Französische Revolution: Ursachen, Verlauf, Folgen
Die Französische Revolution begann 1789, weil Staatskrise, soziale Ungleichheit, politische Rechtlosigkeit und Brotnot zusammentrafen. Aus dem Aufstand gegen den Ständestaat entstanden Menschenrechte und Volkssouveränität, aber auch Krieg, Diktatur und Terror. 1799 beendete Napoleons Staatsstreich die Revolution als politische Umbruchphase.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum geriet die alte Ordnung in die Krise?
Vor 1789 war Frankreich eine absolute Monarchie. König Ludwig XVI. beanspruchte seine Herrschaft von Gott und war nicht einer vom Volk beschlossenen Verfassung untergeordnet. Zugleich gliederte der Ständestaat die Gesellschaft in rechtlich ungleiche Gruppen.
Ständegesellschaft
Eine Ständegesellschaft teilt Menschen nach ihrer Herkunft und rechtlichen Stellung in Gruppen ein. In Frankreich gehörten Geistliche zum Ersten Stand, Adlige zum Zweiten Stand und fast alle übrigen Menschen zum Dritten Stand.
Der Dritte Stand umfasste mehr als 95 Prozent der Bevölkerung. Zu ihm gehörten Bauern, Handwerker, Kaufleute, Unternehmer und andere Bürger. Trotz ihrer unterschiedlichen Lebenslagen verband sie ein Nachteil: Geistlichkeit und Adel besaßen Vorrechte und waren von direkten Steuern weitgehend befreit. Bauern und Bürger trugen dagegen den größten Teil der Steuern und Abgaben.
Vier Ursachen verstärkten sich gegenseitig:
- Politische Ursache: Der König herrschte ohne gewählte Volksvertretung. Der Dritte Stand hatte kaum politische Macht.
- Soziale Ursache: Vorrechte für Adel und Geistlichkeit widersprachen dem Wunsch nach Gleichheit.
- Wirtschaftliche Ursache: Der Staat war durch Schulden, Militärausgaben und ein ungerechtes Steuersystem nahezu zahlungsunfähig.
- Akute Versorgungskrise: Nach der Missernte von 1788 und einem harten Winter stiegen die Brotpreise stark. Viele Menschen litten Hunger.
Die Aufklärung lieferte Begriffe, mit denen diese Lage kritisiert werden konnte. Aufklärer stellten überlieferte Herrschaft infrage und forderten Freiheit, Gleichheit, vernünftige Gesetze und politische Mitwirkung. Der Dritte Stand sah sich deshalb zunehmend als Träger der Nation und nicht mehr als bloß untergeordnete Gruppe.
Ein Bauer litt unmittelbar unter hohen Abgaben und teurem Brot. Ein wohlhabender Kaufmann musste möglicherweise nicht hungern, besaß aber trotz Bildung und Vermögen keine seiner wirtschaftlichen Bedeutung entsprechende politische Macht. Beide gehörten zum Dritten Stand, doch ihre Ziele waren nicht völlig gleich: Der Bauer erwartete vor allem Entlastung, der Kaufmann politische Rechte und Eigentumsschutz.
Die Revolution hatte nicht nur eine Ursache. Erst das Zusammenwirken von Staatsbankrott, ungerechter Ständeordnung, neuen politischen Ideen und Brotnot machte aus Unzufriedenheit eine revolutionäre Krise.
Wie wurde 1789 aus Protest eine Revolution?
Die Generalstände traten am 5. Mai 1789 zusammen. Der Dritte Stand hatte doppelt so viele Abgeordnete wie früher erhalten. Solange aber jeder Stand nur eine gemeinsame Stimme besaß, konnten Adel und Geistlichkeit ihn weiterhin mit zwei Stimmen gegen eine überstimmen.
Der Streit um das Abstimmungsverfahren wurde deshalb zu einer Grundsatzfrage: Vertraten die Abgeordneten getrennte Stände oder gemeinsam die französische Nation?
Am 17. Juni 1789 erklärte sich der Dritte Stand zur Nationalversammlung. Einzelne Geistliche und später auch Adlige schlossen sich an. Damit beanspruchten die Abgeordneten, nicht nur einen Stand, sondern das Volk zu vertreten.
Volkssouveränität
Volkssouveränität bedeutet, dass die höchste staatliche Gewalt vom Volk ausgeht. Herrschaft muss danach durch den Willen der Bürger legitimiert sein und darf nicht allein auf der Herkunft eines Königs beruhen.
Als ihr Sitzungssaal verschlossen war, versammelten sich die Abgeordneten am 20. Juni in einem Ballhaus. Im Ballhausschwur versprachen sie, nicht auseinanderzugehen, bevor Frankreich eine Verfassung erhalten habe.
