11. September 2001: Ablauf, Folgen und Bedeutung
Am 11. September 2001 entführten 19 Mitglieder des Terrornetzwerks al-Qaida vier Passagierflugzeuge in den USA. Zwei Flugzeuge trafen das World Trade Center in New York, eines das Pentagon bei Washington, D.C. Das vierte stürzte nach dem Widerstand von Passagieren bei Shanksville ab. Fast 3.000 Menschen wurden getötet.
Die Anschläge lösten weltweit Trauer und politische Reaktionen aus. Sie führten zum sogenannten „Krieg gegen den Terror“, zum Krieg in Afghanistan, zu neuen Sicherheitsgesetzen und zu lang anhaltenden Konflikten über Krieg, Überwachung und Menschenrechte. Du lernst hier, zwischen dem Ereignis, seinen Folgen und seiner historischen Deutung zu unterscheiden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was geschah an diesem Morgen?
Die Anschläge waren eine koordinierte Tat: Mehrere Tätergruppen handelten nach einem gemeinsamen Plan. Sie entführten vier Linienflugzeuge, übernahmen gewaltsam die Cockpits und steuerten die Maschinen auf ausgewählte Ziele zu.
Terrorismus
Terrorismus ist politisch oder ideologisch begründete Gewalt, die nicht nur die unmittelbaren Opfer trifft. Sie soll darüber hinaus Angst verbreiten, eine Gesellschaft erschüttern und politische Reaktionen erzwingen.
Die Ziele besaßen eine hohe symbolische Bedeutung:
- Das World Trade Center stand für die Wirtschafts- und Finanzmacht der USA.
- Das Pentagon ist der Sitz des US-Verteidigungsministeriums und stand für militärische Macht.
- Das Ziel des vierten Flugzeugs lag wahrscheinlich in Washington. Welches Gebäude genau getroffen werden sollte, ist nicht abschließend geklärt.
- 8:46 UhrAmerican Airlines 11 trifft den Nordturm des World Trade Centers.
- 9:03 UhrUnited Airlines 175 trifft den Südturm. Nun ist der koordinierte Angriff weltweit erkennbar.
- 9:37 UhrAmerican Airlines 77 trifft das Pentagon.
- 9:57 UhrPassagiere von United Airlines 93 beginnen, sich gegen die Entführer zu wehren.
- 9:59 UhrDer Südturm stürzt ein.
- 10:03 UhrUnited Airlines 93 stürzt bei Shanksville in Pennsylvania ab.
- 10:28 UhrDer Nordturm stürzt ein.
Die Zeitangaben zeigen: Die vier Angriffe und beide Turmeinstürze ereigneten sich innerhalb von weniger als zwei Stunden. Behörden, Rettungskräfte und Betroffene mussten unter extremem Zeitdruck und mit unvollständigen Informationen handeln.
Warum waren die Folgen in New York so verheerend?
Die Flugzeuge beschädigten tragende Bauteile und lösten durch Treibstoff und brennbare Büroeinrichtung lang anhaltende Brände aus. Die Hitze schwächte die Gebäudestruktur. Erst der Zusammenbruch geschädigter Bauteile zusammen mit den Bränden führte zum Einsturz der Türme.
Die Türme stürzten nicht durch einen einzigen isolierten Faktor ein. Flugzeugeinschläge, schwere Gebäudeschäden und Brände wirkten zusammen.
Auch die Evakuierung war schwierig:
- Durch die Einschläge wurden Aufzüge und Fluchtwege zerstört oder unbenutzbar.
- Viele Menschen oberhalb der Einschlagzonen waren eingeschlossen.
- Nach dem ersten Einschlag hielten manche Verantwortliche noch einen Unfall für möglich. Im Südturm wurden Menschen zunächst teilweise zum Bleiben aufgefordert.
- Polizei und Feuerwehr verwendeten getrennte Kommunikationssysteme. Wichtige Beobachtungen erreichten deshalb nicht alle Einsatzkräfte.
- Tausende Notrufe überlasteten die Leitungen.
Trotz dieser Hindernisse entkamen mehr als 15.000 der ungefähr 17.400 Menschen in den Türmen. Unter den Toten waren zahlreiche Feuerwehrleute, weitere Rettungskräfte, Flugzeuginsassen, Beschäftigte und Menschen am Boden. Mehr als 6.000 Menschen wurden unmittelbar verletzt.
Staub und Trümmer enthielten giftige Stoffe. Viele Überlebende, Aufräumkräfte und Ersthelfer erkrankten später unter anderem an Atemwegsleiden, Krebs oder psychischen Erkrankungen. Die Opfergeschichte endete daher nicht am Anschlagstag.
Wer plante die Anschläge und was ergaben die Untersuchungen?
Das international tätige Terrornetzwerk al-Qaida plante die Anschläge unter der Führung Osama bin Ladens. Die 19 Attentäter handelten in vier Gruppen. Vier von ihnen waren als Piloten vorgesehen. Mehrere zentrale Beteiligte hatten zuvor in Hamburg gelebt oder studiert und dort ein extremistisches Umfeld gebildet.
