Geschichte

Ermächtigungsgesetz 1933: Weg in die NS-Diktatur

Ermächtigungsgesetz 1933: Weg in die NS-Diktatur
Ermächtigungsgesetz 1933: Weg in die NS-Diktatur
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Das Ermächtigungsgesetz erlaubte der Reichsregierung, Gesetze ohne den Reichstag und sogar abweichend von der Verfassung zu beschließen. So beseitigte es die parlamentarische Kontrolle und wurde zu einer zentralen Grundlage der nationalsozialistischen Diktatur.

Deine Lernziele

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Vom Reichstagsbrand zum Ermächtigungsgesetz

Hitler wurde am 30. Januar 1933 Reichskanzler. Seine Regierung besaß jedoch keine sichere Mehrheit, mit der sie allein die Verfassung hätte ändern können.

Nach dem Reichstagsbrand setzte die Reichstagsbrandverordnung wichtige Grundrechte außer Kraft. Sie erleichterte die Verfolgung politischer Gegner, besonders von Kommunisten und Sozialdemokraten. Verhaftungen, Flucht und der Ausschluss von Abgeordneten schwächten die Opposition noch vor der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz.

Zeitstrahl
  1. 30. Januar 1933Hitler wird Reichskanzler.
  2. 27. Februar 1933Der Reichstag brennt.
  3. 28. Februar 1933Die Reichstagsbrandverordnung setzt wichtige Grundrechte außer Kraft.
  4. 5. März 1933Die NSDAP verfehlt bei der Reichstagswahl die absolute Mehrheit.
  5. 21. März 1933Der „Tag von Potsdam“ inszeniert Nähe zu Hindenburg und preußischer Tradition.
  6. 23. März 1933Der Reichstag stimmt in der Krolloper über das Ermächtigungsgesetz ab.
  7. 24. März 1933Das Gesetz wird verkündet und tritt in Kraft.
Merke

Die Diktatur entstand nicht durch ein einzelnes Ereignis. Verfolgung, Propaganda, gesetzliche Eingriffe, Drohungen und die Zustimmung weiterer Parteien wirkten zusammen.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Maßnahme erleichterte bereits vor dem Ermächtigungsgesetz die Verfolgung der politischen Opposition?
Lösung: Die Reichstagsbrandverordnung — Die Reichstagsbrandverordnung setzte wichtige Grundrechte außer Kraft und ermöglichte weitreichende Verhaftungen.
Frage 2 von 2MittelWelche Ereigniskette beschreibt die Vorbereitung der Abstimmung am besten?
Lösung: Reichstagsbrand, Grundrechtsabbau, Verfolgung der Opposition, Abstimmung unter Druck — Der Abbau von Grundrechten und die Verfolgung der Opposition veränderten die Bedingungen, unter denen der Reichstag abstimmte.
Wie kam die Zweidrittelmehrheit zustande?

Da das Gesetz die Verfassungsordnung veränderte, mussten mindestens zwei Drittel der gesetzlichen Mitglieder anwesend sein. Bei 647 Sitzen waren das mindestens 432 Abgeordnete. Außerdem mussten zwei Drittel der Anwesenden zustimmen.

Beispiel

Zwei Drittel von 647 sind 431⅓. Da es keinen Bruchteil eines Abgeordneten gibt, mussten mindestens 432 Mitglieder anwesend sein.

SPD und KPD hatten zusammen 201 Sitze. Wären zusätzlich mindestens 15 weitere Abgeordnete ferngeblieben, wären höchstens 431 Mitglieder anwesend gewesen. Das Anwesenheitsquorum wäre verfehlt worden.

Das Verfahren wurde jedoch gezielt verändert. Die Geschäftsordnung sollte verhindern, dass das Gesetz durch Fernbleiben scheiterte. Die 81 KPD-Abgeordneten konnten nicht teilnehmen; ihre Mandate waren annulliert worden. Zudem waren 26 SPD-Abgeordnete verhaftet oder geflohen.

Die Sitzung fand in der Krolloper statt, weil das Reichstagsgebäude nach dem Brand nicht nutzbar war. SA- und SS-Verbände umstellten und bewachten den Tagungsort. Diese bewaffnete Drohkulisse schüchterte Abgeordnete ein.

