Schreckensherrschaft: Ursachen, Terror und Ende
Die Schreckensherrschaft war die radikale und gewaltsame Phase der Französischen Revolution 1793/94. Die Jakobiner um Maximilien de Robespierre wollten die Revolution gegen tatsächliche und vermeintliche Gegner sichern. Dafür bündelten sie Macht, ließen Verdächtige verfolgen und setzten Terror ein. Zugleich beschlossen sie soziale und politische Reformen. Genau dieser Gegensatz zwischen Freiheitsversprechen und Gewaltherrschaft ist der Schlüssel zum Verständnis.
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Warum radikalisierte sich die Revolution?
Zu Beginn der Revolution hatte der Dritte Stand politische Mitsprache und die Begrenzung der königlichen Macht erkämpft. Frankreich wurde zunächst eine konstitutionelle Monarchie: Der König blieb Staatsoberhaupt, war aber an eine Verfassung gebunden.
Vielen Menschen in den Städten gingen die Veränderungen nicht weit genug. Brot wurde teurer, Waren waren knapp und ärmere Bevölkerungsschichten litten Not. Besonders die Sansculotten machten Druck. Das waren vor allem Arbeiter und Kleinbürger, etwa Handwerker, Tagelöhner und kleine Kaufleute. Sie forderten soziale Gerechtigkeit und unterstützten die linksradikalen Jakobiner.
Am 10. August 1792 wurde die Monarchie gestürzt. Am 21. Januar 1793 wurde Ludwig XVI. hingerichtet. In dieser angespannten Lage gewannen die Jakobiner immer mehr Macht.
Die Radikalisierung hatte nicht nur eine Ursache. Soziale Not, politische Unzufriedenheit und die Angst vor Gegnern der Revolution verstärkten einander.
Wie wurde der Terror organisiert?
Terror bedeutete hier nicht bloß ungeordnete Gewalt. Neue Einrichtungen machten Verfolgung und Bestrafung zu einem Teil der Herrschaft.
Wohlfahrtsausschuss
Der im April 1793 gebildete Wohlfahrtsausschuss sollte die Revolution verteidigen und die Regierung kontrollieren. Er zog immer mehr politische Macht an sich und wurde zur faktischen diktatorischen Regierung.
Revolutionstribunal
Das im März 1793 gegründete Revolutionstribunal war ein besonderes Strafgericht für politische Verfahren. Es wurde zum Instrument der jakobinischen Säuberungen. In der letzten, besonders verschärften Phase waren nur Freispruch oder Tod als Urteile vorgesehen.
Die Guillotine, ein Fallbeil zur Enthauptung, wurde zum sichtbaren Symbol des Terrors. Gegner und Verdächtige wurden bespitzelt, verhaftet, vor Gericht gestellt und hingerichtet. Dadurch entstand eine Herrschaftskette: Eine weit gefasste Vorstellung vom Feind führte zu Verdacht, Verdacht zur Verhaftung und das beschleunigte Verfahren häufig zum Todesurteil.
- 10. März 1793Das Revolutionstribunal wird gegründet.
- 5./6. April 1793Der Wohlfahrtsausschuss entsteht.
- 2. Juni 1793Girondisten werden nach der Umstellung des Nationalkonvents ausgeschaltet.
- September 1793Terrormaßnahmen werden offiziell beschlossen.
- 27. Juli 1794Robespierre wird gestürzt; damit beginnt das Ende der Terrorherrschaft.
Welche Reformen standen neben der Gewalt?
Die Jakobiner regierten nicht nur mit Repression. Sie griffen auch Forderungen nach sozialer und politischer Gleichheit auf.
- Das Maximumgesetz von 1793 legte Höchstpreise für Getreide und Dinge des täglichen Bedarfs fest. Brot sollte bezahlbarer werden.
- Die Verfassung vom 24. Juni 1793 sah eine Republik und gleiches Wahlrecht für alle männlichen Franzosen ab 21 Jahren vor. Sie trat jedoch nie in Kraft.
- Der Revolutionskalender sollte eine neue Epoche ausdrücken und die Trennung von Kirche und Staat sichtbar machen.