Die Täter vertraten eine radikalislamistische Ideologie und begründeten ihre Gewalt unter anderem mit der Politik der USA im Nahen Osten. Eine Begründung erklärt jedoch keine Tat vollständig und rechtfertigt sie schon gar nicht. Terrorismus darf außerdem nicht mit dem Islam oder mit Musliminnen und Muslimen gleichgesetzt werden. Muslimische Gelehrte und Organisationen verurteilten die Angriffe ausdrücklich.
Nach den Anschlägen untersuchten das FBI, parlamentarische Ausschüsse und eine eigene 9/11-Kommission die Planung und das Verhalten der Behörden. Der Abschlussbericht der Kommission stellte systemische Fehler fest. Damit sind Mängel gemeint, die aus dem Zusammenspiel mehrerer Behörden und Regeln entstanden:
- CIA und FBI tauschten wichtige Informationen nicht ausreichend aus.
- Bekannte oder verdächtige al-Qaida-Mitglieder wurden nicht konsequent überwacht.
- Warnzeichen bei Flugschülern und Passagieren wurden nicht richtig zusammengeführt.
- Die Melde- und Befehlswege der Luftverteidigung waren zu langsam.
- Frühere Warnungen vor al-Qaida führten nicht zu ausreichenden Schutzmaßnahmen.
Das bedeutet nicht, dass die US-Regierung die Anschläge selbst organisiert habe. Behördliches Versagen, ungeklärte Einzelheiten und eine absichtliche Täterschaft sind verschiedene Behauptungen und benötigen jeweils eigene Belege. Amtliche und unabhängige Untersuchungen widersprechen der Behauptung einer kontrollierten Sprengung der Türme.
Behauptung: „Weil Behörden Warnungen übersahen, müssen sie die Anschläge geplant haben.“
Prüfung: Der erste Teil beschreibt mögliches Behördenversagen. Der zweite Teil behauptet eine absichtliche Planung. Aus einem Fehler folgt aber nicht zwingend eine Beteiligung an der Tat. Dafür wären zusätzliche Belege nötig.
Urteil: Die Schlussfolgerung ist nicht tragfähig. Sie verwechselt unzureichende Vorsorge mit nachgewiesener Täterschaft.
Wie reagierten die USA, Deutschland und internationale Organisationen?
Unmittelbar nach den Anschlägen zeigten viele Staaten Solidarität mit den USA. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte die Anschläge und erkannte das Recht der USA auf Selbstverteidigung an.
Die NATO stellte erstmals in ihrer Geschichte den Bündnisfall nach Artikel 5 fest. Ein bewaffneter Angriff auf ein Mitglied wurde damit als Angriff auf alle Mitgliedstaaten behandelt. Das bedeutete politische und militärische Unterstützung, aber nicht automatisch, dass jedes Mitglied dieselben Kampfeinsätze übernehmen musste.
US-Präsident George W. Bush erklärte den Kampf gegen international tätige Terrororganisationen zum „Krieg gegen den Terror“. Am 7. Oktober 2001 begannen die USA und Verbündete den Krieg in Afghanistan. Das dort herrschende Talibanregime hatte al-Qaida Schutz gewährt und wurde bis zum Jahresende gestürzt. Al-Qaida wurde jedoch nicht vollständig zerschlagen; Bin Laden entkam zunächst und wurde 2011 in Pakistan von US-Spezialkräften getötet.
Der Krieg in Afghanistan dauerte über viele Jahre. Deutschland beteiligte sich mit der Bundeswehr. Nach dem Abzug der westlichen Streitkräfte übernahmen die Taliban im August 2021 erneut die Kontrolle über Afghanistan. Das zeigt, dass der schnelle Sturz einer Regierung nicht automatisch einen stabilen politischen Neubeginn schafft.
Die US-Regierung verband später auch den Irakkrieg von 2003 mit ihrer Sicherheitspolitik nach 9/11. Behauptete Verbindungen der irakischen Regierung zu al-Qaida und Angaben über Massenvernichtungswaffen erwiesen sich nicht als tragfähige Kriegsbegründung. Der Krieg begann ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats und war keine direkte militärische Reaktion auf eine nachgewiesene Beteiligung des Irak an den Anschlägen.
In Deutschland prägten Trauer und Bundeskanzler Gerhard Schröders Zusage „uneingeschränkter Solidarität“ die ersten Reaktionen. Zugleich rückten durch die Hamburger Verbindungen mehrerer Täter Fragen der inneren Sicherheit in den Mittelpunkt.
Welche gesellschaftlichen und rechtlichen Folgen entstanden?
Die Anschläge erzeugten Schock, Trauer und ein starkes Gefühl der Verwundbarkeit. Gedenkorte und jährliche Zeremonien erinnern an die Opfer. Am früheren Standort der Zwillingstürme markieren heute zwei vertiefte Wasserbecken deren Grundflächen.
