Geschichte

Gleichschaltung im Nationalsozialismus erklärt

Gleichschaltung im Nationalsozialismus erklärt
Gleichschaltung im Nationalsozialismus erklärt
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Mit „Gleichschaltung“ bezeichneten die Nationalsozialisten die Beseitigung selbstständiger politischer und gesellschaftlicher Strukturen. Institutionen und Organisationen wurden auf die Ziele der NSDAP ausgerichtet, aufgelöst oder durch NS-Organisationen ersetzt. Gesetze, Gewalt, Verfolgung und freiwillige Anpassung wirkten dabei zusammen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum der Begriff verharmlost

Das Wort „Gleichschaltung“ stammt ursprünglich aus der Elektrotechnik. Die Nationalsozialisten verwendeten es für die erzwungene Ausrichtung von Staat und Gesellschaft auf ihre Herrschaft und Weltanschauung.

Definition

Gleichschaltung

„Gleichschaltung“ bezeichnet die Ausschaltung oder Unterordnung selbstständiger Institutionen, Parteien, Verbände, Medien und Vereine zugunsten der NSDAP. Der Vorgang war ein wichtiger Schritt bei der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur.

Der technisch klingende Ausdruck verdeckt, was tatsächlich geschah: Grundrechte wurden beseitigt, Gegner verfolgt, Menschen willkürlich verhaftet, misshandelt und eingeschüchtert. Demokratische Institutionen verloren ihre Macht.

Merke

Gleichschaltung bedeutete nicht, dass alle gleichberechtigt wurden. Sie bedeutete, dass Vielfalt, Selbstständigkeit und Widerspruch beseitigt werden sollten.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Beschreibung trifft den historischen Begriff „Gleichschaltung“?
Lösung: Selbstständige Institutionen wurden beseitigt oder den Zielen der NSDAP untergeordnet. — Die NSDAP wollte mögliche Gegenkräfte ausschalten und möglichst alle Bereiche kontrollieren.
Wie die Länder ihre Selbstständigkeit verloren

Deutschland war föderal aufgebaut: Die Länder besaßen eigene Parlamente, Regierungen und Hoheitsrechte. Die NS-Führung beseitigte diese Machtverteilung schrittweise und errichtete einen zentralistischen Einheitsstaat.

Zeitstrahl
  1. 31. März 1933Das erste Gleichschaltungsgesetz überträgt Gesetzgebungsbefugnisse auf die Landesregierungen und lässt die Landtage neu bilden.
  2. 7. April 1933Das zweite Gleichschaltungsgesetz unterstellt die Landesregierungen den Reichsstatthaltern.
  3. 30. Januar 1934Das Gesetz über den Neuaufbau des Reiches überträgt die Hoheitsrechte der Länder auf das Reich und löst die Landtage endgültig auf.
  4. 14. Februar 1934Der Reichsrat als Vertretung der Länder wird abgeschafft.

Die Reichsstatthalter waren Vertreter der Reichsregierung in den Ländern. Durch ihre Stellung konnte die NS-Führung die Landesregierungen kontrollieren. Zugleich wurde die Gewaltenteilung geschwächt: Gesetzgebung und Regierungsmacht wurden nicht mehr wirksam voneinander getrennt.

Beispiel

Vor der Gleichschaltung beriet und beschloss ein Landtag Landesgesetze. Durch das erste Gleichschaltungsgesetz gingen Gesetzgebungsbefugnisse auf die Landesregierung über. Damit verlor das Parlament eine zentrale Aufgabe, während die Regierung zusätzliche Macht erhielt.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum erleichterte die Entmachtung der Landtage den Aufbau der Diktatur?
Lösung: Sie beseitigte eigenständige parlamentarische Entscheidungen auf Länderebene. — Wo Parlamente nicht mehr unabhängig beraten und entscheiden können, fehlt eine wichtige Kontrolle der Regierungsmacht.
Wie Gegner und unabhängige Organisationen ausgeschaltet wurden

Die Gleichschaltung beruhte nicht nur auf Gesetzen. Die NSDAP verband rechtliche Veränderungen mit Verfolgung, Einschüchterung und brutalem Terror.

