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Bündnissysteme vor 1914 einfach erklärt

Bündnissysteme vor 1914 einfach erklärt
Bündnissysteme vor 1914 einfach erklärt
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Vor 1914 verbanden Verträge und politische Verständigungen die europäischen Großmächte. Bismarck wollte damit vor allem Frankreich isolieren und einen Zweifrontenkrieg Deutschlands verhindern. Nach 1890 entstanden jedoch zunehmend zwei Machtblöcke. Diese Teilung erhöhte in Krisen das Risiko einer Ausweitung, machte den Ersten Weltkrieg aber nicht unvermeidlich.

Deine Lernziele

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Warum schlossen Staaten Bündnisse?

Das 1871 gegründete Deutsche Reich lag in der Mitte Europas. Im Westen lag Frankreich, im Osten Russland. Reichskanzler Otto von Bismarck befürchtete deshalb, Deutschland könnte in einen Krieg an zwei Fronten geraten.

Definition

Bündnis

Ein Bündnis ist eine Vereinbarung zwischen Staaten. Je nach Vertrag versprechen sie sich beispielsweise militärischen Beistand, Neutralität oder politische Beratung. Nicht jedes Bündnis verpflichtet in jeder Krise automatisch zum Krieg.

Bismarcks Bündnispolitik verfolgte vier eng verbundene Ziele:

  • Frankreich sollte nach seiner Niederlage von 1870/71 außenpolitisch isoliert bleiben.
  • Deutschland sollte keinen Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland führen müssen.
  • Andere Großmächte sollten sich nicht gegen Deutschland zusammenschließen.
  • Das bestehende Kräfteverhältnis in Europa sollte erhalten bleiben.

Bismarck bezeichnete Deutschland als saturiert, also territorial gesättigt. Damit erklärte er, dass das Reich keine weiteren Gebiete in Europa erobern wolle.

Beispiel

Angenommen, Frankreich greift Deutschland im Westen an. Bleibt Russland neutral, muss Deutschland seine Kräfte nicht gleichzeitig auf zwei große Fronten verteilen. Genau deshalb waren gute Beziehungen zu Russland für Bismarcks Strategie wichtig.

Merke

Bismarcks Bündnissystem sollte Deutschland absichern: Frankreich isolieren, Russland nicht zum Gegner machen und einen Zweifrontenkrieg vermeiden.

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Frage 1 von 1LeichtWelches Ziel gehörte zu Bismarcks Bündnispolitik?
Lösung: Einen gleichzeitigen Krieg gegen Frankreich und Russland verhindern — Deutschlands Lage zwischen Frankreich und Russland machte die Vermeidung eines Zweifrontenkriegs zu einem zentralen Ziel.
Wie funktionierte Bismarcks Bündnisnetz?

Bismarck setzte nicht auf einen einzigen Vertrag. Er knüpfte ein Netz aus Beistands-, Neutralitäts- und Beratungsvereinbarungen. Die Verträge hatten daher unterschiedliche Aufgaben.

Zeitstrahl
  1. 1872/73Dreikaiserbündnis als Vereinbarung Deutschlands, Österreich-Ungarns und Russlands zu Beratungen in Konfliktfällen
  2. 1879Zweibund zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn
  3. 1881Dreikaiserbündnis als Neutralitätsabkommen erneuert
  4. 1882Dreibund zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien
  5. 1887Rückversicherungsvertrag zwischen Deutschland und Russland

Zweibund und Dreibund

Der Zweibund von 1879 war ein geheimes Verteidigungsbündnis zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn. Beide Staaten versprachen sich Hilfe bei einem russischen Angriff.

1882 kam Italien im Dreibund hinzu. Unter anderem sollten Deutschland und Österreich-Ungarn Italien bei einem französischen Angriff unterstützen. Italien sollte Deutschland helfen, falls Frankreich Deutschland angriff.

Dreikaiserbündnis und Rückversicherungsvertrag

Das Dreikaiserbündnis verband Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland. Die frühere Vereinbarung sah Beratungen vor; die Erneuerung von 1881 regelte Neutralität, falls ein Mitglied mit einer vierten Großmacht Krieg führte. Außerdem sollten die Interessen der drei Staaten auf dem Balkan abgestimmt werden.

Der Rückversicherungsvertrag von 1887 war ein dreijähriger Neutralitätsvertrag zwischen Deutschland und Russland. Die Neutralität sollte bei einem französischen Angriff auf Deutschland beziehungsweise einem österreichischen Angriff auf Russland gelten.

