfall
Vulkanismus ist nicht auf Plattengrenzen beschränkt. Über länger bestehenden heißen Aufstiegsbereichen im Mantel können heiße Flecken entstehen. Bewegt sich eine Platte darüber hinweg, kann eine Kette von Vulkanen gebildet werden. Die Hawaii-Inseln sind ein Beispiel. Auch der Yellowstone-Vulkankomplex liegt über einem solchen heißen Bereich.
Wann wird ein Naturereignis zur Gefahr?
Ein tektonischer Prozess und seine Folgen für Menschen sind nicht dasselbe. Diese Unterscheidung verhindert die Fehlvorstellung, ein starkes Naturereignis müsse überall automatisch gleich große Schäden verursachen.
Tektonisches Naturereignis
Ein tektonisches Naturereignis ist ein physischer Vorgang wie ein Erdbeben oder ein Vulkanausbruch. Die Bezeichnung beschreibt zunächst das Ereignis selbst.
Naturgefahr
Eine Naturgefahr besteht, wenn ein natürlicher Prozess Menschen, Gebäude, Verkehrswege oder andere wichtige Lebensgrundlagen schädigen kann.
Eine Katastrophe bezeichnet nicht nur den geologischen Vorgang, sondern seine schweren Folgen für eine Gesellschaft. Dabei sind neben dem Ereignis weitere Fragen wichtig:
- Exposition: Befinden sich Menschen und Sachwerte im gefährdeten Gebiet?
- Vulnerabilität: Wie verletzlich sind Gebäude, Versorgung und Bevölkerung?
- Bewältigungskapazität: Welche Möglichkeiten gibt es, sich vorzubereiten und mit den Folgen umzugehen?
Zwei Orte liegen in Gebieten mit vergleichbarer Erdbebengefahr. In Ort A sind viele schlecht geschützte Gebäude dicht besiedelt. Ort B besitzt stabilere Gebäude und eine eingeübte Notfallvorsorge.
Das tektonische Ereignis kann beide Orte ähnlich treffen. Die Schäden müssen trotzdem nicht gleich sein, weil Exposition, Vulnerabilität und Bewältigungskapazität verschieden sind. Das Naturereignis allein bestimmt daher nicht das gesamte Katastrophenrisiko.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Tektonische Naturgefahren
- Grundlage: bewegliche Lithosphärenplatten
- Divergenz: neue Kruste, Rücken und Grabenbrüche
- Konvergenz: Subduktion, Vulkanismus oder Gebirgsbildung
- Transformbewegung: Reibung, Spannungsaufbau und Erdbeben
- Sonderfall: Vulkanismus über heißen Flecken
- Folgen: abhängig von Exposition, Vulnerabilität und Bewältigungskapazität
Abschluss-Check
Du hast das Lernziel erreicht, wenn du bei einem unbekannten Raumbeispiel zuerst die Relativbewegung der Platten bestimmst, daraus mögliche Prozesse ableitest und anschließend geologisches Ereignis und gesellschaftliche Folgen getrennt beurteilst.
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