Kreuzzüge: Ursachen, Verlauf und Folgen
Kreuzzüge waren kirchlich legitimierte Kriege, die religiöse Ziele mit politischen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen verbanden. Die Orientkreuzzüge begannen nach dem Aufruf Papst Urbans II. von 1095. Sie führten zu Eroberungen und zeitweiligen Herrschaften, aber auch zu Massakern, Verfolgungen und langfristigen Konflikten.
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Was waren Kreuzzüge?
Im engeren Sinn bezeichnet man als Kreuzzüge die vom Papst geforderten Kriege, die christliche Heere vom Ende des 11. bis ins 13. Jahrhundert vor allem in den Nahen Osten führten. Ein wichtiges Ziel war die Herrschaft über Jerusalem und andere heilige Stätten.
Kreuzzug
Ein Kreuzzug war zugleich Krieg, religiöser Bußgang und bewaffnete Pilgerfahrt. Teilnehmer legten ein Gelübde ab und trugen ein Kreuz an ihrer Kleidung. Dafür wurde ihnen ein Ablass, also der Erlass kirchlicher Sündenstrafen, zugesagt.
Der Begriff kann auch weiter gefasst werden. Später legitimierten Päpste ähnliche Kriege gegen nicht christianisierte Völker, als Ketzer bezeichnete Gruppen, orthodoxe Christen und politische Gegner. Wie weit der historische Begriff reicht, ist in der Forschung umstritten.
Die Kreuzzüge waren keine einfachen Kriege „der Christen gegen die Muslime“. Verschiedene Herrscher, Kirchen, Städte und Teilnehmer verfolgten unterschiedliche Interessen. Gewalt richtete sich auch gegen Juden sowie gegen andere Christen.
Warum begann der Erste Kreuzzug?
Der Erste Kreuzzug hatte nicht nur einen einzigen Auslöser. Mehrere Entwicklungen trafen zusammen:
- Das Byzantinische Reich verlor Gebiete in Anatolien an die Seldschuken. Kaiser Alexios I. bat den Westen um militärische Hilfe.
- Jerusalem war für Christen eine bedeutende Pilgerstätte. Berichte über Gefahren, Übergriffe und Behinderungen verstärkten den Wunsch, die heiligen Stätten zu kontrollieren. Wie stark Pilger damals tatsächlich behindert wurden, wird unterschiedlich beurteilt.
- Papst Urban II. rief am 27. November 1095 auf dem Konzil von Clermont zum Kreuzzug auf.
- Der versprochene Ablass und die Vorstellung einer bewaffneten Pilgerfahrt mobilisierten viele Menschen.
- Manche Teilnehmer hofften zusätzlich auf Land, Beute, Ansehen oder einen Neuanfang.
Jerusalem stand bereits seit 638 unter muslimischer Herrschaft. Die Seldschuken herrschten dort dagegen erst zeitweise im späten 11. Jahrhundert. Deshalb wäre die Aussage falsch, sie hätten Palästina schon seit dem 7. Jahrhundert beherrscht.
Ein Ritter konnte aus religiöser Überzeugung aufbrechen und zugleich auf gesellschaftlichen Aufstieg hoffen. Diese Motive schließen einander nicht aus. Historische Erklärungen müssen deshalb mehrere mögliche Beweggründe prüfen, ohne jedem Teilnehmer dieselben Absichten zuzuschreiben.
Was geschah beim Ersten Kreuzzug?
Noch 1096 brachen zunächst wenig organisierte Gruppen auf. Auf ihrem Weg verübten Teilnehmer Pogrome gegen jüdische Gemeinden im Rheinland, unter anderem in Mainz und Worms. Viele dieser Kreuzfahrer wurden anschließend in Kleinasien von seldschukischen Truppen vernichtet.
