Überfall auf Polen 1939: Kriegsbeginn verstehen
Am 1. September 1939 überfiel das nationalsozialistische Deutschland Polen ohne Kriegserklärung. Damit begann der Zweite Weltkrieg in Europa. Der Angriff war lange vorbereitet, wurde mit einer Propagandalüge gerechtfertigt und führte zur Besetzung und Teilung Polens. Schon während des Feldzugs gehörte gezielte Gewalt gegen Zivilisten zur deutschen Kriegführung.
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Wie der Angriff vorbereitet wurde
Warum griff das Deutsche Reich Polen an? Der Streit um die Freie Stadt Danzig war nicht das eigentliche Kriegsziel. Die NS-Führung wollte Gebiete im Osten erobern, die Bevölkerung rassistisch beherrschen und einen Krieg um sogenannten „Lebensraum“ führen.
Im Oktober 1938 verlangte die deutsche Regierung unter anderem die Eingliederung Danzigs und eine exterritoriale Verkehrsverbindung durch den polnischen Korridor. Polen lehnte diese Forderungen ab, weil es seine Selbstständigkeit gefährdet sah. Im April 1939 ließ Hitler unter dem Decknamen „Fall Weiß“ den Angriff vorbereiten.
Hitler-Stalin-Pakt
Der Hitler-Stalin-Pakt war ein deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt vom 23. August 1939. In einem geheimen Zusatzprotokoll teilten das Deutsche Reich und die Sowjetunion Gebiete Ost- und Mitteleuropas in Interessensphären auf. Damit bereiteten sie auch die Aufteilung Polens vor.
Der Pakt verringerte für Hitler zunächst das Risiko, gleichzeitig gegen die Sowjetunion kämpfen zu müssen. Für Polen entstand dagegen die Gefahr eines Angriffs von Westen und Osten.
Wie Propaganda den Angriff umdeutete
Am 31. August 1939 inszenierten deutsche SS- und Sicherheitsdienst-Angehörige einen angeblich polnischen Überfall auf den Rundfunksender Gleiwitz. Die Tat sollte einen Vorwand liefern. Am nächsten Morgen behauptete Hitler, Polen habe Deutschland angegriffen und Deutschland verteidige sich.
Propaganda
Propaganda ist der gezielte Versuch, Wahrnehmungen und Urteile zu lenken. Dabei werden Informationen einseitig ausgewählt, verfälscht oder erfunden. Im September 1939 sollte Propaganda den deutschen Täter als Opfer erscheinen lassen.
Der Vergleich mit der tatsächlichen Reihenfolge widerlegt Hitlers Darstellung:
- Die deutsche Führung hatte den Angriff lange vorbereitet.
- Deutsche Stellen inszenierten den Vorfall von Gleiwitz.
- Die Wehrmacht griff Polen am 1. September ohne Kriegserklärung an.
- Erst danach stellte Hitler den Angriff öffentlich als Gegenwehr dar.
Behauptung: „Deutschland musste auf einen polnischen Angriff reagieren.“
Prüfung: Der angebliche Grenzzwischenfall war von deutschen Stellen inszeniert worden. Der Angriffsplan „Fall Weiß“ bestand bereits, und der Angriffsbefehl war vor dem Vorfall erteilt.
Urteil: Die Behauptung kehrt Ursache und Wirkung um. Es handelte sich um einen vorbereiteten deutschen Angriffskrieg, nicht um Verteidigung.
Frage bei Propaganda immer: Wer behauptet etwas? Welche Absicht steckt dahinter? Passt die Behauptung zur nachweisbaren Reihenfolge der Ereignisse?
Wie der Feldzug verlief
Am frühen Morgen des 1. September 1939 griffen deutsche Truppen von mehreren Seiten an. Um etwa 4:45 Uhr beschoss das Kriegsschiff Schleswig-Holstein die polnische Westerplatte bei Danzig. Deutsche Flugzeuge bombardierten auch Städte und Zivilisten, darunter das unbefestigte Wieluń.
Die Wehrmacht war vor allem bei Motorisierung, Panzern, Flugzeugen und dem Zusammenspiel von Heer und Luftwaffe überlegen. Angriffe aus Norden, Westen und Süden sollten polnische Verbände umfassen. Polens Streitkräfte mussten eine sehr lange Grenze verteidigen, waren weniger beweglich und bei Kriegsbeginn noch nicht vollständig mobilisiert.
Das erklärt den schnellen deutschen Vormarsch, aber nicht die falsche Behauptung, Polen habe kaum gekämpft. Polnische Truppen verteidigten unter anderem die Westerplatte und Warschau. In der Schlacht an der Bzura ab 9. September führten sie einen großen Gegenangriff. Auch der bekannte Mythos von polnischer Kavallerie, die mit Lanzen deutsche Panzer angegriffen habe, ist eine propagandistische Verfälschung: Kavallerie griff deutsche Infanterie an und wurde danach von gepanzerten Fahrzeugen überrascht.
Wie aus dem Überfall ein europäischer Krieg und eine Teilung wurde
Großbritannien und Frankreich hatten Polen Unterstützung zugesagt. Am 3. September erklärten sie Deutschland den Krieg, nachdem Deutschland ihre Forderung nach Rückzug abgelehnt hatte. Damit weitete sich der deutsch-polnische Krieg zum europäischen Krieg aus. Eine wirksame westliche Offensive, die Polen sofort entlastet hätte, blieb jedoch aus.
Am 17. September griff auch die Sowjetunion, kurz UdSSR, Ostpolen an. Sie setzte damit die im geheimen Zusatzprotokoll vorbereitete Aufteilung um. Polen kämpfte nun gegen zwei angreifende Großmächte.
