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Reichsgründung 1871

Reichsgründung 1871 einfach erklärt: Entstehung des Deutschen Kaiserreichs, Rolle Preußens und Bismarcks sowie Folgen.

Manchmal wirkt eine Landkarte im Geschichtsbuch wie etwas Festes. Aber Staaten verändern sich, wenn Menschen Macht neu verteilen, Kriege führen oder Verträge schließen. Bei der Reichsgründung 1871 entstand ein neuer deutscher Staat. Du kannst dir das wie ein großes politisches Zusammenfügen vieler einzelner Teile vorstellen.

Deine Lernziele
  • Du erklärst, was mit Reichsgründung 1871 gemeint ist.
  • Du beschreibst, warum Preußen und Bismarck so wichtig waren.
  • Du ordnest die wichtigsten Schritte von 1848 bis 1871 zeitlich ein.
  • Du unterscheidest zwischen dem äußeren Zusammenschluss und den inneren Problemen des neuen Reiches.

Der Wunsch nach einem deutschen Nationalstaat

Viele Menschen im 19. Jahrhundert fragten sich: Soll es einen gemeinsamen deutschen Staat geben? Damals gab es nicht einfach „Deutschland“ als einheitlichen Staat. Es gab viele deutsche Staaten, zum Beispiel Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden und freie Städte.

Ein Nationalstaat ist ein Staat, in dem sich viele Menschen als Teil einer gemeinsamen Nation verstehen und in einem gemeinsamen politischen Rahmen leben. Eine Nation ist eine große Gemeinschaft, die sich zum Beispiel über Sprache, Geschichte, Kultur oder gemeinsame politische Ziele verbunden fühlt. Das heißt nicht, dass alle Menschen gleich denken. Aber viele wünschen sich ein gemeinsames Dach.

Definition

Ein Nationalstaat ist ein Staat, der sich auf eine Nation bezieht. Im 19. Jahrhundert wollten viele Deutsche nicht mehr in vielen einzelnen Staaten leben, sondern in einem gemeinsamen deutschen Staat.

Schon 1848 versuchte eine gewählte Versammlung in Frankfurt am Main, einen deutschen Nationalstaat zu schaffen. Diese Versammlung nennt man Frankfurter Nationalversammlung. Sie wollte eine Verfassung ausarbeiten und Deutschland politisch einigen. Der Versuch scheiterte aber, unter anderem weil der preußische König die angebotene Kaiserkrone ablehnte.

Beispiel

Stell dir vor, viele Klassen einer Schule wollen eine gemeinsame Schülervertretung gründen. Sie schreiben Regeln auf und wählen Vertreter. Am Ende sagt aber die wichtigste Person, die alles offiziell machen müsste: „Nein, ich mache nicht mit.“ Dann bleibt der Plan erst einmal liegen. So ähnlich scheiterte 1849 der erste große Versuch einer deutschen Einigung.

Merke

Der Wunsch nach deutscher Einheit war älter als 1871. Die Revolution von 1848/49 war ein wichtiger früher Versuch, aber sie brachte noch keinen deutschen Nationalstaat.

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Preußen, Österreich und die kleindeutsche Lösung

Zwei große Mächte spielten in der deutschen Frage eine besonders wichtige Rolle: Preußen und Österreich. Beide wollten Einfluss auf die deutschen Staaten haben. Dieses Ringen nennt man Dualismus. Das bedeutet hier: Zwei Mächte konkurrieren um die Führung.

Definition

Der Dualismus war die Rivalität zwischen Preußen und Österreich um die Vorherrschaft in den deutschen Staaten.

Es gab zwei Grundideen für die Einigung. Die großdeutsche Lösung meinte: Ein deutscher Staat mit Österreich. Die kleindeutsche Lösung meinte: Ein deutscher Staat ohne Österreich, aber unter Führung Preußens. 1871 entstand die kleindeutsche Lösung.

Warum ohne Österreich? Österreich war ein großes Vielvölkerreich. Dort lebten nicht nur deutschsprachige Menschen, sondern viele verschiedene Völker. Außerdem wollte Preußen nicht, dass Österreich die Führung in einem neuen deutschen Staat übernimmt.

Beispiel

Wenn zwei starke Schüler in einer Projektgruppe beide die Leitung wollen, wird es schwierig. Eine Lösung wäre: Beide leiten gemeinsam. Eine andere wäre: Einer bleibt draußen, damit der andere die Gruppe führt. Bei der Reichsgründung setzte sich am Ende Preußen durch, Österreich blieb draußen.