Stell dir zwei Beobachtungen nebeneinander vor: Die Verfassung versprach gleiches politisches Wahlrecht für Männer. Gleichzeitig konnten Menschen als politische Verdächtige verfolgt und getötet werden. Ein sachgerechtes Urteil muss beide Beobachtungen berücksichtigen. Es wäre falsch, wegen der Reformen den Terror zu verschweigen. Ebenso unvollständig wäre es, die Gleichheitsziele gar nicht zu erwähnen.
Ein politisches Ziel und das eingesetzte Mittel sind nicht dasselbe. Freiheit und Gleichheit als Ziele machen Einschüchterung und Tötung nicht automatisch freiheitlich oder gleichberechtigt.
Warum traf der Terror auch frühere Mitstreiter?
Je weiter die Vorstellung vom „Feind der Revolution“ gefasst wurde, desto leichter konnte auch Kritik aus den eigenen Reihen als Gefahr gelten. Der Verdacht auf Verschwörungen richtete sich deshalb nicht nur gegen Anhänger der Monarchie oder gemäßigte Girondisten.
Georges Danton war selbst Jakobiner und zunächst Leiter des Wohlfahrtsausschusses. Später forderte er ein Ende des Terrors und die Freilassung vieler Verdächtiger. Das Revolutionstribunal verurteilte ihn zum Tod; am 5. April 1794 wurde er hingerichtet.
Dantons Fall zeigt die Eigendynamik der Repression:
- Die Führung erklärt die Revolution für bedroht.
- Kritik an den Gewaltmaßnahmen erscheint als Schwächung der Revolution.
- Ein früherer Mitstreiter wird nun selbst als Gegner behandelt.
- Das bestehende Terrorinstrumentarium wird gegen ihn eingesetzt.
Die Zahl der Opfer lässt sich aus den zugrunde liegenden Darstellungen nicht exakt bestimmen. Eine Darstellung nennt Schätzungen von insgesamt 25.000 bis 40.000 Terroropfern und rund 500.000 Verhaftungen, erklärt aber die Berechnungsgrundlage nicht. Sicher ist deshalb vor allem die Größenordnung massenhafter Verfolgung, nicht eine einzelne unstrittige Zahl.
Wie endete die Schreckensherrschaft und wie lässt sie sich beurteilen?
Robespierre verlor politische Unterstützung. Im Nationalkonvent bildete sich eine Opposition gegen die revolutionäre Diktatur. Am 27. Juli 1794 wurde Robespierre gestürzt und verhaftet; kurz darauf wurde er hingerichtet. Danach wurde der Jakobinerclub geschlossen, jakobinische Gesetze wurden zurückgenommen und die Sansculotten verloren politischen Einfluss.
Für ein historisches Urteil helfen drei getrennte Fragen:
- Welche Ziele wurden genannt? Schutz der Revolution sowie soziale und politische Gleichheit.
- Welche Mittel wurden eingesetzt? Überwachung, Verhaftung, beschleunigte Todesurteile und Hinrichtungen.
- Welche Folgen hatten diese Mittel? Massenhafte Verfolgung, Einschüchterung und Gewalt auch gegen frühere Mitstreiter.
Die Behauptung „Gewalt führte zur Demokratie“ wäre zu einfach. Die Verfassung von 1793 enthielt Gleichheitsversprechen, trat aber nicht in Kraft. Während der Schreckensherrschaft bündelte der Wohlfahrtsausschuss diktatorische Macht. Du kannst daher anerkennen, dass die Führung reale Bedrohungen wahrnahm, und trotzdem beurteilen, dass Terror den Zielen von Freiheit und politischer Teilhabe widersprach.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Schreckensherrschaft 1793/94
- Ursachen: soziale Not, politische Unzufriedenheit, Bedrohungsängste
- Träger: Jakobiner um Robespierre, unterstützt von Sansculotten
- Machtinstrumente: Wohlfahrtsausschuss, Revolutionstribunal, Guillotine
- Reformen: Höchstpreise, Wahlrechtsversprechen, Revolutionskalender
- Widerspruch: Freiheit und Gleichheit gegenüber Terror und Diktatur
- Ende: Robespierres Sturz am 27. Juli 1794
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