Die Revolution fand aber nicht nur im Versammlungssaal statt. Der König zog Truppen um Paris zusammen. Viele Menschen fürchteten, er werde die Nationalversammlung gewaltsam auflösen. Am 14. Juli 1789 stürmte eine bewaffnete Menge die Bastille. Das Gefängnis war ein Symbol königlicher Willkür und enthielt Waffen und Munition. Bei den Kämpfen und anschließenden Tötungen zeigte sich zugleich früh die Gewalt der Revolution.
Auf dem Land verbreitete sich die „Große Furcht“ vor einem aristokratischen Komplott. Bauern griffen Schlösser und Klöster an und vernichteten Urkunden über Abgaben und Herrenrechte. Unter diesem Druck beschloss die Nationalversammlung in der Nacht vom 4. auf den 5. August die Abschaffung wichtiger ständischer Vorrechte. Manche wirtschaftlichen Lasten verschwanden allerdings nicht sofort, sondern sollten abgelöst werden.
Am 26. August 1789 folgte die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Sie verkündete unter anderem Freiheit, rechtliche Gleichheit, Eigentum, Sicherheit sowie Meinungs- und Religionsfreiheit.
Der Anspruch klang allgemein, seine Anwendung war aber begrenzt. Frauen erhielten keine gleichen politischen Rechte. Auch das spätere Wahlrecht unterschied zwischen steuerzahlenden Aktivbürgern und anderen Männern. 1791 forderte Olympe de Gouges deshalb ausdrücklich gleiche Rechte für Frauen.
Die Verdoppelung der Abgeordneten des Dritten Standes hätte bei einer Abstimmung nach Ständen wenig verändert: Erster und Zweiter Stand konnten weiterhin gemeinsam gegen den Dritten stimmen. Erst die Forderung nach Abstimmung durch einzelne Abgeordnete stellte die alte Ständeordnung grundsätzlich infrage.
Warum scheiterte die konstitutionelle Monarchie?
Die Nationalversammlung wollte den König zunächst nicht abschaffen. Die Verfassung von 1791 schuf eine konstitutionelle Monarchie: Ludwig XVI. blieb Staatsoberhaupt, war aber an Verfassung und Parlament gebunden. Er konnte Gesetze mit einem aufschiebenden Veto verzögern, jedoch nicht dauerhaft verhindern.
Konstitutionelle Monarchie
In einer konstitutionellen Monarchie bleibt ein König im Amt, doch eine Verfassung begrenzt seine Macht. Gesetzgebung und weitere Staatsaufgaben werden auf festgelegte Organe verteilt.
Das Modell verlor rasch Vertrauen. In der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 1791 versuchte die königliche Familie zu fliehen. Sie wurde in Varennes erkannt und zurückgebracht. Die genaue Absicht Ludwigs ist umstritten, doch viele Menschen deuteten die Flucht als Verrat an der neuen Ordnung.
Gleichzeitig fürchteten europäische Monarchen die Ausbreitung der Revolution. Österreich und Preußen stellten ein Eingreifen zugunsten Ludwigs in Aussicht. Im April 1792 begann Frankreich den Krieg. Frühe Niederlagen und der Verdacht einer Zusammenarbeit des Königs mit ausländischen Gegnern verschärften die Krise.
Das Manifest des Herzogs von Braunschweig drohte Paris für Widerstand schwere Strafen an. Statt die Monarchie zu retten, steigerte es die Empörung. Am 10. August 1792 stürmten Aufständische den Tuilerienpalast. Der König wurde suspendiert und inhaftiert. Die Verfassung von 1791 war damit faktisch gescheitert.
Am 21. September 1792 trat der neu gewählte Nationalkonvent zusammen. Am folgenden Tag begann das Jahr I der Republik. Ludwig XVI. wurde wegen Verschwörung gegen die Freiheit verurteilt und am 21. Januar 1793 hingerichtet.
Die Republik entstand nicht automatisch aus den Ideen von 1789. Königsflucht, Krieg, militärische Niederlagen und wachsendes Misstrauen radikalisierten die Revolution.
Wie entstanden Revolutionsregierung und Terror?
1793 war die Republik von mehreren Krisen zugleich bedroht: Krieg gegen europäische Mächte, Bürgerkrieg in der Vendée, Aufstände in Städten, Inflation, Lebensmittelknappheit und der Verdacht innerer Verschwörungen. Viele Sansculotten, also Angehörige der städtischen arbeitenden Bevölkerung, verlangten Höchstpreise und ein hartes Vorgehen gegen Spekulanten und Revolutionsgegner.
Der Nationalkonvent schuf Ausnahmeorgane. Das Revolutionstribunal verfolgte Verdächtige. Der Wohlfahrtsausschuss, in dem Maximilien de Robespierre eine führende Rolle spielte, wurde zum Machtzentrum der Revolutionsregierung. Die demokratische Verfassung von 1793 wurde wegen der Kriegslage ausgesetzt und trat nie in Kraft.