Ein entscheidender Schritt war der Krieg von 1866 zwischen Preußen und Österreich. Preußen gewann. Danach wurde der alte Deutsche Bund aufgelöst. Schon 1866 entstand zunächst ein norddeutsches Bündnis. 1867 wurde daraus der Norddeutsche Bund mit eigener Verfassung.

Definition

Der Norddeutsche Bund war ab 1867 ein gemeinsamer Staat nördlich der Mainlinie. Preußen hatte darin die stärkste Stellung. Er war ein direkter Vorläufer des späteren Deutschen Kaiserreichs.

Ein Bundesstaat ist ein Gesamtstaat aus mehreren Teilstaaten. Diese Teilstaaten behalten bestimmte eigene Rechte, gehören aber zu einem gemeinsamen Staat. Der Norddeutsche Bund war so ein Bundesstaat.

Definition

Ein Bundesstaat ist ein Gesamtstaat aus mehreren Teilstaaten. Die Teilstaaten haben eigene Zuständigkeiten, aber wichtige Fragen werden gemeinsam geregelt.

Merke

1871 entstand kein großes Deutschland mit Österreich. Es entstand ein kleindeutsches Reich unter preußischer Führung.

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Bismarcks Weg zur Einigung

Eine zentrale Person war Otto von Bismarck. Er war preußischer Ministerpräsident. Später wurde er Reichskanzler. Ein Reichskanzler war im Kaiserreich der wichtigste Regierungschef auf Reichsebene. Er wurde nicht vom Parlament gewählt, sondern vom Kaiser ernannt.

Definition

Der Reichskanzler war der wichtigste Regierungschef des Deutschen Reiches. Er leitete die Reichspolitik, war aber vor allem dem Kaiser verantwortlich.

Bismarck wollte Preußens Macht stärken und die deutsche Einigung unter preußischer Führung erreichen. Seine Politik nennt man oft Realpolitik. Damit ist Politik gemeint, die weniger von Idealen ausgeht und stärker von Macht, Interessen und erreichbaren Zielen. Bismarck setzte auf Diplomatie, Bündnisse und Kriege.

Definition

Realpolitik bedeutet: Politik richtet sich vor allem nach Machtverhältnissen und praktischen Zielen, nicht nur nach Wünschen oder Idealen.

Zwischen 1864 und 1871 führten Preußen und seine Verbündeten mehrere Kriege, die zur Einigung beitrugen. Man nennt sie oft Einigungskriege. Dazu zählen der Krieg gegen Dänemark 1864, der Krieg gegen Österreich 1866 und der Krieg gegen Frankreich 1870/71.

Beispiel

Bismarck handelte nicht wie jemand, der einfach nur eine schöne Rede über Einheit hielt. Er nutzte konkrete Situationen: Streit um Schleswig und Holstein, den Konflikt mit Österreich und später die Spannung mit Frankreich. So veränderte er Schritt für Schritt die Machtlage.

Wichtig ist: Die Einigung kam nicht durch eine freie Volksabstimmung aller Deutschen zustande. Sie wurde stark von Fürsten, Regierungen, Militär und Bismarcks Politik geprägt. Deshalb spricht man manchmal von einer Revolution von oben. Das meint eine große Veränderung, die nicht vom Volk auf der Straße ausgeht, sondern von den Herrschenden.

Definition

Eine Revolution von oben ist eine tiefgreifende Veränderung, die von Regierungen, Fürsten oder anderen Machthabern gesteuert wird.

Merke

Bismarck nutzte nationale Wünsche, aber er setzte sie auf einem machtpolitischen Weg um. Die deutsche Einigung war deshalb zugleich national und preußisch geprägt.

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Der Deutsch-Französische Krieg und Versailles

Der letzte große Schritt zur Reichsgründung war der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71. Frankreich fürchtete ein starkes Deutschland in der Mitte Europas. Zugleich gelang es Bismarck, die Lage so zuzuspitzen, dass Frankreich Preußen den Krieg erklärte. Dadurch stellten sich auch die süddeutschen Staaten wie Bayern, Württemberg und Baden an die Seite Preußens.

Beispiel

Vor dem Krieg standen die süddeutschen Staaten noch nicht im Norddeutschen Bund. Im Krieg kämpften sie aber zusammen mit Preußen gegen Frankreich. Dieses gemeinsame Kämpfen machte es politisch leichter, sie danach in das neue Reich einzubinden.