Beispiel

Der Zweibund und der Rückversicherungsvertrag erfüllten verschiedene Aufgaben: Der Zweibund sicherte Deutschland gegen einen russischen Angriff ab. Der Rückversicherungsvertrag sollte zugleich verhindern, dass Russland bei einem französischen Angriff zum Gegner Deutschlands wurde.

Gut zu wissen

Das Bündnisnetz enthielt eine Spannung: Österreich-Ungarn und Russland konkurrierten besonders auf dem Balkan. Deutschland versuchte trotzdem, mit beiden Mächten verbunden zu bleiben.

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Frage 1 von 1MittelWelcher Vertrag sollte die Neutralität Russlands bei einem französischen Angriff auf Deutschland sichern?
Lösung: Der Rückversicherungsvertrag — Der Rückversicherungsvertrag von 1887 verband Deutschland und Russland durch eine bedingte Neutralitätszusage.
Wie entstanden zwei Machtblöcke?

Nach Bismarcks Entlassung im Jahr 1890 wurde sein Bündnissystem verändert. Der Rückversicherungsvertrag mit Russland wurde nicht erneuert, während Zweibund und Dreibund fortbestanden. Gleichzeitig richtete Kaiser Wilhelm II. die deutsche Außenpolitik neu aus.

Deutschland betrieb nun eine stärkere Kolonial- und Weltmachtpolitik. Der Ausbau einer großen Flotte verschärfte besonders den Gegensatz zu Großbritannien. Frankreich, Russland und Großbritannien näherten sich schrittweise an.

  • 1892: Frankreich und Russland vereinbarten Zusammenarbeit für den Fall, dass eine Dreibundmacht Frankreich oder Russland angriff.
  • 1904: Großbritannien und Frankreich schlossen die Entente Cordiale. „Entente“ bedeutet Verständigung oder Einvernehmen.
  • 1907: Die Verbindung Frankreichs, Großbritanniens und Russlands wurde als Triple Entente bezeichnet.
Definition

Machtblock

Ein Machtblock ist eine Gruppe politisch verbundener Staaten. Die Triple Entente entstand aus mehreren Verständigungen und Bündnissen. Sie war deshalb nicht einfach das genaue Spiegelbild eines einzigen Dreibundvertrags.

Merke

Vor 1914 standen sich der Dreibund und die Triple Entente gegenüber. Trotzdem waren die Bindungen innerhalb beider Gruppen nicht in jeder Situation gleich stark.

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Frage 1 von 1MittelWelche Entwicklung trug zur Annäherung Großbritanniens an Frankreich und Russland bei?
Lösung: Die deutsche Weltmacht- und Flottenpolitik verschärfte den Gegensatz zu Großbritannien. — Nach 1890 belasteten besonders die deutsche Weltmachtpolitik und der Flottenbau das Verhältnis zu Großbritannien.
Wer gehörte 1914 wirklich zu welchem Lager?

Eine häufige Verwechslung entsteht, wenn der Dreibund vor dem Krieg mit den Mittelmächten im Krieg gleichgesetzt wird. Die Gruppen waren nicht identisch.

Dreibund vor dem Krieg

Zum Dreibund gehörten:

  • Deutsches Reich,
  • Österreich-Ungarn,
  • Italien.

Italien blieb bei Kriegsbeginn 1914 jedoch neutral. Später kämpfte es auf der Seite der Entente beziehungsweise der Alliierten.

Triple Entente vor dem Krieg

Zur Triple Entente gehörten:

  • Frankreich,
  • Großbritannien,
  • Russland.

Im Krieg kamen auf dieser Seite weitere Staaten hinzu. Die Bezeichnung Alliierte wird häufig für dieses größere Lager einschließlich späterer Partner wie der USA verwendet.

Mittelmächte im Krieg

Die Mittelmächte bestanden schließlich aus:

  • Deutschem Reich,
  • Österreich-Ungarn,
  • Osmanischem Reich,
  • Bulgarien.

Das Osmanische Reich und Bulgarien gehörten nicht zum Dreibund von 1882. Sie kamen erst während des Krieges als Partner Deutschlands und Österreich-Ungarns hinzu.

Beispiel

Die Aussage „Italien gehörte zu den Mittelmächten“ ist für den tatsächlichen Kriegsverlauf falsch. Richtig ist: Italien gehörte vor dem Krieg zum Dreibund, blieb 1914 zunächst neutral und wechselte später auf die gegnerische Seite.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage ist richtig?
Lösung: Italien gehörte zum Dreibund, blieb 1914 aber zunächst neutral. — Dreibund und Mittelmächte bezeichnen unterschiedliche Zusammensetzungen und Zeitpunkte.
Frage 2 von 2MittelWelche Gruppe nennt die späteren vier Mittelmächte vollständig?
Lösung: Deutschland, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich und Bulgarien — Der Kern aus Deutschland und Österreich-Ungarn wurde während des Krieges durch das Osmanische Reich und Bulgarien ergänzt.
Machten die Bündnisse den Krieg unvermeidlich?