Später folgten besser organisierte Heere aus verschiedenen Teilen Europas. Sie erreichten über Konstantinopel den Nahen Osten und nahmen im Juli 1099 Jerusalem ein. Bei der Eroberung wurden zahlreiche muslimische und jüdische Bewohner getötet. Mittelalterliche Berichte übertrieben Opferzahlen häufig; das Massaker selbst ist jedoch eindeutig belegt.
Nach der Eroberung entstanden vier Kreuzfahrerstaaten:
- das Königreich Jerusalem,
- die Grafschaft Edessa,
- das Fürstentum Antiochia,
- die Grafschaft Tripolis.
Diese Herrschaften besaßen nur eine kleine lateinisch-katholische Bevölkerung und waren stark auf Unterstützung aus Europa angewiesen. Später gab es dort neben Kriegen auch Phasen pragmatischen Zusammenlebens zwischen Angehörigen verschiedener Religionen.
Ein militärischer Erfolg bedeutet nicht, dass alle ursprünglichen Ziele erreicht wurden. Der Erste Kreuzzug brachte christlichen Herrschern Jerusalem, verursachte aber zugleich massive Gewalt gegen Zivilisten.
Welche Wendepunkte veränderten den Verlauf?
Die traditionelle Zählung unterscheidet häufig sieben große Orientkreuzzüge. Sie ist jedoch nicht vollständig einheitlich. Wichtiger als das Auswendiglernen der Nummern sind Ursachen und Folgen der Wendepunkte.
- 1144: Edessa wurde von muslimischen Truppen erobert. Der folgende Zweite Kreuzzug von 1147 bis 1149 scheiterte.
- 1187: Sultan Saladin eroberte Jerusalem. Der Dritte Kreuzzug von 1189 bis 1192 gewann Teile der Küste zurück, aber nicht Jerusalem. Friedrich Barbarossa starb unterwegs; Richard Löwenherz vereinbarte einen Waffenstillstand mit Saladin.
- 1204: Der Vierte Kreuzzug erreichte nicht sein vorgesehenes Ziel. Kreuzfahrer eroberten und plünderten stattdessen das christliche Konstantinopel.
- 1212: Beim sogenannten Kinderkreuzzug zogen Minderjährige, Jugendliche und besitzlose Erwachsene los. Jerusalem erreichten sie nicht; Einzelheiten der Überlieferung sind unsicher.
- 1228/29: Kaiser Friedrich II. erreichte durch Verhandlungen mit Sultan al-Kamil zeitweilig die Übergabe großer Teile Jerusalems. Je nach Zählweise wird sein Unternehmen unterschiedlich eingeordnet.
- 1244: Jerusalem ging für die Kreuzfahrer endgültig verloren.
- 1291: Mit Akko fiel die letzte bedeutende Kreuzfahrerstellung im Nahen Osten.
Der Vierte Kreuzzug zeigt eine deutliche Zielverschiebung: Der päpstliche Aufruf war gegen muslimisch beherrschte Gebiete gerichtet. Tatsächlich plünderten die Teilnehmer 1204 das christliche Konstantinopel. Schulden, venezianische Handelsinteressen und politische Konflikte beeinflussten den Verlauf stärker als das verkündete Ziel.
Wie lassen sich Motive und Perspektiven unterscheiden?
Historische Akteure bildeten keine einheitlichen Gruppen. Deshalb solltest du nicht pauschal von „den Christen“, „den Muslimen“ oder „den Juden“ sprechen.
Unterschiedliche Motive
- Religiös: Ablass, Pilgerfahrt, Schutz heiliger Stätten und der Glaube, Gottes Willen zu erfüllen.
- Politisch: Machtgewinn des Papsttums, Sicherung von Herrschaft und Konkurrenz zwischen Fürsten, Kaisern und Kirchen.
- Wirtschaftlich: Beute, Landbesitz, Handelsvorteile und die Interessen von Städten wie Venedig.
- Sozial und individuell: Aussicht auf Aufstieg, Flucht aus schwierigen Lebensbedingungen, Abenteuer oder ein Neuanfang.
