Polytheismus einfach erklärt
Polytheismus bedeutet im Grundgebrauch, an mehrere Gottheiten zu glauben oder mehrere Gottheiten zu verehren. Meist bilden diese Gottheiten ein geordnetes Beziehungsgefüge mit unterschiedlichen Aufgaben. Die Zahl allein reicht jedoch nicht immer aus, um eine Religion eindeutig einzuordnen.
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Was bedeutet Polytheismus?
Das Wort stammt aus dem Griechischen: poly bedeutet „viele“, theos bedeutet „Gott“ oder „Gottheit“.
Polytheismus
Polytheismus bezeichnet die Vorstellung, dass mehrere Gottheiten existieren, und/oder die Verehrung mehrerer Gottheiten nebeneinander.
Der häufig verwendete Gegenbegriff ist Monotheismus. Er bezeichnet die Vorstellung oder Verehrung einer einzigen Gottheit.
Diese Unterscheidung bietet eine erste Orientierung. Sie sagt aber noch nicht, welche Gottheiten wichtig sind, wie sie zusammenwirken oder wie Menschen sie verehren.
Eine Gemeinschaft verehrt eine Gottheit des Meeres und eine Gottheit der Fruchtbarkeit. Beide gelten als wirklich und können religiös angerufen werden. Das ist ein Beispiel für göttliche Vielheit und damit für Polytheismus.
Wird dagegen ausschließlich ein einziger Gott als existent anerkannt und verehrt, spricht man im Grundgebrauch von Monotheismus.
Wie ist eine Götterwelt geordnet?
Eine polytheistische Götterwelt ist häufig mehr als eine ungeordnete Namensliste. Die Gottheiten können miteinander verwandt sein, unterschiedliche Ränge besitzen oder für bestimmte Orte und Lebensbereiche zuständig sein.
Pantheon
Ein Pantheon ist die geordnete Gesamtheit der Gottheiten, die in einer Gemeinschaft eine Rolle spielen. Dazu gehören ihre Zuständigkeiten, Beziehungen und Rangordnungen.
Ein Pantheon kann zum Beispiel nach folgenden Merkmalen gegliedert sein:
- Verwandtschaft zwischen Gottheiten,
- Hierarchie und Macht,
- Zuständigkeit für bestimmte Lebensbereiche,
- Verbindung mit einem Ort oder einer Gemeinschaft,
- Beziehungen und Konflikte zwischen Gottheiten.
Mythen machen solche Beziehungen anschaulich. Sie erzählen etwa von Bündnissen, Kämpfen oder Entscheidungen der Gottheiten und verbinden deren Handeln mit der menschlichen Welt.
Polytheismus bedeutet nicht einfach „möglichst viele Götternamen“. Wichtig ist auch, wie die Gottheiten miteinander, mit der Welt und mit den Menschen verbunden sind.
Wie werden einzelne Gottheiten verehrt?
Menschen können sich je nach Situation an eine bestimmte Gottheit wenden. Eine Gottheit wird etwa mit Fruchtbarkeit, eine andere mit dem Meer oder dem Jenseits verbunden.
Wünscht sich eine Gemeinschaft eine gute Ernte, kann sie sich an eine Gottheit wenden, die für Fruchtbarkeit zuständig ist. Gebete oder Opfer richten sich dann gezielt an diese Gottheit. Die Existenz der übrigen Gottheiten wird dadurch nicht bestritten.
Als Opfergaben sind beispielsweise Blumen, Speisen, Früchte oder wertvolle Gegenstände belegt. Verehrung kann außerdem in Tempeln oder an Schreinen sowie durch Feste stattfinden.
Zwei Begriffe helfen bei einer genaueren Beschreibung:
- Henotheismus: Mehrere Gottheiten werden anerkannt, aber eine Gottheit wird zeitweise oder regional als höchste besonders hervorgehoben.
- Monolatrie: Mehrere Gottheiten werden anerkannt, kultisch wird jedoch ausschließlich eine bestimmte Gottheit verehrt.