- 23. August 1939Deutschland und die Sowjetunion schließen den Hitler-Stalin-Pakt mit geheimem Zusatzprotokoll.
- 31. August 1939Deutsche Stellen inszenieren den angeblich polnischen Überfall auf den Sender Gleiwitz.
- 1. September 1939Deutschland überfällt Polen ohne Kriegserklärung.
- 3. September 1939Großbritannien und Frankreich erklären Deutschland den Krieg.
- 17. September 1939Die Sowjetunion greift Ostpolen an.
- 27./28. September 1939Warschau kapituliert nach schweren Angriffen; Deutschland und die Sowjetunion regeln die Teilung Polens neu.
- 6. Oktober 1939Die letzten größeren polnischen Feldverbände ergeben sich nach der Schlacht bei Kock.
Die polnische Regierung floh nach Rumänien und wurde dort interniert. Eine polnische Exilregierung entstand in Frankreich. Es gab keine Gesamtkapitulation des polnischen Staates und keinen allgemeinen Waffenstillstand: Polnische Soldaten kämpften später auf alliierter Seite weiter, und im besetzten Polen entstand Widerstand.
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Der deutsche Angriff begann am . Großbritannien und Frankreich erklärten Deutschland am den Krieg. Die Sowjetunion griff Ostpolen am an. Die letzten größeren polnischen Feldverbände ergaben sich am .
Warum der Überfall Eroberungs- und Vernichtungskrieg war
Der Feldzug richtete sich nicht nur gegen polnische Streitkräfte. Deutsche Luftangriffe trafen von Beginn an auch Zivilisten und unbefestigte Orte. Hinter der Front folgten Einsatzgruppen, also mobile Einheiten von Sicherheitspolizei und Sicherheitsdienst. Gemeinsam mit weiteren deutschen Formationen ermordeten sie gezielt Angehörige der polnischen Eliten, Jüdinnen und Juden sowie andere Menschen, die die NS-Führung als Gegner einstufte.
Vernichtungskrieg
Ein Vernichtungskrieg zielt über den militärischen Sieg hinaus auf die Zerstörung ganzer gesellschaftlicher Gruppen und Lebensgrundlagen. Rassistische Ideologie entgrenzt dabei die Gewalt gegen Zivilisten, Gefangene und vermeintliche Gegner.
Deutschland und die Sowjetunion teilten Polen. Deutschland gliederte Teile des besetzten Landes in das Reich ein; aus einem weiteren Gebiet entstand das Generalgouvernement. Dort und in den eingegliederten Gebieten folgten Terror, Ausbeutung, Vertreibungen und Germanisierung. Diese Gewalt war keine bloße Folge außer Kontrolle geratener Kämpfe. Sie gehörte zu den rassistischen Zielen der NS-Herrschaft.
Beobachtung: Einsatzgruppen folgten den vorrückenden deutschen Armeen und ermordeten nach vorbereiteten Listen unter anderem Lehrer, Ärzte, Geistliche, Politiker und andere Angehörige der polnischen Elite.
Schlussfolgerung: Die Gewalt sollte nicht nur militärischen Widerstand brechen. Sie zielte darauf, Polens gesellschaftliche Führung zu zerstören und die Bevölkerung dauerhaft zu beherrschen.
Historische Aussagen sorgfältig beurteilen
Nicht jede Zahl zum Feldzug ist in allen Darstellungen gleich. Verlustangaben hängen zum Beispiel davon ab, ob nur Gefallene oder auch Verwundete und Vermisste gezählt werden und welcher Zeitraum gemeint ist. Auch für die Kapitulation Warschaus werden der 27. und 28. September genannt, je nachdem, ob Unterzeichnung, Ende der Kämpfe oder Übergabe gemeint ist.
Das bedeutet nicht, dass „alles Ansichtssache“ wäre. Zentrale Tatsachen sind eindeutig belegt: Deutschland plante und begann den Angriff, Gleiwitz war inszeniert, die Sowjetunion griff am 17. September an, und beide Mächte teilten Polen. Bei abweichenden Detailangaben musst du dagegen Bezugsgröße und Bedeutung prüfen.
Fakt oder Deutung? „Deutschland griff Polen am 1. September an“ ist eine belegte Tatsache. „Der schnelle Sieg beweist die Unfähigkeit Polens“ ist eine wertende Deutung. Sie lässt Überlegenheit, Mehrfrontenlage und tatsächlichen polnischen Widerstand außer Acht und ist deshalb nicht überzeugend.
Historische Genauigkeit heißt: sichere Kernaussagen festhalten, strittige Details kenntlich machen und aus einzelnen Zahlen keine unbegründeten Gesamturteile ableiten.
Karteikasten
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Alles auf einen Blick
- Überfall auf Polen 1939
- Vorbereitung
- „Fall Weiß“ und NS-Eroberungsziele
- Hitler-Stalin-Pakt und geplante Teilung
- Propaganda
- inszenierter Vorfall von Gleiwitz
- Angriff als angebliche Verteidigung
- Kriegsverlauf
- deutscher Angriff am 1. September
- Kriegserklärungen am 3. September
- sowjetischer Angriff am 17. September
- Gewalt und Besatzung
- Angriffe auf Zivilisten
- Einsatzgruppen und Massenmorde
- Teilung, Ausbeutung und Vertreibung
- Historisches Urteil
- schnelle Niederlage trotz Widerstand
- keine polnische Gesamtkapitulation
- Vorbereitung
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