Das Gesetz über die Verdächtigen weitete den Kreis möglicher Revolutionsfeinde stark aus. In der späteren Grande Terreur wurden Verteidigungsmöglichkeiten weiter eingeschränkt; bei einem Schuldspruch war nur noch die Todesstrafe vorgesehen. Nicht nur erklärte Gegner, sondern auch frühere Revolutionäre wie die Hébertisten und Dantonisten wurden hingerichtet.
Terrorherrschaft
Als Terrorherrschaft bezeichnet man die Phase, in der die Revolutionsregierung tatsächliche und vermeintliche Gegner systematisch durch Überwachung, Sondergerichte und Hinrichtungen bekämpfte. Der Terror war staatlich organisiert und sollte die Republik in einer Ausnahmesituation sichern.
Der Terror darf weder als zwangsläufiges Ergebnis der Menschenrechte noch als bloße Reaktion auf äußere Feinde erklärt werden. Krieg und Bürgerkrieg erhöhten den Druck. Zugleich trafen politische Akteure Entscheidungen, die Gewalt ausweiteten, rechtsstaatliche Sicherungen abbauten und immer mehr Menschen zu Feinden erklärten.
Am 27. Juli 1794 wurden Robespierre und seine Verbündeten verhaftet. Einen Tag später wurden sie ohne reguläres Urteil hingerichtet. Damit endete die führende Stellung des Wohlfahrtsausschusses und die radikalste Phase der Terrorherrschaft.
Die Regierung begründete Sondermaßnahmen mit der Gefahr für die Republik. Als jedoch der Begriff „Volksfeind“ immer weiter gefasst und die Verteidigung vor Gericht eingeschränkt wurde, konnte schon ein Verdacht tödlich enden. Sicherheit wurde damit nicht nur gegen Freiheit abgewogen; grundlegender Rechtsschutz wurde aufgehoben.
Was blieb nach Robespierres Sturz?
Nach 1794 setzte sich eine besitzbürgerliche Führung durch. Die Verfassung von 1795 schuf zwei gesetzgebende Kammern und ein fünfköpfiges Direktorium als Regierung. Diese Ordnung sollte sowohl eine neue Diktatur als auch die Rückkehr der Monarchie verhindern.
Stabil wurde sie nicht. Inflation, Hunger und politische Gegensätze hielten an. Die Regierung unterdrückte sowohl Volksbewegungen als auch royalistische Aufstände. Wiederholte Staatsstreiche beschädigten die eigene Verfassung und damit die politische Glaubwürdigkeit des Direktoriums.
Gleichzeitig gewann das in den Revolutionskriegen entstandene Bürgerheer an Bedeutung. Der erfolgreiche General Napoleon Bonaparte nutzte die Schwäche der Regierung. Am 9. und 10. November 1799 erzwang er mit militärischer Unterstützung einen Staatsstreich und wurde Erster Konsul. Damit endete die Revolution als Phase wechselnder revolutionärer Regierungen.
Napoleon beseitigte die politische Freiheit weiter, bewahrte aber wichtige Ergebnisse des Umbruchs. Der Code civil von 1804 sicherte staatsbürgerliche Rechtsgleichheit und Eigentum. Die ständischen Vorrechte des Ancien Régime kehrten nicht zurück. Freie demokratische Mitbestimmung wurde dagegen stark begrenzt. 1804 krönte sich Napoleon selbst zum Kaiser.
Napoleon lässt sich deshalb nicht nur als Fortsetzer oder nur als Gegner der Revolution einordnen. Er stabilisierte Rechtsgleichheit und neue Eigentumsverhältnisse, konzentrierte aber politische Macht in seiner eigenen Hand.
Errungenschaften und Grenzen
Zu den dauerhaften Errungenschaften gehörten:
- das Ende wesentlicher Grundlagen des Ständestaats;
- Rechtsgleichheit statt erblicher Vorrechte;
- Menschen- und Bürgerrechte als politischer Maßstab;
- Verfassung und Volkssouveränität als Modelle legitimer Herrschaft;
- eine neue politische Öffentlichkeit durch Zeitungen, Klubs und Versammlungen.
Die Grenzen waren ebenso deutlich:
- Frauen blieben von gleichen politischen Rechten ausgeschlossen;
- Wahlrechte waren zeitweise an Steuerleistung und Besitz gebunden;
- Freiheit und Rechtsschutz wurden während des Terrors massiv verletzt;
- Krieg und Expansion überlagerten den Anspruch, andere Völker zu befreien;
- Napoleons Herrschaft sicherte ausgewählte Ergebnisse ohne freie demokratische Ordnung.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Französische Revolution
- Ursachen: Staatskrise, Privilegien, Aufklärung und Brotnot
- 1789: Nationalversammlung, Bastille und Menschenrechte
- 1791: konstitutionelle Monarchie
- 1792: Republik und Sturz des Königs
- 1793–1794: Krieg, Revolutionsregierung und Terror
- 1795–1799: Direktorium und politische Instabilität
- Folgen: Rechtsgleichheit, Volkssouveränität und fortbestehende Ausschlüsse
- Ende: Napoleons Staatsstreich
Mit Google fortfahren