Geschichte

Bürger: Rechte, Pflichten und Bedeutungen

Bürger: Rechte, Pflichten und Bedeutungen
Bürger: Rechte, Pflichten und Bedeutungen
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Bürger kann einen rechtlichen Status oder eine gesellschaftliche Gruppe bezeichnen. Im Mittelalter war ein Bürger meist ein vollberechtigtes Mitglied einer Stadt. Heute meint Staatsbürger einen Angehörigen eines Staates. Wer nur an einem Ort lebt, ist deshalb nicht automatisch dessen Staatsbürger.

Deine Lernziele

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Was bedeutet Bürger?

Stell dir zwei Menschen vor, die in derselben Stadt wohnen. Beide sind Einwohner, weil sie dort leben. Trotzdem können sie unterschiedliche politische Rechte besitzen. Entscheidend ist, welche rechtliche Zugehörigkeit sie haben.

Definition

Einwohner

Ein Einwohner ist eine Person, die an einem Ort lebt. Das Wort beschreibt zunächst den Wohnort, nicht die Staatsangehörigkeit oder politische Rechte.

Definition

Staatsbürger

Ein Staatsbürger ist ein Angehöriger eines Staates. Diese Zugehörigkeit heißt Staatsangehörigkeit oder Staatsbürgerschaft. Aus ihr entstehen bestimmte Rechte und Pflichten.

Im Alltag wird „Bürger“ manchmal ungenau für alle Einwohner verwendet. Bei historischen und politischen Fragen musst du deshalb auf den Zusammenhang achten.

Beispiel

Mira lebt in einem Staat, dessen Staatsangehörigkeit sie nicht besitzt. Sie ist dort Einwohnerin. Ob sie dort wählen darf, hängt von den geltenden Regeln und der Art der Wahl ab. Allein ihr Wohnort macht sie nicht automatisch zur Staatsbürgerin dieses Staates.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage unterscheidet die Begriffe am genauesten?
Lösung: Einwohner leben an einem Ort; Staatsbürger gehören rechtlich zu einem Staat. — Einwohner bezeichnet den Wohnort. Staatsbürger bezeichnet die rechtliche Zugehörigkeit zu einem Staat.
Wer war im Mittelalter Stadtbürger?

In einer mittelalterlichen Stadt lebten nicht nur Bürger. Ein Vollbürger war ein anerkanntes Gemeindemitglied mit besonderen Rechten und Pflichten. Andere Bewohner konnten Einwohner, Inwohner oder Angehörige von Gruppen mit eingeschränktem Status sein.

Die Aufnahmebedingungen waren je nach Stadt und Zeit verschieden. Häufig spielten mehrere Voraussetzungen eine Rolle:

  • ein Haus oder anderer Grundbesitz in der Stadt,
  • ein Mindestvermögen,
  • eine Aufnahmegebühr, das Bürgergeld,
  • ein Bürgereid,
  • die Eintragung in eine Bürgerrolle,
  • die Fähigkeit, Steuern und weitere Pflichten zu erfüllen.

Das Bürgerrecht wurde also nicht überall allein durch den Aufenthalt in der Stadt erworben. Es musste häufig beantragt und förmlich verliehen werden. Unter bestimmten Bedingungen konnte es auch wieder verloren gehen.

Merke

Nicht jeder Stadtbewohner war Bürger. Wohnen beschreibt den Aufenthalt; Bürgerrecht beschreibt einen anerkannten Rechtsstatus.

Der Satz „Stadtluft macht frei“ bezog sich auf die mögliche Befreiung unfreier Zugezogener aus persönlicher Abhängigkeit. Er bedeutete nicht automatisch, dass nach einem Jahr sämtliche Bürgerrechte verliehen wurden. Für das volle Bürgerrecht konnten weitere Bedingungen gelten.

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Frage 1 von 1MittelEin Zugezogener lebt seit einem Jahr unbehelligt in einer mittelalterlichen Stadt. Was folgt daraus am sichersten?
Lösung: Er konnte aus persönlicher Unfreiheit gelöst sein, ohne schon alle Bürgerrechte zu besitzen. — Der bekannte Satz über die Stadtluft betrifft vor allem persönliche Freiheit. Das volle Bürgerrecht konnte zusätzlich Besitz, Gebühren, Eid und Pflichterfüllung voraussetzen.
Welche Rechte und Pflichten gehörten dazu?