Unterschiedliche Erfahrungen
- Ein Kreuzfahrer konnte den Zug als Buße und bewaffnete Pilgerfahrt verstehen.
- Ein jüdischer Bewohner einer rheinischen Stadt konnte den Aufbruch als unmittelbare Bedrohung durch Pogrome erleben.
- Ein muslimischer oder jüdischer Bewohner Jerusalems konnte die Einnahme von 1099 als Eroberung und Massaker erfahren.
- Ein orthodoxer Christ in Konstantinopel konnte 1204 westliche Kreuzfahrer als Angreifer auf eine christliche Stadt erleben.
Eine Perspektive erklärt, wie eine Person ein Ereignis aufgrund ihrer Lage wahrnehmen konnte. Sie entschuldigt Gewalt nicht und beweist allein noch nicht, dass jede Aussage dieser Person richtig ist.
Behauptung: „Die Kreuzfahrer zogen nur aus Glauben los.“
Prüfung: Der päpstliche Aufruf, das Gelübde und der Ablass belegen die Bedeutung des Glaubens. Hoffnungen auf Land, Beute oder politische Macht sind ebenfalls belegt. Ein angemessenes Urteil lautet daher: Religiöse Motive waren zentral, konnten sich aber mit weltlichen Interessen verbinden.
Welche Folgen hatten die Kreuzzüge?
Die Folgen waren widersprüchlich und betrafen verschiedene Gruppen unterschiedlich.
Gewalt und Verfolgung
Kreuzfahrer töteten bei Eroberungen Zivilisten. Schon während des Aufbruchs von 1096 wurden jüdische Gemeinden verfolgt. Später legitimierte die Kreuzzugsidee auch Gewalt gegen orthodoxe Christen, als Ketzer bezeichnete Gruppen und politische Gegner des Papsttums.
Herrschaft und Religion
Die Kreuzfahrerstaaten bestanden nur vorübergehend. Die Plünderung Konstantinopels schwächte Byzanz und verschärfte die Trennung zwischen katholischer und orthodoxer Christenheit. Auch das Ansehen der Kreuzzugsidee litt unter militärischen Fehlschlägen und erkennbaren Zielverschiebungen.
Handel und Austausch
Kontakte und Handel zwischen Europa und dem östlichen Mittelmeerraum nahmen zu. Besonders italienische Handelsstädte profitierten. Waren, Vorstellungen und Wissen wurden vermittelt. Dieser Austausch darf jedoch nicht als Rechtfertigung der Kriege dargestellt werden: Handel und Wissenstransfer waren auch ohne Kreuzzüge möglich und gingen hier mit Eroberung und Gewalt einher.
Dauerhafte Erinnerung
Der Begriff „Kreuzzug“ wurde später für politische und propagandistische Kampagnen verwendet. Dabei dient eine vereinfachte Erinnerung an das Mittelalter oft dazu, Gegner als Teil eines angeblich uralten Konflikts darzustellen.
Eine Folgenbilanz zählt nicht nur Gewinne und Verluste auf. Sie fragt: Folge für wen, in welchem Zeitraum und mit welchem Zusammenhang zum Ereignis?
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Kreuzzüge
- Voraussetzungen: byzantinischer Hilferuf, Bedeutung Jerusalems, päpstlicher Aufruf
- Motive: Religion, Macht, Land, Handel und persönliche Hoffnungen
- Erster Kreuzzug: Pogrome, Einnahme Jerusalems, Kreuzfahrerstaaten
- Wendepunkte: Saladin 1187, Konstantinopel 1204, Diplomatie 1228/29
- Ende im Nahen Osten: Jerusalem 1244 verloren, Akko 1291 gefallen
- Folgen: Gewalt, Verfolgung, Austausch, Handel und religiöse Spaltung
- Urteil: Akteure, Perspektiven, Zeiträume und Belege unterscheiden
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