Gleichschaltung im Nationalsozialismus erklärt
Mit „Gleichschaltung“ bezeichneten die Nationalsozialisten die Beseitigung selbstständiger politischer und gesellschaftlicher Strukturen. Institutionen und Organisationen wurden auf die Ziele der NSDAP ausgerichtet, aufgelöst oder durch NS-Organisationen ersetzt. Gesetze, Gewalt, Verfolgung und freiwillige Anpassung wirkten dabei zusammen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum der Begriff verharmlost
Das Wort „Gleichschaltung“ stammt ursprünglich aus der Elektrotechnik. Die Nationalsozialisten verwendeten es für die erzwungene Ausrichtung von Staat und Gesellschaft auf ihre Herrschaft und Weltanschauung.
Gleichschaltung
„Gleichschaltung“ bezeichnet die Ausschaltung oder Unterordnung selbstständiger Institutionen, Parteien, Verbände, Medien und Vereine zugunsten der NSDAP. Der Vorgang war ein wichtiger Schritt bei der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur.
Der technisch klingende Ausdruck verdeckt, was tatsächlich geschah: Grundrechte wurden beseitigt, Gegner verfolgt, Menschen willkürlich verhaftet, misshandelt und eingeschüchtert. Demokratische Institutionen verloren ihre Macht.
Gleichschaltung bedeutete nicht, dass alle gleichberechtigt wurden. Sie bedeutete, dass Vielfalt, Selbstständigkeit und Widerspruch beseitigt werden sollten.
Wie die Länder ihre Selbstständigkeit verloren
Deutschland war föderal aufgebaut: Die Länder besaßen eigene Parlamente, Regierungen und Hoheitsrechte. Die NS-Führung beseitigte diese Machtverteilung schrittweise und errichtete einen zentralistischen Einheitsstaat.
- 31. März 1933Das erste Gleichschaltungsgesetz überträgt Gesetzgebungsbefugnisse auf die Landesregierungen und lässt die Landtage neu bilden.
- 7. April 1933Das zweite Gleichschaltungsgesetz unterstellt die Landesregierungen den Reichsstatthaltern.
- 30. Januar 1934Das Gesetz über den Neuaufbau des Reiches überträgt die Hoheitsrechte der Länder auf das Reich und löst die Landtage endgültig auf.
- 14. Februar 1934Der Reichsrat als Vertretung der Länder wird abgeschafft.
Die Reichsstatthalter waren Vertreter der Reichsregierung in den Ländern. Durch ihre Stellung konnte die NS-Führung die Landesregierungen kontrollieren. Zugleich wurde die Gewaltenteilung geschwächt: Gesetzgebung und Regierungsmacht wurden nicht mehr wirksam voneinander getrennt.
Vor der Gleichschaltung beriet und beschloss ein Landtag Landesgesetze. Durch das erste Gleichschaltungsgesetz gingen Gesetzgebungsbefugnisse auf die Landesregierung über. Damit verlor das Parlament eine zentrale Aufgabe, während die Regierung zusätzliche Macht erhielt.
Wie Gegner und unabhängige Organisationen ausgeschaltet wurden
Die Gleichschaltung beruhte nicht nur auf Gesetzen. Die NSDAP verband rechtliche Veränderungen mit Verfolgung, Einschüchterung und brutalem Terror.
Wichtige Schritte des Jahres 1933 waren:
- Seit dem Reichstagsbrand wurde die KPD verfolgt; am 9. März wurden ihre Reichstagsmandate aufgehoben.
- Am 2. Mai wurden die Gewerkschaften zerschlagen.
- Am 22. Juni wurde die SPD verboten.
- Die übrigen Parteien lösten sich unter dem Druck des Regimes auf.
- Das Gesetz gegen die Neubildung von Parteien vom 14. Juli erlaubte nur noch die NSDAP.
Auch die öffentliche Verwaltung wurde umgestaltet. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 ermöglichte die Entlassung politisch unerwünschter Beamter. Der sogenannte Arierparagraph richtete sich besonders gegen Menschen, die nach der rassistischen Einteilung der Nationalsozialisten als jüdisch galten.
Die Ausschaltung des Parlaments durch das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 und die Gleichschaltung gehören zum selben Aufbauprozess der Diktatur. Sie sind aber nicht identisch: Das Ermächtigungsgesetz verlagerte Gesetzgebungsmacht auf die Reichsregierung; die Gleichschaltung unterwarf anschließend zahlreiche staatliche und gesellschaftliche Bereiche.