Das mittelalterliche Bürgerrecht verband Vorteile mit Aufgaben. Bürger konnten Schutz durch die Stadt und eine Form politischer Beteiligung erhalten. Der genaue Umfang hing jedoch von Stadt, Zeit, Vermögen und sozialer Stellung ab.

Zu möglichen Rechten gehörten:

  • Schutz durch die Stadt,
  • Anwendung des städtischen Rechts,
  • politische Mitwirkung, oft nur in begrenzter oder abgestufter Form,
  • Unterstützung bei Forderungen von außen.

Zu typischen Pflichten gehörten:

  • Steuern und Abgaben,
  • Wach- und Wehrdienst,
  • Mitarbeit an öffentlichen Bauvorhaben,
  • Anerkennung der städtischen Gerichtsbarkeit.
Beispiel

Ein Handwerker wird nach Zahlung des Bürgergeldes, Eintragung und Eid als Bürger aufgenommen. Dadurch erhält er städtischen Rechtsschutz. Zugleich muss er Steuern zahlen und Wachdienst leisten. Sein Bürgerrecht besteht daher nicht nur aus Vorteilen, sondern aus einem Verhältnis von Zugehörigkeit, Rechten und Pflichten.

Auch unter den Bürgern war die Macht ungleich verteilt. Reiche Kaufmannsfamilien, die Patrizier, beherrschten in vielen Städten Rat und Wirtschaft. Im 14. Jahrhundert forderten organisierte Handwerker mehr Zugang zu Rat und Ämtern. Daraus entstanden Konflikte, die je nach Stadt mit einem Sieg der bisherigen Ratsherren, einem Kompromiss oder einer stärkeren Beteiligung der Handwerker endeten.

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Frage 1 von 1SchwerWarum konnten Handwerker trotz ihres Bürgerstatus mit Patriziern in Konflikt geraten?
Lösung: Bürgerrecht bedeutete nicht automatisch gleiche politische Macht für alle Bürger. — Die Stadtbürger bildeten keine einheitliche Gruppe. Vermögen und gesellschaftliche Stellung beeinflussten die politische Beteiligung.
Wie wurde aus dem Stadtbürger der Staatsbürger?

Bürgerstatus und politische Beteiligung gab es schon in der Antike. In griechischen Städten war ein Bürger, ein polites, an Rechtsprechung und Herrschaft beteiligt. Das galt allerdings nur für einen begrenzten Teil der Bevölkerung.

Auch das römische Bürgerrecht unterschied Bürger von anderen Einwohnern. Es brachte rechtliche Vorteile, politische Rechte und Pflichten wie den Kriegsdienst mit sich. Im Verlauf der römischen Geschichte wurde der Kreis der Bürger erweitert. Gleichzeitig verlor die politische Mitbestimmung am Ende der Republik an tatsächlicher Bedeutung.

Im Mittelalter bezog sich „Bürger“ vor allem auf vollberechtigte Mitglieder einer Stadt. Mit Revolutionen und modernen Verfassungen wurde der Begriff zunehmend auf Angehörige eines ganzen Staates übertragen. Größere Teile der Bevölkerung erhielten politische Rechte.

Heute entstehen konkrete Rechte aus der jeweiligen Rechtsordnung. Dazu kann besonders das Wahlrecht gehören. Alter, Staatsangehörigkeit, Wohnsitz, Staat und Art der Wahl können bestimmen, wer ein bestimmtes Recht ausüben darf.

Merke

Der Bürgerkreis wurde im Lauf der Geschichte größer. Trotzdem bedeutete „Bürger“ zu verschiedenen Zeiten nicht dasselbe und war nicht automatisch mit allen Einwohnern identisch.

Lückentext

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In der Antike konnte Bürgerstatus politische einschließen. Im Mittelalter bezeichnete er häufig ein vollberechtigtes Mitglied einer . Heute gehört ein Staatsbürger rechtlich zu einem .

Lösungen: Lücke 1: Beteiligung; Lücke 2: Stadt; Lücke 3: Staat. Der gemeinsame Kern ist eine anerkannte Zugehörigkeit. Die politische Gemeinschaft und die Regeln dieser Zugehörigkeit haben sich jedoch verändert.
Was ist das Bürgertum?

„Bürger“ besitzt neben der rechtlichen noch eine soziale Bedeutung. Das Bürgertum bezeichnet gesellschaftliche Gruppen, die besonders mit städtischer Arbeit, Handel, Besitz, Bildung und bestimmten Lebensweisen verbunden wurden.