Bei der namentlichen Abstimmung wurden 538 gültige Stimmen abgegeben:

  • 444 Abgeordnete stimmten mit Ja.
  • 94 anwesende SPD-Abgeordnete stimmten mit Nein.
  • Die SPD war die einzige geschlossen ablehnende Fraktion.
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Frage 1 von 2MittelWarum reichten die Stimmen der NSDAP allein nicht aus?
Lösung: Für das verfassungsändernde Gesetz war eine Zweidrittelmehrheit nötig. — Die NSDAP hatte bei der Wahl keine absolute Mehrheit erreicht und benötigte für das Gesetz Stimmen weiterer Parteien.
Frage 2 von 2SchwerWelche Aussage bewertet das Abstimmungsergebnis angemessen?
Lösung: Es gab eine formale Abstimmung, aber Ausschluss, Verhaftungen und Einschüchterung verhinderten freie parlamentarische Bedingungen. — Die Abstimmung fand statt, doch ihre Bedingungen waren durch Verfolgung, Verfahrensmanipulation und Gewaltandrohung geprägt.
Was regelten die fünf Artikel?
Definition

Gewaltenteilung

In einer Demokratie werden staatliche Aufgaben auf verschiedene Gewalten verteilt: Die Legislative beschließt Gesetze, die Exekutive führt sie aus und die Judikative spricht Recht. Diese Aufteilung begrenzt Macht und ermöglicht gegenseitige Kontrolle.

Die Reichsregierung gehörte zur Exekutive. Durch das Ermächtigungsgesetz erhielt sie zusätzlich Befugnisse der Legislative. Es wurde also nicht „die Exekutive an Hitler übergeben“; vielmehr durfte die Regierung selbst Gesetze erlassen.

Die fünf Artikel bewirkten zusammen:

  1. Die Reichsregierung durfte neben dem Reichstag Reichsgesetze beschließen.
  2. Regierungsgesetze durften von der Verfassung abweichen. Reichstag und Reichsrat sollten als Einrichtungen formal bestehen bleiben; auch die Rechte des Reichspräsidenten blieben dem Wortlaut nach unberührt.
  3. Der Reichskanzler fertigte die Regierungsgesetze aus und verkündete sie.
  4. Bestimmte Staatsverträge benötigten keine Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften.
  5. Das Gesetz trat mit seiner Verkündung in Kraft und sollte zunächst spätestens am 1. April 1937 enden.
Beispiel

Vorher sollte der Reichstag als gesetzgebende Gewalt die Regierung kontrollieren. Nach dem Ermächtigungsgesetz konnte die Regierung ein Gesetz selbst beschließen und verkünden. Damit kontrollierte die Legislative die Exekutive nicht mehr wirksam.

Lückentext

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Die Reichsregierung gehörte zur . Durch das Gesetz erhielt sie Befugnisse der . Regierungsgesetze durften von der abweichen. Dadurch verlor der Reichstag seine wirksame .

Lösungen: Lücke 1: Exekutive; Lücke 2: Legislative; Lücke 3: Verfassung; Lücke 4: Kontrollfunktion. Entscheidend ist die Machtverschiebung: Die ausführende Regierung durfte selbst Gesetze erlassen und dabei von der Verfassung abweichen.
Warum stimmten weitere Parteien zu?

Die Stimmen des Zentrums und anderer bürgerlicher Parteien waren für die Zweidrittelmehrheit entscheidend. Ihre Zustimmung hatte nicht bei allen Abgeordneten denselben Grund.

Eine Rolle spielten unter anderem:

  • unmittelbare Einschüchterung und Angst vor Gewalt;
  • Parteidisziplin und Sorge vor persönlichen oder beruflichen Folgen;
  • Angst vor Kommunismus und einer gewaltsamen Revolution;
  • Hoffnung, Hitler werde seine Zusicherungen einhalten;
  • Zustimmung zu autoritären oder nationalistischen Zielen;
  • die Erwartung, eine Zustimmung könne eine noch offenere Gewaltherrschaft verhindern.

Hitler versprach, Reichstag, Reichsrat, Länder, Kirchen und Reichspräsident nicht anzutasten. Eine verlangte schriftliche Bestätigung für Zusagen an das Zentrum wurde jedoch nicht geliefert.

Otto Wels begründete die Ablehnung der SPD mit der Verteidigung von parlamentarischer Kontrolle, Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit. Sein Satz „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“ fasste diesen Widerstand zusammen.

Gut zu wissen

Die Bezeichnung Selbstentmachtung des Parlaments beschreibt, dass eine Mehrheit dem Gesetz zustimmte. Sie reicht als Erklärung aber nicht aus: Ein Teil der Opposition war ausgeschlossen, Abgeordnete waren verfolgt worden und am Tagungsort herrschte eine massive Drohkulisse.

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Frage 1 von 2MittelWelche Erklärung für die Zustimmung der bürgerlichen Parteien ist historisch am genauesten?
Lösung: Einschüchterung, politische Überzeugungen, Hoffnungen und Interessen wirkten je nach Abgeordnetem unterschiedlich zusammen. — Eine differenzierte Erklärung verbindet Zwang und Verfolgung mit Parteidisziplin, politischen Einstellungen, Hoffnungen und Eigeninteressen.
Frage 2 von 2SchwerWarum waren Hitlers Zusicherungen politisch wirksam?
Lösung: Sie ließen einige Abgeordnete hoffen, die Vollmachten würden begrenzt eingesetzt. — Beschwichtigung und Drohung wirkten gleichzeitig: Hitler versprach Begrenzung, während die Opposition verfolgt und der Tagungsort bewacht wurde.
Wie führte das Gesetz zur Diktatur?