Gleichzeitig wurden Menschen angegriffen oder benachteiligt, weil andere sie für muslimisch oder arabisch hielten. Auch Sikhs wurden zu Opfern, weil Täter sie fälschlich mit islamistischem Terrorismus in Verbindung brachten. Solche Pauschalurteile übertragen die Tat einer kleinen Terrorgruppe auf große und vielfältige Bevölkerungsgruppen.
Die USA bauten ihre Sicherheitsbehörden und Überwachungsbefugnisse stark aus. Der USA PATRIOT Act erleichterte unter anderem die Überwachung von Kommunikation und den Zugriff auf persönliche Daten. Befürworter sahen darin notwendigen Schutz; Kritiker warnten vor Eingriffen in Bürgerrechte und unzureichender gerichtlicher Kontrolle.
Im „Krieg gegen den Terror“ wurden Verdächtige außerdem ohne reguläre Gerichtsverfahren in Geheimgefängnissen und im Lager Guantánamo festgehalten. Die CIA setzte Foltermethoden wie Waterboarding ein. Diese Praktiken lösten internationale Proteste und Konflikte über Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit aus.
Zielkonflikt
Ein Zielkonflikt entsteht, wenn zwei wichtige Ziele miteinander kollidieren. Nach 9/11 standen sich besonders das Ziel größerer Sicherheit und der Schutz von Freiheit, Privatsphäre und rechtsstaatlichen Verfahren gegenüber.
Ein Staat möchte einen Anschlag verhindern und wertet deshalb sehr viele Kommunikationsdaten aus. Das kann Ermittlungen erleichtern. Zugleich geraten auch unverdächtige Menschen unter Beobachtung.
Ein begründetes Urteil fragt deshalb nicht nur: „Sicherheit oder Freiheit?“ Es prüft auch, ob eine Maßnahme geeignet, notwendig, kontrolliert und zeitlich begrenzt ist.
War der 11. September eine historische Zäsur?
Eine historische Zäsur ist ein Einschnitt, nach dem sich wichtige Entwicklungen deutlich verändern. Ob 9/11 eine solche Zäsur war, hängt davon ab, welche Ebene du untersuchst.
Befund und Deutung
Ein Befund ist eine belegbare Feststellung, etwa der Beginn des Afghanistanfeldzugs am 7. Oktober 2001. Eine Deutung ordnet Befunde ein, zum Beispiel: „9/11 leitete eine neue Epoche ein.“ Deutungen müssen begründet werden und können miteinander konkurrieren.
Argumente für eine Zäsur
- Die NATO stellte erstmals den Bündnisfall fest.
- Die USA machten den weltweiten Kampf gegen Terrorismus zu einem Schwerpunkt ihrer Außenpolitik.
- Afghanistan- und Irakkrieg prägten die folgenden Jahre.
- Überwachung, Sicherheitsbehörden und Machtbefugnisse der Regierung wurden ausgebaut.
- Das Gefühl der Verwundbarkeit veränderte die US-Gesellschaft und ihre Erinnerungskultur.
Argumente für Kontinuität
- Al-Qaida hatte bereits vor 2001 Anschläge auf US-Ziele verübt.
- Militärische Interventionen und eine starke internationale Rolle der USA bestanden schon vorher.
- Pläne und politische Vorstellungen, die später den Irakkrieg beeinflussten, entstanden teilweise vor 9/11.
- Manche langfristigen Entwicklungen der Weltpolitik wurden eher beschleunigt als völlig neu geschaffen.
„Zäsur“ und „Kontinuität“ schließen sich nicht vollständig aus. Ein Ereignis kann in einem Bereich einen deutlichen Einschnitt bilden und zugleich ältere Entwicklungen fortsetzen oder beschleunigen.
Frage: War 9/11 eine Zäsur für die internationale Sicherheitspolitik?
Begründetes Urteil: Für die Sicherheitspolitik spricht viel für eine Zäsur, weil Bündnisfall, Afghanistanintervention und neue Überwachungsbefugnisse unmittelbar folgten. Trotzdem begann internationaler Terrorismus nicht erst 2001, und auch militärische Interventionen der USA hatten ältere Voraussetzungen. 9/11 war deshalb ein starker Einschnitt, aber kein vollständiger Neubeginn der Weltgeschichte.
Karteikasten
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Alles auf einen Blick
- 11. September 2001
- Ereignis: vier entführte Flugzeuge und fast 3.000 Tote
- Verantwortliche: 19 al-Qaida-Mitglieder
- Rettung: beschädigte Fluchtwege und Kommunikationsprobleme
- Reaktionen: Solidarität, NATO-Bündnisfall und Afghanistankrieg
- Langzeitfolgen: Überwachung, Kriege und Menschenrechtskonflikte
- Gesellschaft: Gedenken, Trauma und Diskriminierung
- Deutung: Zäsur in einigen Bereichen, Kontinuität in anderen
Abschluss-Check
Prüfe zum Schluss selbst: Kannst du den Ablauf in vier Stationen wiedergeben, zwei politische Folgen erklären und mit je einem Argument für Zäsur und Kontinuität ein eigenes Urteil formulieren? Dann hast du den Kern des Lernwegs erreicht.
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