DDR: Geschichte, Alltag und Ende der SED-Diktatur
Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) war von 1949 bis 1990 der zweite deutsche Staat neben der Bundesrepublik. Obwohl sie sich demokratisch nannte, bestimmte die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) Politik und Gesellschaft. Freie Wahlen und eine wirksame Gewaltenteilung gab es nicht.
Auf dieser Seite erfährst du, wie die DDR entstand, wie die SED ihre Herrschaft sicherte, wie Menschen zwischen sozialer Absicherung und staatlicher Kontrolle lebten und warum die friedliche Revolution 1989 das Ende der Diktatur einleitete.
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Wie entstand die DDR?
Nach dem von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg teilten die Siegermächte das Land 1945 in vier Besatzungszonen. Die Sowjetunion verwaltete die östliche Zone. USA, Großbritannien und Frankreich kontrollierten die westlichen Zonen.
Aus den früheren Verbündeten entwickelte sich im Kalten Krieg ein Konflikt zwischen der Sowjetunion und den westlichen Mächten. Beide Seiten verfolgten unterschiedliche politische und wirtschaftliche Vorstellungen. In den Westzonen entstand im Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland. Am 7. Oktober 1949 wurde in der sowjetischen Besatzungszone die DDR gegründet.
Kalter Krieg
Der Kalte Krieg war der politische, wirtschaftliche und militärische Gegensatz zwischen dem von den USA geprägten Westen und dem von der Sowjetunion geführten Osten. Er hieß „kalt“, weil die beiden Großmächte nicht unmittelbar einen Krieg gegeneinander führten.
In der sowjetischen Zone waren Wirtschaft, Verwaltung und Politik schon vor der Staatsgründung umgestaltet worden. KPD und SPD vereinigten sich 1946 zur SED. Die SED entwickelte sich zur führenden Partei des neuen Staates.
Die DDR entstand nicht plötzlich: Besatzungspolitik, der wachsende Ost-West-Konflikt und der Aufbau zweier unterschiedlicher Ordnungen führten 1949 zu zwei deutschen Staaten.
Warum war die DDR keine Demokratie?
Die DDR besaß eine Verfassung, eine Regierung und ein Parlament, die Volkskammer. Diese Einrichtungen machten den Staat aber nicht demokratisch: Entscheidend ist, ob Menschen frei zwischen politischen Angeboten wählen und die Regierenden kontrollieren können.
SED-Diktatur
Als SED-Diktatur bezeichnet man die Herrschaftsordnung der DDR, weil die SED die entscheidende politische Macht besaß, freie politische Konkurrenz verhinderte und Gegner unterdrückte.
Die Kandidaten für die Volkskammer standen auf einer Einheitsliste. Ihre Verteilung war bereits vor der Abstimmung festgelegt. Neben der SED bestanden Blockparteien und Massenorganisationen, doch sie waren in die von der SED kontrollierte Nationale Front eingebunden. Das tatsächliche Führungsorgan war das Politbüro der SED.
Eine wirksame Gewaltenteilung fehlte. Parlament, Regierung und Gerichte konnten die Parteiführung nicht unabhängig begrenzen. Kritik und abweichende politische Positionen wurden nicht als normaler Bestandteil demokratischer Auseinandersetzung behandelt.
Das Ministerium für Staatssicherheit, meist Stasi genannt, überwachte tatsächliche oder vermeintliche Gegner. Es arbeitete als Geheimdienst und Geheimpolizei, setzte ein großes Netz von Informanten ein und konnte Menschen verfolgen, inhaftieren oder in ihren Bildungs- und Berufschancen beeinträchtigen.
Eine Wahl ist nicht allein deshalb demokratisch, weil Stimmzettel und Wahllokale vorhanden sind. Wenn die Auswahl vorher kontrolliert wird, keine unabhängige Opposition antreten kann und Kritik persönliche Nachteile auslösen kann, fehlt eine freie politische Entscheidung.