Die Weimarer Verfassung wurde nicht sofort vollständig aufgehoben. Sie wurde aber durch die Reichstagsbrandverordnung und das Ermächtigungsgesetz praktisch ausgehöhlt. Die Regierung konnte ohne wirksame parlamentarische Kontrolle handeln und ihren Maßnahmen einen gesetzlichen Anschein geben.

Das Gesetz erleichterte die weitere Gleichschaltung. Damit ist die erzwungene Unterordnung von Staat und Gesellschaft unter die nationalsozialistische Herrschaft gemeint.

Zu den Folgen gehörten:

  • die weitere Einschränkung von Grundrechten;
  • die Verfolgung politischer Gegner;
  • die Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933;
  • das Verbot der SPD und die erzwungene Auflösung weiterer Parteien;
  • der Einparteienstaat ab Juli 1933;
  • die Ausschaltung der politischen Selbstständigkeit von Ländern und Gemeinden;
  • staatlich gelenkte antisemitische Entrechtung und Verfolgung.

Das Gesetz war zunächst auf vier Jahre befristet. Es wurde 1937, 1939 und 1943 verlängert und blieb bis zum Ende des NS-Regimes wirksam. Der Reichstag bestand formal weiter, hatte aber keine wirksame politische Kontrollfunktion mehr.

Merke

Ein Gesetz ist nicht schon deshalb demokratisch, weil darüber abgestimmt wurde. Entscheidend sind auch freie Opposition, geschützte Grundrechte, ein unverfälschtes Verfahren und wirksame Kontrolle der Regierung.

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Frage 1 von 2MittelWelche Folge hängt unmittelbar mit dem Ermächtigungsgesetz zusammen?
Lösung: Die Regierung konnte Gesetze ohne wirksame Zustimmung des Reichstags beschließen. — Die neuen Gesetzgebungsbefugnisse ermöglichten der Regierung, die Diktatur ohne wirksame parlamentarische Kontrolle auszubauen.
Frage 2 von 2SchwerEine Regierung lässt das Parlament formal bestehen, erlässt aber alle wichtigen Gesetze selbst. Was zeigt dieses Beispiel?
Lösung: Das bloße Fortbestehen eines Parlaments garantiert noch keine parlamentarische Kontrolle. — Institutionen können auf dem Papier weiterbestehen und dennoch politisch entmachtet sein.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Ermächtigungsgesetz 1933
    • Vorbereitung: Grundrechtsabbau und Verfolgung der Opposition
    • Abstimmung: Ausschluss, Drohkulisse und Zustimmung weiterer Parteien
    • Inhalt: Gesetzgebung durch die Reichsregierung
    • Machtverschiebung: Entmachtung des Parlaments und Schwächung der Gewaltenteilung
    • Folgen: Gleichschaltung, Einparteienstaat und Ausbau der Diktatur
    • Urteil: formales Gesetzgebungsverfahren ohne freie demokratische Bedingungen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtAn welchem Tag stimmte der Reichstag über das Ermächtigungsgesetz ab?
Lösung: Am 23. März 1933 — Beschluss und Inkrafttreten sind zu unterscheiden: Abstimmung am 23. März, Verkündung und Inkrafttreten am 24. März 1933.
Frage 2 von 4MittelWelche Machtverschiebung bewirkte das Gesetz?
Lösung: Die Exekutive erhielt weitreichende Gesetzgebungsbefugnisse der Legislative. — Die Reichsregierung konnte selbst Gesetze beschließen. Dadurch verlor die parlamentarische Kontrolle ihre Wirkung.
Frage 3 von 4SchwerWarum ist die Aussage „Der Reichstag entmachtete sich freiwillig“ unzureichend?
Lösung: Sie verschweigt Verfolgung, Ausschluss und Einschüchterung und erklärt außerdem die unterschiedlichen Motive der Zustimmenden nicht. — Ein historisches Urteil muss sowohl das Abstimmungsergebnis als auch die unfreien Bedingungen und die verschiedenen Motive der Beteiligten berücksichtigen.
Frage 4 von 4SchwerWelche Erklärung verbindet Vorgeschichte, Gesetz und Folge richtig?
Lösung: Die Reichstagsbrandverordnung schwächte Grundrechte und Opposition; das Ermächtigungsgesetz beseitigte parlamentarische Kontrolle; danach konnte die Diktatur weiter ausgebaut werden. — Die Errichtung der Diktatur war ein Prozess: Grundrechtsabbau und Verfolgung bereiteten die Abstimmung vor, das Gesetz konzentrierte Macht, und die Gleichschaltung beseitigte weitere Gegenkräfte.

Du hast das Lernziel erreicht, wenn du nicht nur Inhalt und Datum des Gesetzes nennen kannst, sondern auch erklärst, wie seine Annahme vorbereitet wurde und warum es die demokratische Gewaltenteilung zerstörte.

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