Internetquellen in Geschichte sicher prüfen
Eine Internetquelle ist nicht allein deshalb zuverlässig, weil sie professionell aussieht oder von einer bekannten Institution stammt. Prüfe immer, wer verantwortlich ist, wie der Inhalt belegt und bearbeitet wurde und ob andere fachlich geeignete Quellen die Aussagen stützen.
Auf dieser Seite lernst du, digitale Geschichtsangebote mit den CARS-Kriterien zu untersuchen, auffällige Behauptungen zu überprüfen und deine Fundstelle nachvollziehbar zu dokumentieren.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Zwei Ebenen einer Internetquelle unterscheiden
Wenn du beispielsweise einen eingescannten Brief im Internet findest, untersuchst du zwei verschiedene Ebenen:
- Das historische Dokument: Wer schrieb den Brief, wann entstand er, an wen war er gerichtet und welche Absicht hatte die schreibende Person?
- Die digitale Bereitstellung: Wer veröffentlichte den Scan, ist er vollständig, wurde er bearbeitet und werden Herkunft sowie Bearbeitung erklärt?
Provenienz
Provenienz bedeutet Herkunft. Bei einer digitalen historischen Quelle fragst du unter anderem, aus welchem Archiv oder Bestand das Dokument stammt und wie es auf die Website gelangte.
Ein Digitalisat ist eine digitale Wiedergabe eines vorhandenen Dokuments, zum Beispiel ein Scan. Es ist nicht automatisch identisch mit dem Original: Seiten können fehlen, Bilder beschnitten oder Texte modernisiert worden sein.
Prüfe sowohl die historische Quelle als auch die Website, die sie auswählt, beschreibt und präsentiert.
Mit CARS vier wichtige Bereiche prüfen
CARS bündelt vier Prüfkriterien. Ein einzelnes positives Merkmal reicht nie für ein sicheres Urteil.
C – Glaubwürdigkeit
Prüfe, wer für den Inhalt verantwortlich ist:
- Werden Autorin, Autor oder herausgebende Institution genannt?
- Ist eine fachliche Qualifikation erkennbar?
- Gibt es ein Impressum oder Kontaktangaben?
Eine Universität, Behörde oder Bibliothek kann ein gutes Indiz sein. Ihre Beteiligung beweist aber nicht automatisch, dass jede Aussage richtig ist.
A – Sorgfalt
Prüfe die Genauigkeit und Vollständigkeit:
- Sind Veröffentlichungs- oder Aktualisierungsdatum angegeben?
- Werden Begriffe, Zeitangaben und Zusammenhänge sachlich erklärt?
- Ist erkennbar, ob ein vollständiges Dokument oder nur ein Auszug vorliegt?
- Werden Unsicherheiten und Lücken offengelegt?
Bei einem historischen Dokument bedeutet „aktuell“ nicht, dass das Dokument neu sein muss. Entscheidend ist, ob die Angaben der Website zum Forschungs- und Bearbeitungsstand nachvollziehbar sind.
R – Angemessenheit
Prüfe die Darstellung:
- Werden Tatsachen, Vermutungen und Wertungen unterschieden?
- Kommen wichtige Gegenargumente oder Einschränkungen vor?
- Ist die Sprache sachlich oder stark abwertend und übertreibend?
- Will der Beitrag informieren, überzeugen oder provozieren?
Völlige Neutralität ist nicht immer möglich. Wichtig ist, dass Perspektiven und Absichten erkennbar werden.
S – Belege und Bestätigung
Prüfe die Unterstützung der Aussagen:
- Werden Quellen und konkrete Fundstellen genannt?
- Lassen sich Zitate oder Bilder ihrer Herkunft zuordnen?
- Bestätigen andere voneinander unabhängige, fachlich geeignete Angebote die zentrale Behauptung?
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Bei CARS steht C für , A für , R für und S für .
Herkunft und Bearbeitung genau ansehen
Ein seriös wirkendes Layout sagt wenig über die Herkunft eines Dokuments aus. Suche stattdessen nach überprüfbaren Angaben.
Bei einem Digitalisat sind besonders wichtig:
- Urheberin oder Urheber des historischen Dokuments;
- Entstehungszeit und Quellenart;
- aufbewahrende Institution oder genannter Bestand;
- Umfang: vollständiges Dokument oder Auszug;
- Art der Wiedergabe: Scan, Abschrift oder Übersetzung;
- sichtbare Bearbeitungen, Kürzungen und ergänzende Kommentare.
Auch Bilder brauchen eine Herkunftsprüfung. Eine Bildunterschrift sollte deutlich machen, was abgebildet ist, wann das Bild entstand und woher die verwendete Fassung stammt. Fehlen diese Angaben, darfst du das Bild nicht einfach als Beleg für eine historische Behauptung behandeln.
Eine Website zeigt nur drei Sätze aus einem längeren Tagebucheintrag. Sie nennt zwar den Namen der schreibenden Person, aber weder Datum noch Aufbewahrungsort. Außerdem bleibt unklar, was vor und nach dem Ausschnitt steht.