Glaube und Kult sind nicht dasselbe. Eine Gemeinschaft kann mehrere Gottheiten anerkennen, ohne alle zugleich oder auf dieselbe Weise zu verehren.
Was zeigen antike Beispiele?
Im alten Ägypten wurden verschiedene Gottheiten verehrt. Ra wurde mit der Sonne verbunden, Osiris mit dem Jenseits. Solche Zuständigkeiten zeigen, wie unterschiedliche Bereiche der Welt religiös geordnet werden konnten.
Auch die griechische und die römische Götterwelt lassen Beziehungen zwischen Kulturen erkennen:
- Zeus wurde mit Jupiter in Beziehung gesetzt,
- Hades mit Pluto,
- Poseidon mit Neptun.
Das bedeutet nicht, dass griechische und römische Religion einfach identisch waren. Es zeigt, dass Menschen fremde Gottheiten mit eigenen Gottheiten vergleichen und einander zuordnen konnten.
Götterwelten konnten sich außerdem verändern. Ein örtlicher Schutzgott konnte mit politischer Ausdehnung größere Bedeutung erhalten. Durch kulturellen Kontakt konnten neue Kulte aufgenommen oder Gottheiten neu eingeordnet werden.
Stell dir zwei Kulturen mit je einer Meeresgottheit vor. Beim Kontakt können Menschen Gemeinsamkeiten feststellen und beide Gottheiten einander zuordnen. Trotzdem können Namen, Mythen und Rituale verschieden bleiben.
Warum ist die Einordnung oft schwierig?
Der Begriff Polytheismus entstand nicht als neutrale Selbstbezeichnung einer bestimmten antiken Religion. Er wurde in seiner Geschichte auch als abwertende Fremdbezeichnung verwendet. Später ordneten Entwicklungsmodelle Polytheismus häufig als niedrigere Stufe gegenüber Monotheismus ein. Solche linearen Stufenmodelle gelten heute als überholt.
Die aktuelle Forschung verwendet den Begriff vorsichtig als Hinweis auf göttliche Vielheit. Für eine genaue Beschreibung stellt sie weitere Fragen:
- Was gilt in der untersuchten Gemeinschaft überhaupt als Gottheit?
- Welche Gottheiten werden anerkannt und welche tatsächlich verehrt?
- Wie sind Einheit und Vielheit miteinander verbunden?
- Unterscheiden sich religiöse Praxis, philosophische Lehre und Selbstdarstellung?
- Wie beurteilen Anhänger ihre Religion selbst?
Beim Hinduismus können beispielsweise Vorstellungen vieler göttlicher Gestalten mit Vorstellungen göttlicher Einheit verbunden sein. Im Buddhismus können übernatürliche Wesen verehrt werden, obwohl der Buddhismus nicht einfach als polytheistisch gilt. Trinitarische Christen verstehen Vater, Sohn und Heiligen Geist als den einen dreieinigen Gott, auch wenn Außenstehende dies teilweise anders einordnen.
Die Zahl religiös verehrter Gestalten ist ein Hinweis, aber keine vollständige Beschreibung einer Religion.
Auch die Behauptung „Polytheismus ist immer tolerant, Monotheismus immer intolerant“ ist nicht haltbar. Historische Konflikte, Machtverhältnisse und Regeln müssen im jeweiligen Zusammenhang untersucht werden.
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Alles auf einen Blick
- Polytheismus
- Grundidee
- mehrere Gottheiten anerkennen oder verehren
- Gegenbegriff Monotheismus
- Götterwelt
- Pantheon mit Beziehungen und Hierarchien
- unterschiedliche Zuständigkeiten
- Kultpraxis
- situationsbezogene Gebete und Opfer
- besondere Verehrung einzelner Gottheiten
- Historischer Wandel
- kultureller Austausch
- Aufnahme und Zuordnung von Gottheiten
- Vorsichtige Einordnung
- Innen- und Außenperspektive beachten
- Einheit und Vielheit gemeinsam untersuchen
- Grundidee
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