Wie prägten Planwirtschaft und Staat den Alltag?
Der Alltag in der DDR bestand nicht nur aus offener Repression. Menschen arbeiteten, gründeten Familien, pflegten Freundschaften und gestalteten ihre Freizeit. Zugleich griff der Staat stark in Bildung, Beruf, Wohnen, Kultur und Konsum ein.
Planwirtschaft
In einer Planwirtschaft legt der Staat zentrale Ziele für Produktion, Preise und Verteilung fest. Betriebe richten sich nach staatlichen Plänen und nicht hauptsächlich nach Angebot, Nachfrage und eigenen Unternehmensentscheidungen.
Die DDR garantierte ein Recht auf Arbeit, verband es aber mit einer Arbeitspflicht. Beschäftigte arbeiteten häufig in Brigaden, die nicht nur den Arbeitsalltag, sondern auch soziale Beziehungen prägten. Frauen waren fast ebenso häufig berufstätig wie Männer. Ganztägige Kinderbetreuung und weitere Familienleistungen erleichterten die Erwerbstätigkeit. Hausarbeit und Familienpflichten blieben dennoch überwiegend bei Frauen, und nur wenige erreichten Führungspositionen.
Kinder besuchten Krippe, Kindergarten und meist die zehnklassige Polytechnische Oberschule. Pionierorganisation und Freie Deutsche Jugend boten Freizeitaktivitäten, sollten junge Menschen aber zugleich an den Sozialismus und die SED binden. Gute Noten allein sicherten nicht immer einen Studienplatz; auch politisches Engagement und die politische oder religiöse Einordnung einer Familie konnten eine Rolle spielen.
Der Staat verteilte Wohnungen und hielt Mieten niedrig. Gleichzeitig waren Wartezeiten üblich, viele Altbauten schlecht erhalten und manche Wohnungen ohne Bad oder Warmwasser. Das Gesundheitswesen war für Bürger kostenlos, litt jedoch teilweise unter fehlenden Medikamenten und Krankenhausplätzen.
Kultur und Sport boten Gemeinschaft und Unterhaltung. Veröffentlichungen, Filme und andere kulturelle Inhalte unterlagen aber der Zensur. Internationale Sporterfolge sollten außerdem die Leistungsfähigkeit des Staates zeigen.
Soziale Sicherheit und politische Unfreiheit schließen einander nicht aus. Eine treffende Beurteilung muss deshalb beides untersuchen: konkrete Lebensbedingungen und die fehlenden politischen Rechte.
Warum wurden Grenze und Mauer gebaut?
Von 1949 bis 1961 verließen etwa 2,7 Millionen Menschen die DDR in Richtung Westen. Gründe waren politische Unfreiheit, Verfolgung, staatliche Bevormundung sowie die Hoffnung auf bessere Lebens- und Verdienstmöglichkeiten. Die Abwanderung vieler junger und ausgebildeter Menschen belastete den Staat zusätzlich.
Am 13. August 1961 ließ die SED-Führung die Grenze in Berlin schließen. Danach entstanden die Berliner Mauer und weitere befestigte Grenzanlagen. Sie sollten nicht einen Angriff von außen abwehren, sondern vor allem Menschen daran hindern, die DDR zu verlassen.
Fluchtversuche blieben lebensgefährlich. Gefasste Flüchtende mussten mit Haft und schweren Folgen für ihr weiteres Leben rechnen. Mindestens 140 Menschen starben zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer; auch an der übrigen innerdeutschen Grenze kamen Menschen ums Leben.
Die Mauer war zugleich Folge und Werkzeug der SED-Herrschaft: Sie reagierte auf die Massenflucht und stabilisierte den Staat, indem sie die Bevölkerung am Weggehen hinderte.
Wie brachten Proteste die SED-Herrschaft zu Fall?