In der vorindustriellen Gesellschaft unterschied sich das Bürgertum besonders vom Adel, vom Klerus und von der großen landwirtschaftlich arbeitenden Bevölkerung. Eine genaue Grenze war aber schwierig zu ziehen.

Im 19. Jahrhundert gewann das Bürgertum durch Handel, Gewerbe, Bildung und Industrialisierung großen wirtschaftlichen und politischen Einfluss. Innerhalb dieser Gruppe bestanden deutliche Unterschiede:

  • Großbürger waren reich und einflussreich.
  • Kleinbürger verfügten über deutlich weniger Besitz und Macht.
  • Besitzbürger wurden besonders über ihr Vermögen beschrieben.
  • Bildungsbürger wurden besonders über Bildung und geistige Berufe beschrieben.

Diese Bezeichnungen beschreiben soziale Gruppen. Sie entscheiden nicht darüber, ob jemand im heutigen rechtlichen Sinn Staatsbürger ist.

Beispiel

Eine wohlhabende Fabrikantin und ein wenig verdienender Handwerker konnten im 19. Jahrhundert beide dem Bürgertum zugerechnet werden, obwohl ihr Vermögen und ihr Einfluss sehr verschieden waren. Der Begriff bezeichnete also keine einheitliche Einkommensgruppe.

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Frage 1 von 2MittelWelche Aussage verwendet „Bürger“ als soziale Bezeichnung?
Lösung: Eine Gruppe wird nach Besitz, Bildung und Lebensweise dem Bürgertum zugeordnet. — Bürgertum bezeichnet eine gesellschaftliche Gruppe. Staatsbürgerschaft bezeichnet dagegen einen rechtlichen Status.
Frage 2 von 2SchwerZwei Menschen besitzen dieselbe Staatsangehörigkeit, gehören aber unterschiedlichen sozialen Schichten an. Was zeigt das?
Lösung: Rechtliche Staatsbürgerschaft und soziale Zugehörigkeit sind verschiedene Kategorien. — Staatsbürger können sehr unterschiedliche Vermögen, Berufe, Bildungswege und Lebensweisen haben.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Bürger
    • rechtliche Bedeutung: Zugehörigkeit und Bürgerrecht
    • Wohnort: Einwohner ist nicht automatisch Staatsbürger
    • Mittelalter: Vollbürger einer Stadt
    • Mittelalter: Schutz, Mitwirkung, Steuern und Dienste
    • Gegenwart: Staatsangehörigkeit und gesetzlich bestimmte Rechte
    • soziale Bedeutung: Bürgertum
    • Entwicklung: Bürgerkreis wird schrittweise erweitert
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWer war im Mittelalter am ehesten ein Stadtbürger?
Lösung: Ein förmlich anerkanntes Gemeindemitglied mit städtischen Rechten und Pflichten — Der Wohnort allein genügte häufig nicht. Bürgerrecht beruhte auf Aufnahme und konnte an mehrere Bedingungen gebunden sein.
Frage 2 von 3MittelWelche Zuordnung ist richtig?
Lösung: Einwohner: Wohnort; Staatsbürger: rechtliche Staatszugehörigkeit; Bürgertum: soziale Gruppe — Die drei Begriffe beantworten unterschiedliche Fragen: Wo lebt jemand? Zu welchem Staat gehört jemand rechtlich? Welcher sozialen Gruppe wird jemand zugerechnet?
Frage 3 von 3SchwerEine Stadt nimmt einen Handwerker nach Eid und Gebühr als Bürger auf, lässt aber nur reiche Familien über alle Ratsämter entscheiden. Wie ist das zu beurteilen?
Lösung: Der Handwerker besitzt Bürgerrecht, aber die politische Macht ist unter den Bürgern ungleich verteilt. — Bürgerstatus und tatsächlicher politischer Einfluss müssen getrennt betrachtet werden. Auch innerhalb der Bürgerschaft bestanden soziale und politische Unterschiede.

Prüfe zum Schluss deinen Denkweg: Kannst du bei einer Aussage zuerst entscheiden, ob „Bürger“ den Wohnort, einen rechtlichen Status oder eine gesellschaftliche Gruppe meint? Dann hast du die wichtigste Unterscheidung dieser Seite verstanden.

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