Ein wichtiger Sieg der deutschen Truppen war die Schlacht bei Sedan am 2. September 1870. Danach wurde Frankreich geschwächt, und die Verhandlungen über den Beitritt der süddeutschen Staaten wurden intensiver. In den Novemberverträgen von 1870 regelten Baden, Hessen, Bayern und Württemberg ihren Beitritt zum neuen deutschen Reichsverband.

Definition

Die Novemberverträge waren Verträge von 1870. Sie regelten den Beitritt der süddeutschen Staaten zum neuen deutschen Reichsverband.

Das Deutsche Kaiserreich war der neue deutsche Staat, der daraus entstand. Es bestand von 1871 bis 1918 und wurde stark von Preußen geprägt.

Definition

Das Deutsche Kaiserreich war der deutsche Staat von 1871 bis 1918. Es war ein Bundesstaat unter starker Führung Preußens.

Am 18. Januar 1871 wurde Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Versailles liegt in Frankreich. Die Wahl dieses Ortes war für Frankreich besonders demütigend, weil die Proklamation während des Krieges im besetzten Frankreich stattfand.

Definition

Eine Kaiserproklamation ist die feierliche Ausrufung eines Kaisers. Am 18. Januar 1871 wurde Wilhelm I. in Versailles als Deutscher Kaiser ausgerufen.

Merke

Rechtlich begann das neue Reich schon zum 1. Januar 1871. Im Gedächtnis vieler Menschen blieb aber die Kaiserproklamation am 18. Januar 1871 das starke Symbol der Reichsgründung.

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Das neue Deutsche Kaiserreich

Das Deutsche Kaiserreich bestand aus vielen Einzelstaaten, darunter Königreiche, Großherzogtümer, Herzogtümer, Fürstentümer und freie Städte. An der Spitze stand der Deutsche Kaiser. Das war zugleich der König von Preußen.

Das Reich hatte eine Verfassung, einen Kaiser, einen Reichskanzler, einen Bundesrat und einen Reichstag. Der Reichstag war das gewählte Parlament. Männer durften ihn nach allgemeinem, gleichem und geheimem Wahlrecht wählen. Frauen durften noch nicht wählen. Außerdem konnte der Reichstag die Regierung nicht so bestimmen, wie es in einer heutigen parlamentarischen Demokratie üblich ist.

Definition

Der Reichstag war das gewählte Parlament des Deutschen Kaiserreichs. Er wirkte an Gesetzen mit, bestimmte aber nicht die Regierung.

Beispiel

Du kannst dir das Kaiserreich wie eine Schule mit mehreren Gebäuden vorstellen. Jedes Gebäude hat eigene Regeln. Aber die Schulleitung entscheidet über viele große Fragen. Im Kaiserreich war Preußen besonders stark in dieser Schulleitung vertreten.

Preußen hatte im Reich sehr viel Macht. Der preußische König war zugleich Deutscher Kaiser. Bismarck war Reichskanzler und zugleich eng mit der preußischen Regierung verbunden. Dadurch prägte Preußen das Reich politisch, militärisch und kulturell stark.

Merke

Das Kaiserreich war kein moderner demokratischer Staat wie die Bundesrepublik Deutschland. Es hatte ein gewähltes Parlament, aber Kaiser, Kanzler, Fürsten und Preußen blieben besonders mächtig.

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Bayern und die süddeutschen Staaten

Die süddeutschen Staaten waren für die Reichsgründung wichtig, weil ohne sie kein deutscher Nationalstaat im kleindeutschen Sinn entstanden wäre. Zu ihnen gehörten Bayern, Württemberg, Baden und Teile Hessens. Sie traten 1870 dem neuen Reichsverband bei.

Bayern war besonders vorsichtig. Der bayerische König Ludwig II. wollte seine Stellung nicht einfach einem preußischen Kaiser unterordnen. Deshalb bekam Bayern bestimmte Sonderrechte. Solche besonderen Rechte nennt man Reservatrechte. Bayern behielt zum Beispiel in einigen Bereichen mehr Eigenständigkeit als andere Reichsteile.

Definition

Reservatrechte waren Sonderrechte einzelner Staaten im Kaiserreich. Bayern behielt dadurch in bestimmten Bereichen mehr eigene Zuständigkeiten.