Die Bündnisse erhöhten das Risiko, dass sich ein regionaler Konflikt ausweitete. Ein angegriffener Staat konnte mit der Unterstützung eines Partners rechnen, während Gegner wiederum ihre eigenen Partner einbezogen.

Trotzdem waren die Verträge kein Automatismus. Ihre Bedingungen unterschieden sich, und Regierungen trafen konkrete Entscheidungen. Das zeigt bereits Italien: Obwohl es zum Dreibund gehörte, blieb es 1914 zunächst neutral.

Beim Kriegsausbruch wirkten mehrere Faktoren zusammen:

  • langfristige Konkurrenz zwischen den Großmächten,
  • Imperialismus und Aufrüstung,
  • Konflikte auf dem Balkan,
  • das Attentat von Sarajevo,
  • der deutsche Blankoscheck für Österreich-Ungarn,
  • das Ultimatum an Serbien,
  • Mobilmachungen und Kriegserklärungen,
  • bestehende Bündnisse und Erwartungen gegenseitiger Hilfe.
Definition

Multikausale Erklärung

Eine multikausale Erklärung führt ein Ereignis auf mehrere zusammenwirkende Ursachen und Entscheidungen zurück. Sie vermeidet die Behauptung, ein einzelner Faktor habe allein und zwangsläufig zum Ergebnis geführt.

Beispiel

Das Attentat von Sarajevo löste die Julikrise aus. Daraus folgte der europäische Krieg aber nicht von selbst. Erst politische Entscheidungen wie der Blankoscheck, das Ultimatum, Mobilmachungen und Kriegserklärungen ließen die Krise eskalieren. Die Bündnisse beeinflussten dabei die Erwartungen und Handlungsmöglichkeiten der Staaten.

Merke

Bündnisse waren ein wichtiger Eskalationsfaktor, aber keine Maschine, die automatisch Krieg erzeugte.

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Frage 1 von 1SchwerEin Schüler sagt: „Wegen der zwei Bündnisblöcke musste nach dem Attentat sofort Weltkrieg entstehen.“ Welche Beurteilung ist am besten begründet?
Lösung: Die Bündnisse erhöhten das Eskalationsrisiko, doch zusätzliche politische Entscheidungen waren für die Ausweitung nötig. — Eine tragfähige Erklärung verbindet langfristige Spannungen, Bündnisse, die Julikrise und konkrete Entscheidungen, ohne den Krieg als zwangsläufig darzustellen.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Bündnissysteme vor 1914
    • Bismarcks Ziele: Frankreich isolieren und Zweifrontenkrieg verhindern
    • Bismarcks Netz: Zweibund, Dreibund, Dreikaiserbündnis und Rückversicherungsvertrag
    • Entente-Bildung: Frankreich, Großbritannien und Russland nähern sich an
    • Begriffsgrenze: Dreibund ist nicht dasselbe wie Mittelmächte
    • Wirkung: Absicherung und Abschreckung, aber auch höheres Eskalationsrisiko
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelches Bündnis verband 1882 Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien?
Lösung: Der Dreibund — Der Dreibund entstand 1882 durch den Beitritt Italiens zum Bündnis Deutschlands und Österreich-Ungarns.
Frage 2 von 4MittelWarum passte der Rückversicherungsvertrag zu Bismarcks Strategie?
Lösung: Er sollte verhindern, dass Russland bei einem französischen Angriff gleichzeitig zum Gegner Deutschlands wurde. — Die Verbindung zu Russland sollte das Risiko eines deutschen Zweifrontenkriegs vermindern.
Frage 3 von 4SchwerEin Text nennt Italien, das Osmanische Reich und Bulgarien gemeinsam „Mitglieder des Dreibunds von 1882“. Was musst du korrigieren?
Lösung: Nur Italien gehörte zum Dreibund; Osmanisches Reich und Bulgarien kamen erst im Krieg zu den Mittelmächten. — Die Korrektur trennt das Vorkriegsbündnis Dreibund von der späteren Zusammensetzung der Mittelmächte.
Frage 4 von 4SchwerWelche Erklärung des Kriegsausbruchs ist angemessen?
Lösung: Langfristige Spannungen und Bündnisse schufen Risiken, während Entscheidungen in der Julikrise den Konflikt ausweiteten. — Der Kriegsausbruch lässt sich multikausal erklären: Strukturen und konkrete Handlungen wirkten zusammen.

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