Unter dem Dach evangelischer Kirchen entstanden Freiräume für Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen. Dort konnten sich Menschen treffen, Informationen austauschen und Kritik äußern. Symbole wie „Schwerter zu Pflugscharen“ standen für Protest gegen Aufrüstung und Militarisierung.
In den 1980er-Jahren verschärften sich mehrere Probleme gleichzeitig. Die Planwirtschaft geriet in eine schwere Krise, Umweltschäden nahmen zu und die SED hielt an Zensur und Repression fest. Während der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow seit 1985 Reformen anstieß, verweigerte die DDR-Führung einen vergleichbaren Kurs.
1989 flohen Tausende über andere osteuropäische Staaten oder suchten Zuflucht in bundesdeutschen Botschaften. Gleichzeitig wuchsen die Demonstrationen in der DDR. Besonders die Leipziger Montagsdemonstrationen verlangten politische Freiheit und Veränderungen. Der Verzicht der Sicherheitsorgane auf eine gewaltsame Niederschlagung ermöglichte den weiteren friedlichen Protest.
Friedliche Revolution
Die friedliche Revolution bezeichnet die von Bürgerinnen und Bürgern getragenen Proteste und politischen Veränderungen von 1989/90, durch die die SED ihre Herrschaft verlor und freie Wahlen möglich wurden.
In der Nacht des 9. November 1989 wurden die Berliner Grenzübergänge überraschend geöffnet. Der Mauerfall war daher kein Geschenk der SED, sondern stand am Ende von Fluchtbewegung, Protest und dem Machtverlust der Führung.
Wie endete die DDR?
Nach dem Mauerfall verlor die SED rasch ihre Macht. Am 7. Dezember 1989 trat erstmals der zentrale Runde Tisch zusammen. Vertreter bestehender Parteien, oppositioneller Gruppen und der Kirchen berieten über den Übergang und bereiteten freie Wahlen vor.
Am 18. März 1990 fand die erste freie Volkskammerwahl der DDR statt. Eine Mehrheit unterstützte Parteien, die eine schnelle deutsche Vereinigung anstrebten. Unter Ministerpräsident Lothar de Maizière verhandelte die DDR-Regierung mit der Bundesrepublik über die nächsten Schritte.
Am 1. Juli 1990 trat die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion in Kraft. Nach weiteren Verhandlungen traten die wiederhergestellten ostdeutschen Länder und Ost-Berlin am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik bei. Die DDR hörte nach fast 41 Jahren auf zu bestehen. Der 3. Oktober ist seitdem der Tag der Deutschen Einheit.
- 7. Oktober 1949Gründung der DDR
- 17. Juni 1953Volksaufstand wird von sowjetischen Truppen niedergeschlagen
- 13. August 1961Grenzschließung und Beginn des Mauerbaus
- 1971Erich Honecker übernimmt die Führung der SED
- 1989Fluchtbewegung und friedliche Massendemonstrationen
- 9. November 1989Öffnung der Berliner Grenzübergänge
- 18. März 1990Erste freie Volkskammerwahl
- 3. Oktober 1990Ende der DDR und deutsche Einheit
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Alles auf einen Blick
- DDR von 1949 bis 1990
- Entstehung aus sowjetischer Besatzungszone und Kaltem Krieg
- Herrschaft der SED ohne freie Wahlen und Gewaltenteilung
- Überwachung und Repression durch die Stasi
- Planwirtschaft, soziale Leistungen und staatlich gelenkter Alltag
- Massenflucht und Grenzschließung von 1961
- Opposition, Fluchtbewegung und friedliche Proteste von 1989
- Freie Volkskammerwahl und deutsche Einheit von 1990
Abschluss-Check
Du hast den Zusammenhang verstanden, wenn du die DDR weder nur als Reihe politischer Daten noch nur als Alltagserfahrung beschreibst: Entscheidend ist das Zusammenspiel von Teilung, SED-Herrschaft, gelenkter Wirtschaft, persönlichem Leben, Repression, Opposition und friedlicher Revolution.
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