Wichtige Schritte des Jahres 1933 waren:

  • Seit dem Reichstagsbrand wurde die KPD verfolgt; am 9. März wurden ihre Reichstagsmandate aufgehoben.
  • Am 2. Mai wurden die Gewerkschaften zerschlagen.
  • Am 22. Juni wurde die SPD verboten.
  • Die übrigen Parteien lösten sich unter dem Druck des Regimes auf.
  • Das Gesetz gegen die Neubildung von Parteien vom 14. Juli erlaubte nur noch die NSDAP.

Auch die öffentliche Verwaltung wurde umgestaltet. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 ermöglichte die Entlassung politisch unerwünschter Beamter. Der sogenannte Arierparagraph richtete sich besonders gegen Menschen, die nach der rassistischen Einteilung der Nationalsozialisten als jüdisch galten.

Gut zu wissen

Die Ausschaltung des Parlaments durch das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 und die Gleichschaltung gehören zum selben Aufbauprozess der Diktatur. Sie sind aber nicht identisch: Das Ermächtigungsgesetz verlagerte Gesetzgebungsmacht auf die Reichsregierung; die Gleichschaltung unterwarf anschließend zahlreiche staatliche und gesellschaftliche Bereiche.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum reichten Gesetze allein für die Gleichschaltung nicht aus?
Lösung: Die NS-Führung setzte zusätzlich Verfolgung, Einschüchterung und Gewalt gegen möglichen Widerstand ein. — Gesetze schufen den formalen Rahmen. Terror und Verfolgung nahmen Gegnern zugleich die Möglichkeit, sich frei zu organisieren oder zu widersprechen.
Wie Kontrolle in den Alltag reichte

Die NSDAP wollte nicht nur staatliche Behörden beherrschen. Auch Medien, Kultur, Vereine und Jugendorganisationen sollten ihrer Ideologie folgen.

Medien und Kultur

Am 13. März 1933 wurde unter Joseph Goebbels das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda gegründet. Rundfunk, Presse und Film wurden zur politischen Beeinflussung und Selbstdarstellung des Regimes eingesetzt. Nachrichten wurden vorgegeben; dabei verbreitete das Regime auch bewusst Falschmeldungen.

Das Reichskulturkammergesetz vom 22. September 1933 ermöglichte die Kontrolle von Schriftstellern und Künstlern. Bücher von Menschen, deren politische Haltung oder zugeschriebene Abstammung nicht in die NS-Ideologie passte, wurden verbrannt. Zu den betroffenen Autoren gehörten Erich Kästner, Bertolt Brecht und Thomas Mann.

Vereine und Jugend

Viele Vereine und Verbände verloren ihre Selbstständigkeit, übernahmen NS-Symbole oder wurden in nationalsozialistische Organisationen eingegliedert. Selbst kleine Sport- und Gesangsvereine übernahmen teilweise den antisemitischen Arierparagraphen.

Hitler-Jugend und Bund Deutscher Mädel dienten der ideologischen Beeinflussung junger Menschen. Die Hitler-Jugend war uniformiert und militärisch organisiert; 1936 wurde die Mitgliedschaft verpflichtend.

Beispiel

Ein zuvor selbstständiger Jugendverband wird aufgelöst, und seine Mitglieder sollen sich einer NS-Jugendorganisation anschließen. Damit verliert der Verband seine eigenen Ziele und Regeln. Zugleich reicht die politische Kontrolle bis in Freizeit und Erziehung.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin Verein übernimmt nationalsozialistische Symbole und schließt Mitglieder nach rassistischen Kriterien aus. Was zeigt dieses Beispiel?
Lösung: Gleichschaltung konnte gesellschaftliche Organisationen und ihren Alltag erfassen. — Gleichschaltung veränderte nicht nur Behörden. Sie griff tief in gesellschaftliche Beziehungen, Freizeit und Kultur ein.
Warum Zwang und Anpassung zusammengehörten

Nicht jede Anpassung erfolgte erst nach einem direkten staatlichen Befehl. Manche Organisationen übernahmen nationalsozialistische Regeln bereitwillig. Eine solche Handlung kann Zustimmung ausdrücken oder eine Anpassung an den bestehenden Druck sein. Aus der Handlung allein lässt sich das Motiv einzelner Beteiligter aber nicht sicher bestimmen.