Ein angemessenes Urteil lautet: Der Ausschnitt kann einen ersten Hinweis geben, ist aber noch keine ausreichend nachvollziehbare Grundlage. Für eine genauere Deutung fehlen Entstehungszeit, Herkunft, Zusammenhang und Angaben zur Auswahl.
Behauptungen vergleichen und die Recherche dokumentieren
Beginne nicht mit ziellosem Surfen. Formuliere zuerst eine klare Recherchefrage und zerlege sie in konkrete Suchbegriffe, etwa Ereignis, Zeitraum und Quellengattung.
Gehe dann in fünf Schritten vor:
- Notiere die genaue Behauptung, die du prüfen willst.
- Suche nach ihrer ursprünglichen Quelle oder einer möglichst genauen Fundstelle.
- Prüfe Autor, Institution, Entstehungs- oder Aktualisierungsdatum und Belege.
- Vergleiche die Behauptung mit mindestens zwei voneinander unabhängigen, fachlich geeigneten Angeboten.
- Halte Ergebnis und Funddaten sofort fest.
Zwei Seiten sind nicht wirklich unabhängig, wenn beide denselben ungeprüften Text abschreiben. Achte darauf, ob sie auf unterschiedliche fachliche Bearbeitungen oder Bestände zurückgreifen.
Für einen verwendeten Online-Text notierst du möglichst:
- Autorin oder Autor, ersatzweise die verantwortliche Institution;
- Titel des Beitrags und Titel des Portals;
- Erstellungs- oder Aktualisierungsdatum, falls angegeben;
- genaue Adresse der Fundstelle;
- dein Abrufdatum;
- bei langen Beiträgen eine genaue Stelle, etwa Absatz oder Zeitmarke.
Digitale Inhalte können verändert oder gelöscht werden. Sichere deshalb die verwendete Fassung nach den Vorgaben deiner Aufgabe. Fremde Gedanken und Formulierungen musst du eindeutig kennzeichnen.
Auch ein Beitrag einer generativen KI ist kein überprüfbarer historischer Beleg. Du kannst ihn zum Ordnen von Ideen nutzen, musst seine Aussagen aber an nachvollziehbaren Quellen prüfen und den KI-Einsatz transparent kennzeichnen.
Einen digitalen Fund vollständig beurteilen
Betrachte diesen erfundenen Übungsfall:
Eine Website zeigt einen kurzen Ausschnitt aus einem Feldpostbrief. Die Überschrift behauptet, der Brief beweise, dass alle Soldaten eines Krieges dieselbe Meinung gehabt hätten. Genannt werden der Name des Schreibers und das Jahr. Ein Archivbestand, der vollständige Brief und weitere Belege fehlen. Die Seite verwendet stark wertende Sprache.
1. Glaubwürdigkeit: Eine verantwortliche Person oder Institution ist nicht klar erkennbar. Die fachliche Zuständigkeit bleibt offen.
2. Sorgfalt: Das Jahr wird genannt, aber Fundort, vollständiger Text und Auswahlkriterien fehlen.
3. Angemessenheit: Die Formulierung „alle Soldaten“ verallgemeinert die Aussage einer einzelnen Person. Die wertende Sprache verstärkt den Verdacht auf eine einseitige Darstellung.
4. Belege und Bestätigung: Der Ausschnitt belegt höchstens die Äußerung des Schreibers in dieser konkreten Situation. Er belegt keine Meinung aller Soldaten. Für eine allgemeinere Aussage wären weitere, unterschiedlich entstandene Quellen und eine fachliche Einordnung nötig.
Gesamturteil: Die Seite ist in ihrer vorliegenden Form keine verlässliche Grundlage für die weitreichende Behauptung. Der Briefausschnitt könnte dennoch als historische Einzelquelle untersucht werden, wenn Herkunft, Vollständigkeit und Kontext geklärt werden.
Ein gutes Urteil lautet nicht nur „seriös“ oder „unseriös“. Es nennt überprüfte Stärken, offene Fragen und die Reichweite der Belege.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Internetquellen in Geschichte prüfen
- Zwei Ebenen
- historisches Dokument untersuchen
- digitale Bereitstellung untersuchen
- CARS anwenden
- Glaubwürdigkeit und Sorgfalt prüfen
- Angemessenheit und Belege prüfen
- Herkunft klären
- Bestand, Vollständigkeit und Bearbeitung feststellen
- Bilder und Zitate zuordnen
- Behauptungen verifizieren
- genaue Aussage festhalten
- unabhängige fachliche Angebote vergleichen
- Recherche dokumentieren
- Funddaten und genaue Stelle notieren
- verwendete Fassung und Abrufdatum sichern
- Urteil formulieren
- Stärken und offene Fragen nennen
- Reichweite der Belege begrenzen
- Zwei Ebenen
Abschluss-Check
Du kannst eine Internetquelle begründet verwenden, wenn du beide Prüfebenen auseinanderhältst, CARS anwendest, weitreichende Aussagen vergleichst und deine Funddaten sofort dokumentierst.
Mit Google fortfahren