Im Geschichtsunterricht begegnet dir oft das Wort Nation. Es klingt erst einmal nach Flaggen, Hymnen, Grenzen und Fußball. In der Geschichte steckt aber viel mehr dahinter, weil Menschen mit diesem Wort Zugehörigkeit, Rechte und Macht begründet haben.
- Du erklärst, was Nation und Nationalismus bedeuten.
- Du unterscheidest Zugehörigkeitsgefühl, Patriotismus und ausgrenzenden Nationalismus.
- Du beschreibst, warum Nationalismus im 19. Jahrhundert so wichtig wurde.
- Du erkennst mögliche Folgen von Nationalismus in Geschichte und Politik.
Erst die Nation verstehen
Bevor du Nationalismus verstehst, brauchst du den Begriff Nation. Eine Nation ist eine große Gruppe von Menschen, die sich als zusammengehörig versteht. Diese Zusammengehörigkeit kann auf Sprache, Geschichte, Kultur, gemeinsamen politischen Rechten oder einem Staat beruhen.
Wichtig ist: Eine Nation ist nicht einfach wie ein Berg oder ein Fluss vorhanden. Menschen erzählen, lernen und wiederholen, was sie angeblich gemeinsam haben. Schulen, Zeitungen, Feste, Denkmäler, Karten und Nationalhymnen können dieses Gefühl stärken.
Eine Nation ist eine Gemeinschaft, die Menschen sich gemeinsam vorstellen, obwohl sie sich meist nicht persönlich kennen. Sie fühlen sich durch gemeinsame Merkmale, Geschichten, Rechte oder Symbole verbunden.
Stell dir Schüler aus vielen Orten vor, die dieselbe Sprache sprechen, dieselbe Nationalhymne lernen und in Geschichtsbüchern ähnliche Erzählungen über ihr Land lesen. Dadurch kann das Gefühl entstehen: Wir gehören zusammen, obwohl wir uns nicht alle kennen.
Eine Nation entsteht nicht nur durch Grenzen. Sie entsteht vor allem durch das gemeinsame Gefühl: Wir gehören zusammen.
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Was Nationalismus meint
Wenn Menschen im Alltag sagen: Ich mag mein Land, ist das noch nicht automatisch Nationalismus. Nationalismus beginnt dort, wo die Nation zum wichtigsten Maßstab für Politik und Zugehörigkeit wird. Die eigene Nation gilt dann als besonders wichtig, manchmal sogar als besser als andere.
Nationalismus kann Menschen verbinden. Er kann ihnen sagen: Wir haben gemeinsame Rechte, wir wollen selbst über uns bestimmen. Er kann aber auch gefährlich werden, wenn er andere Gruppen abwertet oder ausschließt.
Nationalismus ist eine Denkweise oder politische Bewegung, die die eigene Nation in den Mittelpunkt stellt. Oft fordert sie einen eigenen Staat für diese Nation und eine besonders starke Loyalität zur Nation.
Im 19. Jahrhundert lebten viele deutschsprachige Menschen in verschiedenen Staaten. National denkende Gruppen sagten: Wir teilen Sprache und Kultur, also sollten wir politisch enger zusammengehören. Aus solchen Ideen entstand später der deutsche Nationalstaat.
Nationalismus ist nicht immer gleich. Manche Formen betonen gemeinsame Rechte und Mitbestimmung. Andere Formen betonen Abstammung, grenzen Menschen aus und können aggressiv werden.
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Warum Nationalismus im 19. Jahrhundert stark wurde
Im 19. Jahrhundert veränderte sich Europa stark. Alte Ständeordnungen verloren an Bedeutung. Menschen zogen in Städte, arbeiteten in Fabriken und wurden mobiler. Viele suchten neue Orientierung.
Hier wurde die Nation wichtig. Sie versprach ein großes Wir-Gefühl: Du bist nicht nur Bewohner eines Dorfes oder Untertan eines Fürsten, sondern Teil eines Volkes. Gleichzeitig verbreiteten Schulen, Wehrpflicht, Zeitungen und Wahlen nationale Ideen viel schneller als früher.
Ein Nationalstaat ist ein Staat, der sich als politischer Ausdruck einer Nation versteht. Staat und Nation sollen dabei möglichst zusammenpassen.
Italien war lange in mehrere Herrschaftsgebiete geteilt. Nationale Bewegungen wollten diese Gebiete zu einem italienischen Staat vereinen. 1861 entstand das Königreich Italien, auch wenn die Einigung danach noch nicht vollständig abgeschlossen war.
Im Deutschen Bund gab es viele Einzelstaaten. Nationale Kräfte wünschten sich mehr Einheit. 1871 wurde das Deutsche Kaiserreich gegründet.
Im 19. Jahrhundert gab Nationalismus vielen Menschen Orientierung. Er passte zu einer Zeit, in der alte Bindungen schwächer wurden und moderne Staaten stärker wurden.