Das macht die Gleichschaltung nicht freiwillig oder friedlich. Verfolgung und Gewalt schufen einen Rahmen, in dem offener Widerstand gefährlich war. Deshalb solltest du zwischen mehreren Vorgängen unterscheiden:

  • staatlicher Zwang: Gesetze und Anordnungen entziehen Institutionen ihre Rechte;
  • Terror: Gegner werden verfolgt, verhaftet und eingeschüchtert;
  • soziale Kontrolle: Organisationen und Medien verbreiten die gewünschte Ideologie;
  • Anpassung oder Zustimmung: Menschen und Organisationen übernehmen Vorgaben auch ohne unmittelbar sichtbaren Befehl.

Die Kontrolle blieb dennoch nicht überall vollkommen. In den großen Kirchen bestand teilweise erhebliches Widerstandspotenzial. Das ist eine Einschränkung des nationalsozialistischen Kontrollanspruchs, bedeutet aber nicht, dass die Kirchen insgesamt außerhalb von Druck und Konflikten standen.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEin Sportverein übernimmt 1933 den Arierparagraphen, obwohl für diesen Schritt kein unmittelbarer staatlicher Befehl nachweisbar ist. Welche Einordnung ist am genauesten?
Lösung: Das ist Anpassung innerhalb eines von Antisemitismus, Macht und Gewalt geprägten Gleichschaltungsprozesses. — Eine einzelne freiwillig wirkende Handlung hebt den Zwangs- und Gewaltcharakter des Gesamtprozesses nicht auf. Sie zeigt, wie staatlicher Druck und gesellschaftliche Mitwirkung zusammenwirken konnten.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Gleichschaltung
    • Staat: Länder, Parlamente und Verwaltung verlieren Selbstständigkeit
    • Politik: Gegner, Parteien und Gewerkschaften werden ausgeschaltet
    • Gesellschaft: Vereine, Jugend und Kirchen geraten unter Druck
    • Öffentlichkeit: Medien und Kultur werden kontrolliert
    • Mittel: Gesetze, Terror, soziale Kontrolle und Anpassung
    • Ergebnis: Aufbau und Stabilisierung der NS-Diktatur
    • Gegenreaktion nach 1949: Föderalismus wird besonders geschützt

Seit 1949 ist Deutschland wieder föderal aufgebaut. Als Lehre aus der Entmachtung der Länder schützt die Ewigkeitsgarantie des Grundgesetzes die Gliederung des Bundes in Länder und ihre grundsätzliche Mitwirkung an der Gesetzgebung.

Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage fasst die Gleichschaltung am besten zusammen?
Lösung: Politische und gesellschaftliche Selbstständigkeit wurde zugunsten der NSDAP beseitigt. — Gleichschaltung erfasste Staat und Gesellschaft und war ein zentraler Teil beim Aufbau der Diktatur.
Frage 2 von 3MittelWelche Reihenfolge ist richtig?
Lösung: Gleichschaltungsgesetze der Länder – Einparteienstaat – Übertragung der Länderhoheitsrechte auf das Reich — Die Gleichschaltungsgesetze stammen vom 31. März und 7. April 1933. Am 14. Juli 1933 wurde nur noch die NSDAP erlaubt; am 30. Januar 1934 gingen die Hoheitsrechte der Länder auf das Reich über.
Frage 3 von 3SchwerWarum ist die Aussage „Die Gleichschaltung geschah nur durch staatlichen Zwang“ unvollständig?
Lösung: Neben Gesetzen und Terror trugen auch freiwillige Anpassung und Zustimmung zur Durchsetzung bei. — Der Prozess lässt sich nur verstehen, wenn du das Zusammenwirken von Recht, Gewalt, Kontrolle und gesellschaftlicher Mitwirkung untersuchst.

Prüfe dich selbst: Kannst du an einem neuen Beispiel benennen, wer seine Selbstständigkeit verliert, welches Mittel eingesetzt wird und wie dadurch die NS-Diktatur gestärkt wird? Dann hast du den Kern der Gleichschaltung verstanden.

Passend dazu