Der sogenannte Kaiserbrief war dabei wichtig. Das war ein Schreiben König Ludwigs II., in dem er Wilhelm I. den Kaisertitel antrug. Bismarck hatte den Text vorbereitet. Damit wirkte es so, als käme der Wunsch nach einem Kaiser auch von einem wichtigen süddeutschen Fürsten.

Beispiel

Wenn eine Gruppe eine neue Leitung wählt, wirkt es überzeugender, wenn nicht nur die stärkste Person sagt: „Ich leite jetzt.“ Es wirkt besser, wenn andere wichtige Gruppenmitglieder sie offiziell darum bitten. Diese Rolle spielte der Kaiserbrief politisch.

Für viele Menschen in Bayern war die Reichsgründung nicht nur ein Grund zur Freude. Manche fürchteten, Bayern verliere Eigenständigkeit. Später zeigten Alltagsänderungen wie neue Maße, neue Währung oder neue Briefmarken, dass das Reich immer stärker in das tägliche Leben hineinwirkte.

Merke

Die süddeutschen Staaten traten dem Reich nicht einfach ohne Bedenken bei. Besonders in Bayern gab es Zustimmung, Verhandlungen, Sonderrechte und Skepsis.

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Folgen und Probleme der Reichsgründung

Die Reichsgründung hatte große Folgen. Zum ersten Mal gab es einen deutschen Nationalstaat unter dem Namen Deutsches Reich. Viele Menschen feierten das als Erfüllung eines langen Wunsches. Es gab gemeinsame Institutionen, ein größeres gemeinsames Wirtschaftsgebiet und später viele Vereinheitlichungen im Alltag.

Gleichzeitig hatte das neue Reich Probleme. Die Gründung war stark mit Krieg und Militär verbunden. Das stärkte militärisches Denken und den Stolz auf Siege. Außerdem belastete der Krieg gegen Frankreich das Verhältnis beider Länder schwer. Besonders Elsass-Lothringen wurde zu einem Streitpunkt.

Definition

Elsass-Lothringen war ein Gebiet, das Frankreich nach dem Krieg 1870/71 an das Deutsche Reich abtreten musste. Diese Annexion verschärfte die Feindschaft zwischen Frankreich und Deutschland.

Auch im Inneren war das Reich nicht sofort eine feste Gemeinschaft. Eine innere Reichsgründung meint den Versuch, aus dem neuen Staat auch eine wirklich zusammenhaltende politische Gemeinschaft zu machen. Das war schwierig. Katholiken, Sozialdemokraten, nationale Minderheiten und Menschen in annektierten Gebieten fühlten sich oft nicht vollständig eingebunden.

Definition

Die innere Reichsgründung bedeutet den Aufbau von Zusammenhalt im neuen Reich. Es ging also nicht nur um Grenzen und Verträge, sondern auch um Akzeptanz, Zugehörigkeit und politische Beteiligung.

Beispiel

Eine neue Klasse kann auf dem Papier sofort bestehen: Alle Namen stehen auf einer Liste. Trotzdem braucht es Zeit, bis die Klasse wirklich zusammenwächst. Manche fühlen sich vielleicht übergangen oder nicht ernst genommen. So ähnlich war es beim neuen Kaiserreich.

Merke

Die Reichsgründung löste die deutsche Einheitsfrage auf eine bestimmte Weise. Sie schuf Einheit, aber auch neue Spannungen: innenpolitisch, mit Frankreich und durch die starke Rolle von Militär und Preußen.

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Zusammenfassung

Die Reichsgründung 1871 war die Entstehung des Deutschen Kaiserreichs. Sie erfüllte den Wunsch vieler Menschen nach einem deutschen Nationalstaat, geschah aber nicht durch eine demokratische Revolution. Entscheidend waren Preußens Macht, Bismarcks Politik, die Einigungskriege und die Verträge mit den süddeutschen Staaten.

Am 1. Januar 1871 entstand das Reich rechtlich. Am 18. Januar 1871 wurde Wilhelm I. in Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Dieser Tag wurde zum starken Symbol der Reichsgründung.

Das neue Reich war ein Bundesstaat, aber Preußen hatte besonders viel Einfluss. Der Reichstag wurde gewählt, doch Kaiser und Reichskanzler blieben sehr mächtig. Deshalb war das Kaiserreich keine Demokratie im heutigen Sinn.

Die Reichsgründung brachte Einheit, aber auch Spannungen. Frankreich fühlte sich gedemütigt, Bayern und andere Regionen fürchteten um Eigenständigkeit, und im Inneren mussten viele Gruppen erst ihren Platz im neuen Staat finden.

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