Wie Kontrolle in den Alltag reichte
Die NSDAP wollte nicht nur staatliche Behörden beherrschen. Auch Medien, Kultur, Vereine und Jugendorganisationen sollten ihrer Ideologie folgen.
Medien und Kultur
Am 13. März 1933 wurde unter Joseph Goebbels das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda gegründet. Rundfunk, Presse und Film wurden zur politischen Beeinflussung und Selbstdarstellung des Regimes eingesetzt. Nachrichten wurden vorgegeben; dabei verbreitete das Regime auch bewusst Falschmeldungen.
Das Reichskulturkammergesetz vom 22. September 1933 ermöglichte die Kontrolle von Schriftstellern und Künstlern. Bücher von Menschen, deren politische Haltung oder zugeschriebene Abstammung nicht in die NS-Ideologie passte, wurden verbrannt. Zu den betroffenen Autoren gehörten Erich Kästner, Bertolt Brecht und Thomas Mann.
Vereine und Jugend
Viele Vereine und Verbände verloren ihre Selbstständigkeit, übernahmen NS-Symbole oder wurden in nationalsozialistische Organisationen eingegliedert. Selbst kleine Sport- und Gesangsvereine übernahmen teilweise den antisemitischen Arierparagraphen.
Hitler-Jugend und Bund Deutscher Mädel dienten der ideologischen Beeinflussung junger Menschen. Die Hitler-Jugend war uniformiert und militärisch organisiert; 1936 wurde die Mitgliedschaft verpflichtend.
Ein zuvor selbstständiger Jugendverband wird aufgelöst, und seine Mitglieder sollen sich einer NS-Jugendorganisation anschließen. Damit verliert der Verband seine eigenen Ziele und Regeln. Zugleich reicht die politische Kontrolle bis in Freizeit und Erziehung.
Warum Zwang und Anpassung zusammengehörten
Nicht jede Anpassung erfolgte erst nach einem direkten staatlichen Befehl. Manche Organisationen übernahmen nationalsozialistische Regeln bereitwillig. Eine solche Handlung kann Zustimmung ausdrücken oder eine Anpassung an den bestehenden Druck sein. Aus der Handlung allein lässt sich das Motiv einzelner Beteiligter aber nicht sicher bestimmen.
Das macht die Gleichschaltung nicht freiwillig oder friedlich. Verfolgung und Gewalt schufen einen Rahmen, in dem offener Widerstand gefährlich war. Deshalb solltest du zwischen mehreren Vorgängen unterscheiden:
- staatlicher Zwang: Gesetze und Anordnungen entziehen Institutionen ihre Rechte;
- Terror: Gegner werden verfolgt, verhaftet und eingeschüchtert;
- soziale Kontrolle: Organisationen und Medien verbreiten die gewünschte Ideologie;
- Anpassung oder Zustimmung: Menschen und Organisationen übernehmen Vorgaben auch ohne unmittelbar sichtbaren Befehl.
Die Kontrolle blieb dennoch nicht überall vollkommen. In den großen Kirchen bestand teilweise erhebliches Widerstandspotenzial. Das ist eine Einschränkung des nationalsozialistischen Kontrollanspruchs, bedeutet aber nicht, dass die Kirchen insgesamt außerhalb von Druck und Konflikten standen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Gleichschaltung
- Staat: Länder, Parlamente und Verwaltung verlieren Selbstständigkeit
- Politik: Gegner, Parteien und Gewerkschaften werden ausgeschaltet
- Gesellschaft: Vereine, Jugend und Kirchen geraten unter Druck
- Öffentlichkeit: Medien und Kultur werden kontrolliert
- Mittel: Gesetze, Terror, soziale Kontrolle und Anpassung
- Ergebnis: Aufbau und Stabilisierung der NS-Diktatur
- Gegenreaktion nach 1949: Föderalismus wird besonders geschützt
Seit 1949 ist Deutschland wieder föderal aufgebaut. Als Lehre aus der Entmachtung der Länder schützt die Ewigkeitsgarantie des Grundgesetzes die Gliederung des Bundes in Länder und ihre grundsätzliche Mitwirkung an der Gesetzgebung.
Abschluss-Check
Prüfe dich selbst: Kannst du an einem neuen Beispiel benennen, wer seine Selbstständigkeit verliert, welches Mittel eingesetzt wird und wie dadurch die NS-Diktatur gestärkt wird? Dann hast du den Kern der Gleichschaltung verstanden.
Mit Google fortfahren