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Verschiedene Formen von Nationalismus
Nationalismus kann unterschiedlich begründen, wer dazugehört. Beim staatsbürgerlichen Nationalismus zählt vor allem, ob Menschen Bürger eines Staates sind und seine politischen Regeln anerkennen. Herkunft, Religion oder Sprache sind dann nicht das wichtigste Kriterium.
Beim ethnischen Nationalismus wird Zugehörigkeit stärker über Abstammung, angebliche Herkunft, Sprache oder Kultur erklärt. Das kann besonders ausgrenzend werden, wenn Menschen trotz Staatsbürgerschaft als nicht wirklich zugehörig behandelt werden.
Staatsbürgerlicher Nationalismus versteht die Nation vor allem als Gemeinschaft von Bürgern mit gemeinsamen Rechten und Pflichten.
Ethnischer Nationalismus versteht die Nation vor allem als Gemeinschaft gemeinsamer Herkunft, Sprache oder Kultur.
Wenn jemand sagt: Wer die Verfassung anerkennt und Bürger ist, gehört zur Nation, dann ist das eher staatsbürgerlich gedacht.
Wenn jemand sagt: Nur Menschen mit bestimmter Abstammung gehören wirklich dazu, dann ist das ethnisch gedacht und kann leicht diskriminierend werden.
Die Frage Wer gehört dazu ist beim Nationalismus entscheidend. Je enger und angeblich natürlicher diese Grenze gezogen wird, desto größer wird die Gefahr von Ausgrenzung.
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Folgen: Einheit, Selbstbestimmung und Ausgrenzung
Nationalismus hatte in der Geschichte unterschiedliche Folgen. Er konnte Menschen mobilisieren, die politische Mitbestimmung wollten. Er konnte auch helfen, zersplitterte Gebiete zu vereinen oder Herrschaft von außen abzuschütteln.
Gleichzeitig konnte Nationalismus Kriege verschärfen. Wenn die eigene Nation als höherwertig gilt, erscheinen andere Nationen schnell als Gegner. Minderheiten sind kleinere Gruppen innerhalb eines Staates, die sich durch Sprache, Religion, Herkunft oder Kultur von der Mehrheit unterscheiden. Sie konnten unter Druck geraten, wenn sie angeblich nicht richtig dazugehören.
Selbstbestimmung bedeutet, dass eine Gruppe politisch über ihre eigene Zukunft entscheiden will, zum Beispiel über einen eigenen Staat oder über ihre Rechte in einem Staat.
Ausgrenzung bedeutet, dass Menschen aus einer Gemeinschaft ausgeschlossen oder schlechter behandelt werden.
Nationalbewegungen in Europa konnten fordern: Wir wollen nicht von einem fernen Kaiserreich beherrscht werden, sondern selbst entscheiden. Das konnte Befreiung bedeuten.
Im 20. Jahrhundert führte extremer Nationalismus zu Verfolgung, Krieg und Gewalt. Besonders der Nationalsozialismus verband radikalen Nationalismus mit Rassismus und zerstörte die Rechte von Millionen Menschen.
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Die Werte im Diagramm sind keine Statistik. Sie zeigen nur, welche Wirkungen du beim Lernen besonders im Blick behalten solltest.
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Patriotismus, Nationalismus und Ultranationalismus
Im Alltag werden Patriotismus und Nationalismus oft vermischt. Patriotismus meint meist eine Verbundenheit mit dem eigenen Land, ohne andere Länder abzuwerten. Nationalismus stellt die Nation stärker in den Mittelpunkt politischer Ordnung.
Ultranationalismus ist eine extreme Form. Dabei wird die Nation zum höchsten Wert erklärt. Rechte des einzelnen Menschen, Vielfalt und demokratische Regeln zählen dann weniger als angebliche Größe, Reinheit oder Macht der Nation.
Patriotismus ist eine Verbundenheit mit dem eigenen Land, die andere Länder und Menschen nicht abwerten muss.
Ultranationalismus ist ein extremer Nationalismus, der die eigene Nation über alles stellt und andere Gruppen oft abwertet oder bekämpft.
Patriotisch wäre: Ich freue mich über demokratische Rechte in meinem Land und will, dass sie für alle gelten.
Ultranationalistisch wäre: Nur unsere Nation zählt, andere sind minderwertig, und Einzelne müssen sich ihr völlig unterordnen.
Du erkennst gefährlichen Nationalismus oft an drei Zeichen: Überhöhung der eigenen Nation, Abwertung anderer und Druck auf Menschen, die angeblich nicht dazugehören.
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Zusammenfassung
Nationalismus ist eine politische Denkweise, die die Nation in den Mittelpunkt stellt. Dafür musst du zuerst verstehen, dass eine Nation eine vorgestellte Gemeinschaft ist: Menschen fühlen sich verbunden, obwohl sie sich nicht alle kennen.
Im 19. Jahrhundert wurde Nationalismus stark, weil moderne Staaten, Schulen, Medien, Wahlen und Armeen gemeinsame nationale Vorstellungen verbreiteten. Er konnte Einheit, Selbstbestimmung und Mitbestimmung fördern. Er konnte aber auch andere Gruppen ausschließen, Kriege antreiben und Minderheiten bedrohen.
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